Mountain Manager
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MM Magazin - Trends

Weltpremiere des Mountain Gliders in Belgien

Ausgabe 4/2007

Vor 7 Jahren kam Doppelmayr die Idee zum „Mountain Glider”, einem 75 km/h schnellen Erlebnis-Ride im 4er-Sessel, der die Attraktivität des Sommertourismus in den Bergen auf die Sprünge helfen sollte. Am 15. Juni 2007 konnte die 100% Tochter Input Projektentwicklungs GmbH endlich den weltersten Mountain Glider in Betrieb nehmen – allerdings (noch) nicht im Gebirge, sondern im Gäste-Herkunftsland Belgien: Der Vergnügungspark Walibi bei Brüssel (max. 25 000 Gäste/Tag) darf sich diese Weltpremiere auf die Fahnen heften!
Der Mountain Glider im belgischen Vergnügungspark Walibi in Startposition. Fotos: Input
Der Mountain Glider im belgischen Vergnügungspark Walibi in Startposition. Fotos: Input
Walibi hat über 50 Attraktionen für die ganze Familie zu bieten – darunter seit kurzem eine völlig neuartige aus Vorarlberg. Der Mountain Glider trägt im seit 1975 bestehenden Park den klingenden Namen „Vertigo” und wird Walibi im hierzulande ausgeprägten Wettbewerb um die Besuchergunst kräftig unterstützen. Der Mountain Manager hatte Gelegenheit, diese bahnbrechende Innovation von Doppelmayr zwei Tage vor der offiziellen Eröffnung zu besichtigen und zu testen. Der Zugang ist einem Sesselbahnbetrieb nachempfunden, ein Förderband bringt einen in die richtige Position. Nach dem Hinsetzen in die Schalensitze senkt sich eine Verriegelung herab. Sicherheitshalber überprüft das Personal den korrekten Verschluss, ehe es zum Aufzug geht. Die Fahrzeuge werden nämlich mittels Vertikallift mit 5 m/s Geschwindigkeit auf einen 55 m hohen Startturm befördert – schon diese schnelle Auffahrt mit anschließender 90°-Drehung ist ein Erlebnis. Dann ein kurzer Moment, in dem man die vor einem liegende, 722 m lange Stahlseil-Strecke überblickt, schon geht’s bergab und zwar rasant. Durch Kurven, über Gleitpassagen und den sogenannten Korkenzieher (dreifach 360° Kurve) mit bis zu 75 km/h und Beschleunigungskräften bis zu 3G. Man hat tatsächlich das Gefühl, den Park zu überfliegen. 94 Sekunden lang erlebt man den Kick, sich wie ein Adler zu fühlen...
Doppelmayrs Mountain Glider ist ein innovativer Erlebnis-Ride für die ganze Familie
Doppelmayrs Mountain Glider ist ein innovativer Erlebnis-Ride für die ganze Familie
3 Stützen mit weiten Spannfeldern
Für das Bergab-Flugerlebnis sind nur drei große Stützen mit weiten Spannfeldern (bis zu 300 Meter) und der Startturm notwendig. Das Fahrrohr ist mit einer Führungsfinne für das Fahrwerk versehen, die das Fahrwerk beispielsweise in Kurven um das Fahrrohr dreht. Zusätzlich kann die Gondel seitlich und nach vorne beziehungsweise hinten ausschwenken. Das Fahrrohr weist nicht nur eine Eigenstabilität auf, sondern wird zusätzlich an einem Stahlseil aufgehängt. Es gibt im Unterschied zu einer Achterbahn keine einzelnen Schienenstücke, die zu einer ganzen Strecke zusammen gefügt werden müssen. Das Stahlseil hängt so, wie es die Schwerkraft nach unten zieht, wodurch sich ein sanftes Fahrgefühl ohne Ruckeln oder Schläge ergibt. Die Bahn ist sowohl für hügelige Freizeitparks ideal, als auch für Parks mit wenig Möglichkeiten, große Fundamente für eine Achterbahn zu setzen.
Höhepunkt der Fahrt ist der sogenannte „Korkenzieher”.
Höhepunkt der Fahrt ist der sogenannte „Korkenzieher”.
„Den Gästen fällt die neue Attraktion sofort aus jedem Winkel des Parks auf”, erzählte der Walibi-Parkmanager bei der Journalistenführung, „weil sie den Luftraum beherrscht. Der Mountain Glider wird jedenfalls eine sehr große Bereicherung für uns sein.” Die Alleinstellung wird Walibi aber nicht allzu lange auskosten können, da laut Mike Doppelmayr bereits zwei weitere Projekte für Vergnügungsparks bearbeitet werden. Allerdings gibt es dabei einen gewissen regionalen Konkurrenzschutz, so dass der Mountain Glider nicht an die unmittelbar benachbarten Erlebnisparks verkauft wird, erklärt DI Helmut Müller, GF von Input, die für die weltweite Vermarktung zuständig ist und das Konzept von Anfang an begleitet hat.
Mike Doppelmayr beim TV-Interview auf einem Mountain Glider-Fahrzeug: „Heute ist ein sehr wichtiger Tag für unsere Firma.”
Mike Doppelmayr beim TV-Interview auf einem Mountain Glider-Fahrzeug: „Heute ist ein sehr wichtiger Tag für unsere Firma.”
Dieses Konzept wird sich fortsetzen
Auf die MM-Frage, wann der erste Mountain Glider in der Bergwelt zu besichtigen sein wird, antwortete Doppelmayr: „Wir sind auf der Suche, den Mountain Glider irgendwann einmal auch in den Bergen zu bauen, das wird aber sicher nicht im nächsten Jahr sein. Denn wir wollen dieses Konzept, wie es hier steht, noch einige Male genau so verkaufen und weitere Erfahrungen sammeln. Es stimmt, die Idee für den Mountain Glider kommt ursprünglich dort her, nur war man zunächst nicht wirklich erfolgreich, es in den Bergen umzusetzen. Aber, wie gesagt, das Ziel bleibt aufrecht. Grundsätzlich haben wir ein sehr positives Gefühl, dass dieses Konzept sich fortsetzen wird.” Für die Bergwelt sieht das Konzept vor, dass der Mountain Glider in eine kuppelbare Seilbahn integriert werden kann und somit im gemischten Betrieb gefahren wird. Man nutzt also die Synergie bei der Auffahrt, an der Bergstation trennen sich dann die Wege der Fahrzeuge. Während z. B. die 6er-Sessel die übliche Retourstrecke nach dem Umlauf nehmen, schert der Mountain Glider aus und „fliegt” eine kühne Linie – den Erlebnis- Ride – talwärts. Vorbereitet dafür ist bisher nur die Gratbahn in Ischgl, alle anderen bestehenden Bahnen kann man nicht nachrüsten, d. h. es muss eine komplett neue kuppelbare Seilbahn gebaut werden, wenn man einen Mountain Glider installieren will. Natürlich werden die Layouts in der Bergwelt jeweils dem besonderen Verlauf des Berges angepasst, also individuell gestaltet sein. Bei zu heftigem Gegenwind und Vereisung an den Fahrbahnen muss der Betrieb allerdings eingestellt werden – nicht aber bei leichtem Regen.
Auch ein Bergewagen ähnlich wie bei einer Seilbahnanlage gehört zur Sicherheitstechnik des vom TÜV München abgenommenen Mountain Glider-Systems.
Auch ein Bergewagen ähnlich wie bei einer Seilbahnanlage gehört zur Sicherheitstechnik des vom TÜV München abgenommenen Mountain Glider-Systems.
Sicherheitstechnisch eine Herausforderung
Für den Fall, dass dennoch ein Fahrzeug sozusagen „im Gegenhang” bei Wind steckenbleibt, steht ein Bergewagen mit Dieselmaschine zur Verfügung, der eingekoppelt wird und retour hinauffährt. Dann schleppt er den steckengebliebenen Mountain Glider ab, oder, wenn mechanische Teile kaputt wären, nimmt er auch die Passagiere auf. „Die Anlage ist auf Sicherheitsklasse IV eingestuft, daher muss sie sicherheitstechnisch große Anforderungen erfüllen”, verrät DI Christoph Hinteregger, Chefkonstrukteur bei Doppelmayr. „Auf jedes Fahrzeug wirken 3 Bremssysteme: die permanenten Wirbelstrom-Bremsen, weiters ein kleines Hydraulikbremssystem
am Fahrzeug selbst (Betriebsbremse) und bei Stromausfall kommt die Sicherheitsbremse zum Einsatz. Weiters kontrolliert ein zentraler Funk die Abstände der Fahrzeuge zueinander und verzögert im Bedarfsfall dosiert. Die Erfüllung der Auflagen hat uns Einiges abverlangt, aber letztlich wurde die erste Mountain Glider-Anlage vom TÜV München und der Det Norske Veritas für den Publikumsverkehr freigegeben. Das erfüllt uns mit Stolz.” mak
Blick über die ganze Strecke.
Blick über die ganze Strecke.
Technische Daten Mountain Glider„Vertigo”
Kunde: Vergnügungspark „Walibi”, Brüssel, Belgien
Höhe Startturm: 55 Meter
Gesamtlänge: 722 Meter
Max. Geschwindigkeit: ca. 70 km/h
Fahrzeuge: 8 Fahrzeuge für je 4 Personen
Fahrzeit: 94 Sekunden
Kapazität: 800 Personen/Stunde