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Marketing & Management - MM-Interview

Mag. Heinz Pfeifer, GF Nauderer Bergbahnen GesmbH & Co KG - "Die große Herausforderung liegt in der Kommunikation!"

Ausgabe 03/2011

Die Nauderer Bergbahnen haben in der letzten Saison durch gezielte Investitionen in die Sicherheit von Sesselliften und -bahnen auf sich aufmerksam gemacht. WofĂŒr man sich sonst noch einsetzt und welche Ziele und Erwartungen man hat, zeigt Mag. Heinz Pfeifer fĂŒr das Skigebiet am  Reschenpass.
Mag. Heinz Pfeifer, GF Nauderer Bergbahnen. Fotos: Nauderer Bergbahnen
Mag. Heinz Pfeifer, GF Nauderer Bergbahnen. Fotos: Nauderer Bergbahnen
MM-Frage: "Wie charakterisieren Sie Ihr Skigebiet am Reschenpass?"

Mag. Heinz Pfeifer: "Das Skigebiet Nauders am Reschenpass im 3-LĂ€ndereck Österreich/Italien/Schweiz ist mit seinen 13 Aufstiegsanlagen und 70 Pistenkilometern grĂ¶ĂŸenmĂ€ĂŸig ein mittleres Skigebiet, das seit langem an sich selbst hohe AnsprĂŒche hinsichtlich der QualitĂ€t stellt. Diese QualitĂ€tsansprĂŒche betreffen alle unsere Bereiche - Anlagen, Pisten und Gastronomie - sodass sich Nauders zu einem Geheimtipp fĂŒr alle entwickelt hat, die das Skifahren so richtig genießen wollen. Besonders bekannt ist Nauders fĂŒr seine den ganzen Winter ĂŒber herrschenden guten SchneeverhĂ€ltnisse - machbar durch eine Kombination aus leistungsfĂ€higer Beschneiungsanlage und unserer Höhenlage zwischen 1 400 m im Tal und fast 3 000 m als höchster erreichbarer Punkt - und durch seine breiten und bestens gepflegten Pisten, auch hier machbar durch eine Kombination modernster Technik und ausgezeichneten Mitarbeitern. Und dieses hohe QualitĂ€tsniveau muss sich fĂŒr uns natĂŒrlich wie ein roter Faden durch alle Bereiche des Unternehmens durchziehen, von den technischen Anlagen ĂŒber das gastronomische Angebot bis zum Verhalten unserer Mitarbeiter dem Kunden gegenĂŒber. In diesen Punkten ist Nauders erfolgreich seinen Weg gegangen."

MM-Frage: "Wie lange sind Sie GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Bergbahnen Nauders und wie war Ihr Zugang zu dieser Branche?"

Pfeifer: "Im heurigen Sommer werden es 14 Jahre, dass ich die Geschicke der Nauderer Bergbahnen gemeinsam mitgestalten kann. Wenn ich auch aus frĂŒheren TĂ€tigkeiten auf eine gewisse touristische Erfahrung zurĂŒckgreifen konnte, war der Bergbahnbereich an sich mit seinen ganzen rechtlichen und technischen nicht ganz einfachen Rahmenbedingungen Neuland. Ich hatte jedoch das GlĂŒck, mich von Anfang an auf einen ausgezeichneten Mitarbeiterstock verlassen zu können und fand hier eine offene Aufnahme und viel UnterstĂŒtzung, die mir einen raschen Zugang zur Branche wesentlich erleichterte."

MM-Frage: "Wie sind Sie mit der letzten Saison zufrieden?"

Pfeifer: "Die vergangene Wintersaison 2010/11 war sicher eine der schwersten der Vergangenheit, nicht nur durch die schwierigen SchneeverhĂ€ltnisse, sondern vor allem auch durch die LĂ€nge. Im Wesentlichen war es eine stĂ€ndige Gratwanderung zwischen Kosten einsparen und beste VerhĂ€ltnisse schaffen. Unter diesen Bedingungen bin ich mit der Saison - wir konnten mit einem leichten Plus abschließen - zufrieden."
Die Nauderer Bergbahnen setzen auf höchstes QualitÀtsniveau in allen Belangen.
Die Nauderer Bergbahnen setzen auf höchstes QualitÀtsniveau in allen Belangen.
"Viele positive RĂŒckmeldungen zeigen, dass die Investition richtig war"

MM-Frage: "Sie haben fĂŒr den Winter 2010/11 in die Sicherheit Ihrer Sesselbahnen investiert. Was war dafĂŒr ausschlaggebend und wie sind Sie mit der Resonanz zufrieden?"

Pfeifer: "Ausschlaggebend war der Wunsch, die Sicherheit vor allem fĂŒr unsere kleinen GĂ€ste und damit auch fĂŒr die Eltern zu erhöhen. Wenn man als Skigebiet viele Familien mit Kindern als GĂ€ste hat und Skischulen mit ganzen Gruppen von Knirpsen auf Skiern, muss man sich Gedanken machen, wie man fĂŒr diese den Transport auf Sesselliften und -bahnen sicherer machen kann - das ist eine ganz normale Reaktion auch auf Meldungen ĂŒber UnfĂ€lle mit Kindern am Lift. Und hier ist es uns gelungen mit den Durchrutschsicherungen auf allen Sesselliften und -bahnen eine essentielle Verbesserung der Sicherheit selbst, aber auch des SicherheitsgefĂŒhls fĂŒr Eltern und Verantwortliche zu erreichen. Viele positive RĂŒckmeldungen unserer GĂ€ste, aber auch unserer eigenen Mitarbeiter haben gezeigt, dass die Investition richtig war."

MM-Frage: "Welche GĂ€stestruktur haben Sie im Winter?"

Pfeifer: "Unser wesentliches Kundenpotential bisher sind die UrlaubsgĂ€ste aus Deutschland, Holland und Belgien, welche ihren Skiurlaub in Nauders und den umliegenden Gemeinden verbringen. Der Tagesgast spielte hier aufgrund unserer Lage am Reschenpass eher eine geringere Rolle. Hier wird es in der nĂ€heren Zukunft eine unserer vordringlichsten Aufgaben sein, Nauders als QualitĂ€tsskigebiet bekannt zu machen und auch den Tagesgast und den lokalen Skifahrer in steigendem Umfang in unser Skigebiet zu bringen. Es muss uns gelingen, den Skifahrern zu erklĂ€ren, dass sich fĂŒr unsere hohe QualitĂ€t ein 5 Minuten lĂ€ngerer Anfahrtsweg lohnt."

MM-Frage: "Was bietet Nauders im Winter?"

Pfeifer: "Kurz zusammen gefasst bietet Nauders die Möglichkeit fĂŒr qualitativ hoch stehenden leistbaren Skitourismus. Wer lautes AprĂšs Ski und Trubel sucht, ist bei uns sicher falsch. Nauders selbst verfĂŒgt ĂŒber eine ausgezeichnete Vermieterlandschaft von privaten, familiĂ€ren UnterkĂŒnften bis zu ausgezeichneten ****Hotels. Daneben ist das Dorf selbst noch in vielen Bereichen in seiner urtĂŒmlichen Art erhalten und intakt. Wer Skiurlaub in seiner ursprĂŒnglichen Form erleben will, ist hier richtig.
Das Skigebiet selbst wird, wie gesagt, sicherlich allen AnsprĂŒchen gerecht und kann nicht nur mit seinen HĂŒtten und Restaurants punkten, sondern auch mit seinen breiten und bestens gepflegten Pisten, aber auch mit 2 Funparks und einer Halfpipe.
NatĂŒrlich bietet auch die Lage im DreilĂ€ndereck besondere Highlights im kulturellen Bereich und fĂŒr manchen Genussmenschen auch gastronomisch. Wo sonst hat man die Möglichkeit in unmittelbarer NĂ€he zwischen Tiroler Knödel, Pizza und Raclette zu wĂ€hlen."
Nauders empfiehlt sich fĂŒr alle, die Skifahren so richtig genießen wollen.
Nauders empfiehlt sich fĂŒr alle, die Skifahren so richtig genießen wollen.
"Non-Skiing-Angebote werden immer wichtiger"

MM-Frage: "Wie wichtig sind fĂŒr Sie Non-Skiing-Angebote?"

Pfeifer: "Immer wichtiger. Neben den Skifahrern ist unser Bergkastelrestaurant - sicherlich auch bedingt durch die gute KĂŒche - auch im Winter ein beliebtes Ausflugsziel fĂŒr FußgĂ€nger oder auch fĂŒr nicht Ski fahrende Angehörige. Und einen immer wichtigeren Stellenwert nehmen die Rodler ein. An manchen Tagen bevölkern mehrere Hundert Rodler unsere ca. 8 km lange Naturrodelbahn von der Bergstation der Bergkastelseilbahn bis zur Talstation. Diese Kundengruppe wird immer wichtiger. NatĂŒrlich mĂŒssen wir dieser durch optimale Infrastruktur wie Rodelverleih und einer tĂ€glich frisch prĂ€parierten Rodelbahn ein entsprechendes Angebot bieten."

MM-Frage: "Welchen Stellenwert haben Veranstaltungen, worauf legen Sie Wert?"

Pfeifer: "Hinsichtlich der Veranstaltungen im Skigebiet wurde die Latte in der Vergangenheit durch andere potentere Skiareas sehr hoch gelegt. NatĂŒrlich ist jedes Skigebiet bestrebt, seinen GĂ€sten auch abseits der Pisten Unterhaltung zu bieten. Aber dabei sollte man immer mit Augenmaß vorgehen und ein Konkurrenzkampf mit den großen Mitspielern ist schwierig. Es ist uns gelungen, die Veranstaltung ,Schlager im Schnee' im vergangenen Winter erstmalig nach Nauders zu bringen und werden diese auch in den kommenden Jahren - nĂ€chste Saison am 11. MĂ€rz 2012 mit Andreas Gabalier als Hauptakteur - als Highlight des Winters veranstalten. Daneben werden sicherlich auch kleinere Veranstaltungen stattfinden. Wichtig dabei ist es fĂŒr mich ein Angebot zu finden, das nicht auf eine kleine Gruppe zugeschnitten ist, sondern fĂŒr den Großteil unserer GĂ€ste eine attraktive Bereicherung darstellt. Sicherlich kein leichtes Unterfangen, aber notwendig."

MM-Frage: "Es gibt eine Kooperation mit SĂŒdtirol - Motto ,3 Skigebiete - 2 Nationen - 1 Skipass'. Wie hat sich das entwickelt, wo liegen die Vorteile?"

Pfeifer: "Die Kooperation mit den beiden benachbarten Skigebieten in SĂŒdtirol besteht seit 1999. Ziel war es, gemeinsam den GĂ€sten ein grĂ¶ĂŸeres und abwechslungsreicheres Angebot bieten zu können. Gemeinsam können wir am Markt mit 30 Aufstiegsanlagen und 120 Pistenkilometern auftreten und werden damit in der Medienlandschaft und am Markt anders akzeptiert und wahrgenommen. Wesentlich bei derartigen KartenverbĂŒnden ist auch, dass eine intensive Zusammenarbeit der TourismusverbĂ€nde nachfolgt, um die entsprechenden Potentiale am Markt auch zu nutzen.
Die Möglichkeiten der Vielfalt und GrĂ¶ĂŸe - insbesondere wenn diese grenzĂŒberschreitend sind - sind ganz andere. Aus diesem Grunde bin ich ein AnhĂ€nger von derartigen KartenverbĂŒnden und so ist Nauders neben der Kooperation mit SĂŒdtiroler Skigebieten auch noch andere Kooperationen eingegangen. Neben der Snowcard-Gold gemeinsam mit Samnaun/Ischgl und dem Kaunertal und dem Ski6 Kartenverbund war uns auch die Schaffung der fĂŒr ganz Tirol gĂŒltigen Tirol-Snow-Card ein Anliegen."

MM-Frage: "Welchen Stellenwert hat fĂŒr Sie der Sommer?"

Pfeifer: "Die wesentliche Frage ist nicht welchen Stellenwert der Sommer fĂŒr die Bergbahnen hat, sondern welchen Stellenwert haben die Bergbahnen fĂŒr den Sommertourismus. Wie bei vielen anderen Bergbahnen in Wintersportorten stellen die SommerumsĂ€tze auch in Nauders keinen wesentlichen wirtschaftlichen Faktor fĂŒr das Unternehmen dar. Es muss sich bereits eine Zufriedenheit einstellen, wenn die variablen Kosten des Sommerbetriebes gedeckt sind. Aber andererseits ist es schwer vorstellbar fĂŒr einen touristisch orientierten Ort wie Nauders eine Bergbahn zu haben, welche im Sommer nicht in Betrieb ist. Eine Bergbahn zĂ€hlt auch im Sommer zu den wichtigsten touristischen Infrastrukturen im Sommertourismus. Und wenn Betrieb, dann muss auch das Angebot stimmen mit attraktiven Angeboten und Veranstaltungen."
Im Sommer werden die Wanderer angesprochen.
Im Sommer werden die Wanderer angesprochen.
"Man ist von Anfang an mitten drin in der herrlichen Bergwelt"

MM-Frage: "Welche GĂ€ste sprechen Sie an, gibt es dabei Unterschiede zum Winter?"

Pfeifer: "Im Sommer sprechen wir im Wesentlichen die Wanderer an. Selten hat man die Möglichkeit eine Wanderung auf 2 200 m Höhe zu beginnen und dabei alle Schwierigkeitsgrade zur Auswahl zu haben. Und vor allem ist man von Anfang an mitten drin in der herrlichen Bergwelt, direkt an der bei uns hoch gelegenen Waldgrenze. Auch hier gilt wie im Winter das Credo des umfassenden Angebotes. Nicht nur der Transport in die Höhe ist wichtig. Dort mĂŒssen auch ausgezeichnete Möglichkeiten zur Einkehr und SpielplĂ€tze fĂŒr Kinder angeboten werden - das ist das Verbindende zum Winter. Der Unterschied ist die Menge. Im Sommer ist ein wesentliches Element die Ruhe der Bergwelt.
Daneben spricht Nauders noch - trotz oder wegen seiner Höhenlage - die Radfahrer und Mountainbiker an. 700 km Mountainbikerouten und die Lage an der Via Claudia bieten hier herrliche Angebote."

MM-Frage: "Gibt es Neuigkeiten fĂŒr den Sommer 2011?"

Pfeifer: "Ja! Das eigentlich Neue ist das verbesserte Alte. In der Vergangenheit existierten in unserer Region mehrere Sommer-Vorteilskarten. Auf der einen Seite die Summercard Gold in Zusammenarbeit nach Norden, zum Tiroler Raum und die Reschen Tourist Card als Zusammenarbeit mit SĂŒdtiroler Partnern. Nun ist es gelungen diese beiden Vorteilskarten fĂŒr unsere GĂ€ste zu vereinen zur 3-LĂ€nder-Summercard. Diese Karte vereint fĂŒr den Gast die Vorteile beider Regionen und bietet die Möglichkeit zur Nutzung der Infrastruktureinrichtungen sowohl auf Tiroler als auch auf SĂŒdtiroler Seite. Wesentliches Angebot dabei ist neben den Bergbahnen und anderen Einrichtungen auf Nord- und SĂŒdtiroler Seite auch die MobilitĂ€t durch die beinhaltete Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel von Landeck bis Meran und darĂŒber hinaus."

MM-Frage: "Nauders ist auch ĂŒber Google Earth erreichbar, welche Rolle spielen fĂŒr Sie die so genannten ,neuen Medien'"?

Pfeifer: "Alle modernen Medien gewinnen zunehmend an Bedeutung. Nicht nur Google Earth, auch die verschiedenen Internet-Communitys und alle Internetseiten, auf welchen sich unsere Kunden informieren und miteinander kommunizieren, haben bereits rasant an Bedeutung gewonnen und sind fĂŒr ein Seilbahnunternehmen unverzichtbar. Hier ist es eine große Herausforderung, den richtigen Zugang zu finden."

MM-Frage: "Wo sehen Sie die Herausforderungen fĂŒr die nĂ€chsten Jahre?"

Pfeifer: "Ich gehe davon aus, dass die Seilbahnbranche nicht leichter werden wird. Die große Herausforderung der nĂ€chsten Jahre wird vor allem in der Kommunikation liegen. Dabei gilt es mehrere Ziele zu erreichen. Einerseits den Schneesport an sich wieder attraktiver zu machen und neue Kundenkreise zu erschließen. Zum anderen gilt es, das Image der Bergbahnen an sich zu verbessern.
Die zweite große Herausforderung wird sein, den Seiltanz zwischen steigendem Kostendruck - zum Beispiel durch steigende Energiepreise, Mitarbeiterkosten etc. - einerseits und dem Ziel Skifahren leistbar zu erhalten andererseits zu meistern."