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Marketing & Management - MM-Interview

Michael Seeber: Wachstumschancen in Osteuropa und im Fernen Osten

Ausgabe 05/2005

Die Prinoth AG kann neuerlich auf ein sehr erfolgreiches Gesch√§ftsjahr zur√ľckblicken. Vor allem in den Ostm√§rkten konnte man starke Zuw√§chse verzeichnen. Die Pluspunkte der Prinoth-Pistenfahrzeugpalette liegen dabei in der Wirtschaftlichkeit, der Qualit√§t und den technischen Features.
Michael Seeber, Präsident des Aufsichtsrates LEITNERGROUP. Fotos: Leitnergroup
Michael Seeber, Präsident des Aufsichtsrates LEITNERGROUP. Fotos: Leitnergroup

MM-FRAGE: "Wie ist das letzte Gesch√§ftsjahr f√ľr die Prinoth-Pistenfahrzeuge verlaufen?"

 

Seeber: "Wir k√∂nnen auf ein sehr erfolgreiches Jahr zur√ľckblicken. 2002 konnten wir einen Umsatz von 58 Mio. Euro erreichen, 2003 bereits 73 Mio. und im letzten Gesch√§ftsjahr 82 Millionen. Das ist wiederum eine Rekordbilanz mit einem Marktanteil von 45 % und 445 verkauften Pistenfahrzeugen."

 

MM-FRAGE: "Auf welchen Märkten konnten sie Zuwächse verzeichnen, wo sehen Sie Wachstumschancen?"

 

Seeber: "Vor allem in den so genannten ,neuen M√§rkten' in Osteuropa und im Fernen Osten konnten wir starke Zuw√§chse verzeichnen. Gr√ľnde daf√ľr gibt es mehrere. So ist zum einen die gesamte Verkaufs- und Servicestruktur qualitativ verbessert und auf viele neue L√§nder ausgeweitet worden. Wiederum wurden - wie erstmals in 2003 - neue Pistenfahrzeuge statt wie bisher gebrauchte nach China, Korea, Bulgarien, Slowakei, Polen, Tschechien und nach Rum√§nien verkauft. Zum zweiten bietet Prinoth die weltweit kompletteste Pistenfahrzeug-Palette an. Mitverantwortlich war nicht zuletzt die positive Entwicklung des Tourismussektors. In Osteuropa und im Fernen Osten sehen wir auch die gr√∂√üten Wachstumschancen. Grunds√§tzlich sind wir jedoch auch im Bereich Gebrauchtmaschinen √ľberaus erfolgreich - ein weiteres Indiz, dass die Kunden die Zuverl√§ssigkeit und Langlebigkeit unserer Produkte sch√§tzen."

 

MM-FRAGE: "Wo sehen Sie die Pluspunkte der Prinoth-Produktpalette und was macht sie am Markt erfolgreich?"

 

Seeber: "Da ist zum einen die Wirtschaftlichkeit der Modelle, dann Qualit√§t allgemein und Pistenqualit√§t im Speziellen. Pistenqualit√§t ist letztendlich der wichtigste Output eines Pistenfahrzeugs, denn daf√ľr hat es der Kunde ja gekauft. Dazu kommen die technische √úberlegenheit der Pistenfahrzeuge allgemein und der Trommelwinde im Speziellen. Die Winde gewinnt st√§ndig an Bedeutung, da sie nicht nur im Steilen, sondern auch zum Verfrachten von Schnee, insbesondere von Kunstschnee, eingesetzt wird. Prinoth hat weltweit 50% und in Europa 60 % Marktanteil bei Windenfahrzeugen. Au√üerdem verf√ľgen wir √ľber Kundendienst-Servicestellen weltweit. Wo wir verkaufen, kann sich der Kunde auch auf eine Betreuung im After-sale-Service verlassen."

 

MM-FRAGE: "Vor etwas mehr als einem Jahr wurde der neue Unternehmenssitz in Sterzing/Unterackern seiner Bestimmung √ľbergeben. Welche Vorteile hat die damit realisierte Zentralisierung?"

 

Seeber: "Der Neubau war wegen Platzmangel und stetigem Wachstum notwendig geworden. Der Umzug ins neue B√ľrogeb√§ude und die Produktionshalle erfolgte 2004. Das Areal ist insgesamt 23 000 m2 gro√ü, wobei die Produktionshalle 5000 m2 und die B√ľrofl√§che 1150 m2 einnehmen. Die verschiedenen Abteilungen, die vorher teilweise noch getrennt waren (Gasteig, St. Ulrich), wurden damit unter ein Dach gebracht. Grund f√ľr die unterschiedlichen Standorte war die Geschichte der Firmen Prinoth und Leitner. Im Jahr 2000 erfolgte dann die Fusion von Prinoth in Gr√∂den mit der Sparte Pistenfahrzeuge Leitner in Sterzing. Damit wurden praktisch 2 der erfahrensten und am l√§ngsten am Markt t√§tigen Firmen im Bereich Pistenfahrzeuge fusioniert. Prinoth gibt es immerhin seit 1960 und Leitner seit 1969. Der neue Unternehmenssitz bringt u. a. optimierte Prozesse und Abl√§ufe, kurze Wege, verbesserte Kommunikation und auch Generierung von Synergieeffekten durch die N√§he zum Leitner-SFA-Werk mit sich. Durch den zentralisierten Unternehmenssit z mit gro√üz√ľgig ausgelegter Produktionshalle ist es uns m√∂glich, alle Prinoth Fahrzeuge in Sterzing zu produzieren.

Durch die Zentralisierung ist es auch möglich und insbesondere unser Bestreben, den Kundendienst zu optimieren, d. h. noch effizienter zu machen."

 

MM-FRAGE: "Welche Auswirkungen hat die Etablierung der LEITNERGROUP auf die Aufgabenverteilung bei Prinoth?"

 

Seeber: "2003 erfolgte die Vereinigung der einzelnen Kompetenzbereiche unter der Dachmarke LEITNERGROUP. Bei den Pistenfahrzeugen, die in einer eigenen Gesellschaft, der Prinoth AG gef√ľhrt werden, fungiert seither Dr. Werner Amort als Pr√§sident des Verwaltungsrates. Er genie√üt in dieser Funktion mein volles Vertrauen und ist damit auch oberster Ansprechpartner f√ľr alle Belange im Bereich der Pistenfahrzeuge. W√§re er im Moment nicht im Ausland, w√ľrde auch er dieses Gespr√§ch jetzt mit Ihnen f√ľhren."

 

MM-FRAGE: "Vor einigen Jahren war ein Ausbau bzw. eventuell auch eine Verlegung des Standortes Zirl im Gespräch, sind solche Pläne noch aktuell?"

 

Seeber: "Eine Verlegung des Standortes Zirl aus dem Gro√üraum Innsbruck weg ist nicht im Gespr√§ch. Wir denken √ľber einen Ausbau nach, jedoch m√ľssen dabei die Rahmenbedingungen stimmen. Nicht selten begegnen wir H√ľrden vielf√§ltiger, auch b√ľrokratischer und politischer Art, wenn wir einen Standort erweitern wollen."

Das Paradefahrzeug in der Prinoth-Produktpalette: der Leitwolf.
Das Paradefahrzeug in der Prinoth-Produktpalette: der Leitwolf.

MM-FRAGE: "In √Ėsterreich wurde vor wenigen Wochen das 1. erdgasbetriebene Pistenfahrzeug vorgestellt. Welchen Stellenwert r√§umen sie solchen Alternativen ein?"

 

Seeber: "Mit Wasserstoff betriebene Pistenfahrzeuge k√∂nnen sicher die Zukunft sein. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass die Automobilbranche hier Vorreiter sein wird. Eine derartige Entwicklung wird aller Voraussicht nach nicht von einem Sektor ausgehen, welcher gemessen am Gesamtfahrzeugmarkt einen winzigen Teil ausmacht. Prinoth ist dabei, die Entwicklungen in diese Richtung genau zu beobachten und wird als Technologief√ľhrer baldm√∂glichst auch die entsprechenden Ma√ünahmen setzen. Schlie√ülich hat LEITNERGROUP in den letzten Jahren durch die Entwicklung des Direktantriebs im Seilbahnbereich und auch des getriebefreien Windgenerators bewiesen, sehr wohl in der Entwicklung von zukunftsweisenden Technologien in der Verringerung von Energieverbrauch bzw. Erzeugung von umweltfreundlichen Energien einen entscheidenden Beitrag zu leisten."

 

MM-FRAGE: "Wo liegen Ihrer Meinung nach die Herausforderungen in der technischen Weiterentwicklung der Pistenfahrzeuge, z.B. Wirtschaftlichkeit, noch mehr Leistung?"

 

Seeber: "Ein wesentlicher Punkt ist sicherlich die Wirtschaftlichkeit. Hinsichtlich Wirtschaftlichkeit sind die Prinoth Pistenfahrzeuge bereits f√ľhrend. Zusatzger√§te wie Fr√§se und Winde nehmen immer mehr Leistung ab, so dass schw√§cher motorisierte Pistenfahrzeuge st√§ndig an der Leistungsgrenze fahren, auf Deutsch ausgedr√ľckt ,Vollgas'. Wie es jeder vom Auto kennt, ist das nicht mehr wirtschaftlich. In unserer Produktpalette sind 2 Pistenfahrzeuge mit 430 PS, die noch √ľber eine geh√∂rige Leistungsreserve verf√ľgen. Eine Reihe von Skigebieten verf√ľgt mittlerweile √ľber automatische ,Fahrterfassungs-Systeme', wie z. B. durch GPS, die genau feststellen, wie wirtschaftlich welcher Fahrer mit welchen Pistenfahrzeugen ist. Die Ergebnisse aus diesen Auswertungen sprechen eine klare Sprache: Prinoth Pistenfahrzeuge mit ihrer st√§rkeren Motorisierung sind wirtschaftlicher. Unverst√§ndlicherweise gibt es immer noch Skigebiete, die den Verbrauch bei Pistenfahrzeugen pro Stunde und nicht pro Hektar pr√§parierter Fl√§che rechnen.¬† Nur ein Verbrauch pro Fl√§cheneinheit kann die Wirtschaftlichkeit eines Pistenfahrzeuges darstellen. Im Moment liegen wir deshalb mit der Leistung genau im richtigen Bereich, also den derzeitigen Anforderungen entsprechend. Diesbez√ľglich h√§ngt aber sehr viel von der weiteren Entwicklung z. B. von Zusatzger√§ten ab, welche vielleicht zus√§tzlich oder mehr Leistung aufnehmen. Ist dies der Fall, k√∂nnte der Einsatz von Maschinen mit noch h√∂herer Leistung sinnvoll bzw. sogar notwendig werden."
dwl