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MM Magazin - Trends

Hansjörg Pflauder/TVB Stubaital - Auf Schneeschuhen durch die Bergwelt – eine Renaissance

Ausgabe 7/2008

Das Schneeschuhwandern erlebt derzeit eine regelrechte Renaissance. Egal ob Kind oder Erwachsener, Anfänger oder Fortgeschrittener, Gipfelstürmer oder Genusswanderer: Nachdem die Schneeschuhe technisch überarbeitet und weiterentwickelt wurden, begeistern sich immer mehr für diese traditionsreiche Sportart. Hansjörg Pflauder, Geschäftsführer des Stubaier Tourismusverbands gibt dazu Experten-Tipps.
Hansjörg Pflauder, Geschäftsführer des Stubaier Tourismusverbands, ist begeisterter Anhänger des Schneeschuhwanderns. Foto: Wilde & Partner
Hansjörg Pflauder, Geschäftsführer des Stubaier Tourismusverbands, ist begeisterter Anhänger des Schneeschuhwanderns. Foto: Wilde & Partner
Bereits im 19. Jahrhundert erfreute sich das ursprünglich aus Skandinavien stammende Schneeschuhwandern auch in der Alpenregion höchster Beliebtheit, wurde jedoch schnell vom alpinen Skisport verdrängt. Heute verzeichnen Sportgeschäfte und Tourismusregionen ein stetig wachsendes Interesse für Schneeschuhwanderungen. Ein Fachmann und begeisterter Anhänger des Schneeschuhwanderns ist der Geschäftsführer des Stubaier Tourismusverbands, Hansjörg Pflauder. Er ist stolz darauf, dass das Schneeschuhwandern auch im Stubaital immer mehr Liebhaber findet. Was es bei dieser faszinierenden Sportart zu beachten gilt, wo es die schönsten Routen im Stubaital gibt und welche Ausrüstung man benötigt, verrät Hansjörg Pflauder hier.

MM-FRAGE: „Herr Pflauder, worin liegt der Reiz des Schneeschuhwanderns, was macht diesen Sport so besonders?“

Pflauder
„Der besondere Reiz liegt darin, dass beim Schneeschuhwandern die Schönheit der Winterlandschaft besonders intensiv wahrgenommen werden kann. Der sportliche Aspekt ist auch nicht zu unterschätzen. Je nach Steigung und Länge der Tour stellt das Schneeschuhwandern eine große sportliche Herausforderung dar. Im Winter ist dieser Sport auch ein guter Ersatz zum Wandern und Joggen. Man ist in der Natur und tut etwas für seine Gesundheit und sein Wohlbefinden.“

MM-FRAGE: „Kann jeder auf Schneeschuhen wandern oder sind bestimmte Voraussetzungen nötig?“

Pflauder
„Grundsätzlich kann diese Sportart von jedem ausgeübt werden. Im Stubaital stehen zum Beispiel erfahrene Bergführer bereit, die einen mit der relativ einfachen Technik vertraut machen und im Anschluss daran mit einem die Täler, Wälder und Hänge erkunden. Für die schwierigen Touren sollte man jedoch eine gewisse körperliche Grundkondition mitbringen.“

MM-FRAGE: „Mit welchen Argumenten würden Sie einen Skifahrer davon überzeugen, das Schneeschuhwandern einmal auszuprobieren?“

Pflauder
„Ich würde ihm erklären, dass Schneeschuhwandern eine langsamere, fast meditative Art der Fortbewegung in der freien Natur ist. Beim Schneeschuhwandern kann die Winterlandschaft viel intensiver erlebt werden, schon allein deshalb, weil die Berge abseits der Pisten überraschend anders aussehen.“

MM-FRAGE: „Wie sieht die optimale Vorbereitung auf eine Schneeschuhwanderung aus?“

Pflauder
„Wie vor jeder sportlichen Betätigung, sollte man sich auch vor dem Schneeschuhwandern aufwärmen und die Muskulatur dehnen.
Das Schneeschuhwandern erlebt derzeit eine Renaissance. Viele Destinationen bieten bereits (beschilderte) Touren an.
Das Schneeschuhwandern erlebt derzeit eine Renaissance. Viele Destinationen bieten bereits (beschilderte) Touren an.
MM-FRAGE: „Ist Schneeschuhwandern anstrengend?“

Pflauder
„Das hängt nicht nur von der persönlichen Ausdauer, sondern auch von der Steigung und der Länge der Tour ab. Generell ist das Laufen im Schnee natürlich kräftezehrender als das auf der asphaltierten Straße; vollkommen untrainierte Personen werden im Schnee ihre Mühe haben. Grob geschätzt schafft man in einer Stunde Aufstiegszeit gute 300 Höhenmeter.“

MM-FRAGE: „Wie sieht die optimale Ausrüstung eines Schneeschuhwanderers aus?“

Pflauder
„Zunächst einmal brauchen Sie die richtigen Schneeschuhe. Am besten lässt man sich dazu in einem der Sportgeschäfte von einem Experten beraten. Außerdem benötigt man ein Paar wasserdichter, etwa Knöchel hohe Winter- oder Wanderstiefel, warme und wasserfeste Winterbekleidung, eine Skioder Sonnenbrille, je nach Witterung Sonnen- oder Kälteschutzcreme, einen Rucksack, Gamaschen für die Beine zum Schutz vor Kälte und Feuchtigkeit, Teleskop- oder Skistöcke, eine gute Jause (Pausenverpflegung) und heißen Tee.“

MM-FRAGE: „Welche Unterschiede gibt es bei Schneeschuhen und Stöcken? Worauf sollte man besonders achten?“

Pflauder
„Traditionalisten bevorzugen eher nostalgische Modelle mit einem Holzrahmen. Diese Schneeschuhe haben meistens eine besonders große Auflagefläche und eignen sich deshalb für flacheres Gelände. Für Schneeschuhe aus Aluminium oder Kunststoff stellen auch Tiefschnee und steile Hänge kein Problem dar. Und noch einen Vorteil hat die moderne Variante: Sie haben eine weitaus längere Lebensdauer als die Holzmodelle. Die Stöcke sollten optimal auf die Körpergröße eingestellt sein. Ich empfehle deshalb längenvariable Teleskopstöcke.“
Die Produktpalette der Schneeschuhe ist heute breit gefächert. Im Bild Modelle eines kanadischen Herstellers für „Wide Trail“ und „Snow Trail“ aus Alu.
Die Produktpalette der Schneeschuhe ist heute breit gefächert. Im Bild Modelle eines kanadischen Herstellers für „Wide Trail“ und „Snow Trail“ aus Alu.
MM-FRAGE: „Ist es ungefährlich, allein zu wandern oder raten Sie zu geführten Touren?“

Pflauder
„Grundsätzlich sollte man in den Bergen nie allein unterwegs sein. Erfahrene Wanderer, die anspruchsvolle Routen auf eigene Faust erkunden wollen, sollten vorab unbedingt die jeweiligen Wetter-, Schnee- und Lawinenberichte einholen, andere über die geplante Tour informieren und schließlich ein ,Lawinenpiepsgerät’ bei sich tragen. Weniger Erfahrene sollten sich stets einer geführten Tour anschließen. Denn nur hier lernen sie, ihre körperliche Leistungsfähigkeit richtig einzuschätzen, Gefahren rühzeitig zu erkennen und eine Tour richtig zu planen.“

MM-FRAGE: „Welche Touren werden im Stubaital angeboten?“

Pflauder
„Wir bieten neben speziellen Einsteigertouren auch ,Abenteuertouren’ im etwas steileren Gelände für die Fortgeschritteneren an. Ein absolutes Highlight ist unsere romantische ,Vollmond-Tour’. Wer den Winterwald einmal bei Vollmond kennengelernt hat, wird diese faszinierenden Impressionen so schnell nicht wieder vergessen.“
Die Produktpalette der Schneeschuhe ist heute breit gefächert. Im Bild Modelle eines kanadischen Herstellers für „Wide Trail“ und „Snow Trail“ aus Alu.
Die Produktpalette der Schneeschuhe ist heute breit gefächert. Im Bild Modelle eines kanadischen Herstellers für „Wide Trail“ und „Snow Trail“ aus Alu.
MM-FRAGE: „Welche Route im Stubaital empfehlen Sie für Einsteiger, welche für Fortgeschrittenere?“

Pflauder
„Einsteiger sollten sich für das Wintersportgebiet Serles entscheiden. Es liegt auf 1 600 bis 1 800 Metern Höhe, ist absolut schneesicher und bietet neben zahlreichen Wegen besonders viel unberührte Natur. Fortgeschrittene können beispielsweise eine der vielen Touren im Oberbergtal erkunden.“

MM-FRAGE: „Welche Schneeverhältnisse eignen sich zum Schneeschuhwandern am besten?“

Pflauder
„Am meisten Spaß macht das Schneeschuhwandern auf Neuschnee, Pulverschnee oder auf Firn.“

MM: „Herr Pflauder, vielen Dank für das Gespräch!“