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Inzwischen sind Prägefoliendruck und Kaltfolientransfer neben Spezial-Lackierungen und der Folienkaschierung eine sinnvolle Ergänzung. Während Werbeagenturen und Produktioner die Unterschiede zwischen den Verfahren kennen sollten, müssen sich Druckereien, Veredelungs- und Prägebetriebe Flexibilität durch geeignete Lösungen aufbauen. Sowohl optische als auch haptische Effekte mithilfe metallisierter, changierender und divers geprägter Oberflächen sind gefragt. Daher liegen neben klassischen Gold-, Silber- und Metallicfarben holografische Diffraction-Folien und aufwendige Strukturprägungen im Trend. Besondere Aufmerksamkeit entsteht durch Kombination verschiedener Verfahren, wie durch zusätzliche Lackierungen oder das Applizieren von Duftstoffen und Neonfarben. Letztlich sind im Hinblick auf spielerische Fantasie oder professionelle Kreativität zwar keine Grenzen gesetzt. Jedoch empfiehlt es sich immer, bereits im Gestaltungsprozess alle beteiligten Fachleute zur Realisierung in der Produktion zu befragen.
Prägung oder Transfer? Infolge von Prägung oder Transfer applizierte Folien erzeugen einen besonderen Glanz und Schimmer, der durch den jeweiligen Betrachtungswinkel beim (Kunst- oder Natur-) Lichteinfall entstehen. Wahlweise zwei Technologien werden für diese einzigartig metallisch wirkende Veredelungsvariante genutzt. Bereits älter und bekannter ist die Heißfolienprägung, auch Prägefoliendruck genannt, wobei die metallisierte Schicht mittels eines beheizten Motivstempels auf dem Bedruckstoff abgedrückt wird. Vorteile dieses (Hochdruck-) Verfahrens sind die glättende Wirkung durch das Prägewerkzeug und hohe Brillanz der Folie, der geringe Materialverbrauch durch die Folientaktung sowie gewisse Stärken bei hohen Auflagen. 3D-Effekte wie etwa Reliefprägungen lassen sich in einem Arbeitsgang erzielen. Gegenüber dem Kaltfolientransfer ist der Heißprägedruck aufgrund der benötigten Hochdruckform zwar durch geringere Detailauflösung gekennzeichnet, besticht jedoch durch höheren Glanz und bessere Randschärfe. Außerdem gibt es Heißprägefolien in verschiedenen Farbtönen und Variationen. Eventuelle Nachteile sind die glättende Wirkung der Folie beim Einsatz von strukturierten Bedruckstoffen, ebenfalls der rückseitige Blindabdruck durch eine Blind-, Struktur- oder Reliefprägung etwa auf der Vorderseite eines Broschuren- oder Katalog-Umschlags. Offline-Technik zur Verarbeitung von Bogen- oder Rollenware kann bei verschiedenen Herstellern bezogen werden. Relativ gering ist noch die Auswahl an Technik für das "junge" Verfahren des Kaltfolientransfers, das die Lücke zwischen dem Offsetdruck mit Metallicfarben und der Heißfolienprägung schließt. Hierbei wird das Motiv als Klebstoff gedruckt und nach Zusammenführung mit der Folie, der Strahlenhärtung des Klebstoffs (meist UV-Licht) und dem Entfernen der Folie als metallisierte Schicht übertragen. Sowohl feine Strukturen, wie Linien, Raster oder Schriften, als auch vollflächige Elemente können passgenau aufgebracht werden. Wiederum ist die glättende Wirkung und Brillanz der Folie vom jeweiligen Bedruckstoff abhängig: je glatter die Oberfläche, desto höher der Glanz. Besonderer Vorteil ist die Überdruckbarkeit der Folie mit konventionellen, UV- oder Hybrid-Druckfarben, sofern die Folienhaftung eine gute Qualität aufweist. Weitere Vorteile bestehen in der schnellen Druckformherstellung (weil eine Offsetplatte verwendet wird), der hohen Geschwindigkeit des Flachdruckverfahrens sowie dessen Stärken bei geringen Auflagenhöhen und häufigen Auftragswechseln. Indessen gilt es als ein schnelles Verfahren, das seine Wirtschaftlichkeit mit flexibel konfigurierten Maschinen entfaltet. Derzeit ist beim Kaltfolientransfer der Trend zu Inline-Anwendungen spürbar. Marcus Tralau, Geschäftsführer des Stanz- und Prägeautomaten-Herstellers Kama, sieht den Kaltfolientransfer als "sinnvoll für große Auflagen" von Drucksachen und Verpackungen und geeignet für das schnelle Applizieren großer Flächen, während beim Veredeln kleiner Flächen viel Folie verschenkt werde. "Nachteilig ist, dass zum Veredeln die ganze Maschine belegt wird, vor allem auch in der Rüstzeit." Inline-Lösungen sind im Prägefoliendruck aufgrund geringerer Leistungen der Maschinen gegenüber dem Offsetdruck indiskutabel - Offline-Maschinen haben hier ganz klare Präferenz. "Einzig im Etikettendruck bei der Verarbeitung von Rollenware kann eine Inline-Technologie für den Prägefoliendruck Sinn machen", urteilt Hansjörg Gietz vom gleichnamigen Prägemaschinen-Hersteller aus der Schweiz.
Premiere für "junge" Kaltfolie Inzwischen offerieren einige Druckmaschinen-Hersteller eigene Systeme für den Kaltfolientransfer im Bogen-Offsetdruck. Heidelberg kann sein Foilstar-Modul in die Speedmaster-Baureihen CD 74/XL 75, CD 102 und XL 105 integrieren. Nachdem anfangs nur Einzelrollen verarbeitet werden konnten, lassen sich jetzt bis zu sechs unterschiedlich breite Folienbahnen einsetzen. Manroland offeriert den Inlinefoiler Prindor für die Baureihen Roland 700 Hiprint mit bis zu fünf Folienrollen und Roland 500 mit maximal drei Folienrollen sowie alternativ nur mit einer Folienbahn. Ryobi bietet zur Integration in seine ans B2-Format gebundene 750er Serie ergänzend zum Inline-UV-Casting-Modul jetzt ein eigenes Foiling-System mit zunächst einer Folienrolle. Alternative Ausrüstungen und kundenspezifische Anpassungen seien vorgesehen, macht die deutsche Ryobi-Generalvertretung Illies Graphik Hoffnungen. Indessen wird Kaltfolientransfer-Technik fleißig verkauft: Bislang habe Heidelberg 40 Foilstar (siehe auch unser Interview) und Manroland über 50 Inlinefoiler Prindor weltweit geliefert. Illies Graphik hält sich mit Verkaufsprognosen zum neuen Ryobi-System zurück. Inwieweit demnach eine Nachfrage entstanden oder der Durchbruch schon erreicht ist, bleibt der Meinung der Anwender überlassen.
Starker Druck für große Flächen Überschaubar ist die Anzahl der Anbieter im deutschsprachigen Raum - nur wenige Hersteller dominieren in der Heißfolienprägung. Schon seit über fünf Jahrzehnten ist die Gietz AG (Gossau/CH) im Prägefoliendruck flach, in der Relief-Schnittgravur-Prägung, der Blindprägung sowie im Hologrammtransfer auf dem Flach-Flach-Prägeprinzip tätig. Momentan offerieren die Schweizer drei verschiedene Maschinentypen, die in der Veredelung von Drucksachen und Faltschachteln, aber ebenfalls für das Applizieren von Optical Variable Devices (OVDs) auf Banknoten und offiziellen Dokumenten sowie im Markenschutz eingesetzt werden. (Mehr in Print 11/2008 mit Interview: "Printbuyer entscheidet über Einsatz der Techniken")
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Glänzende Ansichten: Geschenk- und Parfümerie-Verpackungen, im Kaltfolientransfer optisch aufgewertet.
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