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MM Magazin - Trends

Das lebendige Authentische zieht die Menschen an

Ausgabe 05/2013

Die Idee-Concept & Exhibition Engineering GmbH realisiert seit 2006 naturnahe Outdoor-Inszenierungen und hat k√ľrzlich mit der Treppe ins Nichts am Dachstein wieder aufgezeigt. GF Norbert Span sieht noch gro√ües Potenzial im Sommertourismus, vor allem beim Thema Aussicht und Perspektive am Berg. Obwohl eines der Hauptmotive f√ľr den Besuch, gibt es hierzu au√üer langweiligen Panoramatafeln noch fast keine professionellen Bespielungen! Daher entwickelt die Firma Idee nun sieben interaktive, spannende Module. Deren erstes, das intelligente Aussichtsfernrohr VISCOPE, wird bereits erfolgreich eingesetzt.
Dr. Norbert Span, GF Idee-Concept & Exhibition Engineering GmbH, Fotos: Idee GmbH
Dr. Norbert Span, GF Idee-Concept & Exhibition Engineering GmbH, Fotos: Idee GmbH
MM: Herr Dr. Span, wodurch unterscheidet sich die Firma Idee GmbH von anderen einschlägigen Beratungsunternehmen?
Span: Wir versuchen speziell auf die jeweils √∂rtliche Situation einzugehen. Wenn uns ein Unternehmen fragt, Was kann ich aus dem Berg machen?, m√ľssen wir uns vorab ansehen, in welchem Umfeld der Berg steht. Oft hat man es mit einem gro√üen Raumhaufen zu tun, den man zuerst einmal aufr√§umen muss! Und dann braucht man als erstes sinnvolle Orientierungshilfen f√ľr den Gast sowie klar definierte und ordentlich angelegte Wege.
Man muss also zunächst bei den Basics des Auftraggebers ansetzen und dann kann man erst den besonderen Schatz des Berges eruieren  sei es sein Kulturgut oder sein Naturschauspiel. Also nicht irgendwelche Module draufsetzen, die austauschbar sind, sondern auf den Berg eingehen.
Ein sch√∂nes Beispiel ist das Projekt 11er Lifte im Tiroler Stubaital. Die Einheimischen wussten, dass der Berg 11er seit Jahrhunderten ein Zeitzeiger war¬† um 11 Uhr war die Sonne genau √ľber dem 11er-Gipfel und der Schatten an der Kirche im Dorf unten. Bei der konzeptionellen Suche nach der Besonderheit dieses Berges sind wir auf die Idee gekommen, dass man das Thema Zeit, Naturrhythmen und Sonnenuhr am Berg installieren k√∂nnte! Diese Typik ist n√§mlich nicht kopierbar. Es lohnt sich also, bei der Inszenierung auf die jeweilige Geschichte, Kultur und Natur einzugehen, sonst wird es eine Disneyisierung.
Der zweite sehr wichtige Punkt ist, auf das Ganze sehr behutsam einzugehen mit der Wahl der Materialien und der Architektur. Die Frage lautet: wie weit muss bzw. soll ich in die Natur eingreifen?
MM: Das alpine touristische Sommergesch√§ft in √Ėsterreich zieht seit einigen Jahren an. Worauf f√ľhren Sie das zur√ľck und welche Perspektiven sehen Sie noch?
Span: Der Aufw√§rtstrend ist zweifellos vorhanden. Der Winterkuchen ist meiner Meinung nach ges√§ttigt und durch einen Verdr√§ngungswettbewerb charakterisiert. Das gro√üe Wachstumspotenzial in den Alpen ist hingegen der Sommer. Eigentlich sind wir ja bis zu den 70er Jahren herauf touristisch mit dem alpinen Sommer gro√ü geworden, erst dann hat der Winter mit den N√§chtigungszahlen den Sommer √ľberholt. K√ľnftig werden aber wieder mehr Leute nicht nur wegen des Skifahrens in die Berge kommen, sondern verst√§rkt wegen der im Sommer klimatisch beg√ľnstigten H√∂henzonen. Dieses Potenzial ist bei Weitem noch nicht ausgen√ľtzt. Dabei h√§tten wir gerade in √Ėsterreich eine sehr gute Infrastruktur (Aufstiegshilfen etc.). Was jedoch fehlt, ist das attraktive Angebot nach dem Erreichen der Bergstation. Wir haben nach wie vor die Angebotspalette aus den 60er Jahren, sprich kleine steile Steige, die zum Gipfel hinauff√ľhren oder hinunter ins Tal. Der heutige Trend geht jedoch vielmehr in Richtung Weitwandern und Erlebniswandern. Dazu ben√∂tigt man entsprechend breitere Wege, so dass die Leute nebeneinander gehen und kommunizieren k√∂nnen! Auch in Anbetracht der sich ver√§ndernden Alterspyramide ist diese Ma√ünahme sinnvoll¬† jeder dritte Gast ist bald einmal √ľber 60 Jahre alt. Dieses Klientel m√∂chte entsprechend gem√ľtlicher wandern. Hier und auch beim Erlebniswandern sowie beim Gesundheitstourismus allgemein sehe ich noch viele Entwicklungschancen.
Die Treppe ins Nichts als Erg√§nzung zur Dachstein-H√§ngebr√ľcke ist die j√ľngste Referenz der Idee GmbH.
Die Treppe ins Nichts als Erg√§nzung zur Dachstein-H√§ngebr√ľcke ist die j√ľngste Referenz der Idee GmbH.
MM: Worauf wird es in Zukunft Ihrer Meinung nach ankommen, damit man mit Outdoor-Erlebnisinszenierungen erfolgreich ist?
Span: Es gibt ja einige Erfolgsmodelle, die im kleinen oder gro√üen Rahmen vielfach kopiert wurden. Das ist bis zu einem gewissen Grad auch gerechtfertigt, nichts Anderes ist ja seinerzeit mit den Skiliften passiert: Als man erkannte, dass sie erfolgreich sind, wurden sie an vielen Orten nachgebaut, was wiederum ganzen Regionen geholfen hat. Wobei man beim Sommergesch√§ft nat√ľrlich sehr aufpassen muss, dass die jeweilige Bespielung am Berg nicht zu oft kopiert wird. Denn der Sommergast braucht das Unterscheidungsmerkmal, warum er speziell in diese Region fahren soll. Beim Sommertourismus muss man also viel mehr das Alleinstellungsmerkmal herausarbeiten!
Grunds√§tzlich sehe ich beim Thema Inszenierung zwei gleichwertige und auch expandierende Wege: Einerseits das Schaffen von Ruhepolen und Entschleunigung, wo man nur schauen und f√ľr sich sein kann¬† das wird infolge des hohen Tempos im Berufsleben immer mehr gesucht¬† und andererseits die Alpen als Spielwiese auf der schiefen Ebene, also Fun und Action. Man muss sich als Anbieter einfach entscheiden, welche Schiene man f√ľr welchen Gast fahren m√∂chte.
MM: Welche Rolle spielen die Themen ,Nachhaltigkeit und "naturnahe Inszenierung?
Span: An dem Thema kommt man nicht vorbei. Man muss sich beim Inszenieren immer die Frage stellen, welche Ressourcen man braucht, um einen Erlebnispark aufrecht zu erhalten. Grunds√§tzlich sollte man sehr stark mit Naturmaterialien arbeiten und R√ľcksicht nehmen. Das Ganze sollte auch wieder in den urspr√ľnglichen Zustand r√ľckbauf√§hig sein, wenn es nicht funktioniert. Bei dieser Thematik schaltet sich in √Ėsterreich auch der Naturschutz intensiv ein, der in jede Neuinstallation involviert ist. Wir entwickeln unsere Ideen-Skizzen grunds√§tzlich gemeinsam mit dem Naturschutz, um einen sinnvollen Einreichplan abgeben zu k√∂nnen. Der sch√§rfste Kritiker ist ja bekanntlich der Einheimische, alleine schon deswegen ist ein m√∂glichst behutsamer Umgang mit ,seinem Berg erforderlich.
MM: Welche Fehler sollte ein Anbieter von Attraktionen auf alle Fälle vermeiden?
Span: Fehler sind in der Vergangenheit z.B. in der Form passiert, dass man Plastikfiguren in Erlebnisbereiche gestellt hat. Wenn ich auf der Alm irgendwo einen Plastiksaurier sehe, ist mir das optisch einfach zu hart. Wir vermeiden es, Fremdkörper zu platzieren. Man muss aufpassen, ob ein Erlebnispark bzw. eine Disneyisierung oft nicht besser im urbanen Bereich als in den Alpen angesiedelt wäre. Letztlich schießt man sich als Anbieter mit einem unsensiblen Umgang mit alpinen Flächen ohnehin selber ab.
Die Attraktion Begehbare Sonnenuhr f√ľr die 11er-Lifte im Stubaital zeigt, wie man ein Thema mit Regionalbezug findet und umsetzt.
Die Attraktion Begehbare Sonnenuhr f√ľr die 11er-Lifte im Stubaital zeigt, wie man ein Thema mit Regionalbezug findet und umsetzt.
MM: Muss die Emotionalit√§t am Berg in den Vordergrund ger√ľckt werden, um G√§ste anzulocken? Welche Ideen f√ľr emotionale Welten hat Ihr Unternehmen bereits umgesetzt?
Span: Es stellt sich bei jedem Berg die Frage, ob ich das brauche oder nicht. Manche Berge sind schon ,schwer belastet mit viel Angebot und man versucht halt, noch eine weitere Attraktion zu schaffen, die vielleicht noch mehr heraussticht. Wenn etwas wie z.B. eine H√§ngebr√ľcke zu oft kopiert wird, dann geht Anziehungskraft verloren, sodass man noch eine weitere Attraktion braucht. Nat√ľrlich darf man sich getrauen, wenn ein Berg wie z.B. der Dachstein ohnehin schon einiges an Infrastruktur aufweist, zur Steigerung der Besucherzahlen etwas zu erg√§nzen. Umsetzungs-Beispiele, bei denen wir mitgewirkt haben, sind etwa der Eispalast am Dachstein und k√ľrzlich die ,Treppe ins Nichts als wichtige Erg√§nzung zur H√§ngebr√ľcke (siehe Artikel S. 20), die ein anderes Erlebnis zum Thema Perspektive und eine gewisse Alleinstellung bietet. Hier wurde Emotionalit√§t zum Umfeld passend inszeniert. Hingegen w√ľrden wir von einem unber√ľhrten Berg sofort die Finger lassen Wenn jedoch ein Gebiet bereits durch eine Bergbahn erschlossen ist, muss dem Gast heutzutage mehr geboten werden als nur ein Weg zur n√§chsten H√ľtte wie anno dazumal.
MM: Was ergeben die gesellschaftlichen Ver√§nderungen f√ľr den OutdoorTourismus der Zukunft? Wird es mehr um Bergerlebnisse als Bergspektakel gehen?
Span: Ich kn√ľpfe hier an das vorhin Gesagte mit den zwei Str√∂mungen an. Einerseits wird der Mensch in Zukunft mehr Ruhe, Besinnlichkeit und Erholung in den Bergen suchen. Daf√ľr sind sie auch pr√§destiniert. Daneben wird die Str√∂mung ,Erlebnis auf der schiefen Ebene mit Skifahren, Mountainbiken und Paragleiten bestehen. Die Alpen bieten einfach mehr Erlebnism√∂glichkeiten in Richtung Sport als die flache Ebene. Ein immer st√§rkerer Magnet wird jedoch das ,Einfach-da-Sein, in Ruhe auf der Alm mit einer Buttermilch zu sitzen und die Aussicht auf einen wirken zu lassen. Solche Verweilpl√§tze muss man nicht immer gestalten, viele sprechen f√ľr sich selbst. Viele G√§ste wollen z.B. zu der Alm wandern, die so urspr√ľnglich wie m√∂glich ist. Man kann eventuell erg√§nzend irgendwo ein Alm-Museum installieren, aber man muss dort oben nicht ein eigenes Besucherzentrum bauen. Das w√ľrde die Alm erschlagen. Es d√ľrfen zweifellos Informationen gegeben und der Weg dorthin verbreitert werden, aber ansonsten muss man das Ganze f√ľr sich alleine auf die Menschen wirken lassen, die in eine solche Gegend hineingehen wollen. Der Landschaftsschutz an sich ist schon ein Thema, da brauche ich gar keine gro√üe Inszenierung! An zweiter Stelle muss man dann √ľberlegen, welche Fl√§chen in den Alpen man f√ľr das ,Spiel mit der Gravitation, den Spa√üfaktor verwenden darf, den die Leute im urbanen Bereich auf diese Art nicht haben. In Tirol z.B. sind 88% der Landesfl√§che √Ėdland¬† warum sollte man davon nicht einen Teil f√ľr solche Zwecke verwenden?
MM: Macht es Ihrer Meinung nach Sinn, flächendeckend immer mehr Rodelbahnen, Klettergärten, Seilrutschen und Themenwege zu installieren, oder sollte man lieber auf etwas völlig Originelles und zur Region Passendes setzen?
Span: Meiner Meinung nach wird sich der Markt hier selber regeln. Wenn ich den 25. Seilgarten aufmache, wird eben irgendwann keiner mehr kommen und diese Tatsache niemanden mehr zu weiteren Neuinstallationen veranlassen. Was bei Sättigungen passiert, zeigt uns bereits der Thermenboom. Auch bei den Erlebnisinszenierungen wird vermutlich relativ bald eine gewisse Sättigung eintreten. Man muss sich das Einzugsgebiet jeweils genau ansehen, um sich nicht gegenseitig mit derselben Attraktion Konkurrenz zu machen. Und man sollte jeder Attraktion ein Lokalkolorit, eine lokale Geschichte samt spannendem Infotainment geben. Nur das lebendige Authentische zieht die Menschen an! mak