Mountain Manager
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MM Magazin - Trends

STRATEGE – Strategien für Wintersportorte im Klimawandel

Ausgabe 7/2007

Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Wintersportregion Schladming und daraus abzuleitende Handlungsstrategien sind die Forschungsschwerpunkte des vom Wissenschaftsministerium finanzierten proVision-Projektes „STRATEGE“. Daraus geht hervor, dass Schladming zumindest bis 2025 gute bis durchschnittliche Wintersportbedingungen haben wird. Der Mountain Manager präsentiert einige der wichtigsten Ergebnisse.
Graphik 1: Beschneiungsstunden auf der Tal-, Mittel- und Bergstation Schladming, Dr. Hr. Formayer, Institut für Meteorologie, Universität für Bodenkultur Wien 2007.
Graphik 1: Beschneiungsstunden auf der Tal-, Mittel- und Bergstation Schladming, Dr. Hr. Formayer, Institut für Meteorologie, Universität für Bodenkultur Wien 2007.
Seit November 2005 erarbeitet Univ. Prof. Ulrike Pröbstl von der Universität für Bodenkultur gemeinsam mit einem interdisziplinären Forschungsteam (MANOVA, Meteorologieinstitut der Universität für Bodenkultur und ÖIR) Klimamodelle, egionalanalysen und Marktuntersuchungen für die Region Schladming. Die Ergebnisse fließen in verschiedene Szenarien ein, die wiederum gemeinsam mit den lokalen Akteuren diskutiert werden. Im Rahmen eines partizipativen Prozesses werden aus diesen Szenarien Maßnahmen und Alternativen abgeleitet, die den möglichen negativen ökonomischen Auswirkungen des Klimawandels für die Region entgegenwirken können. Ein strategisches Planungsinstrument wird zum Monitoring der umgesetzten Aktivitäten installiert und dient somit als Entscheidungsgrundlage für die zukünftige Entwicklung. Hier ein paar der wichtigsten Ergebnisse aus dem Projekt STRATEGE:

Lokale Fakten statt globale Katastrophenmeldungen
Aufgrund der meist zu pauschalen Abschätzung über den Klimawandel in den Alpen bestimmen negative Meldungen zum Wintersport die Medien. Vor allem niedrig gelegenen Skigebieten wurde verbal bereits das „Aus“ erklärt. Auch die lokalen Klimadaten aus Schladming zeigen Kennzeichen der Erwärmung. So ist zum Beispiel die Anzahl der möglichen Beschneiungsstunden in der Vergangenheit (Referenzzeit 1961–1990 und 1988–2002) um 60 Beschneiungsstunden im Monat Jänner zurück gegangen. Die Ergebnisse der Klimaforschung weisen aber auch darauf hin, wie wichtig die Betrachtung des lokalen Kleinklimas, des Reliefs und der Exposition sind. So konnte für Schladming gezeigt werden, dass die Voraussetzungen für die Beschneiung durch den engen Talraum in tiefen Lagen oft besser sind als im Mittelbereich auf rund 1 300 m Höhe (vgl. Graphik 1). Insgesamt zeigt die Klimaforschung adaptiert an die lokalen Verhältnisse, dass selbst in einem tiefer gelegenen Skigebiet wie Schladming gute bis durchschnittliche Wintersportbedingungen bis ins Jahr 2025 angenommen werden können. Dies ist ein Zeitraum, der auch für die Entwicklung zusätzlicher und alternativer Konzepte genutzt werden kann.
Graphik 2: Bedeutung von Naturschnee für die Winterurlauber MANOVA, Wien 2007.
Graphik 2: Bedeutung von Naturschnee für die Winterurlauber MANOVA, Wien 2007.
Schnee statt Kaffee
Das Erlebnis von Bergen und Schnee ist aus Sicht der Wintersportler das wichtigste Motiv für den Winterurlaub. Dabei sind nicht nur die Schneeverhältnisse auf den Skipisten bedeutend, sondern auch das Naturerlebnis in der tief verschneiten Landschaft (vgl. Graphik 2). Wie die Befragung von 3 800 Skifahrer/-innen ergeben hat, sind bereits rund 75 % auf das Thema „Klimawandel“ sensibilisiert. Dabei gilt, dass männliche Skifahrer und besser ausgebildete Skifahrer und Skifahrerinnen stärker sensibilisiert sind. Der Skiurlaub ist unter den Befragten jedoch nach wie vor die Urlaubspräferenz Nr. 1, wobei es zukünftig unter dem Einfluss des Klimawandels tendenziell zu folgenden Verschiebung des Entscheidungsverhaltens kommen könnte: eine Präferenz für höher gelegene Skigebiete, eine längere Anfahrtszeit wird in Kauf genommen, der Urlaub wird in schneesichere Monate verlegt und die Buchungen werden immer kurzfristiger durchgeführt. Bereits jetzt geben 47% der Wintersportler an, dass sie ihren Urlaub spontan ein bis zwei Monate vor Antritt buchen. Nach dem Winter 2006/07 ist die Tendenz, später zu buchen, noch angestiegen. In diesem Zusammenhang spielen die Medienberichte eine zunehmende Rolle. Es besteht die Gefahr, dass Verallgemeinerungen über die Schneesituation vielerorts gemacht werden und der „Klimawandel“ und seine Folgen „herbei geschrieben“ wird. Bei ein bis zwei schneefreien Tagen sind Kaffeehausbesuch, Spaziergang, Wellness oder Fernsehen im Bett meist noch ein akzeptables Ersatzprogramm. Jedoch würde die Mehrheit der Gäste nach spätestens drei Tagen den Urlaub abbrechen.
Graphik 3: Strategien zur Sicherung des Tourismus in den Alpen, Dr. Ulrike Pröbstl, Institut für Landschaftsentwicklung, Erholungs- und Naturschutzplanung, Universität für Bodenkultur Wien, 2007.
Graphik 3: Strategien zur Sicherung des Tourismus in den Alpen, Dr. Ulrike Pröbstl, Institut für Landschaftsentwicklung, Erholungs- und Naturschutzplanung, Universität für Bodenkultur Wien, 2007.
Lust auf eine grüne Steiermark
Schladming gilt als die Sporthauptstadt der Steiermark. Das spiegelt sich auch in den regionalen Daten der Skiregion wider: 61 % der Ankünfte erfolgen im Winter, 65 % der Übernachtungen fallen ebenfalls in den Winter, 70 % der Beschäftigten arbeiten im Dienstleistungssektor und davon rund 20 % nur im Beherbergungsbereich, was signifikant über dem steiermärkischen und österreichischen Schnitt liegt (ÖIR 2007, Statistik Austria). Die Klimaforschung zeigt die Veränderungen, die auf den Ort zukommen. Sie zeigt aber auch, dass bis ca. 2030 Zeit ist, alternative Konzepte zu entwickeln und zum Skisport weitere Standbeine für die Tourismusregion zu entwickeln. In der Graphik 3 werden die möglichen Strategien dargestellt, die mit den Verantwortungsträgern der Region und der Öffentlichkeit diskutiert werden. Im Zusammenhang mit Ersatz- und Alternativprogrammen zeigte sich, dass die Skifahrer und Skifahrerinnen im Winter durch Service und Dienstleistungen nur kurzfristig zu einer Verlängerung des Aufenthalts bei Schneemangelsituationen bewegt werden können. NurWinterurlauber mit höherem Einkommen sind bereit, mit einer hochwertigen Unterkunft und umfangreichem Zusatzprogramm, wie Wellness-Einrichtungen, Indoor-Sportanlagen oder ähnliches, den fehlenden Schnee länger zu kompensieren.

Diese Ergebnisse zeigen, dass es für die Zukunft vieler Tourismusregionen darauf ankommen wird, zusätzliche Zielgruppen, verbesserte Angebotsqualität und Strategien hin zum Ganzjahrestourismus zu etablieren. Auf diesem Weg zu einem nachhaltigen Tourismus wurde in Schladming erstmals in Österreich ein Tourismus-Optimierungs-Management-Model eingesetzt, das der Region hilft, ihren derzeitigen Stand, ihre Entwicklungsoptionen und die erreichten Ziele abzulesen. Dieser Prozess wurde von den Bürgerinnen und Bürgern der Region bereits aktiv begonnen. Up