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Technik & Wirtschaft - Neue Bahnen

DOPPELMAYR/GARAVENTA: Schneller, höher, weiter

Ausgabe 7/2008

Die DOPPELMAYR GARAVENTA Gruppe baut jĂ€hrlich ĂŒber 200 Bahnen weltweit. Hinter dieser beeindruckenden Zahl steht eine ganze Reihe an Innovationen und technischen Glanzleistungen, mit denen auf spezielle WĂŒnsche der Kunden reagiert wird.
15 MGD Constantine.
15 MGD Constantine.
Die DOPPELMAYR Holding AG konnte in den letzten Jahren steigende UmsĂ€tze verzeichnen. Dabei stammten rund 80 % aus dem traditionellen WintergeschĂ€ft. Die KernmĂ€rkte liegen in den europĂ€ischen AlpenlĂ€ndern und Nordamerika, doch gibt es auch beeindruckende Erfolge in Ost-, SĂŒdost- und Zentraleuropa sowie im asiatischen Raum.
Unter den realisierten Anlagen findet man hĂ€ufig Aufsehen erregende Projekte, mit denen die technische Kompetenz des Unternehmens unterstrichen wird. Innovationen haben dabei nicht Selbstzweck, sondern nehmen auf konkrete KundenbedĂŒrfnisse Bezug.Dazu Firmenchef Michael Doppelmayr: „Permanente Innovation ist eine der wichtigsten SĂ€ulen unserer tĂ€glichen Arbeit und fest in unserer Unternehmenskultur verankert.
Dabei haben wir eine sehr genaue Vorstellung darĂŒber, was Innovationen leisten mĂŒssen. Jede einzelne Innovation muss unseren Kunden und uns einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Innovation – ganz egal in welchem Bereich – darf nicht als Selbstzweck betrieben werden. PrĂ€missen sind immer die Beachtung konkreter KundenbedĂŒrfnisse und ein optimales Kosten-NutzenverhĂ€ltnis. Dank diesem fundamentalen Wert unserer Unternehmensphilosophie konnten wir in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten die Meilensteine der modernen Seilbahntechnik setzen.“ (WIR Jan.08/3) Wie vielfĂ€ltig Seilbahntechnik bei DOPPELMAYR/ GARAVENTA zum Einsatz kommt, zeigen Beispiele aus dem touristischen Segment, dem urbanen Bereich und der Transportlogistik.
DOPPELMAYRBahn auf den Dagu-Gletscher.
Talstation der Choralmbahn.
Urbane Bahnen
Seilbahnen, die im stĂ€dtischen Bereich Verwendung finden, gewinnen bei DOPPELMAYR/GARAVENTA immer mehr an Bedeutung. Die Auftraggeber kommen dabei nicht unbedingt aus den europĂ€ischen Ballungszentren, wie man vielleicht aufgrund der Verkehrsproblematik vermuten möchte, Projekte wurden in jĂŒngster Zeit in China, Nordamerika oder auch Afrika realisiert. Einmal in Betrieb, werden urbane Bahnen in das innerstĂ€dtische Verkehrsnetz integriert und sowohl von der heimischen Bevölkerung als auch den Touristen gut angenommen. In Constantine/Algerien ging z. B. Anfang Juni 2008 eine 15 MGD in Betrieb, die als Zubringer von einer Wohnsiedlung zur Innenstadt dient und in 2 Sektionen gefĂŒhrt wird. Als Betreiber der Bahn fungieren die stĂ€dtischen Verkehrsbetriebe „Entreprise de Transport Constantine (ETC)“, in deren Verantwortung auch die Buslinien stehen. UnterstĂŒtzt wird man vor Ort von einem 4-köpfigen GARAVENTA-Team, wobei GARAVENTA auch als Generalunternehmer beim Bau fungiert hat.
Obwohl die Bahn in den ersten Wochen nur zwischen 9 und 19 Uhr in Betrieb war, zĂ€hlte man tĂ€glich rund 24 000 FahrgĂ€ste! Der Regelbetrieb sieht in der Folge Öffnungszeiten zwischen 6 und 23 Uhr vor.
An weiteren drei 15 MGDs wird in Algerien bereits gearbeitet. Die Anlagen werden jeweils in 2 Sektionen gefĂŒhrt, die BahnlĂ€ngen betragen 1 665 m, 1 842 m und 2 868 m. Mit einer Geschwindigkeit von 6 m/s werden im Rahmen dieser Projekte 1 500 P/h, 2 000 P/h sowie 3 000 P/h befördert. Weitere AuftrĂ€ge ĂŒber urbane Bahnsysteme liegen bereits vor.
RopeCon Golderzbahn Simberi.
RopeCon Golderzbahn Simberi.
Hoch hinauf
Auch die welthöchste Seilbahn, die auf den Dagu-Gletscher auf 4843 m fĂŒhrt, wurde von DOPPELMAYR gebaut und 2008 in Betrieb genommen. Als Auftraggeber und Betreiber der Bahn fungiert die Aba Great Glacier Tourism Co. Ltd, die Teil der Aba Dajiuzhai International Group ist.
Die 8er Kabinenbahn erschließt eine touristisch sehr reizvolle Hochgebirgslandschaft in Nordsechuan/China. Baubeginn war im Oktober 2006, Betriebsbeginn im MĂ€rz 2008. Die Talstation wurde auf 3 617 m Seehöhe gebaut, die Bergstation auf 4 843 m. Die Förderleistung der Kabinenbahn betrĂ€gt 800 P/h, wobei die 2399 m lange Strecke bei einer Fahrgeschwindigkeit von 6 m/s in 9,4 Minuten zurĂŒckgelegt wird. In den Stationen und den Kabinen stehen aufgrund der Höhenlage tragbare Sauerstoff-Flaschen mit Gesichtsmasken zur VerfĂŒgung.
Die Antriebsstation wurde im Tal realisiert, die Abspannung am Berg. Neben der Höhenlage stellten vor allem die Witterungsbedingungen eine große Herausforderung beim Bau dar, sodass die Arbeiten mehrmals unterbrochen werden mussten.
Die Bahn soll an 300 Tagen im Jahr in Betrieb sein und anfangs rund 200 000 Personen befördern. Bei ausgebauter Infrastruktur rechnen die Betreiber spÀter mit einer Fahrgastfrequenz von 500 000 bis 700000 pro Jahr.

Seilbahntechnik fĂŒr FörderbĂ€nder
Unter der Bezeichnung Rope-Con vermarktet die DOPPELMAYR Transport Technology GmbH seit dem Jahr 2000 FörderbĂ€nder, deren AusfĂŒhrung Förderband- und Seilbahntechnik vereint. Beispiele wurden bisher in Strengen am Arlberg (A), Zöchling (A), Lenzing (A), TĂŒfentobel (CH), Mt. Olyphant, (Jamaika) und Simberi, Papua Neu Guinea, realisiert. Der Stetig- oder Langstreckenförderer RopeCon eignet sich zum Transport von SchĂŒttgut ĂŒber Strecken bis 20 km. Als Fördergurt wird ein Flachgurt aus mehrlagigem Polyester-Polyamidgewebe benutzt, auf den seitlich Wellkanten aufgebracht sind. Damit wird einerseits der kontrollierte Transport des SchĂŒttguts sichergestellt, zum anderen ein höherer FĂŒllungsquerschnitt erreicht.
In gleichmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden sind Querbalken in den Gurt integriert. In LĂ€ngsrichtung des Förderbandes sind Kunststoff ummantelte Stahlprofile fĂŒr die Laufrollen angebracht, die dann seitlich auf gespannten Tragseilen laufen. Diese Tragseile werden ĂŒber StĂŒtzenbauwerke gefĂŒhrt, wobei große Distanzen und betrĂ€chtliche Steigungen ĂŒberwunden werden können. Auf diese Weise ist es möglich, das System ĂŒber unwegsames GelĂ€nde, FlĂŒsse, Straßen oder GebĂ€ude zu fĂŒhren. Ähnlich wie bei einem konventionellen Gurtförderer wird auch dieser Gurt ĂŒber Antriebstrommeln in der Be- oder Entladestation angetrieben. GrundsĂ€tzlich sind mit dem RopeCon-System je nach Material Förderleistungen bis zu 20 000 Tonnen/Stunde möglich. Das jĂŒngste Projekt dieser DOPPELMAYR-Innovation wurde in Simberi, Papua Neuguinea, realisiert und dient dem Transport von goldhaltigem Erz aus einer Mine im Landesinneren bis zur VerhĂŒttung an der KĂŒste. Auftraggeber war die Allied Gold Company. Die Förderleistung des Förderbandes betrĂ€gt 450 t/h, die Gurtgeschwindigkeit 3,3 m/s. Auf der 2700 m langen Strecke findet man mit 3 StĂŒtzen das Auskommen, wobei das grĂ¶ĂŸte Seilfeld 850 m lang ist. Der Betrieb erfolgt vollautomatisch und auf ein Austragsförderband abgestimmt, das Material direkt aus dem Abbaubereich transportiert. FĂŒr Wartungsarbeiten steht ein selbstfahrendes Inspektionsfahrzeug zur VerfĂŒgung, das die beiden oberen Seile der Anlage als Fahrbahn nutzt und mit Hilfe eines fix abgespannten Seils gezogen wird.

3S Bahn der Superlative
FĂŒr den 12. Dezember 2008 steht neuerlich die Eröffnung einer außergewöhnlichen Bahn bevor. In Britisch Kolumbien/Kanada errichtet die DOPPELMAYR-GARAVENTA Gruppe die erste 3S-Bahn in Nordamerika, die gleich in mehreren Bereichen MaßstĂ€be setzt. Die Seilbahn hat den treffenden Namen „Peak to Peak“ und wird die bekannten Skidestinationen Whistler und Blackcomb verbinden. Die StreckenlĂ€nge betrĂ€gt 4 400 m, wobei man mit nur 4 StĂŒtzen das Auskommen findet. 2 StĂŒtzen befinden sich auf dem Areal von Whistler, 2 am Blackcomb. Dazwischen ergibt sich ein rekordverdĂ€chtiges Spannfeld von 3 024 m. Auch der grĂ¶ĂŸte Bodenabstand mit 436 m fĂŒhrt in völlig neue Dimensionen. FĂŒr eine 3S-Bahn hatten sich die Verantwortlichen aus SicherheitsgrĂŒnden entschieden. Immerhin gilt dieser Bahntyp als ausgesprochen windstabil und zuverlĂ€ssig im Betrieb. Transportiert werden die FahrgĂ€ste in insgesamt 28 CWAKabinen des Typs ZETA. DG/dwl
StreckenfĂŒhrung der 3S-Bahn „Peak 2 Peak“ mit CWAKabine „ZETA“. Fotos: Matt Walker
StreckenfĂŒhrung der 3S-Bahn „Peak 2 Peak“ mit CWAKabine „ZETA“. Fotos: Matt Walker
Technische Daten 8 MGD Dagu Gletscherbahn
Talstation: 3 617 m
Bergstation: 4 843 m
Förderleistung: 800 P/h
Fahrzeit: 9,4 min
Fahrgeschwindigkeit: 6 m/s
Anzahl Kabinen: 36
SchrÀge LÀnge: 2 399 m
StĂŒtzen: 20
Antrieb: Tal
Abspannung: Berg

Technische Daten 15 MGD Constantine
LĂ€nge: 1 686 m
Förderleistung: 2 400 P/h/Richtung
Fahrgeschwindigkeit: 6 m/s

Technische Daten Golderzbahn RopeCon Simberi
Förderleistung: 450 t/h
Max. Körnung: 80 mm
Gurtgeschwindigkeit: 3,3 m/s
Gurtbreite: 650 mm
Motorleistung: 221 kW
Horizontale LĂ€nge: 2 700 m
Höhenunterschied: 237 m
Mittlere Neigung: 8,9%
Antrieb: Berg/Grube
Abspannung: Tal/HĂŒtte
Technische Daten 3S Bahn „P2P“
SchrÀge LÀnge: 4 400 m
Fahrgeschwindigkeit: 7,5 m/s
Fahrzeit: ca. 11 min
Anzahl Kabinen: 28 Kabinen Ă  28 P. (24 sitzend, 4 stehend)
Kabinenabstand: 49 s
LĂ€ngstes Spannfeld: 3 024 m
Höchster Bodenabstand: 436 m
BeförderungskapazitÀt: 2 050 P/h
Anzahl StĂŒtzen: 4
StĂŒtzenhöhe: 35 m–65 m
Zugseil: 46 mm Durchmesser, LĂ€nge 8 850 m
Tragseile: 56 mm Durchmesser, LĂ€nge: 4 600 m