Mountain Manager
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Marketing & Management - MM-Interview

Das Kitzsteinhorn hat sein Charisma neu definiert

Ausgabe 3/2013

12 Jahre nach der Seilbahnkatastrophe in Kaprun steht die Region und mit ihr die Gletscherbahnen Kaprun AG dynamischer da, als je zuvor. Das erste Gletschergebiet √Ėsterreichs hat sich vom Nimbus "Sommerskilauf" verabschiedet, der Klimawandel hat eine Reihe von Anpassungsma√ünahmen erforderlich gemacht. Inzwischen ist der Ausflugstourismus im Sommer der gro√üe Wachstumsbringer, ausgel√∂st vor allem durch die "Gipfelwelt 3000" an der Grenze zum Nationalpark Hohe Tauern. Ma√ügeblich beteiligt an der positiven Entwicklung war und ist Vorstand Norbert Karlsb√∂ck, der sich nach 14 Jahren als B√ľrgermeister von Kaprun nunmehr ausschlie√ülich seiner F√ľhrungsaufgabe bei den Gletscherbahnen widmet.
Norbert Karlsböck, Vorstand Gletscherbahnen Kaprun AG
Norbert Karlsböck, Vorstand Gletscherbahnen Kaprun AG
MM: "Herr Karlsböck, schildern Sie bitte zunächst Ihren Werdegang in die Seilbahnbranche sowie alle einschlägigen Funktionen - auch in benachbarten Branchen."
Norbert Karlsb√∂ck: "Ich bin von der Ausbildung her gesehen ein Tiefbauingenieur mit intensivem Bezug zum Skisport und durch meine T√§tigkeit bei der Tauernkraftwerke AG auch mit Bezug zum Gletscher. Seit 1989 bin ich im Aufsichtsrat der Gletscherbahnen Kaprun AG, von 1999 bis 2006 war ich stellvertretender Vorsitzender und seit Mai 2006 bin ich Technischer Vorstandsdirektor. Weitere Funktionen: Aufsichtsrat der Gro√üglockner Hochalpenstra√üen AG, Gesellschaftervertreter der Zell am See-Kaprun Tourismus GmbH und des Tauern SPA Kaprun sowie im Fondsbeirat des Nationalpark Hohe Tauern. Und schlie√ülich habe ich 14 Jahre lang das Amt des B√ľrgermeisters in Kaprun ausge√ľbt, welches ich vor kurzem zur√ľckgelegt habe, um mich voll der Aufgabe des Alleinvorstandes widmen zu k√∂nnen. Diese Periode beginnt am 1. August, da der bisherige Kaufm√§nnische Vorstand Peter Pr√§auer eine Vertragsverl√§ngerung aus Altersgr√ľnden ablehnte. Ich will mich in meinem Berufsleben nun auf das Wesentliche fokussieren und da stellt die zukunftstaugliche F√ľhrung der GLB Kaprun als einer der wichtigsten Leitbetriebe im Land mit bis zu 280 MitarbeiterInnen und 28,3 Mio. Umsatz eine hinreichende Herausforderung dar."
Die Nationalpark Gallery Plattform erlaubt den Blick auf √Ėsterreichs h√∂chsten Berg, den Gro√üglockner, ganz ohne alpinistisches K√∂nnen. Fotos: GLB Kaprun AG
Die Nationalpark Gallery Plattform erlaubt den Blick auf √Ėsterreichs h√∂chsten Berg, den Gro√üglockner, ganz ohne alpinistisches K√∂nnen. Fotos: GLB Kaprun AG
MM: "Nach dem Seilbahnungl√ľck im November 2000 waren die GLB Kaprun am Boden, heute stehen sie wieder stark und innovativ da. Wie ist es zu dieser "Auferstehung" gekommen und welches Engagement haben Sie seit Ihrer Managementfunktion eingebracht?"
Karlsb√∂ck: "Das Seilbahnungl√ľck war die gr√∂√üte Katastrophe, die jemals √ľber Kaprun hereingebrochen ist. Ich habe als B√ľrgermeister alle Facetten dieser Trag√∂die miterlebt und auch die bange Frage im ganzen Ort: Wie kann es √ľberhaupt weitergehen mit uns? Aber wenn man liegt, gibt es letztlich nur die eine Option: wieder aufstehen! Mit dem Bau der Bahnen "Gletscherjet I und II" wurden rasch neue Impulse gesetzt ebenso mit der Therme bzw. Wellnessworld Tauern SPA. Heute stehen wir besser da als je zuvor, die G√§ste sind nicht ausgeblieben. Ganz im Gegenteil, die letzten 3 Jahre hat sich die Region Zell am See -¬† Kaprun extrem positiv bis zum Rekord von 2,25 Mio. N√§chtigungen entwickelt. Das alles ist aus der Dynamik des Neuanfanges heraus entstanden. In der Bev√∂lkerung hat es eine breite Allianz f√ľr eine neue Ausrichtung gegeben, bei welcher der "Mensch in der Natur" sowie das "Gesamterlebnis Berg" in den¬† Vordergrund ger√ľckt wurden."
MM: "Die GLB Kaprun investieren regelmäßig hohe Summen in die Weiterentwicklung. Welche Investitionen stehen heuer bzw. mittelfristig an?"
Karlsb√∂ck: "Das heurige Jahr f√§llt bei den Investitionen mit 6,6 Mio. Euro etwas ruhiger aus, betroffen sind die Bereiche Beschneiung und Pistenqualit√§t. Der Krefelderweg wird z. B. bis zum Alpincenter verl√§ngert, wodurch dieses erstmals √ľber einen G√ľterweg erschlossen ist. Gr√∂√üere Investitionen sind erst in den Folgejahren geplant. Dabei geht es um die Attraktivierung des H√∂henskigebietes durch zwei Umlaufbahnen (Gletscherjet 3 und4), die mehrere Schlepplifte ersetzen. Die 1. Sektion wird als Kombibahn, bestehend aus 10er Kabinen und 8er Sesseln, gef√ľhrt werden. Die 2. Sektion f√ľhrt als 10er Kabinen-Umlaufbahn bis 2 900 m. Diese Ma√ünahme bringt deutliche Verbesserungen f√ľr die Skifahrer, zus√§tzlich erweitert sich das Angebot f√ľr die wachsende Zahl der nicht Ski fahrenden G√§ste, die inzwischen ca. 20 % ausmacht. Wir wollen auch im Sommer mehr Personen in den Gletscher-Gipfelbereich transportieren, was mit der jetzigen Kapazit√§t der Gipfelbahn (600 P/h) aber nicht m√∂glich ist. Das Projekt soll bis zur Saison 2015/16 realisiert sein - zeitgleich mit dem Jubil√§umsjahr ,50 Jahre G√§ste auf das Kitzsteinhorn.' Bei allen unseren Ma√ünahmen nehmen wir gr√∂√üte R√ľcksicht auf die grandiose Naturlandschaft und setzen durchaus Standards mit der Einbindung der √Ėkologie. F√ľr diese Bem√ľhungen erhalten wir von den G√§sten erfreulicherweise viel positives Feedback!"
Ein Teil der
Ein Teil der "Gipfelwelt 3000" wird von einem 360 m langen "mystischen" Stollen mit 6 Infostationen √ľber die Hohen Tauern gebildet.
MM: "Wie sieht die derzeitige Positionierung des Kitzsteinhorns aus, hat sich diese im Laufe der Jahre ver√§ndert und welche Ver√§nderungen sind f√ľr die Zukunft gedacht?"
Karlsb√∂ck: "Unser Berg ist inzwischen als Ganzjahresberg positioniert - urspr√ľnglich hat man als √Ėsterreichs erstes Sommerskilauf-Gebiet begonnen (!) - das Angebot des Tauern SPA unterst√ľtzt dieses Konzept ideal. Vor 5 Jahren haben wir einen intensiven Prozess in punkto Positionierung entwickelt und wir haben hier 3 f√ľr uns wichtige Dimensionen herausgearbeitet, mit denen wir unvergessliche Erlebnisse bieten wollen:
1) Freiheit im Schnee
2) Genuss (auf Piste und in der Gastronomie)
3) Kreativität (u. a. in Snowparks, Architektur, Ausstellungen etc.)
Diese Linie zieht sich auch in den Bildwelten durch. Freiheit bezieht sich bei uns z. B. auch auf Skilauf und Freeriden auf weiten H√§ngen oder grenzenlose M√∂glichkeiten f√ľr Snowboarder und Freeskier in unseren 3 Snowparks samt √Ėsterreichs gr√∂√üter Superpipe. Diese Sto√ürichtung zielt klar auf das junge Publikum ab, das wir verst√§rkt auf den Berg holen m√∂chten. Dazu passt auch das Programm ,Power of Zehn', das Kindern und Jugendlichen bis 19 Jahre jeden Samstag eine Tageskarte am Kitzsteinhorn um 10,- Euro erm√∂glicht.
Prinzipiell geht es uns seit einigen Jahren darum, dass das Kitzsteinhorn vom Publikum ,neu' wahrgenommen wird. Wir wollen auch nicht die Seilbahnfahrt an sich verkaufen, sondern eine ,eindrucksvoll gestaltete Zeit am Berg' direkt an der Grenze zum imposanten Nationalpark Hohe Tauern. Wir inszenieren die einzelnen Tourismusprodukte wie z. B. die ,Gipfelwelt 3000' unter diesem Gesichtspunkt - da gehört auch eine attraktive Architektur dazu."
Kitzsteinhorn Gipfelstation auf 3 029 m Höhe mit
Kitzsteinhorn Gipfelstation auf 3 029 m Höhe mit "Top of Salzburg", der höchsten Panorama-Plattform des Landes.
MM: "Stichwort ,Freeriden'. Das Kitzsteinhorn war schon immer eine beliebte Destination f√ľr Offpiste-Fahrer. Inzwischen bietet Ihr aber einen professionellen Umgang mit dem Thema an. Wie sieht dieser aus, was bewirkt er?"
Karlsb√∂ck: "Freeriden hat sich in den letzten Jahren zu einem echten Trendsport entwickelt. Zugleich hat auch das Bewusstsein f√ľr alpine Gefahren und Risikominimierung zugenommen. Das Kitzsteinhorn hat sich schon fr√ľh dieses Themas angenommen und empf√§ngt Freerider auf 5 abwechslungsreichen Routen in Liftn√§he. Zugleich nehmen wir aber auch bei der Aufkl√§rung eine Vorreiterrolle ein. Die Freeride Info-Base am Alpincenter und die Freeride Info-Points am Einstieg der Routen informieren Freerider nach dem Motto ,Safety First' eingehend und aktuell dar√ľber, welche Routen ge√∂ffnet sind bzw. √ľber die Gefahren abseits der gesicherten Pisten. Im PIEPS-Lawinenfeld neben dem ICECAMP k√∂nnen Powderfans gezielt jederzeit kostenlos den Umgang mit LVS-Ger√§t, Sonde und Schaufel trainieren. Aufgrund dieses durchdachten Gesamtpaketes wird das Kitzsteinhorn von Medien und alpinen Vereinen immer wieder als positives Beispiel im Umgang mit dem Trendsport ,Freeriden' genannt. Wir erleben die Freerider als naturverbundene Leute mit einer starken Sehnsucht. Vom Verbieten dieser Aktivit√§t halte ich nichts."
MM: "Die Gipfelwelt 3000 hat euch 2011 einen positiven Schub verliehen. Wie kam es zu dieser Idee bzw. was beinhaltet sie und wie wird diese Attraktion angenommen? Gibt es noch weitere Ausbaupläne?"
Karlsb√∂ck: "Wir haben im Zuge der o. a. Positionierungsbem√ľhungen festgestellt, dass die 3 000er-Marke sowie die N√§he zum Nationalpark ein Alleinstellungsmerkmal sind. Gemeinsam mit dem ,Haus der Natur' in Salzburg und dem Nationalpark Hohe Tauern wollten wir den G√§sten diesbez√ľglich etwas ganz Neues pr√§sentieren und ein Zusatzangebot zum klassischen Skitourismus schaffen. Inzwischen hat sich der ganzj√§hrig ge√∂ffnete Besuchermagnet als Erfolgsmodell etabliert: 153 000 Menschen aus 40 Nationen haben von 15. 5. bis 15. 10. 2012 die ,Gipfelwelt 3000' besucht (+ 21 % gegen√ľber 2011). Mit solchen Attraktionen werden neue, internationale G√§steschichten angezogen, welche die Gletscherbahnen nutzen, um bequem und sicher die Faszination von Hochgebirge und Gletscher zu erleben. Mit der Plattform ,Top of Salzburg' kann jedermann einfach und ohne Anstrengung den h√∂chsten Besucherpunkt im Nationalpark erreichen. Dorthin f√ľhrt ein 360 m langer Stollen als ,magisch mystischer Weg' mit 6 interessanten Info-Stationen √ľber Themen wie z. B. ,Kristallsch√§tze der Tauern' oder ,Entstehung der Tauern', ,Gold und Silber' oder ,Permafrost'. Weiters wird das Areal im Sommer erg√§nzt durch die ,ICE ARENA", sozusagen ein Rutschspa√ü im Sommerschnee auf Bobs plus Schneestrand mit Sonnenliegen sowie ein gesicherter Gletscher Trail.
F√ľr uns sind diese Investitionen sehr nachhaltig, vor allem in Hinblick auf den Sommer. Man kann auf diese Weise auch bessere Preise erzielen, denn das Kitzsteinhorn wird sehr hochwertig wahrgenommen! Ausbaupl√§ne existieren nat√ľrlich, zumal die Zahl der Nicht-Skifahrer auf ca. 25 % ansteigen wird. Hier gehen wir wieder sehr behutsam vor, damit alles hochwertig bleibt. Denn der Berg ist wie ein Organismus zu betrachten, der auf alle Ver√§nderungen reagiert."
Die hochqualitative Gastronomie in modernem alpinen Stil soll das Naturerlebnis fortsetzen.
Die hochqualitative Gastronomie in modernem alpinen Stil soll das Naturerlebnis fortsetzen.
MM: "Auf dem 23. TFA haben Sie einen Vortrag gehalten mit dem Titel: ,Anpassungsstrategien an den Klimawandel - Neue Sommerangebote erfordern andere Preise'. Geben Sie bitte die Kernaussagen wieder."
Karlsb√∂ck: "Der Klimawandel in der Gletscherregion erfordert zwar Anpassungsstrategien, bietet aber auch Chancen, wenn man sich breit aufstellt. Was uns bei aller globaler Erw√§rmung bleibt, ist die H√∂he und die relative K√ľhle im Vergleich zur Umgebung. Vor 50 Jahren wurde das Kitzsteinhorn als Sommerskigebiet konzipiert - das ist l√§ngst vorbei, der Skibetrieb geht von Anfang Oktober bis 2. Juni, dann wird noch einmal drei Wochen im Juli f√ľr Skilehrer offen gehalten. In Zukunft wird der Berg mit seiner K√ľhle und weitgehend unber√ľhrten Natur f√ľr viele Menschen weltweit eine Gegenwelt bieten - speziell f√ľr jene, die in urbanen R√§umen unter der steigenden Hitze leiden. Unsere Region in Kombination mit dem Zeller See ist ideal f√ľr ,Hitzefl√ľchtlinge'. Speziell aus Asien und dem arabischen Raum ergeben sich bei dieser Thematik interessante Wachstumsimpulse, die wir aufgreifen wollen. 89 % unserer G√§ste zwischen Juni und September sind heute bereits Ausflugsg√§ste zur Gipfelwelt 3000! Und erg√§nzend dazu ersetzt die ,ICE ARENA' - wie erw√§hnt unser Erlebnisbereich mit Sommerschnee - l√§ngst das Sommerskifahren. Zus√§tzlich findet eine Renaissance der alten Tradition des Bergwanderns statt und neue Formen des Bergerlebnisses z. B. √ľber Mountainbike-Trails werden bereitgestellt.
Bei den Preisen streben wir noch eine Verbesserung der Ertragsstruktur an. 43 % der G√§ste nutzen die Zell am See - Kaprun Sommerkarte, die f√ľr den N√§chtigungsgast von Partnerbetrieben inkludiert ist, weitere 20 % nutzen andere Bonuskarten und ,nur' 37 % sind Vollzahler. F√ľr eine gute wirtschaftliche Perspektive sollte es unser Ziel sein, den Prozentsatz der Vollzahler sukzessive anzuheben. Das hei√üt, wir m√ľssen im Sommer die Tagesg√§ste steigern. Diesbez√ľglich haben wir auf internationalen M√§rkten gute Chancen. Es gibt bereits Touristen, die von M√ľnchen oder Wien direkt mit dem Taxi anreisen, um die Attraktionen am Kitzsteinhorn zu erleben!"
MM: "Welche Rolle spielt der Sommer √ľberhaupt f√ľr ein Gletscherskigebiet wie das Eure? Ihr seid sogar Mitglied bei den √Ėsterreichischen Sommerbahnen! Welche G√§ste-Zuwachszahlen gibt es?"
Karlsböck: "Der Sommer spielt seit einigen Jahren eine immer größere Rolle bei uns.
Die Zahl der Besucher im Sommer ist seit 2004 um 50 % und der Umsatz um 75 % gestiegen (gegen√ľber dem Vorjahr + 21 %) und lag zuletzt bei √ľber 140 000 Sommerfahrten. √úber das ganze Jahr gesehen besuchten 852 669 G√§ste das Kitzsteinhorn. Die N√§chtigungen in der Region sind im Sommer st√§rker gewachsen als im Winter. Mittelfristig peilen wir in Kaprun 850 000 N√§chtigungen an. Wir erwarten uns noch viel vom ,Alpinen Sommer', er bringt die Steigerungsraten in unserer Ganzjahresdestination. Zur weiteren Attraktivierung haben wir seit 2012 ein selektives Angebot f√ľr Mountainbiker mit 3 Freeride-Trails (12 km L√§nge, 1500 H√∂henmeter), Info- und Wash-Points sowie MTB-Transport zum Alpincenter ohne Aufpreis."
MM: "Wie wichtig ist das Thema Nachhaltigkeit f√ľr Euch und welche Ma√ünahmen setzt Ihr bereits um?"
Karlsb√∂ck: "Dieses Thema spielt bei uns seit Jahren eine Hauptrolle, weil wir uns mit unseren Aktivit√§ten in einem sehr sensiblen Naturraum bewegen. Daf√ľr haben wir den in der Branche anerkannten "pro natura - pro ski Award" gewonnen. Das Institut f√ľr √Ėkologie in Salzburg begleitet die Entwicklung und es wird j√§hrlich √ľber die Ma√ünahmen berichtet. Wir haben uns z. B. im Bereich Hochlagenbegr√ľnung/Renaturierung in eine Spitzenposition gesetzt, wir haben ein wissenschaftliches Permafrost-Projekt am Laufen und widmen uns dem "Snowfarming". Hier wird versucht, genug Naturschnee in Mulden zu konservieren oder auf Depots mit Abdeckungen optimal zu sch√ľtzen, um m√∂glichst wenig technischen Schnee produzieren zu m√ľssen. Ein wichtiger Punkt ist auch der Energieeinsatz und die Verwendung ausschlie√ülich sauberer Energie - der Strom f√ľr die Schneeanlage wird z. B. zu 70 % aus einem zum Kleinkraftwerk umfunktionierten Pumpwerk gewonnen, die Warmwasseraufbereitung erfolgt mit Solarenergie, die Abw√§rmenutzung der Antriebsmaschinen und die Energier√ľckgewinnung bei L√ľftungsanlagen wird ebenfalls realisiert. Auch unser Status als Partnerbetrieb des Nationalpark Hohe Tauern gebietet ein nachhaltiges Handeln."
Das 5 000 m2 gro√üe ICE CAMP mit Bar und Lounge wird j√§hrlich mitten im Skigebiet neu aufgebaut, um die Ski-G√§ste zu √ľberraschen.
Das 5 000 m2 gro√üe ICE CAMP mit Bar und Lounge wird j√§hrlich mitten im Skigebiet neu aufgebaut, um die Ski-G√§ste zu √ľberraschen.
MM: "Die GLB Kaprun verf√ľgen auch √ľber eine hohe Schneekompetenz. 20 Mio. Euro wurden in 10 Jahren investiert, davon 4,5 Mio. Euro 2012. Warum braucht ein Gletscherskigebiet eine so schlagkr√§ftige Beschneiung und wie h√§ngt der Gletscherr√ľckgang damit zusammen?"
Karlsb√∂ck: "Unsere Schneekompetenz hat ebenfalls etwas mit dem Klimawandel bzw. dem R√ľckzug des Gletscherrandes zu tun. Wir k√∂nnen derzeit mit 77 Schneemaschinen 2 000 m3 in der Stunde produzieren, denn im Herbst soll es am Kitzsteinhorn eine Schneegarantie geben - wobei wir auf eine Kombination von Naturschnee und Maschinenschnee setzen. Weiters werden √ľber den Winter 150 - 200 000 m3 Schnee in Depots am Gletscherrand angelegt, um das Abschmelzen sensibler Bereiche in der warmen Jahreszeit zu verhindern.
Die j√ľngste Ausbaustufe um 4,5 Mio. Euro umfasste einen neuen Strang f√ľr eine neue Piste samt Pumpstation Langwiedboden II (Planung ILF, Rohre Duktus, Pumpen KSB). Die 4 bestehenden Pumpstationen wurden mit zus√§tzlichen Maschinens√§tzen verst√§rkt, so dass nun die doppelte Wassermenge zur Verf√ľgung steht und die Grundbeschneiungszeit halbiert werden konnte."
Der Sommer am Kitzsteinhorn gewinnt zunehmend an Bedeutung.
Der Sommer am Kitzsteinhorn gewinnt zunehmend an Bedeutung.
MM: "Nun zum Thema Gastronomie. Derzeit wird das Niveau der 7 Outlets weiter angehoben. Worauf zielt die neue Ausrichtung ab? Ist die Gastronomie ein Umsatzfaktor?"
Karlsb√∂ck: "Die Gastronomie tr√§gt am Kitzsteinhorn wesentlich zur qualitativen Wahrnehmung des Gesamtangebotes bei. Mit 5,5 Mio. Euro bzw. ca. 23 % Anteil ist sie au√üerdem tats√§chlich ein wichtiger Umsatzfaktor f√ľr das Gesamtergebnis. Die o. a. Themen ,Genuss' und ,Kreativit√§t' spiegeln sich in unserer Berggastronomie wider. Das Naturerlebnis¬† muss sich auf dieser Ebene fortsetzen. Besonderes Augenmerk legen die Kitzsteinhorn Gastronomen auf regionale Gerichte, zubereitet mit hochwertigen Produkten aus der Region. So kommt zum Beispiel der Bierk√§se f√ľr die legend√§ren ,Kaspress-Kn√∂del' aus der Pinzgauer Molkerei, das Rindfleisch f√ľr die saftigen Entrec√ītes liefern heimische Metzgereien, der Wild-Burger wird im Gipfel-Restaurant mit heimischem Hirschfleisch zubereitet, in den Apfelstrudel kommen nur √∂sterreichische √Ąpfel und in der hauseigenen Konditorei wird Verf√ľhrerisch-S√ľ√ües selbstgemacht.
Davon abgesehen werden die Gäste im Rahmen der kulinarischen Veranstaltungsreihe ,Hochgenuss' von Starköchen drei Mal im Jahr mit Köstlichkeiten auf 3 000 m verwöhnt.
Entscheidend ist in diesem Metier, authentisch aufzutreten - und zwar sowohl bei den Produkten als auch bei Ambiente/Architektur (hier: modern alpin) und von Seiten der Mitarbeiter. Mit unserem Angebot wollen auch wir dem hohen Anteil an internationalen G√§sten gerecht werden, die au√üergew√∂hnliche Qualit√§t suchen. Der Trend geht immer mehr in Richtung Bedienung - obwohl man auch die schnelle Versorgung mit den Marktrestaurants bieten muss. Unser Flaggschiff ist die Gletscherm√ľhle auf 2 450 m. Wir sind √ľbrigens nicht nur bei den Seilbahnen, sondern auch bei der Gastronomie nach ISO 9001 und ISO 14001 zertifiziert!"
Voriges Jahr wurde auch das Thema Mountainbiken mit 3 Freeride-Trails eröffnet.
Voriges Jahr wurde auch das Thema Mountainbiken mit 3 Freeride-Trails eröffnet.
MM: "Die GLB Kaprun hat im Vorjahr eine Auszeichnung vom Gesundheitsminister f√ľr "Betriebliche Gesundheitsf√∂rderung" erhalten. Welche Voraussetzungen waren daf√ľr notwendig und um welche Inhalte geht es hier?"
Karlsb√∂ck: "Wir investieren sehr viel Geld in Ausbildung und Wohlbefinden unserer Mitarbeiter, sie sind unser Schl√ľssel zum Erfolg. Schlie√ülich m√ľssen unsere Mitarbeiter die Begeisterung leben, damit die G√§ste einen perfekten Tag haben. Wir unterst√ľtzen die Mitarbeiter in allen Belangen, sei es Fitness, Ern√§hrung, Weiterbildung, Evaluierungen am Arbeitsplatz - ja wir nehmen sogar schon im Planungsbereich darauf R√ľcksicht. Man darf nicht vergessen, dass wir uns bez√ľglich der Arbeitsbedingungen in einem sehr exponierten Bereich befinden, sozusagen einer arktischen Klimazone. Da gilt es, den Mitarbeitern ein m√∂glichst gutes Umfeld zu bieten! √úbrigens Lehrlinge haben die GLB Kaprun schon ausgebildet, bevor es den neuen Lehrberuf Seilbahnfachmann/frau gegeben hat! Und zwar zum Mechatroniker."
MM: "Seit 7 Jahren wird auf 2 500 m H√∂he mitten im Skigebiet das legend√§re ICE CAMP jeden Winter neu aufgebaut. Lohnt sich diese M√ľhe und welche Idee steckt dahinter?"
Karlsb√∂ck: "Unsere kunstvolle Iglu-Landschaft mit kreativen Eis-Skulpturen, Ice Lounge und Ice Bar schafft u. a. einen zus√§tzlichen Erlebnispunkt f√ľr die Skifahrer. Bei chilliger Musik, Drinks und Snacks kann man von der Eiswelt aus das atemberaubende Panorama genie√üen oder am automatischen Photopoint unvergessliche Momente festhalten. √úber das kostenlose WiFi-Netz werden extrem viele Fotos verschickt - ein sch√∂ner Werbeeffekt f√ľr uns.
Das 5000 m2 gro√üe Areal bietet sich auch f√ľr Veranstaltungen und Unternehmenskooperationen wie z. B. mit ,Audi Home of Quattro' an und passt zu unserer Positionierung, nicht nur Skisport, sondern generell Schneeerlebnis zu erm√∂glichen. Die G√§ste sollen das Kitzsteinhorn als einzigartigen Berg in den Ostalpen, an der Grenze zum Nationalpark Hohe Tauern, mit eigener Pers√∂nlichkeit wahrnehmen bzw. in Erinnerung behalten. Diese Perspektive sichert unsere Zukunft."