Mountain Manager
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Marketing & Management - MM-Interview

„Produkte anbieten, die nicht jeder hat!“

Ausgabe 4/2017

Die Blombergbahn Bad Tölz wurde 1971 in Betrieb genommen und erschließt ihren Gästen ein gut durchdachtes Sommer- und Winterangebot für die ganze Familie. Der MOUNTAIN MANAGER hat mit Hans Zintel, dem geschäftsführenden Gesellschafter, über die Herausforderungen und Ziele seines Unternehmens gesprochen.
Hans Zintel, geschäftsführender Gesellschafter Blombergbahn. Fotos: Eberhard Franke
Hans Zintel, geschäftsführender Gesellschafter Blombergbahn. Fotos: Eberhard Franke
MM: „Wie lange gibt es die Blombergbahn und wie hat sie sich entwickelt?“
Hans Zintel: „Die Blombergbahn gibt es seit 1971, die touristische Entwicklung hier in Bad Tölz reicht aber bis ins Jahr 1906 zurück. Das ganze Gebiet gehört der Stadt Bad Tölz, liegt aber auf der Flur der Gemeinde Wackersberg bzw. vor der Gebietsreform auch Oberfischbach. 1906 gab es im Sommer schon einen stabilen Sommer- bzw. Gesundheitstourismus. Um auch den Winter für Touristen attraktiv zu machen, wurde eine Winterrodelbahn gebaut mit einer entsprechenden Gastronomie im Tal und am Berg. Schon damals war der Wunsch nach einer Seilbahn vorhanden.
Letztendlich dauerte es bis in die Mitte der 60er-Jahre, bis man zwei Investoren für die Seilbahn gefunden hatte. Einer war mein Vater, der zweite war Franz Josef Koch. Meine Familie kommt aus der Schausteller-¬Branche, sodass wir von Anfang an viel Erfahrung mit dem Unterhaltungsbereich hatten. 1971 wurde der Doppelsessellift eröffnet, der damals als leistungsstärkster seiner Art galt – die Finanzierung war alles andere als einfach. Bereits 1974 stand die Bahn dann schon vor dem Konkurs, weil man mit viel höheren Beförderungszahlen gerechnet hatte. Auch der Winterbetrieb, für den dieses Areal angedacht war, und für den man noch 2 Schlepplifte gebaut hatte, entwickelte sich nicht so, wie gedacht.
Mein Vater hat dann die Anteile von Franz Josef Koch übernommen und sich Attraktionen für die Gäste einfallen lassen, um das Angebot attraktiv zu machen. 1976 wurde nach einer 18-monatigen Genehmigungsphase eine Sommerrodelbahn gebaut, die zweite in Deutschland und die längste Sommerrodelbahn weltweit, was uns einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde eingebracht hat. Wir waren überall in den Medien, der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Dazu wurde bereits 1976 eine Beschneiungsanlage gebaut. Das Angebot am Blomberg war also ursprünglich als Attraktion für den Sommer und den Winter gedacht.“
Blick auf die Talstation und den Doppelsessellift.
Blick auf die Talstation und den Doppelsessellift.
MM: „Wo liegt heute der Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit – im Sommer oder im Winter?“
Zintel: „Schon in den 70er-Jahren ist der Sommer immer besser gelaufen als der Winter, das hat sich in den folgenden Jahren verstärkt. Schließlich sind wir hier vor der Entscheidung gestanden, wie es in Zukunft weitergehen soll. Es ist mir dann gelungen, in den Gemeinderäten Wackersberg-Oberfischbach, Bad Heilbrunn sowie im Stadtrat Bad Tölz einen Konsens für die Umsetzung eines Masterplanes zu erreichen, der in der Folge auch in die Tat umgesetzt wurde. Im Plan wurde der Schwerpunkt auf den Sommer gelegt, wobei der Winter nicht vernachlässigt wurde. Insgesamt wurden für eine ganze Reihe an Attraktionen wie z. B. den Blomberg-Blitz, einen Spielbereich oder den Kinderfreizeitpark rund 2,4 Mio. Euro investiert. Mittlerweile ist es allerdings so, dass rund 3 Viertel des Umsatzes im Sommer erwirtschaftet werden, ein Viertel im Winter.“
MM: „Wie lange sind Sie Geschäftsführer der Bergbahn – was hat Sie veranlasst, in diesem Bereich aktiv zu sein?“
Zintel: „Ich bin hier aufgewachsen, mein Elternhaus steht hier an der Talstation. Ich war also von klein auf dabei und habe mir schon mit 12 Jahren Taschengeld mit kleineren Arbeiten verdient. Nach der Schule habe ich eine Ausbildung zum Elektriker gemacht, aber immer in den Ferien oder am Wochenende hier mitgearbeitet. Dann habe ich am WIFI in Innsbruck die Seilbahnakademie besucht, die Maschinisten- und Betriebsleiterkurse gemacht und bei anderen Seilbahnunternehmen entsprechende Praktika absolviert. 2001 wurde ich Betriebsleiter, 2007 Geschäftsführer und 2013 habe ich dann die Anteile meiner Eltern übernommen, sodass ich jetzt geschäftsführender Gesellschafter bin.
Rückblickend muss ich sagen, dass ich mir nie eine Arbeit hätte vorstellen können, wo es ständig gleiche Abläufe gibt oder man nur nach Anweisung arbeitet. Ich wusste, dass man bei meiner jetzigen Tätigkeit immer vor neue Herausforderungen gestellt wird. Und diese Herausforderungen nehme ich auch ganz bewusst an.“
Die Klassik-Rodelbahn ...
Die Klassik-Rodelbahn ...
„Die klassische Vorstellung über eine Bergbahn gilt für uns nicht mehr“
MM: „Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie im Sommer/Winter?“
Zintel: „Was die Mitarbeiter betrifft, arbeiten wir nicht nur mit Angestellten, sondern auch mit Aushilfen. Wir haben also eine Stammmannschaft und Aushilfen, die nur dann eingesetzt werden, wenn man sie wirklich braucht. Das gibt uns die Flexibilität, die für uns wichtig ist, weil wir natürlich stark vom Wetter abhängig sind. In Zahlen ausgedrückt sind Mitarbeiter zu einem Drittel angestellt, alle anderen werden bei Bedarf geholt. 2016 sind so 49 Mitarbeiter für uns tätig gewesen. Aufgewachsen bin ich hier in einem Familienbetrieb, in dem zum Großteil wirklich Familienangehörige beschäftigt waren. Das hat sich in den letzten Jahren also stark verändert.“
MM: „Was ist Ihnen in Ihrer Funktion wichtig, wo ¬sehen Sie die Herausforderungen einer kleinen Destination?“
Zintel: „Die Herausforderung liegt sicher in der klassischen Vorstellung über eine Bergbahn, die so für uns nicht mehr gilt. Bei uns heißt es nicht im Winter Ski fahren und im Sommer Wandern, wir haben unser Angebot auf spezielle Nischen ausgerichtet, die nicht alle andern auch bedienen. Trotzdem ist es auch hier enger geworden, weil viele Bergbahnen zusätzliche Angebote für ihre Gäste erarbeiten müssen. Der  Kuchen wird ja grundsätzlich nicht größer, es ändert sich nur die Verteilung. Seit rund 10 Jahren haben viele Bergbahnen mit schneearmen Wintern zu kämpfen und sind auf der Suche nach Zusatzangeboten. Da ist es natürlich eine Riesenherausforderung, Produkte anbieten zu können, die nicht jeder hat. Dazu kommt aber, dass wir nicht die Riesenumsätze erzielen – da heißt es sehr genau abzuwägen und Entscheidungen gut zu überlegen, damit wir interessante Angebote haben und dazu den technischen Standard aufrechterhalten können.
Eine weitere Herausforderung ist für uns das Lohnniveau. Wir haben in Deutschland jetzt Mindestlöhne, die gezahlt werden müssen. Dazu kommt, dass wir in Bayern Vollbeschäftigung haben. Die Lohnausgaben sind für uns also ein großes Kriterium, wobei es für einen kleinen Betrieb vor dem jetzigen wirtschaftlichen Hintergrund in Bayern gar nicht so einfach ist, entsprechend gute Mitarbeiter zu finden. Aber ich hatte auch Glück, dass ich gute Leute mit Liebe zum Berg gefunden habe.“
und der Blomberg-Blitz.
und der Blomberg-Blitz.
MM: „Wie sieht das Winterangebot aus?“
Zintel: „Wir haben vor einigen Jahren das Ski fahren zurückgestellt, weil die Winter immer weniger Schnee und auch weniger Frost haben. Da war auch die Grundbeschneiung schwierig zu machen. Deshalb haben wir uns entschlossen, andere Wege zu gehen. Die vorhandene Skiabfahrt haben wir zwar behalten, wir präparieren sie aber nicht mehr. Wir bieten aber  einen Aufstieg für Skitourengeher, den so genannten Gamssteig, an. In einer Zeit, in der andere Betriebe mit Problemen zu kämpfen haben, weil etwa Skitourengeher unterwegs sind, wenn die Pisten präpariert werden, haben wir ein spezielles Angebot geschaffen. So ist bei uns auch der Berggasthof länger offen,  damit man einkehren kann. Das bringt uns zwar keinen zusätzlichen Umsatz, weil uns der Gasthof nicht gehört, macht aber die Destination attraktiv.
Wir konzentrieren uns jetzt im Winter auf das Winterrodeln. Dazu haben wir im Vorfeld genau analysiert, wo wir stehen. Beim Winterrodeln waren wir in Deutschland unter den Top-Ten, beim Skifahren nicht so gut positioniert. Deshalb gibt es bei uns den Schwerpunkt Rodeln. Wir haben den früheren Schlepplift in einen Rodellift umgebaut, in die Sicherheit investiert und den Rodelverleih gestärkt. Dazu haben wir unterschiedliche Schwierigkeitsstufen beim Rodeln, damit man für Familien und Könner gleichermaßen ein stimmiges Angebot hat. Am Samstag gibt es die Möglichkeit zum Nachtrodeln. Da freut es uns besonders, dass wir bei diesen Gelegenheiten oft bis zu 600 Leute bei uns begrüßen können. Auch der Blomberg-Blitz ist in Betrieb.
Und natürlich spielt auch das gastronomische Angebot eine Rolle, damit unsere Gäste gut versorgt sind. Die Winterwanderwege werden gut präpariert,  sodass man sich in der winterlichen Natur bewegen kann. Dazu legen wir Wert darauf, dass alle unsere  Angebote erschwinglich bleiben, damit die Gäste möglichst oft wiederkommen.“
MM: „Was bietet die Blombergbahn im Sommer, gibt es Neuerungen für 2017?“
Zintel: „Im Sommer haben wir die Klassik-Rodelbahn, die nach all den Jahren immer noch sehr gut nachgefragt wird. 2008 wurde der Blomberg-Blitz gebaut. Er wurde damals aus Kostengründen nur in  einer Länge von 600 m/Wegstrecke rauf und runter realisiert. Diese Strecke wurde jetzt auf 1,2 km, also aufs Doppelte verlängert. Das war eine Investition von fast 1 Mio. Euro, fertig geworden ist alles im letzten Herbst. Waren früher drei Viertel der Fahrten auf der klassischen Rodelstrecke und ein Viertel am Blomberg-Blitz, so hat sich das Nutzungsverhältnis jetzt auf 50:50 verändert, ein schöner Erfolg. Auch im Sommer bieten wir am Samstag das Nachtrodeln an.
Am Blomberg gibt es außerdem ein schönes Wandergebiet und ein umfassendes Angebot für Kinder im Kindererlebnispark. An der Bergstation befindet sich der höchst gelegene Kletterwald Deutschlands, der Kunstwanderweg „Sinneswandel“ und der Trainingsparcours „Gipfeltrimm“. An der Tal- und in der Nähe der Bergstation finden unsere Gäste gemütliche Einkehrmöglichkeiten.“
„Liegende“ Stefanie von Quast am Kunstwanderweg  am Blomberg.
„Liegende“ Stefanie von Quast am Kunstwanderweg am Blomberg.
„Neues bringen, damit es keinen Stillstand gibt“
MM: „Wie lange gibt es den Kunstwanderweg „Sinneswandel“ und was bietet er den Besuchern?“
Zintel: „In unserem Masterplan 2004 hatten wir erste Ideen dazu, aber kein Geld zur Gestaltung. Dann habe ich in der Vorsitzenden vom Kunstverein Tölzer Land eine Verbündete gefunden, um Kunst dorthin zu bringen, wo man Zeit und Muße hat. 2008 wurde dann Deutschlands höchst gelegener Kunstwanderweg eröffnet. Beteiligt war neben der Blombergbahn und den Gemeinden Bad Tölz und Wackersberg auch der Kulturfonds Oberbayern. Das Projekt hat sich sehr positiv entwickelt und kommt sehr gut an. Man hat dort oben auch immer wieder Symposien veranstaltet und so die Aufmerksamkeit auf das Kunsthandwerk gelegt. Natürlich muss man auch hier immer wieder etwas Neues bringen, damit es zu keinem Stillstand kommt. Damit haben wir auch wieder eine neue Zielgruppe angesprochen und unsere Nischen weiter ausgebaut.“
MM: „Der Übungsparcours „Gipfeltrimm“ beruht auf Erkenntnissen der traditionellen Chinesischen Medizin. Wie hat sich das Angebot entwickelt, wie wird es angenommen?“
Zintel: „Ich hatte mit 27 einen Bandscheibenvorfall und bin bei Dr. Werner Klingelhöffer gelandet. Er hat mir dann von der Kinsporth-Trainingsmethode (Sportkinesiologie nach Dr. Klingelhöffer) erzählt. Das war der Beginn, oben am Berg einen Übungsparcours anzulegen und ein Angebot zu schaffen. Gebaut und unterstützt wurde das Projekt dann von der Stadt Bad Tölz und wir hatten wieder eine Attraktion mehr. Bad Tölz hat eine lange Tradition im Gesundheitstourismus, da passt das Angebot am Berg ganz ausgezeichnet.“
MM: „Wie sieht das Einzugsgebiet Ihrer Besucher aus, gibt es Unterschiede Sommer/Winter?“
Wackersberger Alm im Winter.
Wackersberger Alm im Winter.
Zintel: „Unser Einzugsgebiet ist im Sommer und im Winter identisch. Es erstreckt sich v-förmig in Richtung Norden und reicht im Westen von der bayerischen Landesgrenze bis nach Rosenheim und ¬München weiter östlich, rauf nach Ingolstadt, Augsburg, Fürstenfeld und Dachau. München liegt gerade mal 48 km Luftlinie weg, da kommen viele Gäste zu uns nach Bad Tölz. Außerdem haben wir Besucher aus Österreich, aber auch Amerikaner, Franzosen und Japaner, sogar arabische Gäste kommen zu uns. Viele Besucher machen in der Region Urlaub und statten uns dabei einen Besuch ab. Rund 90 % unserer Gäste sind Tagesgäste.“
MM: „Wie sehen Sie die künftige Entwicklung der Blombergbahn, was steht am Programm?“
Zintel: „Rechtzeitig zu unserem 50. Geburtstag ist ein neuer Masterplan im Entstehen. 2 Vorschläge wurden eingereicht, wir haben uns dann für das Projekt der idee Concept & Exhibition Engineering GmbH entschieden. Das sieht u. a. die Realisierung von Themenwanderungen vor, den Ausbau bzw. ein Update der Wanderwege mit Unterstellmöglichkeiten, die Präsentation der Geschichte des Blombergs oder die Stärkung der CI. Wir haben die Aktivitäten am Berg auch klar getrennt. Von der Mittelstation ins Tal ist Spaß angesagt, da darf es auch lauter werden. Von der Mittelstation nach oben steht die Natur im Fokus und der Sport am Berg. Damit wollen wir den unterschiedlichen Interessen unserer Gäste Rechnung ¬tragen.
Vom Zeitrahmen her befinden wir uns im Moment in der 2. Workshop-Runde. Erfahrungsgemäß werden wir noch 6 bis 9 Monate brauchen, bis wir eine endgültige Entscheidung getroffen haben. Schließlich müssen wir die Interessen aller, also der Gemeinden Wackersberg-Oberfischbach, Bad Heilbrunn und der Stadt Bad Tölz, des Gastronomiebetreibers und der Almbewirtschafter unter einen Hut bringen. Und dann beginnt das Genehmigungsverfahren, wir haben also noch viel zu tun. dwl