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MM Magazin - Trends

Marius Massimo - GF Idee Concept & Exhibition GmbH

Ausgabe 7/2017

Es geht letztlich immer um Emotionen
Marius Massimo - GF Idee Concept & Exhibition GmbH
Marius Massimo - GF Idee Concept & Exhibition GmbH
Die Firma „idee Concept & Exhibition Engineering“ gilt als Trendsetter in den Bereichen „Ausstellungen/Museen für Bergbahnen“ und „Erlebnis-Optik“ wie z. B. mit dem intelligenten Aussichtsfernrohr VIScope oder dem StoryCube VISholo. Die MM-Redaktion hat sich mit GF Marius Massimo über den aktuellen Stand der Entwicklung unterhalten.
Panorama mit Geschichte(n). VIScope, das Erlebnisfernrohr, inszeniert die Landschaft und verwandelt eine Aussicht in ein unvergessliches Erlebnis. Im Bild das Salzburger Alpendorf St. Johann. Fotos: idee
Panorama mit Geschichte(n). VIScope, das Erlebnisfernrohr, inszeniert die Landschaft und verwandelt eine Aussicht in ein unvergessliches Erlebnis. Im Bild das Salzburger Alpendorf St. Johann. Fotos: idee
MM: „Herr Massimo, wie schreitet die Verbreitung des von Euch erfundenen intelligenten Aussichtsfernrohrs VIScope voran?“
Marius Massimo:„Prinzipiell sehr gut – in Summe sind ca. 250 Stück seit der Einführung vor sechs Jahren aufgestellt worden. Positiv ist vor allem, dass Bestandskunden wie z. B. das Kitzsteinhorn nach einigen Jahren weitere Geräte für neue Standorte bestellen. Das zeugt von großer Zufriedenheit. Davon abgesehen, sind 2017 auch etliche neue Kunden in der Schweiz, Deutschland und Österreich dazugekommen. Eine Premiere für uns war heuer die Erschließung des Südtiroler Marktes aber auch erstmalige Lieferungen nach Slowenien (Rogla) und ein Skigebiet in Andorra.“
MM: „Das VIScope gilt nach wie vor als Weltneuheit. Was ist genau das Einzigartige daran und welchen Effekt für den Nutzer hat es?“
Massimo: „An erster Stelle steht die perfekte Optik, die speziell entwickelt wurde. Beim Blick durch dieses Aussichtsfernrohr wird die Landschaft rundherum lebendig. Mit einer sogenannten parallaxenfreien Einblendung erhält der Betrachter einen scharfen Blick auf das jeweilige Objekt und eine ebenso punktgenaue und nicht verzerrte Einblendung der dazu gehörigen Information:
Wie hoch ist der Gipfel? Wie heißt dieser Ort? Welche Region, welches Land eröffnet sich am Horizont? Damit erzielen wir eine präzise Sicht- und Lesbarkeit, unabhängig von der Sonneneinstrahlung. Man kann sagen: VIScope verwandelt Blicke in die Landschaft in Inszenierungen, die den Gästen in Erinnerung bleiben. Und das ohne Strom und – dank analoger Technik – bei einfacher Wartung, was wiederum die Betreiber sehr schätzen. Wenn sich Informationen ändern, benötigt es keine Neuprogrammierung. Wir tauschen einfach den Filmstreifen aus, der sich im Gerät befindet.
VIScope kommt inzwischen nicht nur auf der Zugspitze, dem Großglockner, in den Dolomiten oder in der Schweizer Aletsch Arena zum Einsatz. Spannende Fernblicke bietet es auch auf die Leuchttürme vor der Nordsee-Halbinsel Butjadingen, auf die Fjordlandschaft im norwegischen Stranda oder auf die Reblagen eines Weinbergs!
Immer mehr nachgefragt wird auch unser zweites VIS-Produkt, das VISholo. Dank der in diesen Würfel eingebauten Optik verwandeln sich Erlebniswege, Museen, aber auch Fußgängerzonen in begehbare Geschichtsbücher.“
Rendering für die neue Wetterhalle auf dem Säntis.
Rendering für die neue Wetterhalle auf dem Säntis.
MM: „Nun zum Thema Ausstellungen. Welche Projekte sind hier kurz vor der Fertigstellung?“
Massimo: „Da wären einmal das Projekt ,90 Jahre Schmittenhöhebahn‘ sowie eine neue Ausstellung im Tal für die Tiroler Zugspitzbahn in Ehrwald zu nennen – am Berg gibt es u. a. ja bereits das ,Schneekristallmuseum‘ von uns.
Bei der Jubiläumsausstellung auf der Schmitten wird ein großes Geländemodell des Skigebietes samt fahrenden Modell-Seilbahnen und Pistengeräten bzw. Schneemaschinen eines der Highlights sein. Zur Seilbahngeschichte selbst wird eine Ausstellung auf 300 m2 präsentiert, die u. a. Historisches als auch interaktive Module beinhaltet. Alt und neu werden gegenübergestellt, z. B. die erste Gondel und die heutige Porsche-Gondel. Es werden auch optische und haptische Elemente eingesetzt – etwa ein großes Kaleidoskop in Form einer abgeschnittenen Pyramide.
Auch bei der Zugspitzbahn gab es eine 90 Jahre alte Seilbahn. Der Antrieb wurde bei der Abtragung der alten Station erhalten und nun wird um diesen historischen Antrieb herum ein topmodernes Gebäude errichtet, das u. a. die Maschine in Funktion zeigt. Ergänzend dazu wird eine Ausstellung aufgebaut, die Gästen im Ort Lust machen soll, auf den Berg mit der Zugspitzbahn hinaufzufahren. Es handelt sich also um keine Technikausstellung, sondern um eine Präsentation der Attraktionen am Berg: das tolle Panorama, ein Museum, Sonnenaufgangsfahrten abends ein Fondue-Essen usw. Auch auf diese Art kann man beim Gast Emotionen generieren oder besser gesagt Marketing dafür betreiben, dass er den Schritt wagt, ein Seilbahnticket zu lösen. Dieses Beispiel taugt durchaus als Vorbild für die Branche, dass man mehr machen kann als nur ein paar Plakate aufhängen. Letztlich geht es immer darum, Emotionen zu verkaufen!“
Rendering Panoramakuppel Säntis
Rendering Panoramakuppel Säntis
MM: „Wie sind eigentlich die Auftraggeber darauf gekommen, das Projekt mit Euch zu machen?“
Massimo: „Es eilt uns ein gewisser Ruf voraus, dass wir uns viel Kompetenz bei Ausstellungen für Seilbahnen erworben haben. Tatsächlich haben wir schon etliche Projekte umgesetzt, man denke z. B. an ,50 Jahre Ischgl‘, das o. e. ,Schneekristallmuseum auf der Zugspitze‘, das Seilbahnmuseum bei der Seegrubenbahn (Innsbruck), das ,Ski- und Heimatmuseum‘ in St. Anton oder die Ausstellung im Naturparkhaus Kaunergrat.
Auch bei dem neuen Projekt mit der Schweizer Säntis-Schwebebahn AG wurden wir aufgrund unserer Expertise in diesem Bereich ausgewählt – und einem Schweizer Anbieter vorgezogen. Im Bereich Erlebnisinszenierung gibt es natürlich eine Reihe von Anbietern am Markt, die jedoch überwiegend im Outdoorbereich tätig sind. Unser Fokus liegt mehr auf dem Infotainment mit der Seilbahntechnik selbst – z. B. wie in Ischgl bei einem Seilbahnmodell der 3 S-Umlaufbahn, wo man sich die Technik detailgetreu nachgebaut anschauen kann! Das bringt mehr als Filme oder Animationen.
Auf der Schmittenhöhe sind wir eine Kooperation mit Verdandi eingegangen, bei der wir uns ebenfalls wieder mehr um den seilbahntechnischen bzw. seilbahnhistorischen Teil gekümmert haben.
Generell entdecken immer mehr Bergbahnunternehmen den Nutzen von Ausstellungen: Man kann dem Gast ein Schlechtwetterprogramm auf dem Berg bieten und ihn unterhalten. Das macht vor allem für Feriengäste im Sommer Sinn.“
Rendering Regenlounge für das Projekt Blombergbahn.
Rendering Regenlounge für das Projekt Blombergbahn.
MM: „Was können Sie uns Genaueres über die Aufgabenstellung am Säntis im Appenzellerland sagen?“
Massimo: „Für den bekannten und beliebten Hausberg in der Bodenseeregion erstellen wir einen kompletten Masterplan zur mittelfristigen Entwicklungsstrategie. Es geht einerseits um die Inszenierung des 6 Länder-Blicks samt Attraktivierung des Ausstiegsbereiches; Andererseits geht es um das Thema ,Wetter‘, dem eine Ausstellung gewidmet wird. Am Säntis existiert nämlich seit 150 Jahren eine Wetterstation, da man es hier oft mit extremen Wetterlagen zu tun hat. Wetter- und Naturphänomene erlebbar machen, ist eine unserer Stärken aufgrund unseres Meteorologie-Studiums.
Die 600 m2 große Indoorgestaltung nimmt auch Bezug auf das o. e. Panorama, unter anderem mit einer Weltneuheit: einem virtuellen 3D-Flug von Gipfel zu Gipfel mittels professionellem Flugsimulator. Das ist etwas Einzigartiges, das es so auf der Welt noch nirgends gibt. Parallel dazu strebt GF Bruno Vattioni eine generelle Umstrukturierung der Infrastruktur an – u.a. wird auch das Bergrestaurant aufwendig umgebaut.