Mountain Manager
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Marketing & Management - MM-Interview

Jörg Wilke, GF Ettelsberg-Seilbahn GmbH & Co. KG: Zentrale Herausforderung ist die ganzheitliche Weiterentwicklung!

Ausgabe 01/2011

Das Willinger Skigebiet liegt zwischen 560 und 830 m √ľ. NN. Wie man aus diesen Vorgaben ein stimmiges Angebot sowohl im Sommer als auch im Winter entwickelt, zeigt die Ettelsberg-Seilbahn GmbH & Co.KG. Ihr Gesch√§ftsf√ľhrer J√∂rg Wilke stellt das Unternehmen im Gespr√§ch mit dem MOUNTAIN MANAGER vor.
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Jörg Wilke, GF Ettelsberg-Seilbahn GmbH & Co. KG.
MM-Frage: Wie lange gibt es das Skigebiet am Ettelsberg?

Jörg Wilke: Der erste Lift in Willingen wurde 1952 in Betrieb genommen. Nach dem Bau weiterer Schlepplifte ging 1971 die DSB Ettelsberg in Betrieb. Heute besteht das Skigebiet Willingen aus einer 8er-Kabinenbahn, sieben Schleppliften und vier Ski- und Rodelförderbändern. Hinzu kommen nochmals vier Kleinförderbänder in den Kinderländern.
Die j√ľngere Geschichte des Skigebietes:
2007: Die Seilbahngesellschaft ersetzt DSB Ettelsberg durch eine 8er-Kabinenbahn (Kosten: 6,5 Mio. Euro). Parallel wurde im Skigebiet eine Beschneiungsanlage f√ľr alle Hauptabfahrten (7 km Piste) errichtet. Das Beschneiungsprojekt wurde mit seinem Gesamtvolumen von 11 Mio. Euro h√§lftig von den Liftbetreibern und von der Gemeinde/Kreis/Land finanziert.
Folgeinvestitionen 2008-2010: Kleinlifte wurden durch lange F√∂rderb√§nder ersetzt. Die vier Kinderl√§nder wurden mit Kleinf√∂rderb√§ndern best√ľckt. Es entstanden zwei neue Skiverleihe, diverse Gastronomiebetriebe an der Piste wurden grundlegend erneuert und erweitert. Zudem wurden 5 km Skipiste und zwei Rodelpisten f√ľr den Flutlichtbetrieb beleuchtet.

MM-Frage: Seit wann sind Sie Gesch√§ftsf√ľhrer der Bergbahnen, was hat Sie zu dieser T√§tigkeit gebracht?

Wilke: Ich wurde im Mai 2000 zum Gesch√§ftsf√ľhrer der Ettelsberg-Seilbahn bestellt. Vorher habe ich in verschiedenen Positionen im Bereich Logistik und Vertrieb eines namhaften Batterieherstellers gearbeitet. Nach dem Abschluss eines berufsbegleitenden Studiums zum Betriebswirt stie√ü ich eher zuf√§llig auf die seinerzeit vakante Stelle des Gesch√§ftsf√ľhrers bei der damaligen Sesselbahn-Gesellschaft. Man kann mich daher als einen klassischen Quereinsteiger bezeichnen.
√úbersicht Skigebiet Ettelsberg. Fotos: Ettelsberg-Seilbahn GmbH & Co.KG
√úbersicht Skigebiet Ettelsberg. Fotos: Ettelsberg-Seilbahn GmbH & Co.KG
MM-Frage: Worin sehen Sie die wichtigsten Aspekte Ihrer Aufgabe?

Wilke: Das direkte Umfeld unseres Unternehmens werden wir nach den gro√üen Investitionsma√ünahmen der j√ľngeren Vergangenheit weiter sinnvoll erg√§nzen. Hier werden wir die gesammelten Erkenntnisse der ersten Jahre einflie√üen lassen, um unseren G√§sten ein m√∂glichst rundes Gesamtprodukt ,Ettelsberg anbieten zu k√∂nnen. Bei allen Bauma√ünahmen haben wir gro√üen Wert auf die Barrierefreiheit gelegt. Gerade im Segment der √§lteren, gehbehinderten, oder einfach nur √§ngstlichen (potentiellen Fahr-)G√§ste sehen wir f√ľr die frequenzschw√§cheren Zeiten im Sommer noch ein deutliches Wachstumspotential.
Neben den sicher wichtigen Ma√ünahmen im eigenen Betrieb ist es zudem unerl√§sslich und notwendig, mit allen √∂rtlichen und regionalen Leistungstr√§gern in engen Netzwerken produktiv zusammenzuarbeiten, um √ľbergeordnete Ziele aller erreichen zu k√∂nnen. Als einzelner Betrieb k√∂nnen wir nur in einem intakten Umfeld wirklich erfolgreich sein.

MM-Frage: Ist die Ettelsberg-Seilbahn GmbH & Co. KG Mitglied in einem Verbund oder einer Angebotsgruppe?

Wilke: Die Ettelsberg-Seilbahn ist Teil des Skigebiets Willingen. Dieser Zusammenschluss der f√ľnf √∂rtlichen Liftbetreiber ist als eines von sechs
Gebieten im Ticketverbund der Wintersport-Arena-Sauerland, dem gr√∂√üten deutschen Wintersportgebiet n√∂rdlich der Alpen, eingebunden. √úberregionalen Verb√ľnden sind wir derzeit nicht angeschlossen.
Auch nachts kommen die Gäste zum Ski fahren.
Auch nachts kommen die Gäste zum Ski fahren.
MM-Frage: Wie sieht Ihr aktuelles Winterangebot aus?

Wilke: Wir bieten unseren G√§sten heute ein Skigebiet mit 16 Pistenkilometern, die sich √ľber zwei Skiberge zwischen 560 und 830 m √ľ. M. erstrecken. Erschlossen werden diese durch 16 Aufstiegshilfen vom Kleinf√∂rderband bis zur Kabinenbahn.
Zudem ist die Bergstation der Kabinenbahn idealer Ausgangsort f√ľr Spazierg√§nger und Langl√§ufer. Willingen unterh√§lt ein Netz von rund 90 km Loipen und 30 km pr√§parierten Wanderwegen.

MM-Frage: Was ist neu f√ľr 2010/11 bzw. ist f√ľr die n√§chsten Saisonen Neues geplant?

Wilke: Die Optimierung unserer Beschneiungsanlage steht sicher ganz oben auf der Liste. Da in unseren Breiten relativ kurze K√§lteperioden f√ľr die Beschneiung zur Verf√ľgung stehen, ist und bleibt die Effektivit√§t das Gebot der Stunde.
Fixe Projekte zur n√§chsten Saison sind zum einen die Beleuchtung von weiteren 1,5 km Skipisten f√ľr den Flutlichtbetrieb. Hier bem√ľhen wir uns der stetig wachsenden Nachfrage in diesem Bereich gerecht zu werden. Zum anderen steht als zentrale Aufgabe die Optimierung unseres Verkehrskonzeptes sowie unserer Parkraumgestaltung und -bewirtschaftung im Skigebiet auf dem Programm. Nach den Investitionen in den Lift- und Pistenbereich besteht hier noch dringender Nachholbedarf.
Der Hochheideturm bietet eine 42 m hohe Kletterwand.
Der Hochheideturm bietet eine 42 m hohe Kletterwand.
MM-Frage: Woher kommen Ihre Gäste im Winter und im Sommer, gibt es Unterschiede?

Wilke: Beim √úbernachtungsgast sind unsere Haupteinzugsgebiete die Ballungszentren an Rhein und Ruhr. Dazu stellen die Niederl√§nder ganzj√§hrig etwa 20% unserer G√§ste. Im Winter gibt es aber auch Tage, an denen es eher gef√ľhlte 95% sind. Das Sauerland wird zwar scherzhaft aber nicht umsonst ,holl√§ndische Alpen genannt. Es ist einfach die erste bergige Region jenseits der Niederlande. Willingen verf√ľgt √ľber knapp 10000 G√§stebetten und z√§hlt j√§hrlich rund 400000 Ank√ľnfte bei 1,2 Mio. √úbernachtungen.
Unser zweites starkes Standbein ist traditionell der Tagestourismus. In unserem Tageseinzugsbereich von 2 Autostunden leben 19 Mio. Menschen. Das ist fast jeder vierte Deutsche. Auch hier dominieren Sommer wie Winter die G√§ste von Rhein und Ruhr sowie der umliegenden Region. Zudem sind die Niederlande gerade einmal 2,5 h mit dem Auto entfernt. Die holl√§ndischen G√§ste sind gl√ľcklicherweise sehr mobil und kommen gerade zum Skilaufen auch f√ľr nur einen Tag ins Sauerland.

MM-Frage: Wie sehen Sie die Position des Skigebiets Willingen im Vergleich mit den großen Destinationen z.B. in den Alpen?

Wilke: Die Gemeinde Willingen ist im Gegensatz zu den klassischen alpinen Urlaubsorten der typische Ort f√ľr den 3. oder 4.-(Kurz-)Urlaub. Das spiegelt sich auch in der durchschnittlichen √úbernachtungsdauer von 2,98 √úbernachtungen/Gast im Ort wider.
Die Sauerl√§nder Skigebiete sind der vielleicht wichtigste Skikindergarten f√ľr s√§mtliche alpinen Destinationen nahe der deutschen Ballungszentren. Bei uns haben sehr viele sp√§tere Wintersportler ihren ersten Kontakt mit dem Schnee und seinen vielf√§ltigen M√∂glichkeiten darin. Daher sehen wir uns als Vorstufe zum klassischen Skiurlaub in den Alpen bzw. als sinnvolle Erg√§nzung f√ľr den spontanen Skiausflug zwischendurch.
Das gr√∂√üte Manko einer Mittelgebirgsregion, die fehlende H√∂he, kompensieren wir durch die N√§he zu unseren G√§sten, die diesen r√§umlichen Vorteil durchaus zu sch√§tzen wissen. Kurz: Wir sind auf Grund dieser N√§he f√ľr viele die Berge f√ľr Zwischendurch. (Anekdote, welche die Unterschiede gut erkl√§rt: Anl√§sslich der Deutschen Seilbahntagung 2008 in Willingen schlug mir ein Kollege aus der Zugspitzregion folgenden scherzhaften Handel vor: ,Du bekommst von mir einen 2000er und wir daf√ľr Dortmund)

MM-Frage: Wie wichtig sind f√ľr Ihre Destination Non-Skiing-Angebote im Winter?

Wilke: F√ľr den √úbernachtungsgast geh√∂ren neben dem Skifahren nat√ľrlich auch s√§mtliche Annehmlichkeiten einer guten Hotellerie und Gastronomie zu einem gelungenen Urlaub. Diese bieten die Betriebe vor Ort in hervorragender Art und Weise.
Willingen lebt als 4-Saison-Standort ganzj√§hrig von seiner Vielfalt und ist hier daher traditionell gut ausgestattet. Gerade im Winter kommen uns Liftbetreibern sicher die vielen ganzj√§hrigen Freizeitm√∂glichkeiten des Ortes zu Gute, wenn das Wetter mal nicht so mitspielt. Neben der ausgepr√§gten Hotellerie und Gastronomie sind hierf√ľr beispielhaft das Lagunen-Erlebnisbad, Eislauf-, Kletter- und Karthalle, M√ľhlenkopfschanze, Besucherbrauerei, -bergwerk, Glasmanufaktur, pfiffige Museen wie das ,Curioseum oder das ,Milchmuhseum zu nennen.

MM-Frage: Welche Bedeutung haben die Bergbahnen f√ľr die Region?

Wilke: Auf Grund der vielf√§ltigen Angebote vor Ort ist die Abh√§ngigkeit der Region sicher nicht so hoch wie in manchem Alpental. Nat√ľrlich ist die Bedeutung der Seilbahn/Lifte durch die Etablierung der Beschneiungsanlage 2007 enorm gestiegen. Der Winter ist seither wieder eine vollwertige und vor allen Dingen planbare Saison f√ľr alle touristischen Leistungstr√§ger in Willingen geworden.
Unsere Sesselbahn selbst war 1971 die erste ganzj√§hrige Freizeitattraktion f√ľr den noch in seinen Kinderschuhen steckenden Tourismusort. Durch stetige Verbesserungen am eigenen Angebot und Schaffung von neuen Attraktionen wie dem Hochheideturm 2002 (h√∂chster Aussichtspunkt in Nordwest-Deutschland) war die Gesellschaft immer ein Vorreiter und Zugpferd im √∂rtlichen Tourismus. Heute sind Kabinenseilbahn und Hochheideturm zentrale Bausteine in der Willinger Freizeitwelt. Der Bahn kommt als solche sicher noch eine besondere Bedeutung zu, da sie in der weiteren Region in ihrer Art bislang einzigartig ist und daher auch f√ľr das ganze Gebiet einen markanten USP darstellt.
Die Alphornmesse ist ein Besuchermagnet.
Die Alphornmesse ist ein Besuchermagnet.
MM-Frage: Wie sieht Ihr Angebot im Sommer aus, welche Bedeutung hat der Sommer?

Wilke: Ziele auf dem Ettelsberg sind die einzigartige Hochheidelandschaft mit einem vielfältigen Wandergebiet, der Hochheideturm, Kyrillpfad, Ettelsbergsee, uvm. Zudem sind Ziele wie die Weltcupschanze, der Wildpark etc. ab der Bergstation gut zu erreichen. Biker finden hier den Start der Freeride- und Weltcup-Downhillstrecke, Gleitschirmpiloten ihren Startplatz und Freeclimber am Hochheideturm eine 42 m hohe Kletterwand.
Nicht zu vergessen nat√ľrlich unsere urige Bergh√ľtte, die unter dem Namen ihres Betreibers (Siggi¬īs H√ľtte) in den letzten 33 Jahren einen wahren Kultstatus erreicht hat und entsprechend gut frequentiert wird.
Unsere Seilbahn f√§hrt ca. 330 Tage/Jahr. Davon k√∂nnen wir an ca. 80 bis 100 Tagen Wintersport anbieten. Die Fu√üg√§nger und Biker machen √ľber das Gesch√§ftsjahr gesehen einen Anteil von rund 50% an den Ums√§tzen aus und sind dem entsprechend enorm wichtig.

MM-Frage: Sind Sie mit Ihrer Positionierung im Sommer zufrieden¬† sind Neuerungen/√Ąnderungen geplant?

Wilke: Wir sehen unser Unternehmen mit seinen Angeboten f√ľr unsere breit gef√§cherten G√§steschichten derzeit solide aufgestellt. Neben punktuellen Erg√§nzungen und Verbesserungen stehen derzeit keine konkreten Projekte im Sommer an.

MM-Frage: Welche Rolle spielen bei Ihnen Veranstaltungen im Sommer/im Winter?

Wilke: Veranstaltungen und Events bereichern nat√ľrlich auch das Jahresprogramm unserer Seilbahn. Neben unserem Aush√§ngeschild, der Alphornmesse, die j√§hrlich √ľber 5000 Besucher und √ľber 200 Musiker auf den Ettelsberg lockt, f√ľhren wir noch einige kleinere Events selbst durch. Wichtig sind f√ľr uns aber sicher die beiden internationalen Veranstaltungen des Jahres:
. Wir haben im Sommer mit dem BIKE-Festival eines der gr√∂√üten MTB-Events Europas auf unserem Gel√§nde zu Gast. Diese Veranstaltung platziert unsere Bahn √ľberregional optimal im Bereich unserer wachsenden Kundschaft im MTB-Sektor.
. Im Winter ist seit vielen Jahren das Weltcup-Skispringen ein wichtiger Werbeträger, der den Ruf unseres Ortes als bedeutender Wintersportstandort deutlich unterstreicht.

MM-Frage: Welches kulinarische Angebot haben Sie f√ľr Ihre G√§ste?

Wilke: In unserer Ettelsbergh√ľtte geht es kulinarisch deftig und kr√§ftig zu. In der neuen Seilbar neben der Talstation bieten wir eine vielseitige Speisekarte f√ľr jeden Geschmack. Als besonderes Highlight bieten wir zudem f√ľr Gruppen bzw. an fixen Terminen f√ľr Jedermann ein aufw√§ndiges 5-G√§nge-Men√ľ in den Kabinen der Seilbahn an.

MM-Frage: Worin sehen Sie die größten Herausforderungen der nächsten Jahre?

Wilke: Da mit den Investitionen der vergangenen Jahre auch die Anspr√ľche der G√§ste deutlich gestiegen sind, ist die ganzheitliche Weiterentwicklung, Erg√§nzung und stetige Verbesserung der bestehenden Freizeit-Infrastruktur Sommer wie Winter die zentrale Herausforderung.