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MM Magazin - Trends

Snowparks: Auf dem Weg vom Differenzierungsmerkmal zur Grundausstattung eines Skigebiets?

Ausgabe 2/2009

Viele Wintersportdestinationen bieten ihren Gästen heute Snowparks. Dabei hat sich beim Bau und Betrieb dieser Angebotsschiene in den letzten Jahren viel getan. Matthias Hess, Friedrich-Schiller-Universität in Jena, hat sich im Rahmen seiner Magisterarbeit eingehend mit der Thematik beschäftigt.
Eine Alpen√ľberquerung von Innsbruck nach Meran ist eine anspruchsvolle Trekkingtour. „ASI – Wirklich Reisen“ bietet diese Tour von Juni bis inklusive September alle zwei Wochen an. Fotos: ASI – Wirklich Reisen
Jeder 5. Snowpark wird von Profis betreut. Fotos: Schneestern parks & more OHG
W√§hrend Snowparks in ihrer Entstehungsphase noch ein Differenzierungsmerkmal f√ľr ein Skigebiet darstellten und innerhalb der Liftanlagen eine Sonderstellung einnahmen, haben sich derartige Parks in den letzten Jahren mehr und mehr zu einer Selbstverst√§ndlichkeit entwickelt. In einer Umfrage unter Bergbahnbetreibern im deutschsprachigen Alpenraum, die in der Saison 2007/08 im Rahmen einer Magisterarbeit an der Friedrich-Schiller-Universit√§t in Jena durchgef√ľhrt wurde, gaben bereits knapp dreiviertel aller Befragten an, einen derartigen Park zu betreiben. Vier von f√ľnf Betreibern f√ľhrten weiterhin aus, den bestehenden Park in den kommenden Jahren (tendenziell) erweitern zu wollen. Lediglich in kleinen Gebieten mit maximal 30 Pistenkilometern stellen Halfpipes und Co noch die Ausnahme dar.

Professionelle Basis
W√§hrend Snowparks in ihrer Fr√ľhzeit meist von den Bergbahnen selbst geplant, gebaut und betrieben wurden, hat sich in der Zwischenzeit eine ganze Branche um Obstacles und Halfpipes entwickelt. Mit Ausnahme reiner Schneeelemente besteht das angebotene Produkt dabei aus der Beratung, welche Anlagen technisch m√∂glich sind und wie diese in das bestehende Gebiet integriert werden k√∂nnen, der konkreten Planung, der Produktion der einzelnen Elemente wie Rails, Boxen, Wallrides etc., der Umsetzung und schlie√ülich des Marketings rund um den Park. Die zentrale Frage f√ľr interessierte Liftbetreiber lautet dabei, welche Bestandteile selber erbracht werden k√∂nnen und welche durch einen externen Dienstleister bereitgestellt werden sollen bzw. m√ľssen, sofern die eigenen Kapazit√§ten hinsichtlich technischer Ausr√ľstung und Humankapital nicht vorhanden sind. Derzeit wird etwa jeder f√ľnfte bestehende Snowpark von einem professionellen Unternehmen betreut. Allein in Europa lassen sich derzeit mehr als ein halbes Dutzend derartiger Anbieter finden.
Snowparks stellen aktuell einen wichtigen Schritt in die zunehmende Erlebnisorientierung eines jeden Skigebiets dar und stehen damit neben Angeboten wie Snowtubing oder Airboard. In einer Zeit sich wandelnder Anspr√ľche seitens der Wintersportler stellen Obstacles nicht mehr nur ein Angebot an junge Kunden und Extremsportler dar; vielmehr kommt es zum zunehmenden Einsatz bspw. im Rahmen der Skiausbildung. Anlagen, deren Fokus auf professionellen Sportlern liegt, sind inzwischen in der Minderheit. Neben dieser Entwicklung zeigt sich weiterhin, dass Snowparks vermehrt als Kulisse f√ľr Events eingesetzt werden: 75 % aller befragten Betreiber gaben an, Veranstaltungen verschiedener Art selber zu organisieren bzw. den Park zur Verf√ľgung zu stellen. Die Palette reicht dabei von Profiveranstaltungen √ľber Turniere f√ľr Jedermann bis hin zu Events im Sommer.

Blickpunkt Sicherheit
Doch Planung und Betrieb eines Parks sind nicht ohne Probleme. Neben der prinzipiellen Verletzungsgefahr im Wintersport ergeben sich aus der Nutzung weitere Gefahren, die auf zwei haupts√§chliche Gr√ľnde zur√ľckgef√ľhrt werden k√∂nnen: Dies ist zum einen die unsachgem√§√üe Nutzung durch die Sportler bzw. das Nichtbeachten der Sicherheitsvorschriften sowie zum anderen eine sich aus unsachgem√§√üer Wartung ergebende Gef√§hrdung. So sind die einzelnen Elemente nicht nur einer enormen Belastung durch die Skifahrer und Snowboarder ausgesetzt, sondern dar√ľber hinaus extremen √§u√üeren Bedingungen durch die auftretenden Temperaturschwankungen vor allem im hochalpinen Bereich. Dieser Gefahren sind sich die Betreiber aktuell durchaus bewusst, so dass "Sicherheit" als das zentrale Thema beim Betrieb eines Snowparks gelten kann. Als problematisch ist vor allem die bislang fehlende Standardisierung der Produktqualit√§t der einzelnen Elemente zu betrachten. Beispielsweise ist der einzige Hersteller, der zurzeit mit einem Zertifikat des T√úV aufwarten kann, die Firma Schneestern. Zwingend notwendig ist ein solches Zertifikat indes nicht. Falls sich eine Bergbahn f√ľr den Betrieb und die Wartung eines Snowparks durch eigenes Personal entscheidet, so ist sicherzustellen, dass dies hinreichend ausgebildet wurde und in der Lage ist, Gefahrenpotentiale fr√ľhzeitig zu erkennen.
Snowparks werden immer √∂fter f√ľr Events genutzt.
Snowparks werden immer √∂fter f√ľr Events genutzt.
Anerkannter Nutzen
Auf Basis der durchgef√ľhrten Befragung lassen sich momentan einige Trends ableiten. So ist zum Beispiel das verst√§rkte Interesse der Betreiber an der Erschlie√üung neuer Einnahmequellen durch ihre Snowparks zu konstatieren. Dies kann auf zwei Wegen erreicht werden. So sind zum einen die bereits angesprochenen Events zu nennen, die in j√ľngster Zeit eine zunehmende Professionalisierung in Form von Meisterschaften mit festen Abl√§ufen und Regeln erkennen lassen. Zum anderen geraten Snowparks vermehrt in den Fokus von Sponsoren. Wintersportler stellen in aller Regel eine kaufkr√§ftige und junge Zielgruppe dar, die bspw. durch die Nutzung von Werbefl√§chen angesprochen werden kann. Dar√ľber hinaus l√§sst sich eine ver√§nderte Platzierung der Parks im Skigebiet vorhersagen. W√§hrend die Anlagen in der Vergangenheit zumeist an isolierten Standorten zu finden waren, so r√ľcken sie zunehmend an zentrale Positionen innerhalb des Skigebiets. Dieser Trend wird best√§rkt durch eine breite Mehrheit (75 % der Betreiber), f√ľr die eine Anbindung des Parks an gastronomische Einrichtungen (eher) wichtig ist. Mittels einer derartigen Anbindung werden Parks nicht nur f√ľr die direkten Nutzer zu einem Erlebnis, sondern k√∂nnen au√üerdem als Zuschauermagnet inszeniert werden. Ein letzter Trend wird durch die bereits angesprochene Einbindung aller K√∂nnerstufen in die Parks dargestellt. Bereits heute ist diese Breitenwirkung ein wichtiger Aspekt f√ľr mehr als die H√§lfte aller Anbieter.

Autoren:
* Prof. Dr. Frank Daumann, Professor f√ľr Sport√∂konomie an der Friedrich-Schiller-Universit√§t Jena.
* Matthias Hess, M.A., Projektleiter bei der Schneestern OHG, Kempten.
* Dipl.-Volksw. Markus Breuer, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Sportökonomie der Friedrich-Schiller-Universität Jena.