Mountain Manager
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Marketing & Management - MM-Interview

Klaus Exenberger, GF Bergbahnen Ellmau-Going - Entwicklung zum ?Drei-Saisonen-Betrieb forcieren

Ausgabe 4/2015

In Ellmau wird diesen Sommer auf Hochtouren gebaut. Die Standseilbahn "Hartkaiser" wird ??durch eine 10er-Kabinenbahn ersetzt. Der MOUNTAIN MANAGER hat das zum Anlass genommen, ?um mit Bergbahnchef Klaus Exenberger ĂŒber seine PlĂ€ne und Erwartungen zu sprechen.
Winterpanorama Hartkaiserbahn.
Winterpanorama Hartkaiserbahn.
MM: "Diesen Sommer wird die Standseilbahn Hartkaiser durch eine moderne 10er-Kabinenbahn ersetzt. Warum hat man sich fĂŒr einen Systemwechsel entschieden?"

Klaus Exenberger: "Wir haben uns im Vorfeld genau damit beschĂ€ftigt, wie man bei unserer Standseilbahn die Frequenz erhöhen bzw. die Wartezeit fĂŒr unsere Besucher reduzieren könnte. DafĂŒr haben wir verschiedene Expertisen eingeholt und bei verschiedenen Firmen angefragt. Schließlich sind wir zum Schluss gekommen, dass bei dieser Technik der Spielraum beschrĂ€nkt ist. Deshalb haben wir begonnen, uns neu zu orientieren und nach modernen Alternativen zu suchen. Dabei haben wir festgestellt, dass fĂŒr unsere Zwecke eine 10er-Kabinenbahn generell besser geeignet ist, um sowohl hinsichtlich QualitĂ€t als auch QuantitĂ€t entsprechende Verbesserungen zu erreichen. Eine solche Entscheidung war letztendlich nötig, um den Anforderungen des Marktes, also den KundenwĂŒnschen Rechnung zu tragen."

MM: "Was erwarten Sie sich von der neuen Bahn?

Exenberger: "Wir erwarten uns von der Bahn natĂŒrlich Impulse fĂŒr unser Skigebiet. Mit der neuen 10er-Kabinenbahn möchten wir dem Gast einfach mehr Komfort bieten, also genau das, was heute erwartet wird. Dazu haben wir hier eine sehr schöne Talabfahrt, die nicht mehr so viel benutzt worden ist, weil es bei der Standseilbahn immer wieder zu Wartezeiten gekommen ist. Wir hoffen deshalb, dass unsere Talabfahrt mit der neuen 10er-Kabinenbahn fĂŒr Wiederholungsfahrten wieder besser angenommen wird und fĂŒr unsere GĂ€ste ein Mehrwert entsteht."

MM: "Es soll bei dieser Bahn auch eine Mittelstation gebaut werden. Worin liegen die Vorteile?"

Exenberger: "FĂŒr uns ist die Mittelstation in rund 1?000 m Seehöhe sehr wichtig. Uns steht damit quasi eine ‚zweite Bahn' zur VerfĂŒgung. Durch die Platzierung der Mittelstation in dieser Höhe können wir die Talabfahrt im Winter bzw. die Wanderwege im Sommer sehr gut ins Konzept einbinden. Wer im Winter nicht jedes Mal ins Tal fahren möchte, kann in der Mittelstation zusteigen und gleich wieder auf den Berg hinauf. Wir haben in den letzten Jahren außerdem ?gesehen, dass die SchneequalitĂ€t in Lagen ab 900 ?bis 1?000 m meistens wesentlich besser ist als im Tal, sodass wir unseren GĂ€sten hier beste Bedingungen bieten können. Die Kabinenbahn ist auch hinsichtlich unseres Zwei-Saisonen-Betriebes wichtig, weil wir sie natĂŒrlich auch fĂŒr den Sommer nutzen. Wenn Wanderer, speziell unsere Ă€lteren GĂ€ste, nicht mehr den ganzen Weg zu Fuß zurĂŒcklegen möchten, hat man mit der Mittelstation eine gute Gelegenheit, einen Teil der Strecke oder auch den ganzen Weg kraftsparend zurĂŒckzulegen."
Fotos: Bergbahnen Ellmau-Going
Fotos: Bergbahnen Ellmau-Going
MM: "Wie sieht der Bauplan aus?"

Exenberger: "Wir haben am 7. April mit den Abbrucharbeiten begonnen. NatĂŒrlich war es eine logistische Herausforderung 960 t Stahl abzutransportieren und einer Wiederverwertung zuzufĂŒhren. Auch die GebĂ€ude der Tal-, Mittel- und der Bergstation wurden zur GĂ€nze abgerissen und das Material, wo möglich, recycelt. Derzeit sind die neue Mittelstation und die Strecke baumeisterseitig fertig, die StĂŒtzen werden in der KW 26 mit HelikopterunterstĂŒtzung aufgestellt. Die Bergstation ist im Moment von den Bauarbeiten gesehen zur HĂ€lfte und die Talstation zu einem Drittel fertig. Wir liegen mit den Arbeiten gut in der Zeit, die Firmen arbeiten sehr fleißig und engagiert. Unser Ziel ist es dann, in der KW 46 bzw. 47 die seilbahnrechtliche Abnahme durchzufĂŒhren und Ende November den Betrieb aufzunehmen, wenn es die Schneelage erlaubt."

MM: "Die frĂŒhere Hartkaiserbahn hat die AbwĂ€rme im Triebwerksraum fĂŒr die Beheizung der Bergstation genĂŒtzt, wird es bei der neuen Bahn Ähnliches geben?"

Exenberger: "Wir haben wieder etwas Ähnliches geplant, genau gleich wird es nicht sein. Bei der alten Bahn war der Antrieb in einem kleinen geschlossenen Raum platziert, sodass wir relativ viel AbwĂ€rme nutzen konnten. Jetzt sind die RĂ€umlichkeiten grĂ¶ĂŸer und offener. Dazu kommt, dass die modernen Motoren nicht mehr so viel WĂ€rme abgeben wie frĂŒher. Trotzdem werden wir die anfallende AbwĂ€rme auch in Zukunft wieder nutzen und in den Kreislauf einbringen. Wir rechnen aber damit, dass wir rund ein Drittel weniger AbwĂ€rme zur VerfĂŒgung haben werden als bisher."
6er-Sessel
6er-Sessel "Almbahn".
"Ohne ,Ellmis Zauberwelt' wÀre der Sommerbetrieb so nicht möglich"

MM: "Wie lange sind Sie GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Bergbahnen Ellmau-Going, was ist Ihnen in Ihrer Position wichtig?"

Exenberger: "Ich bin Quereinsteiger in diese Branche und jetzt seit 10 Jahren dabei. Bergbahnunternehmen sind Dienstleister und mir ist es wichtig, dass sich das Unternehmen auch so prĂ€sentiert. Der Gast soll merken, dass wir uns um ihn bemĂŒhen. NatĂŒrlich wollen wir in allen Bereichen Top-QualitĂ€t bieten und mit Freundlichkeit ĂŒberzeugen. Wir sehen uns als Bergbahnunternehmen aber auch als Motor in der Region, um Impulse und Akzente zu setzten und bei vielen Dingen eine Vorreiterrolle zu ĂŒbernehmen."

MM: "Woher kommen Ihre GĂ€ste im Sommer bzw. Winter, wie sieht die GĂ€stestruktur aus?"

Exenberger: "Im Sommer kommen unsere GĂ€ste zu 70?% aus Deutschland, dann natĂŒrlich aus der Schweiz, den Benelux-LĂ€ndern, Großbritannien und in letzter Zeit vermehrt aus Österreich. Was das Wandern betrifft, haben wir in der Region Möglichkeiten zum Klettern genauso wie sehr schöne Wanderwege in rund 1.500 m Seehöhe. Wie man weiß, ist die Bewegung gerade in dieser Höhe stressfrei und sehr gesund. Vom Mai bis Juli kommen bei uns viele GĂ€ste aus der Altersstufe 60+, in der Ferienzeit sind es dann viele Familien. Im Herbst verschiebt sich die GĂ€stestruktur bei den Wanderern wieder in Richtung Singles, Sportler und Ă€ltere GĂ€ste.
Im Winter kommt der Großteil unserer GĂ€ste, also sicher 75?% aus Deutschland, gefolgt von den Benelux-LĂ€ndern, der Schweiz und Großbritannien. Der österreichische Gast kommt auch im Winter zu uns, aber nicht in dem Ausmaß, wie wir es gerne hĂ€tten. Wir sind in Ellmau bekannt als Drehort fĂŒr den ,Bergdoktor' und haben eine gute Hotellerie. Vor diesem Hintergrund kommen im Winter nur rund 65 bis 68?% der GĂ€ste zum Skifahren. Ansonsten wird z.?B. gewandert oder es werden die Möglichkeiten zum Ski-Langlaufen genutzt."

MM: "Welche Erwartungen haben Sie in die diesjÀhrige Sommersaison?"

Exenberger: "Unsere Erwartungen an den Sommer sind dieses Jahr nicht hoch, weil uns durch die Bauarbeiten keine Bahn zur VerfĂŒgung steht. Wir werden aber sehr wohl ‚Ellmis Zauberwelt' offen halten und auch das Bergrestaurant ist fĂŒr die Wanderer offen. Auf diese Weise wollen wir die KontinuitĂ€t im Angebot sicherstellen. Wir erzielen normalerweise rund 25?% unseres Umsatzes im Sommer, das wird dieses Jahr natĂŒrlich nicht der Fall sein."

MM: "Gibt es Neuerungen/ErgĂ€nzungen im Angebot fĂŒr die nĂ€chsten Saisonen?"

Exenberger: "Dieses Jahr haben wir im Sommer nichts Neues geplant, nĂ€chstes Jahr wird es aber sicher wieder Neuerungen geben. FĂŒr ‚Ellmis Zauberwelt' bringen wir schrittweise immer wieder Neues ein, weil wir den Berg einfach interessant halten wollen. An den Winter haben wir fĂŒr die Saison 2015/16 natĂŒrlich schon entsprechende Erwartungen durch unsere neue Bahn. In der Talstation wird es einen modernen Shop mit einer FlĂ€che von 1?200 m2 geben, dazu ein Ski-Depot. Dieses Angebot ist meiner Meinung nach ein wichtiger Aspekt, um dem Gast grĂ¶ĂŸtmöglichen Komfort zu bieten, alles so einfach wie möglich zu haben und ihn dadurch in der Region zu halten. Wichtig ist uns auch eine Ganztagesbetreuung fĂŒr Kleinkinder, wo sich die Kleinen so richtig wohl fĂŒhlen und die Eltern zwischendurch mal reinsehen können. Am Berg wird es in diesem Zusammenhang z.?B. auch ein Kinderrestaurant geben. Dieser Bereich ist mir auch deshalb sehr wichtig, weil Kinder die GĂ€ste von morgen sind. Wo es dem Kind gefallen hat, fĂ€hrt es auch als Erwachsener wieder hin. Ähnlich wie ‚Ellmis Zauberwelt' im Sommer möchten wir die Figur in Zukunft auch fĂŒr den Winter weiterentwickeln, sodass wir am Berg ein zusĂ€tzliches Angebot bekommen. In der Bergstation wird es außerdem ein weiteres Ski-Depot geben und eine Infozentrale fĂŒr den Gast."
Die neue Hartkaiserbahn wird eine 10er-Kabinenbahn.
Die neue Hartkaiserbahn wird eine 10er-Kabinenbahn.
"Der Gast soll merken, dass wir uns um ?ihn bemĂŒhen"

MM: "Wie bewĂ€hrt sich ‚Ellmis Zauberwelt' generell?"

Exenberger: "Ellmis Zauberwelt ist ein Top-Thema fĂŒr die ganze Region geworden. Auch im Vergleich mit dem Top-Player, dem ‚Hexenwasser Söll" können wir gut mithalten. Wichtig ist es natĂŒrlich, immer wieder Neues zu bieten, damit man fĂŒr die GĂ€ste interessant bleibt. Ohne ‚Ellmis Zauberwelt' wĂ€re der Sommerbetrieb in der jetzigen Weise sicher nicht möglich."

MM: "Die Bergbahn Ellmau-Going ist eine ,Ausgezeichnete Österr. Sommerbahn'. Wie lange sind Sie dabei, wie sind Ihre Erfahrungen mit dieser Angebotsschiene?"

Exenberger: "Wir sind seit 2007 eine ‚Ausgezeichnete Österreichische Sommerbahn'. Das ist sicher eine sehr gute Einrichtung, die sich fĂŒr uns sehr gut bewĂ€hrt hat. Die Vermarktung funktioniert ausgezeichnet, weil man auch in den Medien immer wieder entsprechend prĂ€sent ist. Und durch die QualitĂ€tskriterien ist man auch immer wieder angehalten, aktiv zu sein und sein Angebot zu pflegen und zu erneuern."
Mit Ellmis Zauberwelt wird der Sommer fĂŒr die GĂ€ste attraktiv.
Mit Ellmis Zauberwelt wird der Sommer fĂŒr die GĂ€ste attraktiv.
MM: "Welchen Stellenwert haben Events und das kulinarische Angebot?"

Exenberger: "Events sind fĂŒr uns nicht so wichtig. Wir haben keine großen VeranstaltungssĂ€le - wenn wir Events planen wĂŒrden, mĂŒsste das in der freien Natur sein. Und da ist unser Wetter nicht so stabil, dass man langfristig planen könnte. Außerdem fehlen uns fĂŒr große Events schlicht die finanziellen Mittel. Umso wichtiger ist uns aber das kulinarische Angebot, und das sowohl im Sommer als auch im Winter. Hier hat sich in den letzten Jahren auch sehr viel getan, hinsichtlich der QuantitĂ€t der GĂ€ste und natĂŒrlich auch der QualitĂ€t im Angebot."

MM: "Wo sehen Sie die grĂ¶ĂŸten Herausforderungen fĂŒr Ihr Unternehmen?"

Exenberger: "Die grĂ¶ĂŸte Herausforderung der nĂ€chsten Jahre wird sicherlich darin bestehen, uns zu einem Drei-Saisonen-Betrieb zu entwickeln. Neben dem Winter wollen wir im Sommer noch stĂ€rker werden und auch im Herbst sehe ich noch großes Potenzial, das wir fĂŒr uns gewinnen möchten. Den Anteil der Skifahrer im Winter generell zu steigern, ist meiner Meinung nach nicht möglich. Der Kuchen wird nicht grĂ¶ĂŸer werden. Unser Anliegen ist es aber, unseren Anteil noch etwas auszubauen. Das wollen wir durch ein entsprechendes Angebot, QualitĂ€t, Freundlichkeit und Sauberkeit erreichen - und natĂŒrlich durch ein stimmiges Preis-/LeistungsverhĂ€ltnis, auch dieser Bereich muss passen."?dwl