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Marketing & Management - MM-Interview

Markus MĂŒller, GF Hohenbogenbahn: Wichtiger Motor fĂŒr die Region

Ausgabe 3/2006

Die Hohenbogenbahn im Bayerischen Wald gehört sicher nicht zu den grĂ¶ĂŸten Bergbahnunternehmen Deutschlands. Dennoch hat sie im Angebot der Region einen ungemein hohen Stellenwert. Dabei wurde sogar die Umkehr von einer "Sommerbahn" zur "Winterbahn"bewerkstelligt.
Blick auf die Talstation der Hohenbogenbahn.
Blick auf die Talstation der Hohenbogenbahn.
MM-FRAGE: "Welchen Stellenwert hat das ,Sport + Freizeit-Zentrum Hoher Bogen'- im touristischen Angebot der Region?"

MĂŒller: "Die Hohenbogenbahn wurde zu einem wichtigen touristischen Motor fĂŒr die ganze Region. Seit dem Bau im Jahr 1972 nahm die Region um den Hohenbogen einen erheblichen Aufschwung, etwa jeder 10. Arbeitsplatz im Oberen Bayerischen Wald hĂ€ngt mittlerweile vom Tourismus ab."

MM-FRAGE: "Wie sehen Sie Ihre Position als Bergbahnunternehmen im Mittelgebirge im Vergleich mit Anbietern in Hochgebirgsregionen?"

MĂŒller: "Im Hochgebirge ĂŒberwiegt mit Sicherheit der Wintersport, in den Mittelgebirgen reicht das allein nicht aus. Hier ist das Ganzjahresangebot sehr wichtig. Deshalb sind wir auch immer bemĂŒht, das Angebot fĂŒr den Sommer attraktiv zu halten und immer wieder in den Sommer zu investieren. So gesehen, unterscheiden wir uns sicher vom Hochgebirge, wo der Winter sehr lange dauert und durch die Höhenlage auch bestĂ€ndiger ist. Eine umfassende GĂ€stebefragung hat außerdem ergeben, dass unsere GĂ€ste neben dem attraktiven Ganzjahresangebot und den familienfreundlichen Preisen vor allem die gute Erreichbarkeit schĂ€tzen. Durch den Bau der Beschneiungsanlage im Jahr 2000 konnte auch die Schneesicherheit erheblich verbessert werden, was dem gesamten Tourismus in der Region zugute kommt."
Markus MĂŒller, GF Hohenbogenbahn. Fotos: Hohenbogenbahn
Markus MĂŒller, GF Hohenbogenbahn. Fotos: Hohenbogenbahn
MM-FRAGE: "Ist fĂŒr Sie der Sommer oder der Winter HauptumsatztrĂ€ger?"

MĂŒller: "Bis Ende der 90er Jahre wurden im Sommer zwischen 60 und 70 Prozent der UmsĂ€tze erlöst, seit dem Bau der Beschneiungsanlage hat sich das VerhĂ€ltnis umgekehrt." "Rekordsaison mit 100 Tagen Skibetrieb am StĂŒck"

MM-FRAGE: "Wie waren Sie mit der letzten Wintersaison zufrieden?"

MĂŒller: "Mit 100 Tagen Skibetrieb am StĂŒck war es eine Rekordsaison. Obwohl das Vorjahr schon sehr gut war, konnten wir im Winter 2005/ 2006 nochmals ein Plus von 20% erzielen. Dieses Ergebnis resultiert sicher aus einer Kombination vieler Faktoren, der guten Schneelage, den Investitionen etc."
Die breiten Pisten eignen sich gut fĂŒr Familien.
Die breiten Pisten eignen sich gut fĂŒr Familien.
MM-FRAGE: "Welche GĂ€ste sprechen Sie im Winter an, welches Einzugsgebiet haben Sie?"

MĂŒller: "Neben den GĂ€sten aus Ostbayern konnte durch die NĂ€he zur Tschechischen Republik (5 km vom nĂ€chsten GrenzĂŒbergang) und gezielte MarketingaktivitĂ€ten
zwischenzeitlich der Anteil der tschechischen GÀste auf annÀhernd 30% gesteigert werden.
Unsere GÀste kommen aus dem Bayerischen Wald, der Oberpfalz sowie aus Böhmen,
aus dem Umkreis Regensburg, Amberg, Weiden, Pilsen bis Prag."

MM-FRAGE: "Welche Attraktionen bieten Sie im Winter und wie wichtig sind dabei Non-
Skiing-AktivitÀten?"

MĂŒller: "Wir haben im Skigebiet 6 km Pisten, von denen ca.1,5 km beschneit werden. Damit haben wir vor allem bei Familien einen sehr guten Ruf. Außerdem verfĂŒgen wir mit fast 2 km LĂ€nge ĂŒber die lĂ€ngste Abfahrt im Bayerischen Wald und grundsĂ€tzlich ĂŒber breite Pisten, sodass sich auch Carver sehr wohl fĂŒhlen. Bei den ,Non-Skiing-AktivitĂ€ten' werden besonders gut unsere Naturrodelbahnen mit1.200 m und 700 m LĂ€nge angenommen. Der Start ist bequem mit der Sesselbahn zu erreichen. Dazu kann man bei uns im Winter auch ausgezeichnet Wandern und ein gutes Gastronomieangebot nutzen."
Mit Schlepplift und Gras-Kart geht es rasch nach oben.
Mit Schlepplift und Gras-Kart geht es rasch nach oben.
"Events als Form der Kundenbindung sind wichtig"

MM-FRAGE: "2005 war der ,Dance on snow' wieder ein großer Erfolg. Was genau bieten Sie hier an und wie wichtig sind Events generell?"

MĂŒller: "Die Veranstaltung einen Tag vor Silvester hat zwischenzeitlich Kult-Charakter, jĂ€hrlich kommen um die 4000 GĂ€ste. Nach dem Fackellauf mit Formationsfahren der örtlichen Skischulen gibt es eine Open-Air-Party an der Talstation mit einer namhaften Band sowie zum Abschluss ein großes Feuerwerk. Diese Form der KundenbindungsaktivitĂ€t erscheint uns wichtig, wir bieten ĂŒbers Jahr verteilt mehrere solcher Veranstaltungen in unterschiedlicher Form an."

MM-FRAGE: "2005 wurde die Gras-Kart-Bahn eröffnet, welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?"

MĂŒller: "Sehr gute Erfahrungen, da damit vor allem fĂŒr Jugendliche und junge Erwachsene ein attraktives Zusatzangebot geschaffen wurde. UrsprĂŒnglich sind wir durch Medien auf diese Möglichkeit aufmerksam geworden, wobei das GerĂ€t der Herstellerfirma unter dem Namen ,Bullracer' bekannt ist. Diesen Namen haben wird dann dem Einsatz entsprechend in Gras-Kart abgeĂ€ndert. Dieser Begriff passt auch gut zum so genannten ,sanften Tourismus', da ein Fahren mit den Gras-Karts keinen LĂ€rm macht."
Eine Fahrt mit der Sommerrodelbahn gehört zu den Attraktionen der Region.
Eine Fahrt mit der Sommerrodelbahn gehört zu den Attraktionen der Region.

MM-FRAGE: "Am 13. April startet die Sommersaison. Gibt es Neuigkeiten fĂŒr 2006?"

MĂŒller: "Nachdem wir im vergangenenJahr sehr gute Erfahrungen mit dem Gras-Kart-Fahren am Schlepplift gemacht haben, wollen wir dieses Angebot heuer ausbauen. Dazu sollen grundsĂ€tzlich noch mehr Gras-Karts eingesetzt werden. Außerdem wurde das Gras-Kart-Fahren in der 1. Saison, also in der Versuchssaison, nur am Wochenendeangeboten - das wollen wir jetzt auf die ganze Zeit ausdehnen. Wir ĂŒberlegen auch, wie man den Transport der Gras-Karts mit der Sesselbahn kombinieren kann. Damit soll es in Zukunft möglich werden, die Gras-Karts nicht nur mit dem Schlepplift zu transportieren, sondern auch mit dem Sessellift. Hier laufen GesprĂ€che mit Doppelmayr und dem TÜV."

MM-FRAGE: "Neben der Sommerrodelbahn gibt es auch ein besonderes Angebot rund ums Skaten. Wie sieht es genau aus?"

MĂŒller: "Wir haben im Bereich der Talstation eine 400-Meter-Skaterbahn als Rundkurs, einen Inline-Hockey- Platz sowie eine Abfahrtspiste mit knapp 400 Metern LĂ€nge asphaltiert, deren Start mit dem Schlepplift erreicht werden kann. Das GelĂ€nde wird gerne von Einheimischen und FeriengĂ€sten angenommen und eignet sich hervorragend fĂŒr Veranstaltungen und ĂŒberregional bedeutende Wettbewerbe."

 

MM-FRAGE: "Haben Sie im Sommer die gleiche GĂ€stestruktur wie im Winter oder gibt es Unterschiede?"

MĂŒller: "Attraktiv ist unsere Region im Sommer und im Winter gleichermaßen fĂŒr Familien, aber das Einzugsgebiet ist unterschiedlich. Im Winter kommen rund 30% unserer GĂ€ste aus Tschechien und einem nördlichen bis westlichen Einzugsradius, also Richtung Regensburg und Richtung Oberpfalz. Im Sommer hingegen kommen unsere GĂ€ste vermehrt aus dem SĂŒden, was sich auch aus unserer Position an der Nahtstelle zwischen Oberpfalz und dem Bayerischen Wald erklĂ€rt. Unser Ziel ist es jetzt, auch fĂŒr den Sommer noch GĂ€ste aus Tschechien zu gewinnen, hier ist noch einiges an Potenzial vorhanden."

"Online-Befragung bringt gute Anregungen"

MM-FRAGE: "Sie befragen Ihre Kunden im Internet nach Ihrer Meinung. Welche Erfahrungen machen Sie damit, welche Anregungen erhalten Sie?"

MĂŒller: "Durch die Online-Befragung haben wir im vergangenen Winter mehrere hundert RĂŒckmeldungen bekommen, die unsere GĂ€ste in aller Ruhe von zuhause aus machen können. So ist eine detailliertere Information möglich als mit einer personalintensiven Befragung vor Ort. Die Befragung brachte viel Lob und auch gute Anregungen, die wir in der kommenden Saison umsetzen werden - Verbesserung Fahrpreissystem, ĂŒberregionale Beschilderung usw."

MM-FRAGE: "Wo liegen die nĂ€chsten Herausforderungen fĂŒr Ihr Unternehmen?"

MĂŒller: "Im Mittelpunkt steht die Modernisierung der Bergbahn als KernstĂŒck unseres Unternehmens. Neben dem erwĂ€hnten Ausbau des Gras-Kart-Angebotes wollen wir mit dem Bau einer neuen Skipiste sowie mit der Erweiterung der Beschneiungs- und Flutlichtanlage das Angebot bereits zur nĂ€chsten Wintersaison deutlich verbessern." dwl

 

Attraktionen Sport + Freizeit-Zentrum Hoher Bogen
LĂ€ngste Doppelsesselbahn d. Bayerischen Waldes
LĂ€nge: 1358 m
Höhenunterschied: 393 m
Fahrzeit: ca.15 min.
Gras-Kart-Fahren
Gras-Kart (alias Bullracer): TÜV-geprĂŒftes Dreirad in massiver Bauweise mit hydraulischen Scheibenbremsen, LiftbĂŒgelaufnahme und QualitĂ€tsrahmen, die Fahrt geht ĂŒber eine gepflegte Abfahrtstrasse
Sommerrodelbahn
LĂ€nge: 750 m
16 Steilkurven
Skate- + Funpark
Fitnessbahn mit ca. 400 m LĂ€nge
Speed-Bahn mit 400 m LĂ€nge
Inline-Slalom
Street-Hockey-Platz: 20 x 40 m
Skater-Lift
Wasserrutsche "Nautic-Jet"
Pendelbahn "Butterfly"
Mini-Seilbahn "Sky-Dive"
Großer Kinderspielplatz