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PARKOUR | PRODUKTIONSBERICHT
Debüt ohne Höhenangst
Die Stadt als Spielfeld. »Parkour« macht einen Sport der besonderen Art zum Motor eines rasanten Erstlings. Dafür gab es den EASTMAN Förderpreis von Kodak und den MFG-Star Baden-Baden. Sonja M. Schultz sprach mit dem Team über einen nicht ganz schwindelfreien Dreh.
Ein muskulöser nackter Oberkörper, ein paar Klimmzüge. Der junge Mann tritt auf den Balkon und schluckt Milch aus der Tüte. Dann schwingt er sich über die Brüstung. Totale der Hausfront: Der Mann springt von Balkon zu Balkon abwärts, landet auf dem Asphalt und rennt davon. So beginnt »Parkour«. Die Stuntszene ist in einem Rutsch durchgedreht. Auch alle folgende Action zeigt beeindruckende Körperarbeit: Die Protagonisten laufen Wände hoch, balancieren über Geländer und überspringen Treppen. Ihre Sportart heißt Parkour. Ihr Ziel ist es, immer den kürzesten Weg über die Hindernisse der Stadt zu nehmen. Die Extrem-Sportart hat das Zeug zum Trend. In Werbeclips oder Action-Spektakeln wie dem James Bond-Film »Casino Royale« hatte sie bereits Kurzauftritte. Doch Marc Rensings Debütfilm stellt sie zum ersten Mal in den Mittelpunkt der Handlung.
Viele Mitglieder des Produktionsteams sind Absolventen der Filmakademie Baden-Württemberg. Regisseur Rensing und Kamerafrau Ulle Hadding studierten gemeinsam in Ludwigsburg. Produzent Rüdiger Heinze hat sich hier mit seiner Firma Zum Goldenen Lamm niedergelassen. »Parkour« entstand als 50/50-Projekt: Die MFG Filmförderung und der SWR übernahmen je die Hälfte des 830 000 Euro-Budgets. In der Vorbereitungsphase galt es, zwei wichtige Aufgaben zu meistern. Wer ist darstellerisch begabt und gleichzeitig körperlich fit genug, um die Rollen von Hauptfigur Richie und seiner beiden Freunde Nonne und Paule zu übernehmen? Und wo finden sich geeignete Drehorte für das Parkour? Ulle Hadding erzählt: »Marc, Rüdiger und ich sind schon über ein Jahr vor Drehbeginn durch Deutschland getourt und haben uns alle möglichen verlassenen Fabriken angeguckt. In Mainz haben wir dann ein riesengroßes Zementwerk entdeckt. Das sollte abgerissen werden und war schon entkernt, mit großen Löchern im Boden.« Die Motivbesitzer zu überzeugen, war jedoch bei keinem der Sets leicht. Es gab Angst vor Unfällen und vor Nachahmern des gewagten Sports. Dass es schließlich überall geklappt hat, war ein Glücksfall für die Produktion. Bei der Darstellerwahl gab es zuerst die Idee, mit echten Traceuren – so nennen sich die Sportler – zu arbeiten. Dann fand sich eine bessere Lösung: Die Schauspieler Christoph Letkowski (Richie), Marlon Kittel (Nonne) und Constantin von Jascheroff (Paule) wurden zwei Monate lang von Berliner Traceuren der deutschsprachigen Community ParkourONE trainiert. Ben Scheffler von ParkourONE suchte für die gefährlicheren Sprünge und Figuren nach Stuntdoubles für die Protagonisten und übernahm das Choreografieren der Parkour-Szenen. Ganz wie Stuntleute haben die Traceure eine spezielle Versicherung und sind sehr gewissenhaft. »Sie haben eine ganz eigene Lebensphilosophie. Sie achten auf Fitness, Disziplin und absolute Körperkontrolle. Ich fand das sehr beeindruckend«, so Ulle Hadding.
Ausgabe 03/10
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