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Marketing & Management - MM-Interview

Josef Reiter, Mayrhofner Bergbahnen AG: Es ist uns ein Anliegen, authentisch und aktiv zu sein

Ausgabe 1/2006

In den letzten 10 Jahren hat die Mayrhofner Bergbahnen AG 80 Mio. Euro in neue Aufstiegsanlagen investiert. Und auch f√ľr 2006 steht mit dem Bau der Ahornbahn wieder ein Projekt der Superlative zur Realisierung an. Der MOUNTAIN MANAGER hat das zum Anlass genommen, einen Blick auf die Erfolgsgeschichte des Traditionsbetriebes zu werfen.
Dir. Josef Reiter, Vorstand Mayrhofner Bergbahnen AG. Foto: A. Dähling
Dir. Josef Reiter, Vorstand Mayrhofner Bergbahnen AG. Foto: A. Dähling

MM-FRAGE: "Wie w√ľrden Sie Ihr Skigebiet und Ihr Angebot charakterisieren?"


Reiter: "Unsere G√§ste beschreiben unser Angebot als vielf√§ltig und ausgesprochen abwechslungsreich. Wir haben das gesamte Spektrum in spezielle Angebotsgruppen unterteilt. Der Penken steht f√ľr Sport und Spa√ü, der Ahorn mehr f√ľr Einsteiger und Genie√üer. Insgesamt verf√ľgen wir √ľber 23 Aufstiegsanlagen, wobei im ganzen Skigro√üraum 49 Anlagen zusammen h√§ngend erreichbar sind. Abgesehen von 2 fixgeklemmten Sesselliften sind alle unsere Anlagen kuppelbar ausgef√ľhrt. Damit sind wird im Skigebiet ,Penken' topmodern, im Bereich ,Ahorn' sind wir gerade in einer Modernisierungsphase - hier wird im Sommer die gr√∂√üte Pendelbahn √Ėsterreichs gebaut. Dann wird auch hier die perfekte Hardware zur Verf√ľgung stehen."


MM-FRAGE: "Welche Gästestruktur sprechen Sie an, welches Einzugsgebiet haben Sie?"


Reiter: "Von der G√§stestruktur her liegt der Hauptanteil bei den 20- bis 40-J√§hrigen, die rund 60 % unserer G√§ste ausmachen. Von den Herkunftsl√§ndern liegt Deutschland an der Spitze, gefolgt von Gro√übritannien, den Niederlanden und √Ėsterreich. Der Rest ist dann bunt gestreut, wobei zu gewissen Zeiten mittlerweile auch viele G√§ste aus dem Osten bei uns sind.


MM-FRAGE: "Wenn sich sowohl Familien als auch junge Leute gut betreut f√ľhlen sollen - wie bringen Sie die unterschiedlichen Anspr√ľche unter einen Hut?"


Reiter: "Das ergibt sich zum einen aus der Gr√∂√üe des Ortes, der entsprechende Angebote macht, und dann nat√ľrlich auch aus der Gr√∂√üe des Skigebietes, in dem sich unterschiedliche Anforderungen gut verwirklichen lassen. Wir selbst konzentrieren uns in der Bewerbung ganz gezielt auf die Hauptzielgruppe der 20-40 j√§hrigen, die wir mit speziell abgestimmten Angeboten wie dem Burton-Park Mayrhofen oder der Harakiri-Abfahrt ansprechen. Das sind Elemente, mit denen wir uns wirklich vom Mitbewerb abheben. Sch√∂ne Lifte und sch√∂ne Pisten haben alle Skigebiete."


"Der serviceorientierte Umgang mit dem Gast zählt zu den wichtigsten Anforderungen"


MM-FRAGE: "Welche Anforderungen stellen Sie an Ihr Unternehmen und Ihre Mitarbeiter?"


Reiter: "Wir haben Leits√§tze und entsprechende Grundwerte im Unternehmen, die wir kommunizieren. So ist es uns ein Anliegen, authentisch und aktiv zu sein, sowie dem Gast einen perfekten Skitag zu bieten. Die exakten Werte unseres Unternehmens lauten: Premium, Authentizit√§t und Vitalit√§t. Diese Grundwerte vermitteln wir unseren Mitarbeitern im Rahmen von Schulungen. Au√üerdem wird es in unserer gesamten Unternehmenskommunikation deutlich gemacht, dass der serviceorientierte Umgang mit dem Gast neben der technischen Qualifikation zu den wichtigsten Anforderungen z√§hlt. Bei unseren Besch√§ftigten haben wir einen relativ hohen Anteil an Stamm-Mitarbeitern und auch bei den Saison-Mitarbeitern einen sehr hohen Anteil an Personen, die immer wieder bei uns arbeiten. Das hat nat√ľrlich den Vorteil, dass diese Mitarbeiter auch sehr genau wissen, worauf wir Wert legen. Im Gro√üen und Ganzen haben wir eine sehr geringe Fluktuation bei den Besch√§ftigten, wobei wir in der Saison ca. 160 Mitarbeiter haben. Von dieser Anzahl sind jedes Jahr etwa 15 bis 20, die wirklich neu sind im Unternehmen."

So soll sie aussehen, die neue Ahornbahn. Fotos: Mayrhofner Bergbahnen AG
So soll sie aussehen, die neue Ahornbahn. Fotos: Mayrhofner Bergbahnen AG

MM-FRAGE: "Welche Neuheiten gibt es speziell f√ľr diese Saison?"


Reiter: "Der Burton-Park geht dieses Jahr bereits in die dritte Saison und wurde bereits zum zweiten Mal zum besten Funpark der Alpen gek√ľrt. Gerade hier legen wir Wert auf ein professionelles Shaperteam. Auf diese Weise wird der Burton-Park jedes Jahr erneuert bzw. weiterentwickelt. Auch dieses Jahr wurde das Spektrum wieder erweitert. Unser Shaper hat sich dazu mehrere neue Obstacles wie z. B. einen ,Curved Wallride' einfallen lassen, und vor allem die Beginnerline erweitert. Die Attraktivit√§t ist also weiter gestiegen. Ansonsten haben wir im Skigebiet eine neue kuppelbare Sesselbahn, die ,Gerentbahn' am Schneekar, gebaut und damit das Angebot an Aufstiegsanlagen weiter modernisiert. Neu f√ľr dieses Jahr war vor allem die komplette optische Neugestaltung des Skigebiets im Rahmen einer kompletten CI/CD-Umstellung, mit der wir das Unternehmen vor allem auf die Zukunft ausgerichtet haben."


MM-FRAGE: "In der letzten Saison haben Sie mit der Harakiri-Piste aufhorchen lassen, wie kommt sie beim Publikum an, welche Resonanz erfahren sie?"


Reiter: "Die Harakiri-Piste gibt es mittlerweile auch schon den dritten Winter. Sie hat einen sehr hohen Bekanntheitsgrad erreicht, weil wir sie sehr gut inszeniert und vermarktet haben. Es ist in der Meinung der G√§ste schon etwas Besonderes, √ľber dieses Erlebnis erz√§hlen zu k√∂nnen."


MM-FRAGE: "Sie verkn√ľpfen das Erlebnis ,Harakiri' bewusst mit dem Internet, welche Erwartungen haben Sie dabei?"


Reiter: "Wenn man solche Attraktionen im Internet gut platziert, steigen automatisch die Zugriffe auf die Homepage und der Bekanntheitsgrad unserer Region. Au√üerdem erreichen wir damit eine Identifikation des Publikums mit dem Skigebiet. Da wir mit diesem Bereich ein Gewinnspiel verkn√ľpft haben, kommt es zu einer Interaktion, die wir dann auch belohnen. Der Gast wird aufgefordert ein Bild von seiner ,Harakiri' Bew√§ltigung zu machen und dieses in die Harakiri-Galerie zu stellen. Belohnt wird dieser Aufwand durch die monatliche Verlosung z. B. eines speziellen Harakiri-limited-edition-Skis von Kneissl bzw. unseres ,Harakiri-Survivor-Shirts'. Durch das Medium Internet und das Thema ,Harakiri' sprechen wir nat√ľrlich auch gezielt j√ľngeres und sportliches Publikum an, das wir auf diese Weise auf unsere Angebote aufmerksam machen wollen. "Infoscouts informieren jeden Gast pers√∂nlich, wenn er Fragen hat"


MM-FRAGE: "Sie setzen in Ihrem Skigebiet ,Infoscouts' ein, welche Aufgaben haben sie und wie kommen sie an?"


Reiter: "Wir haben die Pistenscouts mittlerweile den zweiten Winter. Diese Aktion wird von den G√§sten sehr begr√ľ√üt, weil damit ein zus√§tzlicher Service geboten wird. Die Besonderheit: Unsere Infoscouts sind begeisterte Skifahrer, die das Skigebiet gut kennen und keine Angestellten der Mayrhofner Bergbahnen. Sie sind den ganzen Tag wie die G√§ste auf den Pisten unterwegs, sodass sich der Gast pers√∂nlich informieren kann, wenn er Fragen hat. Die Scouts konzentrieren sich zu bestimmten Tageszeiten auf bestimmte Bereiche im Skigebiet, z. B. bei den Informationstafeln. Dort k√∂nnen dann zus√§tzliche Informationen gegeben und Fragen individuell beantwortet werden. Das gibt im Endeffekt durch ein Mehr an Information auch ein Mehr an Sicherheit. Die Altersstruktur unserer Infoscouts ist recht unterschiedlich. Ein √§lterer Scout kann gut auf die W√ľnsche √§lterer G√§ste eingehen, ein junger Infoscout, der den Burton-Park selbst schon ausprobiert hat, wird hier mit sehr viel mehr Begeisterung junge Leute informieren k√∂nnen. Damit unsere Infoscouts leicht zu erkennen sind, haben wir sie mit gut sichtbaren, knallgelben Uniformen ausgestattet, auf denen nat√ľrlich auch der Schriftzug ,Infoscout' angebracht ist. Dazu kommunizieren wir dieses Angebot entsprechend im ganzen Skigebiet, sodass man unsere Leute sofort identifizieren kann."

Ein Infoscout in Aktion.
Ein Infoscout in Aktion.

MM-FRAGE: "Die Mayrhofner Bergbahnen propagieren ,Frauen Pow(d)er' - was genau versteht man darunter?"


Reiter: "Die Aktion ,Frauenpow(d)er' wurde vom √ĖSV initiiert. Es geht einfach darum, dass es wissenschaftlich erwiesen ist, dass bei Frauen das Knie eine so genannte ,Schwachstelle' ist. Wir geben hier Tipps, wie man sich optimal aufw√§rmt, sodass man die Verletzungsgefahr minimieren kann. ,Frauenpow(d)er' ist damit ein Beitrag zur Sicherheit. Diese Aktion wurde im letzten Winter erstmals versuchsweise durchgef√ľhrt, dieses Jahr l√§uft sie √∂sterreichweit."


MM-FRAGE: "Sie f√ľhren jedes Jahr G√§stebefragungen durch, was sch√§tzt der Gast - welche Anregungen erhalten Sie?"


Reiter: "Die G√§ste sch√§tzen bei uns die Modernit√§t der Anlagen, unsere Zusatzangebote und die abwechslungsreichen, anspruchsvollen und vielf√§ltigen Pisten. Das Ergebnis beim internationalen Skiareatest wird von unseren G√§sten best√§tigt. Durchgef√ľhrt werden die Befragungen von einem Mitarbeiter in unserer Marketingabteilung. Wir sind der Meinung, dass diese Aufgabe immer von der gleichen Person durchgef√ľhrt werden sollte, damit man hier auch eine gleich bleibende Qualit√§t in der Befragung hat. Aktionen dazu gibt es jede Woche, sodass wir durch die ganze Saison Informationen bekommen. Aus diesen Befragungen erfahren wir dann auch ganz konkret die W√ľnsche unserer G√§ste und holen uns Tipps f√ľr die kommende Saison. Manche Dinge kann man dann gleich umsetzen, manche erfordern mehr Vorbereitung."


MM-FRAGE: "Die Mayrhofner BB haben bereits in den letzten 10 Jahren viel investiert - was steht in naher Zukunft an?"


Reiter: "Der Beginn der intensiven Investitionsphase war 1995 die neue Penkenbahn, die damals als eine der modernsten Bahnen √Ėsterreichs gefeiert wurde. Wir haben mit dieser Bahn auch eine Weltneuheit realisiert, n√§mlich die 1. Personenseilbahn, die um eine Kurve f√§hrt. Dann ging es laufend weiter, indem wir eine Reihe kuppelbarer Sesselbahnen auf den Weg gebracht haben. 1997 wurde dabei z. B. die k√ľrzeste kuppelbare Sesselbahn mit einer L√§nge von rund 500 m gebaut, die als eigener Lift f√ľr unseren ebenso langen Funpark dient. Als n√§chstes Highlight ist im Jahr 2000 der Neubau der Horbergbahn zu nennen, die als eine topmoderne Umlaufbahn realisiert wurde. Dazu haben wir viel in die Beschneiung investiert, sodass wir im Penkengebiet heute 100 % der Pisten beschneien k√∂nnen.
Am Penken sind wir mit Anlagen mittlerweile sehr gut ausgestattet, sodass wir nun das Ahorn-Areal in Angriff nehmen. Hier bauen wir 2006 die gr√∂√üte und schwerste Pendelbahn √Ėsterreichs, wobei dann die dazugeh√∂rige Talabfahrt ebenfalls zu 100 % beschneit werden wird. Eine Pendelbahn dieser Gr√∂√üenordnung hat sich aufgrund des Gel√§ndes und der Trasse, dem Abbau der Wartezeiten und dem gew√ľnschten gr√∂√ütm√∂glichen Komfort, also aus den technischen Gegebenheiten, angeboten. Dabei hat die Ahornbahn eine Doppelfunktion als Zubringerund Wiederholungsbahn, die am besten mit der geplanten Pendelbahn umgesetzt werden kann. "Bergbahnen sollten im Sommer Zugpferd f√ľr den Tourismus sein"

Die Harakiri-Piste - ein Erlebnis der besonderen Art.
Die Harakiri-Piste - ein Erlebnis der besonderen Art.

MM-FRAGE: "Welchen Stellenwert hat der Sommer - wie viele der Anlagen sind dann in Betrieb?"


Reiter: "Der Sommer hatte bei uns schon immer einen sehr hohen Stellenwert, sodass wir sowohl mit der Penkenbahn, einem Sessellift als auch der Ahornbahn fahren. Wir haben im Sommer eine starke Nachfrage, die wir in Zukunft noch bewusst f√∂rdern m√∂chten. Grunds√§tzlich denkeich, dass es in Zukunft nicht gen√ľgt, nur moderne Bahnen zu bauen, sondern dass man auch thematisieren muss, was genau man bietet und worum es geht. So steht am Ahorn z. B. die Natur im Vordergrund. Dazu haben wir letztes Jahr schon Investitionen vorweg genommen, indem wir die Wanderwege ausgebaut oder Aussichtsplattformen geschaffen haben. Dar√ľber hinaus ist am Ahorn ein einzigartiges Angebot in Planung, das ihn auch bei Schlechtwetter zum ,Muss' f√ľr jeden Urlauber im Zillertal machen soll. Umsatzm√§√üig erwirtschaften wir im Moment 8% im Sommer.


MM-FRAGE: "Wie definieren Sie sich und Ihr Angebot im Sommer?"


Reiter: "Wir bem√ľhen uns sehr stark um die Produktgestaltung. Gerade beim Thema Natur hat es sich angeboten, Packages etwa f√ľr Busgruppen wie z. B. das Paket ,von der Alm zum K√§se' zu erarbeiten. Nach dem Bergerlebnis auf der richtigen Alm k√∂nnen die G√§ste dann direkt der topmodernen Schausennerei einen Besuch abstatten, wo man miterleben kann, wie Butter und K√§se produziert werden. Auch im Sommer kommen unsere G√§ste haupts√§chlich aus Deutschland, wobei auch Gro√übritannien immer st√§rker wird. Im Gro√üen und Ganzen sind im Sommer aber sowohl Herkunftsl√§nder als auch G√§stestruktur unterschiedlicher als im Winter. Da gibt es saisonal bedingte Zeiten, wo vor allem √§ltere G√§ste kommen, in den Ferienmonaten Juli und August dann Familien mit Kindern und Jugendlichen. Seit dem letzten Sommer sind wir au√üerdem eine zertifizierte Sommerbahn, d. h. wir erf√ľllen alle Kriterien, die dazu notwendig und vorgegeben sind. Ich bin auch der Meinung, dass die Bergbahnen im Sommer die Aufgabe haben, als Zugpferd im Tourismus zu agieren. Sie k√∂nnen hier sicher einen wichtigen Beitrag leisten, wobei es mittlerweile auch sehr viele erfolgreiche Beispiele dazu gibt."


MM-FRAGE: "Sie stellen im Sommer als Schlechtwetterprogramm die Technik Ihrer Anlagen vor. Wie wird das angenommen, was möchten Sie bewirken?"


Reiter: "Wie bieten das im Sommer an, weil wir hier leichter Zeit haben, einen Einblick in die Technik unserer Anlagen zu geben. Dazu f√ľhren technisch versierte Mitarbeiter unsere G√§ste an ausgew√§hlten Tagen durch die Antriebsr√§ume. Uns geht es bei dieser Aktion darum, dass die G√§ste verstehen, was hinter einem Seilbahnbetrieb steckt. Es gibt unter unseren G√§sten, wie wir festgestellt haben, sehr viele technisch Interessierte, die das als eine Bereicherung des Urlaubs sehen. N√§chsten Sommer werden wir versuchen, unseren G√§sten auch den Bau der Ahornbahn n√§her zu bringen, so dass wir jede Woche ,Baustellenf√ľhrungen' anbieten werden. Damit wollen wir dem interessierten Gast schon im Vorfeld der Er√∂ffnung Lust auf diese einzigartige Seilbahn machen.
dwl

Rider im Burton Funpark.
Rider im Burton Funpark.
Leitsätze Mayrhofner Bergbahnen AG
- Die Erwartungen und W√ľnsche unserer G√§ste stehen im Mittelpunkt unseres Handelns.
- Wir erbringen im Einklang mit der Natur Dienstleistungen in höchster Qualität.
- Wir wollen als Bergbahnunternehmen der Motor der Tourismuswirtschaft im hinteren Zillertal sein.
- Die Sicherheit unserer Gäste und Mitarbeiter ist uns dabei oberstes Gebot.
- Unsere Mitarbeiter sind die Basis unseres Erfolgs.