Mountain Manager
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Marketing & Management - MM-Interview

Benjamin Müller Marketing Kampenwandbahn - "Ansprüche an die eilbahnen steigen"

Ausgabe 7/2017

Mit welchem Angebot gelingt es kleinen Bergbahnbetrieben, Gäste auf den Berg zu bringen? Und welche Wege werden eingeschlagen, um sich optimal zu präsentieren? Der MOUNTAIN MANAGER hat bei der Kampenwandseilbahn GmbH nachgefragt.
Benjamin Müller Marketing Kampenwandbahn
Benjamin Müller Marketing Kampenwandbahn
MM: „Wie lange gibt es die Kampenwandbahn?“
Benjamin Müller: „Die Kampenwandbahn ist 2017 60 Jahre alt geworden, das heißt sie ist 1957 in Betrieb gegangen. Bei der Kampenwandbahn handelt es sich um eine Zweiseil-Umlaufbahn, die von Aschau im Chiemgau auf 1.461 m Seehöhe führt. In den Kabinen finden jeweils 4 Personen Platz, die Beförderungskapazität liegt bei 400 P/h. In Betrieb ist nach wie vor eine Bahn, die sich rein äußerlich kaum verändert hat. Natürlich gab und gibt es sicherheitstechnisch entsprechende Anpassungen, d. h. die Bahn ist am neuesten Stand der Technik.“
MM: „Wie sehen die Betriebszeiten aus, gibt es Sommer– und Winterbetrieb, wo liegt der Schwerpunkt?“
Müller: „Wir haben grundsätzlich ganzjährig geöffnet, also jeden Tag im Sommer und im Winter. Nur für die Revisionen gibt es im Herbst und im Frühjahr ein Zeitfenster von wenigen Wochen, in denen wir geschlossen haben. Am meisten Gäste hat die Kampenwandbahn im Sommer zu verzeichnen, da sind wir am besten aufgestellt. Im Winter ist die Schneesicherheit nicht so hoch, dass das Skigebiet mit anderen Destinationen, vor allem in Österreich, in Konkurrenz treten könnte.“
MM: „Was sind die Besonderheiten der Bahn generell, wie ist das Angebot positioniert?“
Müller: „Die Kampenwandbahn spricht generell ein breites Publikum an. Wir haben am Berg eine ganze Reihe an Möglichkeiten für den Gast, das betrifft das Wandern ebenso wie das Gleitschirmfliegen oder die Kletterei. Natürlich ist das Gebiet auch ideal für Familien, die hier mit den Kindern schöne Spaziergänge unternehmen können und z. B. den Panoramaweg nutzen, der schön flach geführt wird. Es gibt viele Einkehrmöglichkeiten, sodass auch für das leibliche Wohl bestens gesorgt ist.“
Die Kampenwandbahn wurde 1957 in Betrieb gestellt. Fotos: Kampenwandseilbahn GmbH
Die Kampenwandbahn wurde 1957 in Betrieb gestellt. Fotos: Kampenwandseilbahn GmbH
„Wenn man erst einmal mit der Seilbahn gefahren ist, wird man schnell feststellen, dass es Spaß macht!“

MM: „Was erwarten Sie sich von der Bergbahn-Kooperation im Chiemgau?“
Müller: „Wir erwarten uns von der Kooperation, dass sie Lust macht aufs Seilbahn-Fahren. Wir haben dadurch die Möglichkeit, noch mehr zu werben – und das überregional. Durch die Kooperation wird besser wahrgenommen, dass es zwischen Wendelstein und Berchtesgaden eine ganze Anzahl an Bergbahnen gibt, die für sich besonders und einzigartig sind. Wenn man erst einmal mit einer Seilbahn gefahren ist, wird man schnell feststellen, dass es Spaß macht. Wir hoffen, dass man dann auf den Geschmack kommt, noch andere Bahnen nutzt und Seilbahnen noch beliebter werden. Seilbahnen bieten Vorteile für jüngere Leute, die am Berg aktiv sein wollen, genauso wie für Gäste, die Erholung suchen und die Ruhe genießen wollen. Deswegen ist es wichtig, dass man diese Kooperation vorantreibt.“
Im Winter erschließt die Bahn ein kleines, feines Skigebiet.
Im Winter erschließt die Bahn ein kleines, feines Skigebiet.
„Die Kampenwandbahn erschließt eines der letzten Naturschneeparadiese in den Alpen“
MM: „Was bieten Sie Ihren Gästen im Sommer?“
Müller: „Wir haben unterschiedliche Angebote im Sommer. Das Gebiet eignet sich etwa hervorragend zum Wandern, Klettern, Gleitschirmfliegen oder Mountainbiken. Seit einigen Jahren gibt es auch die Bergblumen-Wanderungen, die sehr beliebt sind und im Sommer täglich bei jeder Witterung angeboten werden. Geführt werden die Wanderungen von Bauernlandlerinnen aus der Region Aschau, die den Gästen die Bergwelt und die Alpenflora mit lustigen Geschichten präsentieren. Die Wanderung ist leicht und gemütlich. Das ist ein wichtiger Baustein, der sich sehr gut entwickelt hat und den wir sicher noch ausbauen wollen. Wir verleihen am Berg auch Wanderschuhe von LOWA. Mit LOWA gibt es eine Kooperation, durch die es möglich ist, LOWA-Modelle ausgiebig und kostenlos zu testen. Wenn ein Wanderer also nicht die richtigen Schuhe dabei hat oder LOWA einfach kennenlernen möchte, hat er in den Sommermonaten die Möglichkeit, das kostenlos zu tun.“
MM: „Gab es für 2017 Neues oder sind Neuerungen für die nächsten Jahre geplant?“
Müller: „Das Thema der geführten Wanderungen wird in Zukunft sicher noch weiter ausgebaut werden. Für diesen Sommer haben wir zusätzlich das Klettern stärker als bisher in den Fokus gerückt. Dazu hat es durch die Kooperation mit einer örtlichen Bergschule zu unterschiedlichen Terminen die Möglichkeit gegeben, alpines Klettern kennenzulernen. Die Kampenwand ist bei Kletterfans bekannt und bietet Anfängern und Geübten optimale Voraussetzungen. Dieses Thema soll auch noch weiter ausgebaut werden.“
MM: „Woher kommen die Gäste im Sommer?“
Müller: „Wir haben Gäste aus der ganzen Welt. Der Großteil kommt natürlich aus Deutschland, dazu gibt es aber auch Gäste aus den Niederlanden, Großbritannien oder den USA. Bei den Tagesgästen reicht das Einzugsgebiet bis nach Nürnberg hinauf, bei den Urlaubern haben wir Gäste aus München und der ganzen Chiemsee-Region, die von dort aus Tagesausflüge zur Kampenwand starten.“
Gipfel der Kampenwand.
Gipfel der Kampenwand.
MM: „Was bieten Sie den Besuchern im Winter?“
Müller: „Im Winter verwandelt sich die Kampenwand in ein kleines, feines Winterparadies. Wir haben ein Skigebiet mit ca. 12 km leichten bis schweren Pisten. Dazu gibt es mit 5 km eine relativ lange Talabfahrt. Wir haben dazu 3 präparierte Winterwanderwege, die super Möglichkeiten für all diejenigen bieten, die keine Bretter an den Füßen haben und sich trotzdem im Schnee bewegen möchten. Für Kinder haben wir eine Snowtubing-Bahn, die kostenlos zu benutzen ist. Das hängt aber natürlich von der Schneelage ab. Die Kampenwand erschließt nämlich eines der letzten Naturschneeparadiese in den Alpen, wir verzichten gänzlich auf technische Beschneiung.“
MM: „Ist das Einzugsgebiet der Gäste im Winter anders als im Sommer?“
Müller: „Die Struktur ist etwas anders. Im Winter ist der Anteil an einheimischen Gästen oder Besuchern aus der Region höher als im Sommer. Grundsätzlich spielt hier der Tagesgast eine große Rolle, der bei Schönwetter und bei entsprechender Schneelage das Angebot der Kampenwand nutzt.“
MM: „Welche Rolle spielt das kulinarische Angebot?“
Müller: „Das Gebiet um die Kampenwand zeichnet das umfangreiche kulinarische Angebot aus. Wir  haben hier einige Hütten im gesamten Gebiet verteilt. Direkt 100 m von der Bergstation entfernt liegt z. B. die SonnenAlm mit einer ausgezeichneten bayerischen Küche, mit Übernachtungsmöglichkeiten und Räumlichkeiten für Veranstaltungen wie Tagungen und Hochzeiten. Die Hütten rundherum haben ganz unterschiedliche Angebote mit Schmankerln, zum Teil auch aus eigener Produktion. Eine solche Vielfalt ist sicher außergewöhnlich und eine Besonderheit der Region um die Kampenwand.“
MM: „Gibt es besondere Veranstaltungen, welchen Stellenwert haben sie?“
Müller: „Wir haben Veranstaltungen, die sich seit Jahren etabliert haben. Allen voran ist hier die Sonnwendfeier zu nennen, die wir jedes Jahr im Juni veranstalten. Diese Feier ist nicht nur in der Region bekannt und beliebt. Der Platz ist ideal, weil der wunderschöne Ausblick die Veranstaltung zu etwas ganz Besonderem macht. Dazu gibt es eine Reihe an Bergmessen, die von den Gemeinden der Region abgehalten werden. Der spirituelle oder geistliche Aspekt war bei der Kampenwand schon immer ein wichtiges Thema. Sehr beliebt ist zu Ostern das Ostereiersuchen mit den Kindern, wobei vom Osterhasen kleine Geschenke versteckt werden, die dann gesucht werden. Das ist nicht nur für die Kinder eine große Freude und hat sich sehr gut etabliert.“
„Rund 100 m von der Bergstation befindet sich die SonnenAlm.
„Liegende“ Stefanie von Quast am Kunstwanderweg am Blomberg.
MM: „Wo sehen Sie die Herausforderungen der Zukunft?“
Müller: „Die Ansprüche an die Seilbahnen werden steigen und damit auch die Ansprüche an uns. Gäste wollen nicht mehr nur eine Seilbahn, die sie nach oben bringt – Gäste wollen auch ein Angebot am Berg. Die Herausforderung besteht sicherlich darin, bei allen möglichen Angebotserweiterungen die Naturschönheit und Naturbelassenheit nicht zu gefährden und dennoch möglichst vielen Leuten, ihr persönliches Bergerlebnis zu ermöglichen.“
MM: „Es gibt Gerüchte, dass eine neue Bahn gebaut werden soll. Ist da etwas dran?“
Müller: Es gibt schon längere Zeit die Überlegung, die bestehende Bahn durch eine neue Bahn zu ersetzen. Es existiert aber noch kein konkretes Vorhaben. Mit einer Entscheidung für oder gegen eine neue Bahn ist vor 2018 auch nicht zu rechnen.“ dwl