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MM Magazin - Trends

ISPO 06: Die Trendwende ist geschafft

Ausgabe 2/2006

Die diesjährige Winter-ispo vom 29. 1.-2. 1. 06 brach alle Rekorde: 1.806 Aussteller und mehr als 60 000 Fachbesucher in München (+ 10 %). Noch erfreulicher als die hohe Frequenz war jedoch die euphorische Stimmung der Branche. Denn die lang erwartete Trendwende war zu Beginn des Sportjahres 2006 geschafft! Wesentlich daran beteiligt ist Skifahren, das - angestoßen durch Carving - deutlich vielseitiger und vor allem auch jünger wurde. Ein Umsatzplus von 8% bei Wintersporthardware im Jahr 2005 war die Folge. Für 2006 wird durch Olympia in Turin und die Fußball WM in Deutschland eine weitere Stärkung des Aufwärtstrends erwartet.
Die ispo ist immer gut für Weltpremieren. Eine zeigte u. a. Skiproduzent Fischer mit dem weltersten Ski-Fahrwerk Flowflex, das eine völlig freie Skidurchbiegung - auch unter der Bindung - ermöglicht. Das Besucherinteresse war enorm. Fotos: mak
Die ispo ist immer gut für Weltpremieren. Eine zeigte u. a. Skiproduzent Fischer mit dem weltersten Ski-Fahrwerk Flowflex, das eine völlig freie Skidurchbiegung - auch unter der Bindung - ermöglicht. Das Besucherinteresse war enorm. Fotos: mak
Reichlich Schnee und tiefe Temperaturen zu Beginn und am Ende des Jahres 2005 stimulierten die Nachfrage in allen Wintersportländern nach Sportartikeln in allen Facetten. Diese Tatsache bescherte dem europäischen Sportfachhandel insgesamt Plus + 1% im Durchschnitt, noch 2004 hatte man eine Umsatzstagnation, in Deutschland gar ein Minus von 2 %. Dazu sagte Werner Heizmann, Präsident des Verbandes Deutscher Sportfachhandel (VDS): "Im Lauf der letzten Jahre hat sich Skifahren wieder zu einer richtigen Trendsportart für unsere Umsatztrendwende entwickelt: Es freut uns, dass die Hersteller hier vor allem für junge Zielgruppen neue und innovative Konzepte entwickelt haben, um sie wieder zurück auf die Piste zu bekommen. Neben dem Snowboard gehören dazu alle Arten von Twintip- und Freeride-Ski sowie entsprechende Ski für Funparks." Außer den Trends bei Ski Alpin wie:
. noch vielfältigere Produktpalette;
. handgemachte Prestige-Linien;
. Kluft zwischen hoch- und tiefpreisigen Produkten wächst;
. Kaufverhalten von geographischen Einflüssen geprägt;
. Die Aufsteiger: Twin Tips und Freerider mit tourentauglichen Bindungen für eine neue Spielart am Berg: das Tourengehen mit Freeridezielen; standen auf der ispo winter 06 folgende Themen im Mittelpunkt:
. Sicherheit (Helme, Rückenprotektoren);
. frauenspezifische Produktlinien;
. Nordic Fitness;
. "Mountain-Lifestyle" mit den Kollektionen der Top Fashion-Designer;
. sowie der verstärkte Einbau von Elektronik und Technik ins Equipment mit Vorrichtungen für Handy, MP3 Player und iPods.
Breitbandig einsetzbare Ski-Edelmarken wie
Breitbandig einsetzbare Ski-Edelmarken wie "Volant Gold" aus Edelstahl - zu sehen am Atomic-Stand - erfreuen sich bei den Individualisten zunehmender Beliebtheit. Die Gewichtsreduzierung begrüßten vor allem die weiblichen Kunden.
Ski Alpin: die Ansprüche steigen
Dank präziserer Zielgruppendefinition präsentiert die Skiindustrie auf der ispo winter für die kommende Saison eine der breitesten Ski-Pro-duktpaletten die es je gab, für jede auch noch so kleinste alpine Spielart. Neben den etablierten Allround-, Race- und Power-Carvern werden auch verstärkt üppige Freeride- Ski mit Slalomtaillierung für extreme und normale Freerider, mehr Twin Tips als bisher in allen möglichen Längen und Taillierungen, Funcarver, Wellnessski, jede Menge neue Telemarker mit Freeride-, Slalom- und Race-Taillierung sowie neue Tourenmodelle - individuell zugeschnitten für Genuss-, Race- bis normale Tourengeher angeboten. Und natürlich Lady- Modelle auch mit Bauweisen für Könnerinnen, wenn auch längst nicht in der Vielfalt der Männerski. Enorm wichtig wird der Imagetransport über das Aussehen. Daher wird designmäßig das Maximum ausgereizt. Und so zeigen sich die neuen Ski oft abgestimmt zur Skimode-Kollektion, daneben recht trendig mit teils ungewöhnlichem, durchweg auffallendem Dekor.
Dem Tourenski-Trend waren viele Exponate gewidmet, u. a. der nur 99 cm kurzen Weltneuheit B.I.S.S. (Big Snowshoe Skate). Das Wunderding von GASPO aus Ohlsdorf (A) vereint das Gefühl von Snowshoeing, Tourengehen und Feestyle-Abfahrt und löste eine wahre Besucherlawine aus.
Dem Tourenski-Trend waren viele Exponate gewidmet, u. a. der nur 99 cm kurzen Weltneuheit B.I.S.S. (Big Snowshoe Skate). Das Wunderding von GASPO aus Ohlsdorf (A) vereint das Gefühl von Snowshoeing, Tourengehen und Feestyle-Abfahrt und löste eine wahre Besucherlawine aus.

Auch der Hersteller-Pool an Skischmieden ist deutlich gestiegen. In ihm tummeln sich neben den Großen der Branche auch kleinere und sehr exklusive Hersteller, darunter Edelmarken wie Volant, Bogner, Lacroix, Chanel bis hin zu Indigo und Zai. Dass diese "Kreativen" auch in den kleinsten Nischen einen Platz finden und - wenn auch kleine Stückzahlen - verkaufen, hängt damit zusammen, dass Prestigeobjekte mit dem Siegel "handmade" und "individuell" immer gefragter sind. So verfahren übrigens unter anderem auch mit Atomic und Salomon einige der großen Skidynastien, die fürs eigene Label kleine, limitierte und absolut hochwertige Linien produzieren lassen - für Liebhaber und Eingefleischte auf deren Bedürfnissezugeschnitten, mit harmonischen Biegelinien. Ein Konzept, das ankommt, denn Individualität steht zumindest in der jüngeren Szene hoch im Kurs. Schließlich können die Käufer wie mit ihrer Kleidung jetzt auch mit Ski ihre Lebensanschauung zeigen. Keine Frage: Hochpreisige Performance- Produkte sind stark gefragt, wie etwa der Ausverkauf Atomics B5-Serie im oberen Preisniveau in der letzten und auch aktuellen Saison belegt. Doch andererseits öffnet sich die Schere in die genau entgegen gesetzte Richtung: Billig läuft ebenso und sorgt für Druck Richtung Hersteller, das mittlere Preissegment bildet sich langsam zurück.


Die Sieger des European Ski Awards Innovationen stehen im Fokus der ispo. So wurden heuer zum vierten Mal die besten Neuheiten rund um den Wintersport in acht Kategorien mit dem "European Ski Award" ausgezeichnet bzw. ebensoviele im Brand New Award. Sieger in der Kategorie Nordic Hardware wurde der "Jibskate" von Fischer. Mit diesem ersten nordischen Twintip Ski haben Jumps, Rails und Slides nun auch in der nordischen Ski-Welt Einzug gehalten. Die Jibskates können überall verwendet werden. Ob in Funparks oder im selbst gebauten Nordic Park im Gelände. Die Skatingtechnik ersetzt den Lift, die Bewegungsfreiheit ermöglicht es den Jibbern, eine selbst gebaute Rampe oder einen Parkrail immer wieder zu sliden und backwards zu befahren! In der Kategorie Ski wurde die "Speedwave"-Serie von Elan zum Gewinner gewählt. Durch die neuartige Waveflex-Technologie wird die Kurvenfahrt erleichtert, Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten ermöglicht und gleichzeitig Sicherheit auf steilen und eisigen Abfahrten gegeben. Zudem sind die Ski der Speedwave Serie durch die Reduzierung des Gesamtvolumens des Skis bis zu 15 % leichter als vergleichbare Ski auf dem Markt. In der Kategorie Ski Special kürte die Jury den "Anarchist Backpack" von Black Diamond zum Sieger. Durch die Integration von Ava- LungT besteht für über 70 % aller heutigen Lawinenopfer eine potentielle Überlebenschance. Das Mundstück von AvaLungT befindet sich am linken Träger und die Luft (O2) wird durch einen Schlauch oberhalb der linken Rucksackschulter eingeatmet. Die Ausatemluft (CO2) wird über einen zweiten Schlauch am Rucksackboden rechts abgeleitet. Das Tragesystem ist ergonomisch geformt,der Inhalt des Rucksacks sicher verpackt. Platz für Schaufel und Fell ist in einem speziellen Fach. Erwähnt sei noch eine Neuheit von Fischer, wenngleich kein Award- Sieger (sonst hätte Fischer ja zwei gehabt...): das erste Skifahrwerk der Welt! Flowflex, so die Bezeichnung, ermöglicht erstmals völlig freie Skidurchbiegung - auch unter der Bindungsplatte. Dadurch eröffnen sich ganz neue Dimensionen für die Performance des Skifahrers: alle negativen Kräfte, die durch Schuh und Bindung auf den Ski einwirken, werden von Flowflex völlig neutralisiert, so dass sich die Kraft des Fahrers nahezu vollständig auf den Ski überträgt. Weitere Vorteile sind ein erhöhter Kantengrip, leichteres Drehverhalten und besseres Steuerverhalten

Uvex stellte als wichtigste Neuheit den
Uvex stellte als wichtigste Neuheit den "Magic Google" vor. Die Weltpremiere ermöglicht auf Knopfdruck ein Umschalten von hell auf dunkel. Die Scheibentechnologie basiert auf Flüssigkristall, vergleichbar mit einem LCD-Bildschirm, das Umschalten funktioniert mit einer handelsüblichen Batterie. Foto: Uvex Sports GmbH
Trendsport etwas zurückhaltender
Etwas ruhiger ging es diesmal im Bereich (Winter-)Trendsport mit Innovationen zu. Am auffälligsten war der Brand New Award-Gewinner "SMX" von North Legion aus Norwegen, eine Kombination von Elementen von BMX(Rädern) und FMX. Damit will man sozusagen Mountainbiken im Schnee nahekommen und Bikern eine Alternative im Winter bieten. Die ispo-Jury war aber der Meinung, dass auch Snowboarder und Skifahrer mit dem SMX, das dank des flexiblen Rahmens alle Zweiradtricks auf der Piste oder insbesondere im Snowpark ermöglicht, ihren Spaß haben werden, wenn sie Abwechslung suchen. Optisch erinnert SMX an ein Dreirad, allerdings mit drei stabilen Kurzski statt Rädern und einer sehr stabilen Erscheinung. Hinsichtlich eines bequemen Aufstiegs auf den Berg haben die Konstrukteure darauf geachtet, dass man jede Art von Skilift ohne Probleme benutzen kann (www.northlegion.com). "Snowsurfing" hieß eine andere neue Sportart. Sie kombiniert das Beste der Prinzipien des Surfens mit dem Wintersport - ohne Bindung! Das beschert extreme Freiheit auf den Pisten und ist für Skater und Rider ideal (www.snow-surfing.com). Weitere Entwicklungen gab es bei den Rodeln. Die Firma Ress GmbH aus Schwebheim (D) zeigte z. B. eine faltbare Holzrodel und Hammerhead Sled einen stylishen Metall-Leichtschlitten mit abnehmbaren Miniskis an den Kufen (www.cherrymaxsleds.com).
Michael Ress, GF der gleichnamigen Firma aus Schwebheim, ist durch seinen
Michael Ress, GF der gleichnamigen Firma aus Schwebheim, ist durch seinen "Hillracer" bekannt geworden. Heuer brachte er als Neuheit einen faltbaren Schlitten mit.
Rund um die Sicherheit am Berg
Sicherheit am Berg bleibt weiterhin ein Thema. Die markantesten Trends dazu sind:
. Design hält Einzug ins Sicherheits-Equipment;
. Sicherheit und Prävention für Jedermann;
. Hightech und Wohlbefinden an Kopf und Körper;
. Leichtere und schnellere Bedienbarkeit bei Schaufeln und Sonden.
Sportprodukte sind heute gleichzeitig schön und sicher. So werden Helme immer spezifischer auf die vielen unterschiedlichen Zielgruppen zugeschnitten und designed, Freerider bekommen andere Modelle als etwa "Kunstflieger" und New Schooler. Für Snowboarder gibt es eher Skateboard-orientierte Helme, Racecarver und Pistenflitzer eher abgespeckte Formen der Rennfahrer und Frauen wiederum eigens entwickelte Formen, die auch an die Frisuren denken und auf "ihre" Skilinien abgestimmt sind. Allgemein gilt: Helme werden insgesamt nicht nur leichter, sicherer, haben bessere Belüftungs- bis Hygiene- Eigenschaften und sind vor allem bequemer. Noch stärker als bisher gewinnt das Thema Elektronik an Bedeutung: Dabei lassen sich neue Helme so auf- und nachrüsten, dass sie mit abnehmbaren Earpads und zum Helm passenden Tools zu echten Multimedia-Centern werden: Etwa indem sich Handy- und Funk-Freisprechanlagen, MP3-, CD- oder Mini-Disc-Player hinzuschalten lassen. Gearbeitet wird derzeit an Displays, auf denen sich Geschwindigkeit, Höhenmeter usw. ablesen lassen! Hier punktet vor allem Uvex mit dem X-Ride- Helm. In punkto Sonden seien die neuen pfa- Lawinensonden von Ortovox besonders erwähnt. Mit ihnen lässt sich wertvolle Zeit einsparen. Pfa steht für "patented flash assembly" und bezeichnet das kugelgelagerte Klemmsystem, durch welches Zusammenfügen, Spannen und Fixieren der Lawinensonde ein einziger Vorgang wird. Ein mit Schaumstoff geformter Haltegriff und der ergonomisch geformte Zuggriff optimieren den Montage-Vorgang.
Blickfang bei Montana war der neue große Roboter
Blickfang bei Montana war der neue große Roboter "Crystal Diamond", der bis zu 50 Paar Ski/Stunde perfekt serviciert. Foto: mak

Protektoren sind nicht mehr verpönt
Schutzausrüstung - sogenannte Protektoren - werden aufgrund der steigenden Verletzungsgefahr bei Extremsportarten immer stärker nachgefragt. Und zwar schon zu 70 % von "normalen" Snowboardern und Skifahrern auf der Piste, die sich dadurchu. a. vor von rücksichtslosen Rasern ausgelösten Unfällen schützen wollen, und nicht nur von Freeridern oder Halfpipe-Künstlern. Aber es sollten von TÜV-zertifizierte Produkte sein. "Schließlich könne an nicht irgendwelche Billiginnovationenals Schutzprodukte verkaufen, erklärt Alexandra Schweickhardt, Marketing Assistentin bei Komperdell. "Immerhin", so Schweickhardt, "handelt es sich in diesem Sektor um hochtechnische Neuheiten, die einen großen und kostenintensiven Entwicklungsaufwand mit sich bringen - nur höchste Qualitätsstandards bringen dauerhaften Erfolg im Protektorensegment." Doch es geht nicht nur um Normen. Getüftelt wird bei den bisher üblichen harten Protektoren aber auch zunehmend mehr mit weichen Protektoren bei Belüftungssystemen und Komfort. Speziell die neuen "weichen" sind nicht nur leichter sondern vor allem flexibler und weniger voluminös, sie lassen sich besser in Bekleidung integrieren und sind rundum angenehmer zu tragen.


Skiservice & Rent: Bedeutung steigt weiter
Die Bedeutung des Skiverleihs steigt jährlich. Dementsprechend bemüht sich die einschlägige Industrie um permanenteWeiterentwicklungen ihrer Serviceautomaten. Eine richtige Szene rundherum baut Wintersteiger mit seinem ispo-Branchentreff unter dem Motto "Scharfe Kanten und heiße Kurven" auf. Der Weltmarktführer lud Hans Knauss (Neo-Skilegende), Gregor Dietachmayr (GF Fischer) und Rudi Huber (Rennsportleiter Atomic) zu einer Talkshow und präsentierte den neuen Service- Kalender 06 samt Autogramm gebenden Models. Um die gesamte Palette an Maschinen, Rent- und Storeausrüstung attraktiv herzeigen zu können, leistete sich Wintersteiger den bisher größten Messestand auf einer ispo: 650 qm, um 100 qm mehr als im Vorjahr! Selbstverständlich wurde die Gelegenheit genutzt, eine weitere neue Servicemaschine einzuführen. Die "trimjet" ist eine automatische Kantenschleifmaschine für Ski & Snowboards, die mit der Ceramic Disc Finish-Technologie aus der Skiindustrie ausgestattet ist. (Mountain Manager stellt diese auch für Kleinbetriebe interessante Wintersteiger-Neuheit in einem Extra-Artikel näher vor). Montana kam gleich mit zwei Weltpremieren zur ispo 06: der neuen Robotergeneration "Crystal Diamond" für die obere Leistungsklasse sowie dem neuen Aufbewahrungssystem "abs plus" (vgl. MM 1/06 Seite 18/19). Reichmann + Sohn GmbH entwickelte die Kantentuningmaschine DTS-U weiter. Durch das neue Maschinenkonzept kann die Bildung eines Grates auf der Kante beim Bearbeitungsprozess ausgeschlossen werden. Außerdem werden durch ein Polieren der Unterkanten die Dreheigenschaften Skis oder Snowboards verbessert. Auch über diese Neuheit erfahren Sie mehr in einem Extra-Artikel. mak/orf