Mountain Manager
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Marketing & Management - MM-Interview

Rudolf Eberl, GeschĂ€ftsfĂŒhrer Leoganger Bergbahnen: "Der Berg muss fĂŒr GĂ€ste und Einheimische interessant sein"

Ausgabe 08/2010

Rudolf Eberl ist seit mehr als 20 Jahren fĂŒr die Leoganger Bergbahnen aktiv, seit 1997 ist er GeschĂ€ftsfĂŒhrer. Er hat damit wichtige Entwicklungsschritte des Unternehmens mitgestaltet und wesentlich dazu beigetragen, dass sich die Bergbahnen nicht nur im Winter, sondern auch im Sommer profilieren konnten. Der Mountain Manager hat nachgefragt.
Rudolf Eberl, GF Leoganger Bergbahnen, zeigt sein Skigebiet auf der Panoramatafel. Foto: dwl
Rudolf Eberl, GF Leoganger Bergbahnen, zeigt sein Skigebiet auf der Panoramatafel. Foto: dwl
MM-Frage: "Leogang hat sich in den letzten Jahren im Skicircus Saalbach-Hinterglemm Leogang sehr gut entwickelt. Wie ist das gelungen?"

Rudolf Eberl: "Die Leoganger Bergbahnen haben viel investiert, und zwar in den Ausbau der Beschneiungsanlage, also in die Schneesicherheit, dann in die Pisten in Form von GelÀndekorrekturen und in die Modernisierung und Sicherheit der Bahnen. Insgesamt haben wir also die QualitÀt unseres Skigebietes weiterentwickelt, sowohl was die Hardware als auch die so genannte Software betrifft, also Schulung der Mitarbeiter und Marketing. Dieses Programm haben wir in den letzten 10 Jahren durchgezogen."

MM-Frage: "Wo sehen Sie Ihre Position/Bedeutung im Verbund?"

Eberl: "Unsere Position im Verbund sehen wir sehr positiv. Wir sind der kleine Partner von Saalbach-Hinterglemm und haben dabei ca. 16 bis 17 % Anteil am Pool. Unsere Region ist zwar ein kleines, aber feines Skigebiet. Wir sind an der richtigen Position fĂŒr Einsteiger, auch fĂŒr TagesgĂ€ste. Wir sind gut erreichbar und bieten genĂŒgend Parkraum."

MM-Frage: "Wie lange sind Sie persönlich fĂŒr die Leoganger Bergbahnen aktiv?"

Eberl: "Ich bin seit 1988 bei den Leoganger Bergbahnen, damals noch im Aufsichtsrat. Seit 1997 bin ich GeschĂ€ftsfĂŒhrer. GeprĂ€gt hat mich in dieser ganzen Zeit das Bewusstsein, dass man stĂ€ndig in die Modernisierung des Skigebietes investieren muss. Das betrifft sowohl die Infrastruktur als auch die Verwaltung, da darf man nicht stehenbleiben. Wichtig in meiner Laufbahn war die Entwicklung des Sommerangebotes. FrĂŒher hat man die Bahnen zwar auch im Sommer betrieben, aber ohne spezielle Angebote. War das Wetter schön, hatte man einen guten Umsatz - war das Wetter schlecht, hatte man Kosten, aber keinen Umsatz. Hier hat man ansetzen mĂŒssen und ein Angebot entwickeln, das den Berg fĂŒr den Gast interessant macht."
In den letzten Jahren wurde ein Großteil der Aufstiegsanlagen erneuert und modernisiert. Foto: Markus Mitterer
In den letzten Jahren wurde ein Großteil der Aufstiegsanlagen erneuert und modernisiert. Foto: Markus Mitterer
"Wir möchten Strom effizienter nutzen"

MM-Frage: "Was gibt es fĂŒr diesen Winter Neues?"

Eberl: "In diesem Winter ist in Hinterglemm die U-Bahn, die ‚Unterschwarzach-Bahn' neu. Dabei handelt es sich um eine 8er-Einseilumlaufbahn, die einen Schlepplift ersetzt. Der Zugang zur Bahn bietet jeden Komfort, den man sich vorstellen kann. Dazu gibt es eine tolle neue Flutlichtanlage. Bei uns in Leogang haben wir in die Beschneiung investiert und in eine moderne WerkstĂ€tte, in der die Pistenfahrzeuge eingestellt und repariert werden können. Neu ist auch die großzĂŒgige Erweiterung des SportgeschĂ€fts im Talstationsbereich. Sport Mitterer hat seine PrĂ€sentationsflĂ€che auf 600 m2 nahezu verdoppelt, wobei sich am Dach der Talstation jetzt ein modern ausgestatteter Skiverleih mit Skidepot fĂŒr 600 Paar Skier befindet. Im Sommer kann man sich hier auch die Bikes ausborgen. Neu im Talstationsbereich ist auch ein kleiner Nahversorger, wo unsere GĂ€ste ihre Besorgungen erledigen können."

MM-Frage: "Bei der DACH-Tagung in Interlaken hat BL-Stv. Oberlader einen Vortrag ĂŒber die Erfolge des E-Managements gehalten. Warum hat man sich hier engagiert, welche Ziele verfolgt man?"

Eberl: "Unser Engagement erklĂ€rt sich durch die Bedeutung der Energiekosten im Unternehmen. Außerdem wissen wir alle, dass Energie in den nĂ€chsten Jahren noch wesentlich teuerer werden wird - die Bedeutung wird also noch steigen. Wir haben uns in diesem Bereich Möglichkeiten fĂŒr Einsparungen gesehen und möchten insgesamt den Strom effizienter nutzen. Möglich ist das durch die Zusammenlegung von ZĂ€hlpunkten, nach denen sich die Fixzahlungen im Monat richten. Ich halte das fĂŒr eine wichtige Sache mit entsprechendem Potenzial zum Handeln."
Paul Mitterer, GeschĂ€ftsfĂŒhrer Sport Mitterer, bietet in den neuen RĂ€umlichkeiten ein umfassendes Angebot fĂŒr den Winter und den Sommer. Foto: dwl
Paul Mitterer, GeschĂ€ftsfĂŒhrer Sport Mitterer, bietet in den neuen RĂ€umlichkeiten ein umfassendes Angebot fĂŒr den Winter und den Sommer. Foto: dwl
MM-Frage: "Welche Einsparungen hat man mit welchen Maßnahmen erreicht?"

Eberl: "Wichtig waren sowohl die ZĂ€hlpunkte als auch die Überwachung des Spitzenstrombedarfs. In bestimmten Zeiten haben wir einen enorm hohen Strombedarf, den wir aber nur kurzfristig nĂŒtzen. Dadurch fallen wir generell in eine hohe Tarifstufe, die nicht nötig ist. Hier haben wir ĂŒberlegt, wie wir gegensteuern können. In der Mittelstation haben wir uns z. B. mit der AbwĂ€rme der Maschinen bzw. des Getriebes beschĂ€ftigt und einen WĂ€rmetauscher eingebaut. Dadurch sind wir jetzt in der Lage, mit der vorhandenen WĂ€rme die gesamte WerkstĂ€tte zu heizen und sparen viel an Heizkosten. Im Moment verfĂŒgen wir noch ĂŒber kein exaktes Zahlenmaterial, wir schĂ€tzen aber, dass sich unser Einsparungspotenzial schon jetzt zwischen 5 und 10 % bewegt."

MM-Frage: "Erwarten Sie sich davon Pluspunkte im Image bzw. wie möchten Sie das marketingmĂ€ĂŸig transportieren? Denken Sie, dass ein solches Engagement fĂŒr die Branche generell ein Bereich sein könnte, mit dem man imagemĂ€ĂŸig noch punkten könnte?"

Eberl: "Wir haben natĂŒrlich vor, mit unseren Ergebnissen an die Öffentlichkeit zu gehen. Ich bin mir auch sicher, dass andere Unternehmen sich ebenfalls mit dieser Materie beschĂ€ftigen werden. Es ist fĂŒr jedes Unternehmen wichtig, sorgsam mit Energie umzugehen und sich ganz genau anzusehen, wofĂŒr man Mittel aufwendet. In den nĂ€chsten Jahren wird man sich im Rahmen von Investitionen ganz genau ansehen - auch ansehen mĂŒssen, auf welche Bereiche sich die Energiekosten in welcher Höhe verteilen und wie sich durch gezielte Maßnahmen, Spitzen an Strombedarf vermeiden lassen. Ich bin mir sicher, dass wir bei diesem Thema erst am Anfang stehen und die Bedeutung in den nĂ€chsten Jahren zunehmen wird."
Der „Park der Sinne“ ist ein Ausflugsziel fĂŒr die ganze Familie. Foto: by Himsl
Der „Park der Sinne“ ist ein Ausflugsziel fĂŒr die ganze Familie. Foto: by Himsl
"Mit einem stimmigen Angebot können Bergbahnen auch im Sommer ein wirtschaftlich interessantes Ergebnis einfahren"

MM-Frage: "Wie soll es in diesem Bereich weitergehen, sind weitere Schritte geplant?"

Eberl: "Wir werden als nÀchsten Schritt die Auswertung aller Daten vornehmen und uns dann ansehen, wo wir welche Möglichkeiten zum Einsparen haben. Das ist der nÀchste Schritt, von dem ich mir noch viel erwarte."

MM-Frage: "Wie sehen Sie die Position der Leoganger Bergbahnen im Sommer?"

Eberl: "Im Sommer sind die Leoganger Bergbahnen sehr gut aufgestellt, weil wir seit mittlerweile 11 Jahren gezielt fĂŒr unser Sommerangebot arbeiten. So haben wir 1999 die "Welt der Sinne" ins Leben gerufen, eine Ausstellung, die sich ĂŒber 3 Teilbereiche erstreckt hat. Das hat viel Geld gekostet, war aber der Start fĂŒr einen aktiven Sommer. Diese Idee haben wir dann in der Mittelstation in Form eines "Sinneparks" weitergefĂŒhrt. Da gibt es einen KrĂ€utergarten und Alpenpflanzenweg sowie Abenteuer-Spielstationen fĂŒr Kinder. Mit dieser Aktion haben wir gesehen, dass man mit Investitionen in den Sommer auch gute Ergebnisse einfahren kann. Dann ist der Bikepark dazugekommen, Konzerte und Musikveranstaltungen, sodass wir heute ein gutes und umfangreiches Programm bieten können. Dieses Angebot kommt natĂŒrlich der ganzen Umgebung zugute, auch Hotellerie und Gastronomie profitieren davon. FĂŒr die Bergbahnen bedeutet das, dass man auch im Sommer ein wirtschaftlich interessantes Ergebnis einfahren kann. So hat sich der Umsatz im Vergleich zu vorher verfĂŒnffacht, die Beförderungszahlen sind rund 7 Mal höher."
Mit dem Bikepark hat man in Leogang einen neuen Weg eingeschlagen, der ausgesprochen erfolgreich ist. Foto: Leoganger Bergbahnen
Mit dem Bikepark hat man in Leogang einen neuen Weg eingeschlagen, der ausgesprochen erfolgreich ist. Foto: Leoganger Bergbahnen
MM-Frage: "Sie gehören zu den ,Ausgezeichneten Österreichischen Sommerbahnen', welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht? Wo liegen dabei die Pluspunkte, wo die Herausforderungen?"

Eberl: "Die ‚Ausgezeichneten Österreichischen Sommerbahnen' sind ein wichtiger Faktor fĂŒr eine erfolgreiche Positionierung im Sommer. Man muss sich fĂŒr ein Thema wie ,Genuss-Berg, Wander-Berg oder Familien-Berg' entscheiden und sich ein stimmiges Angebot ĂŒberlegen. Dann gibt es genaue Kriterien, die man zu erfĂŒllen hat und die auch ĂŒberprĂŒft werden. Die Leoganger Bergbahnen sind in zwei Bereichen aktiv, dem ,Abenteuer-Berg' in Bezug auf das Bike-Angebot und als ,Familien-Berg'. Wir sind auch sehr stolz darauf, hier sehr gute Bewertungen zu haben. Aktiv sind wir bei den ,Ausgezeichneten Österreichischen Sommerbahnen' seit der GrĂŒndung dieser Initiative. Die Herausforderungen liegen natĂŒrlich darin, das Angebot stĂ€ndig auszubauen und neue Wege zu suchen. Wir haben aber sehr kreative Mitarbeiter, die sich aktiv einbringen und viele gute Ideen entwickeln."

MM-Frage: "Ein wesentlicher Angebotsbereich im Sommer ist wie schon erwÀhnt der Bikepark. Seit wann gibt es ihn, wie hat er sich entwickelt und was ist noch geplant?"

Eberl: "Den Bikepark gibt es seit 2001, wobei er am Anfang durchaus kritisch betrachtet wurde. Das lag daran, dass es nichts Vergleichbares gegeben hat und wir uns keine Beispiele ansehen konnten, um Zahlen und Fakten in Erfahrung zu bringen. Wir haben dann mit unseren eigenen Leuten und einigen Freaks, die es in der Szene gibt, eine Strecke gebaut und dann immer wieder erweitert, sodass wir mittlerweile ĂŒber 9 Strecken verfĂŒgen. Wir haben uns mit diesem Angebot einen guten Namen erarbeitet und sind gefordert, uns weiterzuentwickeln. Im nĂ€chsten Jahr werden wir wie 2010 auch wieder ein Weltcup-Rennen veranstalten. Das ist uns kurzfristig angeboten worden. Obwohl das Wetter 2010 nicht mitgespielt hat, war die Veranstaltung ein voller Erfolg und wir haben sie gut ĂŒber die BĂŒhne gebracht. Danach hat man uns vorgeschlagen, uns fĂŒr die Austragung der WM 2012 zu bewerben. Das haben wir auch gemacht und 2 Monate spĂ€ter haben wir dann den Zuschlag bekommen."

MM-Frage: "Wo liegen Ihrer Meinung nach die Herausforderungen, um auch in Zukunft erfolgreich zu arbeiten?"

Eberl: "Die Herausforderungen liegen sicher in der KreativitĂ€t, den AnsprĂŒchen und WĂŒnschen der GĂ€ste entgegen zu kommen. Es geht darum, neue Ideen zu entwickeln und den Berg fĂŒr GĂ€ste und Einheimische gleichermaßen interessant zu machen. Das wird sicher die große Herausforderung fĂŒr die Zukunft sein." dwl