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Technik & Wirtschaft - Beschneiung

Großoffensive am Spitzingsee mit 50 LENKO-Maschinen

Ausgabe 6/2006

Die Alpenbahnen Spitzingsee GmbH. errichtet derzeit eine der grĂ¶ĂŸten Beschneiungsanlagen Bayerns: 50 Propellermaschinen von LENKO werden in zwei Ausbaustufen die Suttenabfahrt und Teile der StĂŒmpflingabfahrt mit 240 l/s verfĂŒgbarem Wasser in 60 Stunden einschneien! Auf diesen Wert hin hat das IngenieurbĂŒro Klenkhart bei der Gesamtplanung die Schlagkraft ausgelegt. Bemerkenswert ist, dass man am Spitzingsee bisher noch keine Erfahrungen mit der Schneeproduktion hat und sich trotzdem gleich fĂŒr diese Riesendimension entschied, die faktisch einen Endausbau darstellt.
28 TĂŒrme Winchtower liefert LENKO bei der ersten Ausbaustufe nach Spitzingsee. Foto: LENKO
28 TĂŒrme Winchtower liefert LENKO bei der ersten Ausbaustufe nach Spitzingsee. Foto: LENKO
Am Spitzingsee musste vor drei Jahren eine Grundsatzentscheidung getroffen werden: aufhören oder weitermachen. Der international bekannte Urlaubs- und Wintersportort in den Bayerischen Alpen in der Region Schliersee war vor 30
Jahren die Winterdestination vor den Toren MĂŒnchens schlechthin, zuletzt musste die damalige Betreibergesellschaft jedoch Konkurs anmelden.
Es fanden sich schließlich Interessenten, die sich eine positive WeiterfĂŒhrung nach einer intensiven Modernisierung vorstellen konnten. GeschĂ€tzter Investitionsbedarf: 10 Millionen Euro. Konkret waren dies die Unternehmensgruppe Schörghuber mit GF Stefan Schörghuber und die Kreissparkasse Miesbach. Die neue Gesellschaft begann sofort mit der Erneuerung des 2er-Sesselliftes StĂŒmpflingbahn in eine kuppelbare 4er-Sesselbahn, ein Jahr spĂ€ter folgte die Suttenbahn, die ebenfalls von einem 2er-Sessellift in eine 4 SBK mit Wetterschutzhaube umgewandelt wurde. Dadurch wurde das Tegernseer Tal an das Skigebiet Spitzingsee angeschlossen, und zwar in 6 Minuten Fahrzeit statt deren 18 wie vorher. An der Talstation wurden die ParkplĂ€tze auf 200 verdoppelt und ein Ski-/Boardverleih bzw. –Service errichtet. Ein wichtiger Schritt war im Dezember 2005 auch die Eröffnung der neuen „alten“ JagahĂŒtt’n am Gipfel des StĂŒmpfling, dem 1506 m hohen Hausberg am Spitzingsee. Die 100 Jahre alte TraditionsgaststĂ€tte im Blockhausstil mit 130 Innen- und 300 TerrassenplĂ€tzen wurde von der Valepp neben die Bergstationen der am StĂŒmpfling zusammentreffenden Sutten- und StĂŒmpflingbahn versetzt und so zu einem zentralen Treffpunkt in der Skiregion aufgewertet. Nach wie vor in Betrieb ist Taubenstein-Kabinenbahn (1700 m) und zwei Schlepplifte. Diese Maßnahmen sollen das nur 70 Kilometer von MĂŒnchen entfernte Skigebiet besonders attraktiv fĂŒr Incentive- und Gruppenreisen machen, wovon auch die umliegenden Hotel- und Gastronomiebetriebe profitieren wĂŒrden.
Was nĂŒtzen neue Bahnen ohne Beschneiung?
Panoramabild Wintersportgebiet Spitzingsee. Foto: Alpenbahnen Spitzingsee
LĂ€rmarme Whisper-Maschinen gefragt
Die erste Etappe sieht die Beschneiung der Suttenabfahrt und der Lorapiste vor, nĂ€chstes Jahr will man dann noch den unteren Teil der StĂŒmpfling-Abfahrt machen. FĂŒr jede Etappe liefert LENKO jeweils 25 Propellermaschinen der Type FA540, davon sind bei der heurigen Etappe drei lĂ€rmarme Whisper-Maschinen. Außerdem haben die Alpenbahnen 28 SchneitĂŒrme fĂŒr die 42 SchĂ€chte der ersten Etappe bestellt. Der sogenannte 6 m hohe, elektrisch bedienbare LENKO-Winchtower benötigt kein Fundament, kann also direkt auf den Schacht gesetzt werden. Durch den Turm erhöht sich die Schneileistung um ca. 20 %. Neu ist, dass die Schneemaschinennun auch (bei Bedarf) vom Turm aus bedient werden können. Im allgemeinen ist dies jedoch nicht notwendig, da die Anlage vollautomatisch per Funk ĂŒber das Leitsystem SNOWNet gesteuert wird. Die Schneerzeuger werden von LENKO komplett mit grĂŒnen Abdeckhauben geliefert, damit sie problemlos auf denTĂŒrmen stehen gelassen werden können. Dies ist aufgrund des geringen Serviceaufwandes erstens kein Problem (ölfreier Kompressor) und zweitensauch aus ökologischer Sicht besser, da man sonst beim Aufstellen im Vorwinterdie Wiesen in Mitleidenschaft sziehen mĂŒsste.
Baustelle Hauptpumpstation an der neuen Beschneiungsanlage Suttenabfahrt. Foto: DI Weiler/Klenkhart
Baustelle Hauptpumpstation an der neuen Beschneiungsanlage Suttenabfahrt. Foto: DI Weiler/Klenkhart
Nur 60 Stunden Einschneizeit
Die Einschneizeit wurde wie eingangs erwĂ€hnt auf 60 Stunden ausgelegt – ein Wert, der eine schlagkrĂ€ftige Anlage bedingte. VerstĂ€ndlich, da in diesen Höhenlagen zwischen 1 100–1 500 m jede verfĂŒgbare Zeit optimal genutzt werden muss und viel im Grenztemperaturbereich gearbeitet werden wird. Nach der zweiten Ausbaustufe wird man es am Spitzingsee also mit einer der grĂ¶ĂŸten Anlagen in Bayern zu tun haben. Man hat hier keine „Salamitaktik“praktiziert, sondern die Anlage sofort fĂŒr den Endausbau konzipiert.
Die Ausschreibung, Oberbauaufsicht und Behördeneinreichung wurde von DI Christian Weiler, IngenieurbĂŒro Klenkhart, abgewickelt.  Keine leichte Aufgabe fĂŒr die bewĂ€hrtenPlaner, die Auflagen fĂŒr die UmweltvertrĂ€glichkeit zu bewĂ€ltigen. Man musste Verzögerungen bei der Bewilligung hinnehmen.
Von den in Frage kommenden drei Schneemaschinenanbieternbekam schließlich LENKO den Zuschlag. Als BegrĂŒndung gab GeschĂ€ftsfĂŒhrer Peter Lorenz neben demguten Preis-LeistungsverhĂ€ltnis die Tatsache an, dass der angebotene Schacht Turmlösungen zuließ, ohne dass Fundamente nötig sind. Weiters war auch die Whisper-Maschine ausschlaggebend, die wegen des LĂ€rmgutachtens gebraucht wird und bei LENKO den Vorteil hat, dass man diese Maschine aufgrund ihrer zwei Drehzahlbereiche auch wie eine „normale“ Maschine einsetzen kann. Folglich muss keine weitere Maschinentype gekauft werden, wie es bei den Mitbewerbern der Fall gewesen wĂ€re, um diese Schneemenge zu erreichen.
Die Interviewpartner beim MM-Lokalaugenschein (v. l. n. r.): GĂŒnther Praxmarer (LENKO Austria), Michael Manthei (LENKO Deutschland), Peter Lorenz (Technischer GF Alpenbahnen Spitzingsee) und BL Stefan Heiß.
Die Interviewpartner beim MM-Lokalaugenschein (v. l. n. r.): GĂŒnther Praxmarer (LENKO Austria), Michael Manthei (LENKO Deutschland), Peter Lorenz (Technischer GF Alpenbahnen Spitzingsee) und BL Stefan Heiß.
Wenig Verstellarbeit durch große BestĂŒckung
FĂŒr die Firma LENKO ist dieser Auftrag einschönes Referenzprojekt. SelbstverstĂ€ndlich wird man die neu aufgestellte Schneimannschaft bei ihren ersten Schneierfahrungen tatkrĂ€ftig unterstĂŒtzen. „Wobei einem ja die Automatik bereits viel Arbeit abnimmt“, bemerkt LENKO-Austria GeschĂ€ftsfĂŒhrer GĂŒnther Praxmarer. „Auch das Beispiel Oberjoch zeigt, dass man auf Anhieb viel Erfolg haben kann. Außerdemergibt sich bei dieser großen BestĂŒckung relativ wenig Verstellarbeit.“
Von der Initiative in Spitzingsee profitiert ĂŒbrigens auch Deutschlands grĂ¶ĂŸter Skipass- und Bergbahnverbund mit 75 Bahnen und Liften, die „Alpen Plus Partner“, zu denen auch noch der Skizirkus Brauneck-Wegscheid in Lenggries, die Wallbergbahn in Rottach-Egern/Tegernsee, das Skiparadies Sudelfeld in Bayrischzell/Oberaudorf sowie das Skizentrum Zahmer Kaiser in Walchsee-Durchholzen/Tirol gehören. Der seit 2002 bestehende Kartenverbundsetzt auf moderate Kartenpreise und die schnellere Erreichbarkeit fĂŒr den Großraum MĂŒnchen bzw. Rosenheim. Angesichts der hohen Spritpreise heutzutage kein unwichtiges Argument fĂŒr viele Familien.
mak