Mountain Manager
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Marketing & Management - MM-Interview

Statt mehr Pisten höhere Wertschöpfung als Premium-Marke

Ausgabe 3/2014

Mag. Michael Rothleitner gestaltete jahrelang als Vizepräsident des Aufsichtsrates die strategische Ausrichtung der Mayrhofner Bergbahnen AG mit, ehe er in den Vorstand an die Seite von Josef Reiter wechselte.
Mag. Michael Rothleitner, Vorstand Mayrhofner Bergbahnen AG
Mag. Michael Rothleitner, Vorstand Mayrhofner Bergbahnen AG
Der Jurist wurde hier vor allem zur wirtschaftlichen Absicherung der geplanten Erneuerung der wichtigsten Zubringerbahn, der Penkenbahn, ben√∂tigt. Diese bedingt n√§mlich u. a. ein neues Verkehrskonzept in der gesamten Ferienregion Mayrhofen-Hippach. Rothleitner agiert im Stil moderner Unternehmensf√ľhrung - das bedeutet √Ėffnung und neudeutsch "Collaboration und Knowledgemanagement".

MM: "Herr Mag. Rothleitner, w√ľrden Sie sich als erfolgreicher Quereinsteiger in die Bergbahnbranche bezeichnen?"
Michael Rothleitner: "So ganz Quereinsteiger bin ich ja nicht. Ich habe nach dem Abschluss meines Jus-Studiums bereits nach kurzer Einarbeitungszeit die Rechtsabteilung einer der erfolgreichsten √Ėsterreichischen Regionalbanken geleitet. Wenig sp√§ter wurde mir dann auch noch die Leitung des Beteiligungsmanagements √ľbertragen, in dem sich auch einige Bergbahnen-Beteiligungen in Tirol und Vorarlberg befanden. Zudem leitete ich in diesem Zusammenhang als Vorstand und Gesch√§ftsf√ľhrer verschiedener Unternehmen auch deren Beteiligungen an Seilbahnunternehmen. Die Mayrhofner Bergbahnen waren mir bestens vertraut, weil ich vor meinem Wechsel in den Vorstand schon Jahre als Vizepr√§sident des Aufsichtsrats deren strategische Ausrichtung mitgestalten durfte."
Rendering der neuen Penkenbahn in Mayrhofen, Typ 3 S-Bahn.
Rendering der neuen Penkenbahn in Mayrhofen, Typ 3 S-Bahn.
MM: "Schildern Sie die wesentlichen Entwicklungsschritte der letzten 5 Jahre, welche Akzente konnten in Mayrhofen gesetzt werden?"
Rothleitner: "Die letzten 5 Jahre waren vor allem von drei Faktoren gepr√§gt: Verbesserung der Qualit√§t, Verbesserung der Dienstleistung und Ausbau des Sommerbetriebes. Die Qualit√§tsverbesserungen werden im Pistenbau, der Verk√ľrzung der Beschneiungsdauer und der Umsetzung von Weltneuheiten, wie z. B. der erstenKombibahn mit getrennten Bahnsteigen augenscheinlich. Unsere Dienstleistung haben wir wesentlich durch die Neugestaltung unserer Talstationen mit integrierten Serviceeinrichtungen verbessert, wobei der Zusammenarbeit mit unseren Partnern im Verleih und Depotgesch√§ft besondere Aufmerksamkeit zukommt. Ein wesentlicher Schritt ist dazu noch im Zuge des Neubaus unserer Penkenbahn zu tun. F√ľr den Sommerbetrieb haben wir zum Beispiel mit Singletrails und dem Ausbau der Paragleiterstartpl√§tze Extremsportlern ein attraktives Angebot gestaltet. Mit der Funsportstation am Penken haben wir einerseits g√§nzlich Neuland betreten, weil wir auf unserem Speicherteich mit ,Funballz' eine All-Wetter-Wassersportart anbieten k√∂nnen. Andererseits bieten wir mit unserem Bergrollerverleih auch den ruhigeren Bergbegeisterten M√∂glichkeiten, die Weite des Wegenetzes zu erkunden. Das alles war aber auch nur m√∂glich, weil unsere Mitarbeiter sehr engagiert an den notwendigen internen Ver√§nderungsprozessen mitarbeiten. Sichtbar wird das aber auch an unserem neuen Firmensitz!"

MM: "Wie f√§llt Ihre Bilanz bisher aus, konnten Sie mit einer unvoreingenommenen Sicht auf die Bergbahnrealit√§t re√ľssieren?"
Rothleitner: "Wir - die Mayrhofner Bergbahnen gemeinsam - sind die letzten f√ľnf Jahre sehr erfolgreich gewesen. Unsere Bilanzen zeigen eine stabile Position unter den Topseilbahnbetrieben im Alpenraum. Besonders unsere verst√§rkte Fokussierung auf das Sommergesch√§ft stellt uns auf stabile Beine. Die n√§chsten f√ľnf bis zehn Jahre sind gepr√§gt von der weitergehenden Erneuerung unserer Anlagen. Dies immer unter den Aspekten eines Ganzjahresbetriebes, der konsequenten Umsetzung von Managementprogrammen, um vor allem ,kostenfit' zu sein, und dem kontinuierlichen Ausbau des Sommerbetriebes."
Die Funsportstation am Penken beim Speicherteich - im Bild die Funballz - trug u. a. dazu bei, das Sommergeschäft sehr erfolgreich zu steigern. Fotos: Mayrhofner BB AG
Die Funsportstation am Penken beim Speicherteich - im Bild die Funballz - trug u. a. dazu bei, das Sommergeschäft sehr erfolgreich zu steigern. Fotos: Mayrhofner BB AG
MM: "Welchen Hintergrund hat der Neubau der Penkenbahn, wie weit ist der Prozess fortgeschritten?"
Rothleitner: "Die Penkenbahn ist in die Jahre gekommen und bietet schon lange nicht mehr den Komfort, den sich ein Gast in Mayrhofen jedenfalls erwarten kann. Die Erneuerung dieser um die Kurve fahrenden Zweiseilumlaufbahn in eine moderne Dreiseilumlaufbahn war aber ganz wesentlich von der Erarbeitung eines Verkehrskonzeptes abh√§ngig, das im Ort die schneller ankommenden Schifahrer bew√§ltigen kann. Wenn im Zentrum eines doch eher kleinr√§umigen Tourismusortes statt 2 000 Talfahrern mit der Penkenbahn zuk√ľnftig knapp 4 000 Talfahrer pro Stunde aus der Station str√∂men, ist das eine Aufgabe, die nicht leicht zu l√∂sen ist. Wir haben dazu bereits 2011 ein Gesamtkonzept mit Verkehrsplanern erarbeitet, das aber nicht gerade auf Gegenliebe in der Gemeindestube gesto√üen ist. Heute, drei Jahre sp√§ter, gibt es aber Einigkeit. Der Architekturwettbewerb dazu wurde bereits im letzten Sommer erfolgreich abgewickelt. Im J√§nner 2014 konnten wir bereits das naturschutzrechtliche Verfahren einleiten und hoffen auf die Baubewilligung unseres Projektes im heurigen Sommer."

MM: "Sie sind ein Verfechter des Qualitätsausbaus am Berg und nicht unbedingt der Erhöhung der Frequenzen. An welchen Beispielen wird diese Strategie greifbar?"
Rothleitner: "Damit Sie mich nicht falsch verstehen, die Frequenzen m√∂chte ich schon erh√∂hen! Bei den Winterg√§stezahlen bin ich hingegen eher zur√ľckhaltend. Wir kennen alle die leidige Diskussion, wie viel Landesfl√§che der Pistenausbau in Anspruch nimmt. Auch wenn die Zahlen beweisen, dass es ein geringer Anteil ist, muss man erkennen, dass die Diskussion im Kern berechtigt ist. Welche Verantwortung tragen wir f√ľr k√ľnftige Generationen und gegen√ľber der Natur, in der wir unser Angebot gestalten? Unser Ansatz dazu ist: statt mehr Fl√§che, also Pisten f√ľr mehr Winterg√§ste, mehr Tage an denen wir profitabel wirtschaften! Das hei√üt, wir m√ľssen im Winter bei gleichbleibenden G√§stezahlen eine h√∂here Wertsch√∂pfung erzielen. Das geht aber nur mit Topqualit√§t. Neben den Werten ,vital' und ,authentisch' steckt daher ,premium' in unserem Markenkern, also das klare Ziel, den Gast durch das √úbertreffen seiner Erwartungen zu begeistern. Es bedeutet aber auch, dass wir das ganze Jahr unseren G√§sten ein Angebot machen m√ľssen, das sie begeistert. Wir haben daher beispielsweise mit unserer Greifvogelstation ,Adlerb√ľhne' am Ahorn oder unserer ,Funsportstation' am Penken das Sommergesch√§ft sehr erfolgreich steigern k√∂nnen. Immerhin gibt es kein Monat im Jahr, in dem wir nicht zumindest eine unserer Bahnen in Betrieb haben."
Die Kombibahn auf dem Actionberg Penken - √ľbrigens die weltweit erste mit getrennten Bahnsteigen - dient auch dem Transport der Mountainbikes auf 2 000 m.
Die Kombibahn auf dem Actionberg Penken - √ľbrigens die weltweit erste mit getrennten Bahnsteigen - dient auch dem Transport der Mountainbikes auf 2 000 m.
MM: "Sie haben einmal unter dem Titel ,Der Mountain Manager 2020' zu Trends im Management von Bergbahnen Stellung genommen. Worauf wird es hier in Zukunft ankommen, worauf muss man sich einstellen?"
Rothleitner: "Meinem beruflichen Werdegang verdanke ich den Kontakt zu nahezu allen Branchen in vielen L√§ndern. Mir f√§llt auf, dass sich die Bergbahnen in einem ganz wesentlich unterscheiden. Obwohl sie Mitbewerber oder ehrlicher gesagt sogar Konkurrenten sind, begegnen sich die ,Seilbahner' wie die Mitglieder einer Familie. Ein riesiger Vorteil, der uns aber nicht so bewusst ist, dass wir ihn auch entsprechend nutzen w√ľrden. In Branchen, wie der Telekommunikation oder der Autoindustrie, haben die st√§rksten Konkurrenten Wege gefunden, wie sie sich Kosten in der Forschung und Entwicklung teilen.
Die Seilbahner kommen nicht einmal auf die Idee! Wir bei den Mayrhofner Bergbahnen haben gemeinsam mit den Firmen PowerGIS, einem Anbieter f√ľr Schneeh√∂henmessung, und MDS Network, einem Wissensberater, ein Kompetenzzentrum ,Pistenmanagement' ins Leben gerufen. Ziel ist es gemeinsam mit Herstellern von Schneeerzeugern oder dem SLF (Institut f√ľr Schnee- und Lawinenforschung in Davos) an der Verbesserung des Schneemanagements zu arbeiten. Das Schneemanagement - also die Steuerung der Schneeproduktion nach Menge und Qualit√§t in Abh√§ngigkeit von Gel√§nde, Wind, Wetter, Saisonzeiten¬Öetc. - ist ein ganz wesentlicher Teil des Kostenmanagements von Seilbahnunternehmen. In diesem Bereich ist noch einiges an Forschung und Projektsteuerungs-Knowhow in unserer Branche zu verankern, was zweifellos gemeinsam am schnellsten, g√ľnstigsten und effizientesten erfolgen k√∂nnte. Besonders freue ich mich daher darauf, dass wir am 18. September 2014 die erste Veranstaltung des "Kompetenzzentrum Pistenmanagement" in unserem Stammhaus ausrichten werden."

MM: "Auf dem 24. TFA haben Sie √ľber ,Stabiles Investment - verdammt zu Wachstum und Gewinn! Wer finanziert noch Bergbahnen?' gesprochen. Was war die Quintessenz?"
Rothleitner: "Ja, vielleicht bin ich zur Quintessenz so etwas wie ein Wanderprediger. √Ąhnlich meinen Ausf√ľhrungen im Rahmen der Innovation Days in M√ľnchen kam ich auch in Arosa zum Ergebnis: Wir m√ľssen intensiver zusammenarbeiten - und zwar dort, wo wir nicht Konkurrenten sondern Partner sind. Wir m√ľssen das allein schon wegen den sich √§ndernden Rahmenbedingungen tun und das sind: weniger Skifahrer und geringere Sparraten im Euroraum. Die Gewinnspanne h√§ngt nun mal nicht nur am Umsatz sondern auch an den Kosten. Aber auch bei der Erschlie√üung neuer Gesch√§ftsfelder m√ľssen wir mit unseren Partnern besser zusammenarbeiten. Ich verstehe nicht, warum wir Seilbahnunternehmen nicht schon l√§ngst gemeinsam von unseren Lieferanten f√ľr Zutrittssysteme Funktionen verlangen, die √ľber die √Ėffnung der Drehkreuze hinausgehen. Warum √∂ffnen die Skip√§sse nicht auch die T√ľren zum Hotelzimmer oder liefern die n√∂tigen Daten im Schiverleih? Aber auch hier konnten wir mit Partnern wie den Cube Hotels, der Fa. CSA und der Skidata erste Schritte setzen - ich hoffe, dass die Entwicklungen noch heuer im Herbst der breiten √Ėffentlichkeit vorgestellt werden k√∂nnen."
Das Schneemanagement ist ein ganz wesentlicher Teil des Kostenmanagements von Seilbahnunternehmen. Rothleitner h√§lt 30 % Einsparungspotenzial f√ľr m√∂glich.
Das Schneemanagement ist ein ganz wesentlicher Teil des Kostenmanagements von Seilbahnunternehmen. Rothleitner h√§lt 30 % Einsparungspotenzial f√ľr m√∂glich.
MM: "Das Kostenmanagement ist in Ihren Augen ein (untersch√§tzter?) Schl√ľsselfaktor und hier wiederum das Schneemanagement. Welches Potenzial steckt in diesem Bereich?"
Rothleitner: "Wie schon erw√§hnt, Kostenmanagement ist sicher eine zentrale Aufgabe sorgsamer Unternehmensf√ľhrung. Ich bin √ľberzeugt, dass ein Einsparungspotenzial von 30 % der Kosten f√ľr Schneeproduktion und Pr√§paration nicht utopisch ist. Die angemessene Vorgangsweise wird wahrscheinlich in den einzelnen Unternehmen sehr unterschiedlich sein. Wir
haben ein eigenes Projekt mit externer Begleitung durch MDS Network begonnen und am Praxisbeispiel ,Schneemanagement' auch gleich Projektmanagement und erste Schritte zum Wissensmanagement im Unternehmen implementiert. Die Erfahrungen zeigen, dass dieser Weg sehr erfolgreich ist."

MM: "Die Bergbahnen Mayrhofen haben aufgrund der Erfahrungen mit dem ARENA PistenManagement einen ,Beschneiungsleitfaden 1.0' aufgelegt. K√∂nnte damit ein Nutzen f√ľr die ganze Branche verbunden sein?"
Rothleitner: "Unser Projekt ,Schneemanagement' hatten wir mit der Messung von Schneeh√∂hen auf den Pisten begonnen. Die Abtaubilder nach der Saison und die Sorge w√§hrend der Saison, mit dem Schild der Pistenger√§te in den Untergrund zu geraten, waren die wesentlichen Motive. Nachdem wir einige Maschinen mit der ARENA Schneeh√∂henmessung der Fa. PowerGIS ausgestattet hatten, lernten wir aber schnell, dass damit mehr als nur die Messung der Schneedecke m√∂glich war. Bald wurde die Vision geboren, f√ľr definierte Pistenabschnitte ,Sollschneeh√∂hen' festzulegen, die auf die besonderen lokalen Umweltfaktoren R√ľcksicht nehmen. Ein S√ľdhang braucht nun mal mehr Schnee als ein Nordhang oder eine Kammlage mehr als eine Waldschneise. Wir haben uns daher entschlossen, die gesamte Pistenger√§teflotte mit dem ARENA Schneeh√∂henmesssystem auszustatten und uns mit den relevanten Umweltfaktoren intensiv zu besch√§ftigen. Ohne begleitendes professionelles Projektmanagement w√§re das aber nicht m√∂glich gewesen.
Die Ergebnisse dieses Prozesses finden sich im ,Beschneiungsleitfaden 1.0', den wir auch gerne zur Verf√ľgung stellen. Er erm√∂glicht einem Skigebietsbetreiber einen sehr schnellen Zugang zur Methodik und damit zur eigenen Strategie, wie mit dem Kostenfaktor Schnee umgegangen werden soll. Wir stellen sogar - allerdings nicht kostenlos- auch die von uns erarbeiteten Werkzeuge zur Steuerung eines solchen Projektes zur Verf√ľgung. "

MM: "Wie sehen Sie die Zukunft des Skifahrens - dazu existieren ja widerspr√ľchliche Positionen? Welche M√∂glichkeiten f√ľr neue Dienstleistungen ergeben sich durch neue Produkte?"
Rothleitner: "Diesbez√ľglich erlaube ich mir aus einer Studie der SportKreativWerkstatt M√ľnchen aus dem Jahre 2008 zu zitieren, mit der die Zukunft des Skilaufs untersucht und mit zahlreichen Expertengespr√§chen abgesichert wurde. Skifahren wird in mehreren Auspr√§gungen existieren. Als Teil urbanen Erlebnisses (Skihallen), als virtuelles Erlebnis (wii), als Naturerlebnis (Tourengeher) und als Teil eines ganzj√§hrigen Bergerlebnisses. Dort sind wir angesiedelt. Wir bauen daher unser Angebot auch mit der Ausrichtung auf einen Ganzjahresbetrieb weiter aus. Wichtig ist dabei aber sicherlich, dass wir die Zutrittsbarrieren zum Skisport m√∂glichst minimieren. Allein der Aufwand, die richtige Ausr√ľstung f√ľr beispielsweise zehn Tage Skiurlaub zu bekommen, hat nichts mit einem Urlaubserlebnis zu tun. Z. B. muss jeder Urlauber bei der Skischuhanprobe und dem Skitausch jedes Mal den linken Schuh ausziehen, weil auch die Bindungseinstellung gemacht werden muss. Das darf einfach nicht mehr sein. Warum sind Schuhgr√∂√üe und Bindungseinstellung nicht so aufeinander abgestimmt, dass ich allein aus den EDV-Daten des Kunden blitzschnell das richtige Material ausgeben kann? Hier wartet noch jede Menge Arbeit!"