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MM Magazin - Trends

René Zimmermann und Roger Schlegel, Flumserberg: Der KristallTurm® Kletterpark wird das Sommergeschäft stark fördern

Ausgabe 06/2011

Der größte Bergbahnbetrieb der Ostschweiz, die BB Flumserberg AG im Kanton St. Gallen, engagiert sich verstärkt für den Sommertourismus. Bereits durch den Alpine Coaster „Floomzer“ stieg der Umsatzanteil des Sommers auf 10?% und mit dem derzeit im Bau befindlichen KristallTurm® Kletterpark sieht man noch weiteres Potenzial zur Steigerung. Gerade für die wachsende Zahl an Nicht-Skifahrern soll hier eine Attraktion geschaffen werden. Der Mountain Manager unterhielt sich mit René Zimmermann (Marketing) und Roger Schlegel (Technischer Leiter) über die Hintergründe des Projektes.
Die stolze Bauherrschaft auf Baustellenbesuch: Projektleiter Roger Schlegel und René Zimmermann ?(Leiter Sales & Marketing) sind mit dem Baufortschritt sehr zufrieden. Fotos: BB Flumserberg AG,? René Zimmermann & Daniel Pfanner
Die stolze Bauherrschaft auf Baustellenbesuch: Projektleiter Roger Schlegel und René Zimmermann ?(Leiter Sales & Marketing) sind mit dem Baufortschritt sehr zufrieden. Fotos: BB Flumserberg AG,? René Zimmermann & Daniel Pfanner
MM: „Ihr habt ja schon einige Attraktionen wie den Floomzer realisiert, warum hat man sich jetzt für die Erweiterung mit einem KristallTurm® Kletterpark entschieden?“

Zimmermann: „Wir erweitern damit einerseits das Angebot, weil Klettern oder Seilparks hat es in der Region bisher nicht gegeben, andererseits ist der Flumserberg ein großer Berg, der über zwei Achsen erreichbar ist. Wir haben mit dem Floomzer (Rodelbahn) auf Maschkenkamm gespürt, dass sich die Aktivitäten ein bißchen auf dieser Achse konzentrieren, also wollten wir das Angebot bewusst etwas auseinanderziehen, damit sich die Gäste auch verschiedene Sachen anschauen können – aber sich auch zu Fuß betätigen zwischen den Attraktionen, damit es nicht nur ein Konsum wird. Die Verbindung beider Angebote werden wir dann zum Tagesprogramm ausbauen.“

MM: „Welche Vorteile sehen Sie in einer freistehenden Kletterkonstruktion gegenüber einem Waldseilgarten?“

Zimmermann: „Der KristallTurm® schafft schon von der Optik her Aufmerksamkeit und er braucht viel weniger Fläche. Die Schwierigkeitsgrade sind in den einzelnen Etagen, man beginnt auf der untersten Etage mit ganz einfachen Kletteraufgaben, dann arbeitet man sich hoch in die oberste Etage. Ein großer Vorteil ist, dass es im Gegensatz zu einem Waldpark keinen Stau gibt, weil man sich dasjenige Hindernis aussuchen kann, an dem noch niemand dranhängt. Außerdem ist man nicht ortsgebunden, muss es nicht in einen Wald stellen. Der Kletterturm wird dort platziert, wo schon ein touristisches Zentrum ist, daher können auch das Restaurant und die Toiletten sowie die Anreise genützt werden. Es macht schon Sinn, dass man die touristischen Angebote etwas bündelt und nicht noch weiter ausstrahlt in die Natur. Auch die Tatsache, dass vom Restaurant aus das Geschehen beobachtet werden kann, ist ein Riesenvorteil. Die Interaktion unter den Leuten ist nicht zu unterschätzen!“
Die Bauarbeiten für den 1. KristallTurm® der Schweiz schießen rasch in die Höhe. Hinten das Restaurant Prodalp.
Die Bauarbeiten für den 1. KristallTurm® der Schweiz schießen rasch in die Höhe. Hinten das Restaurant Prodalp.
MM: „Welche Zielgruppe wollt ihr verstärkt mit dem KristallTurm® ansprechen?“

Zimmermann: „Das ist sicher eine breite Zielgruppe, da kann man nicht nur von einer Zielgruppe sprechen. An den Flumserberg kommt allgemein die Familie mit den Kindern, dann sieht der Vater, dass es wunderschöne Bike-Trails gibt und kommt mit seinen Bike-Kollegen wieder. Die Mutter ist vielleicht im Sportverein aktiv und plant irgendwann eine Vereinsreise und sieht als Attraktion den Kletterturm – und so ist die Thematik ziemlich hybrid. Die Gäste kehren eigentlich immer wieder in unterschiedlicher Zusammensetzung an den Berg zurück. Auch die Wintergäste registrieren inzwischen das Sommerangebot.“

MM: „Was erwarten Sie sich vornehmlich von der neuen Attraktion? Eine Abrundung, eine Ergänzung oder noch viel mehr?“

Zimmermann: „Das wird sicher das Sommergeschäft stark fördern, vor allem im Bereich Firmen, Incentives, Gruppen und Vereine werden wir sicher vermehrt Leute am Berg ?haben. Aber das heißt für uns im Marketing auch, dass wir unsere Verkaufsabteilungen stärken und im Sommer noch verkaufsorientierter werden müssen, damit wir solche Gruppen auch akquirieren und optimal ?betreuen. Es reicht natürlich nicht mehr, so einen Turm hinzustellen und zu hoffen, die Gäste kommen dann! Man muss die Durchsätze, die man sich erhofft, generieren. Weiters fordert es die Technik, diesen Turm optimal zu betreiben und die Gäste gut zu ?schulen.“
Monteur von der Firma KristallTurm® in Action.
Monteur von der Firma KristallTurm® in Action.
MM: „Werdet ihr bei der Vermarktung des KristallTurm® Hochseilgartens neue Wege beschreiten? Ihr habt ja schon im Vorfeld mit einem Aprilscherz provoziert!“

Zimmermann: „Der ,Aprilscherz‘ mit der Realisierung des KristallTurm® auf dem Seebensee statt auf Prodalp (…dank einer Gesetzeslücke) war eine sehr spontane Idee. Interessanterweise hatten wir noch am gleichen Tag (1. April), als die Botschaft von den Medien hinausgetragen wurde, die Genehmigung vom Kanton erhalten! Unsere Idee war es einfach, den Kletterturm im Gespräch zu halten und sanft mit Ironie zu provozieren.
Bezüglich Vermarktung können wir ein bißchen zurückblättern auf die Rodelbahn. Unser Berg war ja beileibe nicht die erste Station, die eine Rodelbahn bauen wollte. Also mussten wir eine besondere Bezeichnung finden, eine Marke kreieren und nicht einfach sagen: wir haben jetzt auch eine Alpine Coaster. Wir suchten einen jungen dynamischen Namen, der zugleich etwas mit der Region und der Sache an sich zu tun hat. Herausgekommen ist ,Floomzer‘. Das ist einerseits englisch und wenn man es langsam ausspricht ist es auch Mundart (Schwyzerdütsch: jemand, der aus Flums kommt). Dadurch identifizieren sich die Einheimischen genauso wie die Gäste und vor allem die Jungen. Man hat dann dieser Marke einen speziellen Auftritt gegeben, fast so wie bei einer Automarke, und ein spezielles Design mit silberfarbenen Schlitten und Aufklebern gewählt. So ergab sich eine ganz andere Dynamik bei der Vermarktung. Ich glaube beim Kletterturm wird es ähnlich abgehen. Da werden wir auch nicht sagen: wir haben jetzt ebenfalls einen KristallTurm®. Der Gast weiß nicht, was das sein soll. Dieses Produkt wird sicher auch einen Namen erhalten und wir machen uns große Gedanken – mehr kann und darf ich dazu noch nicht sagen.“

MM: „Der Baugenehmigungsprozess war ja durchaus ein hartes Stück Arbeit und Gegenstimmen sahen in der modernen Stahlkonstruktion einen Eingriff in die Bergwelt. Wie stehen Sie zu diesen Einwänden? Wie konnten die Gegenstimmen final doch überzeugt werden?“

Schlegel: „Aus der Perspektive betrachtet, dass der Naturschutz ganz im Vordergrund steht, kann man das dann natürlich schon nachvollziehen. Es ist freilich ein gewisser Eingriff in die Natur, aber wenn man das Ganze zentralisieren kann und in ein touristisch genutztes Gebiet hineinbekommt statt in den Wald, macht das Sinn. Zusätzlich ist der Betrieb des KristallTurm® auch im Winter geplant, was im Wald infolge des herunterfallenden Schnees nicht gut möglich wäre. So können wir ein Zusatzangebot für die Nichtskifahrer bieten. Es hat vor allem die Behörden überzeugt, dass dieser KristallTurm® multifunktional ist, und die Einsprache-Gruppierung hat hierauf aufgegeben. Außerdem lassen wir viel Lärchenholz verbauen (Hindernisse, Plattformen), um den Stahl-Anteil zu reduzieren. Wie es einmal wirken wird, wenn es dreidimensional im Raum steht, ist auch für uns schwer abzuschätzen. Wir sind schon gespannt, was die Gäste sagen werden.“