Mountain Manager
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Marketing & Management - MM-Interview

Arnold W. Pucher, Bergbahnen Nassfeld Pramollo AG: „Qualität ist ein entscheidendes Kriterium“

Ausgabe 2/2009

1962 ist das Geburtsjahr der Skiregion Nassfeld. Seit damals hat man kontinuierlich in moderne Infrastruktur investiert und die Entwicklung engagiert vorangetrieben. Arnold W. Pucher hat dabei immer wieder mit Pionierleistungen aufhorchen lassen. Der Mountain Manager hat ihn zur Geschichte und Zukunft der Bergbahnen Nassfeld Pramollo AG befragt.
Ăśbersicht Pistenangebot Nassfeld Hermagor
Ăśbersicht Pistenangebot Nassfeld Hermagor
MM: „Welchen Stellenwert hat das Nassfeld im österreichischen Winterangebot?“

A. W. Pucher: „Wir sind im südöstlichen Alpenbereich sicher das größte Skigebiet mit dem größten Angebot. Das haben uns auch die Tiroler bei der Eröffnung des Großglockner Resorts bestätigt. Bei der letzten Bewertung und Untersuchung aller Skigebiete in Österreich wurden wir unter die Top-10 gereiht. Was für unsere Gäste aber entscheidend ist und sicher für unser Angebot spricht, ist die Tatsache, dass alle Anlagen im Gebiet schnell und ohne 1 m zu Fuß leicht erreichbar sind. Unsere Gäste brauchen keinen Bus, um sich innerhalb unseres Skigebietes zu bewegen.“

MM: „Was waren die wichtigsten Punkte in der Entwicklung?“

A. W. Pucher: „Der Aufbau unseres Skigebietes hat 1962 begonnen. Ein entscheidender Schritt dabei war sicher die Entwicklung vom kleinen Skigebiet mit Schleppliften hin zu einer modernen Infrastruktur mit kuppelbaren Sesselbahnen, die wir 1985 in Angriff genommen haben. Der nächste große Sprung war dann die Anbindung ans Tal mit dem „Millennium- Express“, einer 15er-Kabinenbahn, die mit ihren 6,1 km heute noch als die längste Kabinenbahn der Alpen gilt. In nur 17 Minuten werden dabei 1 309 Höhenmeter bewältigt. Das waren für mich sicher die entscheidenden Punkte, mit denen wir mit der Entwicklung der Branche gut mithalten konnten. Wir gehören in Österreich sicher auch zu den ersten Gebieten, die ihre gesamten Pisten beschneibar gemacht haben. Auch das war ein wichtiger Punkt, um für den Gast ein umfassendes Angebot zur Verfügung zu stellen.“
Arnold W. Pucher, Bergbahnen Nassfeld Pramollo AG. Fotos: BB Nassfeld Pramollo AG
Arnold W. Pucher, Bergbahnen Nassfeld Pramollo AG. Fotos: BB Nassfeld Pramollo AG
MM: „Wie sieht das Angebot heute konkret aus?“

A. W. Pucher: „Heute erstreckt sich unser Pistenangebot über drei Täler hinweg. Die Länge der Pisten beträgt rund 110 km. Unsere Liftanlagen sind in der Lage, 44 000 Personen pro Stunde zu befördern. Dazu sorgen über 25 Skihütten, Gasthöfe und Restaurants im Skigebiet für das leibliche Wohl der Gäste. Unser Angebot richtet sich sowohl an Familien, junge Gäste als auch sportliche Skifahrer, da wir über sehr viel freies Gelände verfügen. Blaue Pisten findet man bei uns genauso wie rote und natürlich auch schwarze Pisten für den Könner. Im Gespräch ist derzeit der Anschluss der Skiregion Nassfeld an Italien, an dieser Idee wird intensiv gearbeitet. Natürlich soll dazu auch unser bestehendes Angebot noch mehr auf die Wünsche der Kunden abgestimmt werden, sei es jetzt auf Kinder, Familien oder sportliche Skifahrer.“

MM: „Wie wichtig sind Funsportarten und ‚Non-Skiing-Activities’?“

A. W. Pucher: „Unsere Stärke ist sicher das klassische Angebot für Skifahrer und Snowboarder. Darüber hinaus haben wir zwar auch einige Loipen, eine Halfpipe und Angebote, um Funsportarten ausprobieren zu können.Unsere Anstrengungen richten sich allerdings zum großen Teil auf den klassischen Wintersportsektor. 95 % der Gäste nutzen dann auch die entsprechenden Angebote, rund 5 % würde ich im Bereich „Funsport“ sehen.“
Der „Millennium-Express“ ist die längste Kabinenbahn der Alpen.
Der „Millennium-Express“ ist die längste Kabinenbahn der Alpen.
„Erleben, wie sich perfekter Service auswirkt“

MM: „Sie haben für diesen Winter als Weltneuheit den ,Nice-Surprise-Skiservice‘ auf den Weg gebracht, wie kommt er an – welche Erfahrungen gibt es?“

A. W. Pucher: „Die Idee zum ‚Nice-Surprise-Skiservice“ war, das Vergnügen am Wintersport nochmals zu optimieren. Bisher war der Skiservice für den Wintersportler doch recht kompliziert. Die Skier mussten eingepackt und zur Servicestation gebracht werden, 1 bis 2 Tage später musste man sie dann wieder abholen. Am Nassfeld haben wir den Skiservice jetzt mitten ins Geschehen verlegt. Direkt am Gipfel der Madritsche, neben der Bergstation des Millennium-Express, gibt es im neu gebauten KofelCenter besten Skiservice, der in kürzester Zeit zu ausgesprochen günstigen Tarifen durchgeführt wird. Der Gast fährt direkt mit seinen Skiern zur Servicestation, lässt sie begutachten und entsprechend servicieren. Schon 10 Minuten später ist er wieder auf der Piste und erlebt, wie sich perfekter Service auf seine Sportgeräte auswirkt.
Die Idee ist völlig neu und wir machen jetzt die ersten Erfahrungen damit. Diese Saison hatten wir im Dezember und auch im Februar viel Neuschnee, sodass perfekte Kanten nicht vorrangig Thema waren. Dennoch haben unsere Gäste sehr positiv auf das neue Angebot reagiert und es auch angenommen. Inter - essant werden in dieser Hinsicht sicher die nächsten Wochen, wenn im Frühjahr die Pisten härter werden. Grundsätzlich sehen wir aber schon jetzt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Natürlich werden wir das Angebot auch noch entsprechend verbessern, d. h. die Erfahrungen der ersten Saison einbringen. Ein Punkt dabei wird sicherlich die Temperatur der Skier oder Boards sein. Kommt man von der Piste, sind die Wintersportgeräte natürlich ausgesprochen kalt, ein Service ist vor diesem Hintergrund schwierig. Wir sind deshalb schon dabei, für diesen Aspekt eine entsprechende Lösung vorzubereiten.“

MM: „Wie sind Sie generell mit der bisherigen Saison zufrieden?“

A. W. Pucher: „Die Saison verläuft mehr als zufrieden stellend, obwohl wir Anfang Februar 10 Tage mit schlechtem Wetter hatten. Dafür waren Weihnachten und Neujahr durch den vielen Schnee ausgezeichnet. So ein schneereicher Winter ist einfach gut für all jene, die immer sagen, es gibt keinen richtigen Winter mehr. Es hat immer Winter mit viel Schnee und Winter mit wenig Schnee gegeben. So viel Schnee wie dieses Jahr hatten wir allerdings das letzte Mal vor 30 Jahren. Wir sind also sehr zufrieden mit dem Verlauf der Saison und können höhere Zuwächse verzeichnen, als wir erwartet haben. Die Schlussabrechnung gibt es aber natürlich erst im April.“

MM: „Wie wichtig sind am Nassfeld das Zusammenspiel von Hotellerie, Gastronomie und Wintersport, wie funktioniert die Zusammenarbeit?“

A. W. Pucher: „Diese Zusammenarbeit ist natürlich ein sehr wichtiger Aspekt, weil entsprechende Packages angeboten werden. In der Karnischen Incoming Gesellschaft sind die Vermieter und Liftbetreiber vertreten, um gemeinsam Marketing und Werbung zu machen. An Geldern, die dafür einbezahlt werden, steuern die Liftbetreiber rund 50 % bei. Das ist ein sehr großer Beitrag, wenn man bedenkt, dass wir am Budget des Gastes nur einen Anteil von 15 bis 20 % haben. Wir sind auch sehr daran interessiert, neue Betten in der Region dazu zu bekommen. Platz wäre sowohl in der Region als auch im Skigebiet selbst.“
110 Pistenkilometer bzw. 280 ha Skipisten bieten beste Voraussetzungen fĂĽr Wintersport pur.
110 Pistenkilometer bzw. 280 ha Skipisten bieten beste Voraussetzungen fĂĽr Wintersport pur.
„Das Sommerangebot ist gerade im Aufbau“

MM: „Welchen Stellenwert hat der Sommer, wie sieht das Angebot derzeit aus?“

A. W. Pucher: „Wir arbeiten bereits seit einigen Jahren daran, das Angebot im Sommer auszubauen. Unsere Millenniums-Bahn ist auch im Sommer in Betrieb, was natürlich entsprechend Kosten mit sich bringt. Da muss man sich dann schon einiges einfallen lassen für den Gast. So haben wir in den letzten Jahren eine Sommerrodelbahn gebaut und den Aqua Trail ,BergWasser‘ auf den Weg gebracht. Auf diese Weise möchten wir den Gästen ein interessantes Angebot für einen ganztägigen Aufenthalt am Berg gestalten. Dieses Angebot soll für die Zukunft auch noch ausgebaut werden, z. B. im Bereich der Wanderwege. Vielfach sind solche nur für sportliche Wanderer angelegt. Wir glauben aber, dass wir unseren Besuchern gut ausgebaute Wanderwege bieten sollten, die für alle Gäste benutzbar sind. Hier gibt es auch ein INTERREG-Projekt, das wir gemeinsam mit Pontebba umsetzen.
Grundsätzlich ist unser Angebot aber erst im Aufbau begriffen und wir wissen, dass wir noch investieren müssen. Das wird noch seine Zeit brauchen.“
Der Bau von kuppelbaren Sesselliften brachte für das Nassfeld einen kräftigen Impuls.
Der Bau von kuppelbaren Sesselliften brachte für das Nassfeld einen kräftigen Impuls.
MM: „Gibt es für die Sommersaison Neues, wohin soll sich das Angebot entwickeln?“

A. W. Pucher: „Wir haben für den Sommer einige Pläne. Dazu kommen sollen 2009 Angebote fürs Biken. Interessant wird für die Sommersaison dann auch der Aqua Trail ,BergWasser‘, der erst letztes Jahr im September fertig wurde. Der 1,5 km lange Weg auf der Madritsche wird den Gästen jetzt erstmals in der ganzen Saison zur Verfügung stehen. Das Motto dabei lautet: ,spielen – erleben – staunen‘. Plätscherndes Wasser, Spaß auf Trampolinen und Kinder-Spielstationen sollen für ein Naturerlebnis in einer atemberaubenden Bergkulisse sorgen. Hier werden nach der Schneeschmelze noch einige Vollendungsarbeiten durchgeführt werden.
In der Folge werden wir uns genau ansehen, was von den Gästen wie gut angenommen wird. Dort werden wir dann noch nachlegen.“

MM: „Wie wichtig sind für Sie Veranstaltungen und Events?“

A. W. Pucher: „Für das Nassfeld sind Veranstaltung und Events natürlich interessant. So haben wir für Juni 2009 den Zuschlag für eine Veranstaltung von Skoda erhalten. Das Unternehmen wird bei uns über 3 Wochen den neuen SUV Yeti präsentieren. Eingeladen werden dazu die Skoda- Verkäufer aus aller Welt, sodass wir aufgeteilt über die 3 Wochen mit entsprechenden Gästen rechnen dürfen. Der Zuschlag für diese Veranstaltung freut uns natürlich sehr. Darüber hinaus gibt es bei uns kleinere lokale Events wie den Almkirchtag – bei größeren internationalen Veranstaltungen stehen wir aber erst am Anfang.
Im internationalen Skirennsport engagieren wir uns nicht, dafür hätten wir auch nicht die richtigen Einrichtungen. Es gibt natürlich die Möglichkeit für Firmen, hier ihre internen Rennen auszutragen, oder für Kinder- oder Jugendgruppen ihre Wettkämpfe durchzuführen – das sind aber klarerweise andere Dimensionen als Weltcuprennen.“
Sommerrodelbahn am Nassfeld.
Sommerrodelbahn am Nassfeld.
„Wir haben Gäste aller Altersstufen“

MM: „Woher kommen Ihre Gäste im Sommer bzw. Winter, gibt es Unterschiede in Herkunft oder Altersstruktur?“

A. W. Pucher: „Jedes Gebiet hat seine Stammkunden. Die bekannten Herkunftsländer im westlichen Europa stellen dabei heute nicht mehr so viele Gäste wie noch in früheren Jahren. Diese Lücken, die hier im Winter entstanden sind, füllen Gäste aus den Oststaaten auf. Wir haben hier am Nassfeld heute eine sehr gemischte Struktur mit Gästen aus Deutschland, Liechtenstein, Italien, Kroatien, Polen, Tschechien etc. Das Öffnen der Grenzen hat uns sehr gut getan.
Für den Sommer war lange Jahre das Wandern nicht mehr aktuell, jetzt ändern sich die Trends glücklicherweise wieder. So kommen viele Italiener, aber auch Slowenen und Einheimische. Von der Altersstruktur her merken wir keine großen Unterschiede. Familien mit Schulkindern kommen natürlich hauptsächlich in der Ferienzeit. Grundsätzlich haben wir aber Gäste aller Altersstufen.“

MM: „Wie muss sich das Nassfeld weiterentwickeln, um erfolgreich zu bleiben – wo sehen Sie die Herausforderungen?“

A. W. Pucher: „Wenn wir in der Lage sind, moderne Skipisten und Aufstiegshilfen zu bieten und unser Angebot auf hohem Niveau aufrecht zu erhalten, dann werden auch weiterhin Gäste zu uns kommen. Qualität ist ein entscheidendes Kriterium. Wenn wir das auch in Zukunft bieten können, werden wir uns als eine Region etablieren, die einiges besser macht als andere. Für die nahe Zukunft haben wir es uns zum Ziel gesetzt, die Pisten breiter und die Schneeanlagen noch schlagkräftiger zu machen, um die natürlichen Schwankungen im Jahresrhythmus auszugleichen. Wenn heute vielerorts nicht mehr vom Winter- oder dem Sommertourismus geredet wird, sondern von einem Ganzjahrestourismus, so möchten wir natürlich auch daran teilhaben und teilnehmen. Grundsätzlich wollen wir weiterhin ganz vorne dabei sein – dazu werden wir auch unseren Beitrag leisten.“ dwl