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Marketing & Management - MM-Interview

Martin Dolezal, GF High Hills Wien- Von der City auf die Piste

Ausgabe 01/2013

Die Hohe-Wand-Wiese im 14. Wiener Bezirk Penzing ist einzigartig: Keine andere europ√§ische Gro√üstadt verf√ľgt √ľber eine eigene, sogar FIS homologierte Piste samt Flutlichtanlage und Vollbeschneiung (6 B√§chler Lanzen NESSy und 6 Propellermaschinen von IAG (2), LENKO (3) und eine SMI auf Turm). Schon vor 100 Jahren existierte hier ein Skigebiet, seit 1966 befindet es sich im heutigen Zustand (400 m lang, 80 m breit, 102 m H√∂hendifferenz), wobei damals die Beschneiung mit Arlberg-Jets und Ratnik Hochdruckkanonen erfolgte. Seit Oktober 2011 wird diese f√ľr den urbanen Freizeitsport wichtige Anlage von Martin Dolezal, Leiter der Snowsports Academy und Gr√ľnder von "I love Snow", unter dem Namen "High Hills" zu neuen H√∂hen gef√ľhrt!
Martin Dolezal, GF High Hills Wien
Martin Dolezal, GF High Hills Wien
MM: "Herr Dolezal, beschreiben Sie zunächst Ihren Werdegang in die Branche der Liftbetreiber sowie Ihre weiteren Funktionen im Wintertourismus?"
Dolezal: "Ich habe bereits mit 16 Jahren in einer Skischule gearbeitet, sp√§ter Sportwissenschaften studiert, aber nicht abgeschlossen, da mich der Ruf der Firma Tyrolia ereilt hat, um dort das Marketing zu √ľbernehmen. Ich war verantwortlich f√ľr Produkteinf√ľhrungen wie z. B. das Tyrolia Langlaufsystem - der Tyrolia Ski war Ende der 80er eigentlich mein ,Baby' in √Ėsterreich, ehe ich mich im Vertrieb selbst√§ndig machte. Seit damals bin ich auch im Skilehrerverband t√§tig und seit 1998 Obmann des Wiener Ski- und Snowboardlehrerverbandes mit viel internationalem Engagement - bis zur Ausbildung der Skilehrer in der Skihalle in Dubai und Holland. Weiters habe ich 15 Jahre lang die Ausbildung f√ľr die Skibindungsmonteure gemacht und damit auch ma√ügeblich an den Sicherheitsnormen bei den Bindungseinstellungsger√§ten mitgewirkt. Hier ist √Ėsterreich heute ja f√ľhrend. Und schlie√ülich habe ich vor 4 Jahren die Initiative, I LOVE SNOW' ins Leben gerufen, um die Begeisterung f√ľr Wintersport schon bei den Kleinkindern zu wecken (der MM hat in Ausgabe 4/2011 dar√ľber berichtet). 2011 bin ich vom Sportamt der Stadt Wien angesprochen worden, mit dem Verein Snowsports Academy die Nachfolge als P√§chter auf der Hohen-Wand-Wiese anzutreten. Diese wiederum hat den Betrieb an die Snowsports Gmbh, die mir geh√∂rt, √ľbertragen."

MM: "Schildern Sie kurz die Entwicklungsgeschichte eures kleinen aber feinen Skigebietes."
Dolezal: "Die Skipiste Hohe-Wand-Wiese wurde 1957 von der Wiener Stadtverwaltung angekauft und als Gr√ľnland-Erholungsgebiet umgewidmet. Am 1. M√§rz 1966 wurde die neue Skipiste samt Beschneiungs- und Flutlichtanlage er√∂ffnet und avancierte binnen weniger Jahre zum bevorzugten Skigebiet der WienerInnen. Seither darf sich die Donaumetropole mit dem Attribut ,Wintersportstadt' schm√ľcken. Laut Sportamt Wien handelt es sich bei der Hohen-Wand-Wiese um die √§lteste Kunstschneepiste √Ėsterreichs (FIS-tauglich), die auch mehrmals als Austragungsort zahlreicher Wintersport-Gro√üveranstaltungen im internationalen Rampenlicht stand. Im Februar 1967 wurde hier der erste Parallelslalom der Skigeschichte ausgerichtet, 1986 kamen zum ersten FIS-Weltcup-Parallelslalom mit Flutlicht (mit mehr als 10.000 Zuschauern) sogar Gr√∂√üen wie Marc Girardelli oder Ingemar Stenmark. 2005 wurde die Anlage mit Mitteln der Stadt Wien generalsaniert und das Betriebsgeb√§ude sowie die Sommerrodelbahn errichtet. Heuer wurde am 3. Februar erstmals der attraktive Synchro Ski-Worldcup abgehalten. Dabei mussten Zweierteams - mit dabei u. a. Slalomveteran Thomas Sykora - so schnell und synchron wie m√∂glich eine mit Toren festgelegte Strecke hinter sich bringen."
Die 400 m lange
Die 400 m lange "High-Hills" Piste in Wien ist kein Anf√§ngerhang und sogar f√ľr den Weltcup-Slalom zugelassen. Fotos: Snowsports Academy
MM: "Worin besteht die Einzigartigkeit der ,Hohe Wand Wiese' - und warum wurde der Name 2011 in ,High Hills' umbenannt?"
Dolezal: "Im Zuge des P√§chter-Wechsels 2011 haben wir uns ein Marketingkonzept einfallen lassen, das auch eine Modernisierung des Namens in ,High Hills - Hohe Wand Wiese Wien' vorsah, um mehr junge Leute anzusprechen. Denn eines der Probleme, mit denen wir nach wie vor k√§mpfen, ist, dass Leute unter 35 Jahren dieses Skigebiet nicht kennen oder den Namen ,Hohe Wand' mit etwas anderem verwechseln. Mit ,High Hills' haben wir doch jetzt eine Bezeichnung gepr√§gt, die eine gewisse Einzigartigkeit hat und ein bisschen zum Schmunzeln anregt, aber damit auch in den K√∂pfen drinnen bleibt. Um unseren Bekanntheitsgrad zu steigern bzw. das Image zu ver√§ndern, setzen wir auf konsequente Pressearbeit aber auch Veranstaltungen und Aktivit√§ten. In diesem Zusammenhang haben wir zur Saison 2012/13 auch die Sitzpl√§tze in der Gastronomie ,High Hills Stub'n' auf 80 verdoppelt. Hier wird √ľbrigens nur frisch gekocht!
Das Besondere unseres Skigebietes ist sicherlich die Erreichbarkeit von der Stadt aus. Man kommt vom Zentrum mit √∂ffentlichen Verkehrsmitteln in 35 Minuten zur Piste und selbst vom entferntesten Punkt noch in 55 Minuten - das hat eigenartigerweise nie jemand beworben! Diese Lage ist u. a. ideal f√ľr Jugendliche, um f√ľr zwei, drei Stunden nach der Schule hierher kommen zu k√∂nnen. Die 400 m lange, 80 m breite FIS homologierte Piste ist komplett beschneibar und beleuchtet, was ja in einer solchen H√∂henlage (268 m - 370 m) nicht unbedingt selbstverst√§ndlich ist. Angedacht ist weiters noch ein Freestyle-Park samt F√∂rderband oder Seillift. Obendrein existiert eine Skischule sowie ein kompletter Ausr√ľstungsverleih. Zusammen mit der Gastronomie im Talbereich sind wir auch f√ľr Veranstaltungen aller Art die ideale Location, wie die rege Nachfrage beweist. Die Sommerrodelbahn wird z. B. oft stundenweise an ganze Firmenbelegschaften vermietet, die ein Zeitfahren veranstalten, ebenso gibt es Ski- und Zipflbob-Rennen f√ľr Vereine bzw. Firmen. Diese Formate kommen in Verbindung mit der Gastronomie und Beleuchtung auch als Abendveranstaltung gut an."
Beschneiung und Flutlichtanlage machen die
Beschneiung und Flutlichtanlage machen die "High Hills" f√ľr St√§dter besonders attraktiv.
MM: "Welche Positionierung strebt Ihr mit eurem Slogan ¬āVon der City auf die Piste?' an und wie wird sie konkret mit Leben erf√ľllt?"
Dolezal: "Wir ziehen diesen Slogan konsequent durch, weil er unsere spezielle, einzigartige Position aufgreift. Wir sind f√ľr das urbane Publikum am leichtesten erreichbar und notfalls kann man sogar mit dem Taxi nachhause fahren. Aber man muss es kommunizieren - und dabei helfen uns die inzwischen aufgebauten guten Kontakte zu den Medien sehr! Was wir konkret daf√ľr tun ist u. a. Schwerpunktabende anzubieten. Am Mittwoch gibt es ,Dinner & Ski', am Donnerstag ,After Work Skiing', am Freitag ,Freestyle Night" und am Samstag ,Apres Ski Night'.

MM: "Welche Rolle spielt dabei die Flutlichtanlage, gibt es einen Trend zum Afterwork-Skiing und wie sind hier die Zukunftsaussichten?"
Dolezal: "Grunds√§tzlich sollte die Beleuchtung f√ľr unsere Positionierung eine wichtige Rolle spielen, jedoch hinkt das Abendangebot noch von den Besucherzahlen her gesehen nach - weil eben die Bekanntheit fehlt. Deshalb haben wir f√ľr Donnerstag das 3 Stunden-Ticket ,After Work Skiing' ab 17.30 - 21 Uhr aufgelegt - wahlweise inkl. Abendessen um insgesamt 25 ¬Ä, um einen Trend zu generieren. Manche Skigebiete wie der Semmering profitieren traditionell stark vom Abendgesch√§ft dank der N√§he zu Wien. Wenn unser Angebot einmal so im Bewusstsein der Bev√∂lkerung pr√§sent ist, dann wird es sicher √§hnlich positive Auswirkungen haben. Die Nachtpiste hat f√ľr mich auf jeden Fall das meiste Potenzial in der Zukunft. Deswegen haben wir ja auch die Gastronomie ausgebaut, die bekanntlich beim Nachtskilauf eine wichtige Rolle spielt. An den Tagen mit Flutlichtbetrieb (Mittwoch bis Samstag) wird durchg√§ngig von 9 - 21 Uhr gefahren, es gibt keine Pr√§parierpause wie andernorts. Am Sonntag und Montag steht die Piste abends exklusiv f√ľr Firmen bzw. Veranstaltungen zur Verf√ľgung und am Dienstag f√ľr Skiclubs."
Schlepplift-Talstation (vorne) mit Betriebsgebäude.
Schlepplift-Talstation (vorne) mit Betriebsgebäude.
MM: "Was beinhaltet das Angebot ,Dinner & Ski?'"
Dolezal: "Dieses Paket um 35 ¬Ä ist auf 16 Personen beschr√§nkt (Voranmeldung notwendig) und beinhaltet ein 3 Stunden-Ticket ab 17:30 Uhr, Begr√ľ√üungsgetr√§nk sowie ein exklusives Dinner ab 20 Uhr in der High Hills Lounge. Meiner Meinung nach m√ľsste dieses neuartige Angebot perfekt zur Stadtbev√∂lkerung passen. Die Leute gehen gerne Abendessen, warum kann man das nicht gleich mit Skifahren verbinden?
Eine weitere Neuheit ist der ,Gold Club' f√ľr die stark frequentierten Wochenenden. Dabei r√§umen wir bis zu 8 Leuten pro Stunde die M√∂glichkeit ein, sich einen Zugang direkt vorne beim Lift ohne Anstellen zu kaufen. Das kostet 16 ¬Ä f√ľr 1,5 Stunden statt f√ľr 3 Stunden. In den USA bzw. Freizeitparks kennt man die Idee als ,Fast Lane'. Beim Sommerrodeln haben wir bereits sehr gute Erfahrungen damit gemacht."
Die Gastronomie
Die Gastronomie "High-Hills Stub'n" im Tal wurde letzten Herbst ausgebaut.
MM: "Sie haben festgestellt, dass in den letzten Jahren immer weniger skiaffine Wiener unter 35 Jahren zum innerstädtischen Mini-Skigebiet kommen. Woran liegt das und was wollen Sie dagegen unternehmen?"
Dolezal: "Einerseits ist im st√§dtischen Bereich die Skim√ľdigkeit sehr gro√ü, andererseits haben wir viele Migranten, die von ihrer Kultur her keinen direkten Zugang zum Schnee haben. Um diese m√ľssen wir uns k√ľmmern und den Zugang vereinfachen. Zu uns kommen inzwischen sogar Touristen, die Wien besuchen und im Zuge dessen auch einmal Skifahren ausprobieren wollen und Ausr√ľstung samt Skilehrer mieten - auf den High Hills. Auch diesbez√ľglich habe ich mir ein Package einfallen lassen: VIP-Skiing. Dabei werden die Leute vom Hotel mit der Limousine oder dem Taxi abgeholt, dann bei uns ausger√ľstet und zwei bis drei Stunden von einem Skilehrer betreut. Anschlie√üend wird ein Essen serviert und nach vier, f√ľnf Stunden chauffiert die Limousine die G√§ste wieder ins Hotel. Bei diesem Package peilen wir eine Kooperation mit einem Reiseb√ľro an. Besonders arabische G√§ste springen auf solche Angebote auf."
Das Skigebiet
Das Skigebiet "High Hills" lebt die "I love Snow"-Philosophie ihres Gr√ľnders Martin Dolezal.
MM: "K√∂nnen also auch ¬āKleine' aufzeigen, wenn sie zielgruppengerechte Qualit√§t bieten und wie wichtig sind sie als ¬āBreeder' f√ľr die Gro√üen?"
Dolezal: "Meine Meinung ist: der Tod des Skifahrens in √Ėsterreich kommt durch den Tod der Kleinskilifte in den Ortschaften zustande. Pl√∂tzlich k√∂nnen die Kinder nicht mehr so wie fr√ľher zu Fu√ü zum Lift gehen und das n√§chste Skigebiet ist bereits zu weit weg, um es ohne mobile Eltern erreichen zu k√∂nnen. Daher fehlt von der Basis her die gro√üe Menge an Skifahrern, auch am Land drau√üen. Nat√ľrlich bewirkt unser Kleinskigebiet eine F√∂rderung des Skisports allgemein. Gerade in einer Stadt wie Wien, wo diese Aktivit√§t immer mehr abnimmt, ist dieser Faktor unbezahlbar - nicht zuletzt auch wegen der regelm√§√üigen medialen Berichterstattung dar√ľber. Das ist gelebtes ,I love Snow' im Endeffekt und es gibt meines Erachtens fast kein besseres Vorzeigeprojekt, wie zus√§tzlich der Skilauf f√ľr die ganze Branche gef√∂rdert werden kann, als die High Hills in Wien. Es wird sozusagen im ,Wasserkopf √Ėsterreichs' der Gusto aufs Skifahren hochgehalten und viele wechseln dann sp√§ter vielleicht ins Zillertal. Umgekehrt w√ľrde der Strom in die Berge eines Tages abrei√üen, wenn die einheimische Bev√∂lkerung mit dem Thema Skifahren und Schnee nichts mehr anfangen kann."

MM: "Die Zukunft der Branche h√§ngt ja gro√üteils vom Nachwuchs ab. Was muss man Ihrer Meinung nach tun, um Kinder und Jugendliche wieder mehr f√ľr den Wintersport zu begeistern und wie setzen Sie ihre Philosophie um?"
Dolezal: "Man muss bei der Bewusstseinsbildung sehr fr√ľh beginnen, nicht erst bei den 12-J√§hrigen, sondern schon im Kindergartenalter. Wenn ich bis zum 12. Jahr nur h√∂re, Schnee ist kalt, Schnee ist grauslich und gef√§hrlich etc., dann werde ich die Kinder nicht zum Skifahren bringen. Das ist der Grundgedanke von ,I love Snow': Ich muss den Schnee selber positiv besetzen. Man sieht, was passiert, wenn man kleinen Kindern einen Schneehaufen vorsetzt - sie spielen sofort damit. Das ist bereits eine Abenteuer- und Erlebniswelt f√ľr die Kinder, ein Naturspielzeug. Und haben sie erst einmal Spa√ü gehabt mit Schnee, werden sie vermutlich auch irgendwann einmal zum Skifahren kommen. Und so gewinnt man auch Kinder mit Migrationshintergrund. Ich habe in China und Dubai in den Skihallen erlebt, wie positiv auch diese Kinder auf Schnee reagieren, obwohl sie kulturell eigentlich keinen Zugang h√§tten. Wir haben immerhin 35 % Migrationsanteil in Wien (!) und sollten diese Leute bewusst zum Schnee und in Folge zum Wintersport bringen."
Eine 512 m lange Brandauer-Sommerrodelbahn aus dem Jahr 2005 erlaubt die Ganzjahresnutzung der Anlage.
Eine 512 m lange Brandauer-Sommerrodelbahn aus dem Jahr 2005 erlaubt die Ganzjahresnutzung der Anlage.
MM: "Wie soll und kann sich Euer Ski- bzw. Naherholungsgebiet weiter entwickeln?"
Dolezal: "Durch die 2005 er√∂ffnete Sommerrodelbahn (System Brandauer) ist eine Ganzjahresnutzung f√ľr die Hohe Wand-Wiese erreicht worden, was f√ľr die Gesamtauslastung der Anlage unbedingt notwendig war. Als langfristige Vision schwebt mir vor, den eines Tages kaputten Schlepplift durch eine um 200 m l√§ngere Sesselbahn zu ersetzen. Dadurch verl√§ngert sich zum einen die Piste, zum anderen k√∂nnte man oben eine Aussichtswarte errichten sowie einen Bike Park anlegen. Ebenso angedacht ist, den Kinderbereich neu zu platzieren und mit einer beschneibaren Plastik-Piste sowie Tubing zu erg√§nzen. Dann ist es nicht ausgeschlossen, dass Kinder z. B. am 3. November in Wien Ski fahren - was f√ľr eine Schlagzeile! Wo hat man das sonst noch in Europa?"