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MM Magazin - Trends

Erich Mayr, CEO RUNNERSFUN Consulting, Gmunden: Tourenskigehen: Bedarf sucht Angebot

Ausgabe 07/2012

Runnersfun aus Gmunden (OÖ) ist spezialisiert auf die Errichtung von Outdoor-Anlagen für Tourismus, Sport, Fitness und Gesundheit, die mit „Bewegungserlebnis“ zu tun haben. GF Erich Mayr kann bereits auf über 200 Projekte zurückblicken, wobei das Jüngste für Tourenskigeher konzipiert wurde. Für Mayr ist dieser boomende Trendsport eine Chance, wieder mehr Menschen für Fitness und den alpinen Wintersport zu begeistern – falls es gelingt, professionelle Strukturen für eine neue Wertschöpfungskette aufzubauen.
Erich Mayr, CEO RUNNERSFUN Consulting, Gmunden: Tourenskigehen: Bedarf sucht Angebot Foto: Runnersfun
Erich Mayr, CEO RUNNERSFUN Consulting, Gmunden: Tourenskigehen: Bedarf sucht Angebot Foto: Runnersfun
„Wie kaum eine andere Sportart hat sich das Tourenskigehen – trotz Zugangshürden für Einsteiger und vieler Verbote – zum Shooting Star entwickelt, es steht als „das Wintererlebnis“ ganz im Zeichen der Megatrends Bewegung und Naturgenuss. Die Strukturen zur Befriedigung dieser Nachfrage sind jedoch noch unterentwickelt, so dass keine wirkliche Wertschöpfungskette existiert. Man kann also sagen: Bedarf sucht Angebot! Es gibt z. B. in Österreich knapp 600 Skischulen und 82 Langlaufschulen, aber nur eine Handvoll Ausbildungseinrichtungen für Tourenskigehen. Trotzdem wurden in den letzten Wintern mehr Tourenski verkauft (49 000 Stk. In Österreich) als Langlaufski oder Snowboards! Alleine daran sieht man, dass hier ein enormer Nachholbedarf herrscht.
Ehe wir von Runnersfun ein durchgängiges Konzept für die Umsetzung eines Tourenski Competence Centers entwickelt haben, sind wir zunächst sehr wissenschaftlich an die Sache herangegangen und haben viele Befragungen durchgeführt. Wir wollten u.a. wissen, wie nachhaltig das Thema „Tourenskigehen“ eigentlich ist, wo der Tourenskisport im Bereich des Gesamtwintererlebnisses steht und um welche Menschen es sich handelt.
Wie sich bei unseren Recherchen herausgestellt hat, ist Tourenskigehen keine kurzfristige Modeerscheinung. Es hat sogar eine extreme Nachhaltigkeit, die auch wirtschaftliche große Perspektiven bietet und sogar volkswirtschaftlich gesehen relevant ist, wenn man an die 318 Mio. Euro denkt, die jährlich in Österreich für blutdrucksenkende Mittel ausgegeben werden! Fitness und Gesundheit ist seit Jahren der Trend schlechthin und wird es auch weiterhin bleiben. Denn alle wollen alt werden, aber niemand will alt sein!

Situation wie einst beim Mountainbiken
Wer heute ins Tourenskigehen einsteigen will, braucht meist einen guten Bekannten, der einen mitnimmt und auch die Ausrüstung besorgt. In den wenigsten Bereichen ist nämlich das Leihmaterial dazu vorhanden. Im Grunde genommen haben wir beim Tourenskigehen heute eine Situationsproblematik mit Konflikten (Wegehalter, etc.) Barrieren und Strukturschwächen wie beim Mountainbiken vor 10 Jahren. Diese Gruppe war damals ein Feindbild, heute ist sie ein gewaltiger Wirtschaftsfaktor und keiner würde mehr daran denken, das Mountainbiken zu verbieten. Es ist sogar eine der wesentlichsten Outdoorsportarten, die wir in Österreich überhaupt bewerben. Diese Problematik konnte also gelöst werden, warum nicht auch beim Tourenskigehen? Wir nutzen das diesbezüglich vorhandene Potenzial derzeit vermutlich nicht einmal zu einem Prozent!

Hohe Wertschöpfung möglich
Tourenskigehen ist auch ein modischer Trend, man trägt sogar im urbanen Bereich gerne Tourenskijacken. Bei der Zielgruppe handelt es sich laut unseren Recherchen durchaus um eine gehobene soziale Schicht, wodurch eine hohe Wertschöpfung möglich ist. Als Motive nannten uns die Leute Naturgenuss, Freiheit und Fitness. Auch das Gemeinschaftserlebnis ist ein wichtiger Aspekt. Kurzfristig sind alleine in Österreich 600000 Tourenskigeher zu erwarten. 85% der von uns befragten Aktiven
(Alpinskifahrer, Mountainbiker), die nie Tourenski gegangen sind, würden dies gerne einmal ausprobieren – die meisten wissen aber nicht, wie sie das anstellen sollen.
Oft entpuppt sich der Tourenskigeher aber als Pistengeher und dann sind Konflikte vorprogrammiert. Es gibt jedoch bereits Lösungen wie Beispiele im Allgäu im Tiroler Pillerseetal, oder in Saalfelden-Leogang zeigen. Grundsätzlich muss man anerkennen, dass ein Skigebiet sehr viel Geld für sein Angebot an perfekt präparierten Pisten investiert und daher das Recht hat, einen Erlös zu verlangen bzw. einen Beitrag für die Nutzung zu bekommen! Die Lösung könnte die Installation eines „Competence Centers für Tourenski“ im Gebiet sein, dessen Konzept auf eine nachhaltige Wertschöpfungskette in einer Region abzielt.
Das Potenzial des Tourenskigehens wird wirtschaftlich noch kaum ausgenützt . Foto Ortovox/Christian Brecheis. Athleten Chrissy Huber, Stefan Rusch
Das Potenzial des Tourenskigehens wird wirtschaftlich noch kaum ausgenützt . Foto Ortovox/Christian Brecheis. Athleten Chrissy Huber, Stefan Rusch

Wie wird man ein Touren­ski-Competence Center ?
Man muss sich entscheiden, dieses Geschäft machen zu wollen, neue Kunden, Gäste und Freunde gewinnen zu wollen. Ich sehe Tourenskigeher – und zwar in ihrer gesamten Form – als meine Zielgruppe an. Oft sind dieselben Personen ja auch Alpinskifahrer, Wanderer oder Langläufer. Von diesen Menschen ist eine gewisse Wertschöpfung zu erwarten – wenn auch über Umwege. Die Chance wenigstens auf Umwegrentabilität muss daher gegeben sein. Dazu müssen, neben der Topografie, gewisse Basisvoraussetzungen erfüllt werden, um zu einem System mit Wertschöpfung zu kommen: die Infrastruktur, Information und Motivation sowie eine geschlossene Dienstleistungskette. Folgende Bereiche fallen unter „Infrastruktur“:

  • Ausgewiesene Aufstiege, wenn möglich abseits der Piste, sonst neben der Spur
  • Leitsysteme, an denen man sich orientieren kann mit Höhen- und Distanzangaben;
  • Schnupperkurse über den Skiverleih anbieten;
  • Zur Dienstleistungskette gehören Ausbildung, Verleih, Bergbahnen und Gastronomie.
Tourenskigehen als „das Wintererlebnis“ steht ganz im Zeichen der Megatrends Bewegung und Naturgenuss. Foto: Vaude/Attenberger
Tourenskigehen als „das Wintererlebnis“ steht ganz im Zeichen der Megatrends Bewegung und Naturgenuss. Foto: Vaude/Attenberger

Tourengeher-Liftkarten einführen
Von manchen Gebieten wissen wir, dass sie Tourengeher-Liftkarten anbieten, etwa Jahreskarten um 180 Euro. Der Käufer hat damit die Möglichkeit, wenn er Tourenski geht, pro Tag zwei Liftfahrten zu konsumieren. Und wenn er überhaupt Alpinski fahren möchte, kann er zum Kindertarif aufrüsten. Im Frühjahr ist es z.B. im unteren Bereich aper, also fährt man hoch. Weiters ist häufig ein Gutschein für ein Skiwasser oder Weißbier pro Tag dabei.
Diese Karten funktionieren sehr gut. Laut Umfrage wären die meisten Skitourengeher bereit, für so ein Leistungspaket, zu dem auch noch die Parkplatzbenützung zählt, zu bezahlen. Vielleicht ist sogar noch eine Möglichkeit zum Duschen integriert, wie es z.B. im Langlaufbereich oft üblich ist. Auf jeden Fall würden sich die Skitourengeher endlich erwünscht fühlen!
Grundsätzlich ist es ein relativ banaler, leicht umsetzbarer Weg. Auf diese Weise ließen sich jährlich österreichweit 150 Mio. € erwirtschaften, kurzfristig steigerbar auf 300 Mio.
Davon abgesehen spielen auch Kooperationen zwischen Handel, Industrie, Bergbahnen und Gastronomie eine wichtige Rolle. So kann z.B. ein Sportgeschäft in Ostösterreich beim Kauf einer Tourenski-Ausrüstung einen Gutschein für einen halben Tag Ausbildung im Pillerseetal ausgeben. Mit etwas Phantasie fallen einem unzählige Möglichkeiten für Kooperationen und Cross-Marketing ein.
Zusammenfassend kann man sagen, durch Errichtung eines Tourenski Competence Centers ist ein rascher Positions-, Image- und Sympathiegewinn möglich. Der moderne Gast sucht immer neue Erlebnismöglichkeiten – auch wenn er sie nicht nutzt (wie das Hallenbad im Hotel)! Es lässt sich eine zusätzliche Wertschöpfung generieren in einem Feld, wo noch (fast) keine Mitbewerber existieren. Und last but not least ergibt sich eine Stressentlastung, respektive eine Harmonisierung durch professionelle Strukturen: weniger Konfrontation, mehr Kommunikation.“ mak