Mountain Manager
Home Home    Redaktion Redaktion    Anzeigen Anzeigen    Abo Service Abo Service    Kontakt Kontakt    Impressum Impressum

Marketing & Management - MM-Interview

Andreas Eckerstorfer, GF Sternstein Lifte GesmbH: Rahmenbedingungen schaffen, dass sich G√§ste wohlf√ľhlen!

Ausgabe 04/2011

Die Sternstein Lifte GesmbH betreibt eine kleine Skidestination im M√ľhlviertel, in Grenzn√§he zu Tschechien. Im Zentrum des Angebots steht eine moderne Kombibahn, mit der man f√ľr Aufsehen gesorgt hat. Andreas Eckerstorfer, Gesch√§ftsf√ľhrer der Sternstein Lifte GesmbH, hat dem MOUNTAIN MANAGER sein Erfolgskonzept vorgestellt.
Andreas Eckerstorfer, Gesch√§ftsf√ľhrer Sternstein Lifte GesmbH. Fotos: Sternstein Lifte GesmbH
Andreas Eckerstorfer, Gesch√§ftsf√ľhrer Sternstein Lifte GesmbH. Fotos: Sternstein Lifte GesmbH
MM-Frage: "Geben Sie uns bitte einen kurzen √úberblick √ľber die Entwicklung der Sternstein Lifte."

Andreas Eckerstorfer: "Unser Skigebiet besteht seit 1964. Damals wurde im B√∂hmerwald auf 1 125 m Seeh√∂he der erste Lift gebaut. In den 80er Jahren wurde dann ein Doppelsessellift errichtet und in den 90er Jahren die Beschneiungsanlage. 2005 waren wir dann damit konfrontiert, den Lift zuzusperren, weil die Konzession ausl√§uft, oder ein neues Projekt auf den Weg zu bringen. Man hat sich in der Folge f√ľr den zweiten Weg entschieden und sich zuerst Gedanken gemacht, welche Kernkompetenzen der Lift haben soll.
Unsere geografische Situation ist dadurch gekennzeichnet, dass wir 60 km von Budweis entfernt sind, 30 km von Linz und 20 km von einem der gr√∂√üten Tourismusgebiete in Tschechien, dem Moldaustausee Lipno, wo man √ľber rund 10 000 G√§stebetten verf√ľgt. Wir wissen auch, dass die Tschechen ein sport- und skibegeistertes Volk sind. Aufgrund aller Voraussetzungen haben sich dann folgende Kernkompetenzen herauskristallisiert:
- Winterangebote f√ľr Tagesg√§ste, speziell Familien aus dem Einzugsgebiet Budweis und Linz,
- Winterangebote f√ľr Aufenthaltstouristen aus dem Lipno-Raum.
Bei der Erneuerung des bestehenden Liftes war ein reiner Sessellift nicht zielf√ľhrend, weil wir viele Familien, Anf√§nger und Skikurse haben. Bei einer Seill√§nge von 1 600 m w√§re eine reine Kabinenbahn auch nicht wirklich attraktiv gewesen. Deshalb war die Idee einer Kombibahn naheliegend, die es in √Ėsterreich noch nicht so h√§ufig gibt. Parallel dazu wurde massiv in die Beschneiung investiert. Jeder hat uns gesagt, um das Geld bekommen wir anstelle eines Mercedes schon einen Ferrari, aber das brauchen wir auch, damit wir unser Skigebiet wenn n√∂tig in 2 Tagen startklar machen k√∂nnen."
Luftbild Sternstein
Luftbild Sternstein
MM-Frage: "Wie sehen Sie die Position des Unternehmens im nationalen und internationalen Umfeld?"

Eckerstorfer: "International gesehen, ist unsere Region durch die N√§he zu Tschechien interessant. Von der Gr√∂√üe her muss man realistisch sein. Wir sind nur eine kleine Skiregion, ich sage immer ein "Dorflift auf hohem Niveau". Aber nat√ľrlich n√ľtzt uns dabei die N√§he zur Landeshauptstadt Linz mit 250 000 Einwohnern. Die Sternstein Lifte sind die am schnellsten erreichbare Destination, bei der auch ein sportliches Skifahren m√∂glich ist."

MM-Frage: "Wie lange sind Sie Gesch√§ftsf√ľhrer der Sternstein Lifte, wie war Ihr Einstieg in die Branche?"

Eckerstorfer: "Ich bin seit 2005 Gesch√§ftsf√ľhrer der Sternstein Lifte GesmbH, wobei dieser Bereich eigentlich als Nebenberuf zu sehen ist. Haupts√§chlich bin ich Kurdirektor in Bad Leonfelden, also Gesch√§ftsf√ľhrer des Tourismusverbandes, und zust√§ndig f√ľr die Regionalentwicklung und EU-Projekte. Deshalb bin ich auch nicht alleiniger Gesch√§ftsf√ľhrer, mir zur Seite stehen Dr. Gerhard Zettler und B√ľrgermeister Alfred Hartl. Ich bin aber f√ľr den operativen Bereich zust√§ndig."
Einstieg ins Skigebiet der Sternstein Lifte GesmbH
Einstieg ins Skigebiet der Sternstein Lifte GesmbH
"Der Ausbildungsbereich hat einen hohen Stellenwert"

MM-Frage: "Was ist Ihnen in dieser Position besonders wichtig?"

Eckerstorfer: "Ich lege Wert auf zufriedene Kunden und zufriedene Mitarbeiter. Wenn unsere Dienstnehmer zufrieden sind und das nach au√üen tragen, sp√ľren das auch unsere Kunden. Und nat√ľrlich muss auch das Angebot stimmen."

MM-Frage: "Welches Angebot haben Sie im Winter?"

Eckerstorfer: "Wir haben drei Abfahrten mit jeweils rund 2 000 m L√§nge, die durch eine Hauptbahn, unsere neue Kombibahn, erschlossen werden. Dazu bietet die Skiregion auch einen Slalomhang, der f√ľr Wettk√§mpfe durchaus attraktiv ist. F√ľr Kinder gibt es ein Kinderland, das mit 176 m L√§nge √ľber einen der l√§ngsten Zauberteppiche in √Ėsterreich verf√ľgt. Grunds√§tzlich hat bei uns der Ausbildungsbereich einen hohen Stellenwert. In den kleineren Skidestinationen lernt man das Skifahren und findet Freude am Sport, sodass man dann auch in die gr√∂√üeren Destinationen f√§hrt. F√ľr die Menschen in der Umgebung sind wir ein Skigebiet, das schnell erreichbar ist und wo man auch einmal nur 2 oder 3 Stunden Ski fahren kann."

MM-Frage: "Wie wichtig ist dabei der Non-Skiing-Bereich?"

Eckerstorfer: "Dieser Bereich ist nicht unwesentlich. Da wir ein Familienskigebiet sind, gibt es auch immer wieder Familienmitglieder, die nicht Ski fahren wollen. Hier sind wir bem√ľht, Alternativen anbieten zu k√∂nnen. Wenn jemand aus der Familie nicht Ski f√§hrt, soll er bei uns trotzdem einen sch√∂nen Tag haben."

MM-Frage: "Welche Gäste sprechen Sie an, woher kommen Ihre Gäste?"

Eckerstorfer: Bei unseren Gästen handelt es sich um Tagesgäste aus dem Nahbereich, also wie schon erwähnt aus Linz, Budweis und der Tourismusregion Moldaustausee Lipno. Bad Leonfelden hat zwar rund 1 000 Gästebetten, wobei rund 650 Betten der 4-Stern-Kategorie zuzurechnen sind. Grundsätzlich sind wir aber ein Kurort mit Wellnessangeboten. Das Ski fahren ist bei diesen Gästen im Winter ein Zusatzangebot, das bei Bedarf genutzt wird, genauso wie z. B. das Golf spielen im Sommer."
Mit der neuen Kombibahn hat man f√ľr Aufsehen gesorgt
Mit der neuen Kombibahn hat man f√ľr Aufsehen gesorgt
MM-Frage: "Sie haben in den letzten Jahren viel investiert. Wie sind Sie mit der Resonanz zufrieden, was steht noch an?"

Eckerstorfer: "Investitionen sind immer ein gro√ües Risiko, auch wenn man einen guten Finanzierungsplan hat. Wie sich ein Projekt letztendlich wirklich entwickelt, wei√ü man erst dann, wenn es losgeht. Wir sind in der gl√ľcklichen Lage, uns √ľber sehr gro√üe Zuw√§chse freuen zu k√∂nnen. Auch im letzten Winter, der nicht unbedingt viel Schnee gebracht hat, konnten wir unseren Umsatz halten. Die Resonanz ist also sehr gut. Viel gebracht hat uns dabei sicher unsere Kombibahn, mit der unterschiedliche Interessen gleichzeitig und wirtschaftlich mit einer einzigen Anlage abgedeckt werden k√∂nnen. Wir haben zwar noch einen zus√§tzlichen, alten Schlepplift - der wird aber wirklich nur an Hochfrequenztagen in Betrieb genommen.
In nächster Zeit stehen noch Optimierungsarbeiten an, wir haben z. B. im Bereich der Pisten noch einiges verbessert. Überlegt wird auch der Bau einer Flutlichtanlage oder der Kauf weiterer Fahrbetriebsmittel, um die Transportkapazität der Bahn zu optimieren. Geplant sind weiters Arbeiten am Parkplatz, damit wir auch hier optimale Bedingungen haben."

MM-Frage: "Wie sind Sie mit der letzten Saison zufrieden?"

Eckerstorfer: "Gerade in der letzten Saison haben wir gesehen, dass unsere Investition in die Beschneiungsanlage optimal war. Es hat in der Saison einmal √ľber 14 Tage geregnet und wir hatten trotzdem jeden Tag eine super Piste. Das kann man nur dann anbieten, wenn man entsprechende Ger√§te zur Verf√ľgung hat. Das war sehr energie- und personalaufw√§ndig, aber wir hatten keine Umsatzr√ľckg√§nge im Vergleich mit der Saison davor, in der wir weit √ľber dem Plansoll gelegen sind."

MM-Frage: "Gibt es ein Sommerangebot? Wenn ja, welchen Stellenwert hat es und gibt es Neues?"

Eckerstorfer: "Die Kombibahn ist im Sommer nicht in Betrieb. Aufgesperrt wird nur zu speziellen Events oder Veranstaltungen. Wir haben z. B. zweimal eine Golf-Downhill-Trophy durchgef√ľhrt, da wurde die Bahn benutzt. Aber ansonsten gibt es keinen Sommerbetrieb."
Der Zauberteppich im Kinderland hat die beachtliche Länge von 176 m
Der Zauberteppich im Kinderland hat die beachtliche Länge von 176 m
"Alle Betriebe, die sich spezialisieren, funktionieren!"

MM-Frage: "Sind Sommeraktivit√§ten in Zukunft geplant oder ist das f√ľr Sie kein Thema?"

Eckerstorfer: "Man hat verschiedene Konzepte √ľberlegt. F√ľr die Bergbahnen besteht aufgrund der geologischen Situation aber keine Notwendigkeit, im Sommer aufzusperren. Um wirklich rentabel arbeiten zu k√∂nnen, w√ľrde man ein Produkt brauchen, das den Betrieb der Bahn wirtschaftlich macht. Beim Bau der Kombibahn war es uns ein Anliegen, eine Aufstiegsanlage zu haben, die wirklich neu ist, f√ľr Aufsehen sorgt und nicht gleich wieder unmodern ist, nur weil wir einen wirtschaftlichen Kompromiss eingehen m√ľssen. Ein Sommerangebot m√ľsste ein Premiumangebot sein und das haben wir bisher noch nicht gefunden."

MM-Frage: "Sind Sie mit dem Angebot am gastronomischen Sektor bzw. bei der √úbernachtung in der Region zufrieden?"

Eckerstorfer: "Unsere h√∂chsten N√§chtigungszahlen lagen bis vor kurzem bei 70 000, jetzt hatten wir rund 115 000. Bad Leonfelden verf√ľgt √ľber 1 000 G√§stebetten bei einer Einwohnerzahl von 4 081. Das ist eine sehr gute Struktur, wobei hinzukommt, dass wir ein gro√ües Angebot im gehobenen Segment haben. In meiner Funktion als Gesch√§ftsf√ľhrer im Tourismusverband war es mir immer ein Anliegen, keinen Massenbetrieb zu haben, sondern Qualit√§t zu bieten. Hier sind wir im Moment so gut aufgestellt, wie bislang noch nie.
Was die Gastronomie betrifft, gibt es einen Strukturwandel, weil Familienbetriebe immer weniger werden. Wie in vielen anderen Gebieten ist es eine gro√üe Herausforderung, eine Gastronomie mit entsprechender Wertsch√∂pfung zu haben. Alle Betriebe, die sich spezialisieren und wirklich Premiumqualit√§t anbieten - und das k√∂nnen durchaus auch einfache Gerichte sein - funktionieren. Alle Betriebe, die sich irgendwo im Mittelfeld bewegen, brechen weg. Deshalb sinkt zwar die Anzahl der Gastronomiebetriebe, aber die Qualit√§t ist da. Die Spezialisierung ist im Steigen begriffen, egal in welchem Segment man sich bewegt. Unser Angebot reicht vom W√ľrstlstand √ľber die Jausenstation bis zum Haubenkoch, da gibt es √ľberall Top-Produkte, die Qualit√§t ist da und dort lohnt sich die Arbeit auch vom wirtschaftlichen Standpunkt aus gesehen.
Erw√§hnen m√∂chte ich auch, dass es im M√ľhlviertel eine hohe Dichte an biologisch produzierenden Betrieben gibt und auch das findet sich in immer gr√∂√üerem Ausma√ü in der Hotellerie und Gastronomie wieder."

MM-Frage: "Wo sehen Sie die größten Herausforderungen auf sich zukommen?"

Eckerstorfer: "Der wirtschaftliche Druck ist trotz unserer ausgezeichneten Umsätze sehr groß. Bei solchen Investitionen, wie wir sie getätigt haben, geht man fast immer bis ans Limit. Wenn man heute 2 oder 3 schlechte Saisonen hat, hat man automatisch Liquiditätsprobleme. Die Herausforderung wird also sein, die Motivation bei den Leuten zum Skifahren hoch zu halten und ein gutes Angebot zu haben, mit dem sie zufrieden sind. Das bezieht sich in unserem Fall vor allem auch auf die Kinder, die vielfach Entscheidungsträger sind, wo man hinfährt. Wenn es gefallen hat, wollen sie wiederkommen.
Um das zu erreichen, braucht man motivierte Mitarbeiter mit einer entsprechenden Ausbildung und man muss das Angebot auch richtig kommunizieren. Das Wetter kann man nicht beeinflussen. Wenn es, so wie zu Weihnachten, passt, ist es Gl√ľck. Man kann aber die Rahmenbedingungen schaffen, dass sich die G√§ste wohlf√ľhlen und einen sch√∂nen Tag bei uns erleben. Das wird die Herausforderung auch in Zukunft bleiben." dwl