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Technik & Wirtschaft - Beschneiung

St. Johann/Tirol: in 60 Stunden schneefit dank extremer Schneileistung

Ausgabe 7/2007

In St. Johann/Tirol, dem Wintersportgebiet des √∂sterreichischen Fachverbandspr√§sidenten Dr. Ingo Karl, entsteht derzeit die modernste Beschneiungsanlage der Alpenrepublik. Nach den leidvollen Erfahrungen des letzten Winters gab es f√ľr Tirols zweitniedrigstes Skigebiet nur noch eine sinnvolle Zukunftsoption: eine massive¬† Schlagkrafterh√∂hung der Beschneiungsanlage!Karl peilte das Ziel an, in nur 60 Stunden 80% seiner 90 ha Pistenfl√§chen bei - 3,5¬į C Feuchtkugeltemperatur einschneien zu k√∂nnen. F√ľr diesen Ausbau-Sprung der bereits vorhandenen Schneeanlage von 1998 mit bereits 53 NDSchneeerzeugern und 4 Lanzen muss ein gro√üer Materialaufwand betrieben werden: eine 105 mlange Pumpstation mit 550 l/s Pumpleistung (!), 9 Hochdruckpumpen (3200 kW), 4 Kompressoren (1 000 kW) ein 140000 m3 fassender Speicherteich und 212 Rubis-Lanzen von YORK plus 12 ND-Maschinen (8 LENKO-Propeller FA 450 und 4 Nivis-York 660). Die √§u√üerst kurze Planungs- und Bauzeit forderte dem Ingenieurb√ľroKlenkhart & Partner sowie den beteiligten Professionisten ‚Äď allen voran TEERAG ASDAG und St√∂ckl Teichbau ‚Äď alles ab, was an Leistungskaft und Know-how aufgeboten werden konnte...
Die Baustelle im Skigebiet St. Johann/Tirol, von der kaum einer glaubte, dass sie heuer √ľberhaupt zustande kommen wird, von BL Ing. Georg Schuster aus der Luft von verschiedenen Seiten fotografiert. Foto: BB St. Johann
Die Baustelle im Skigebiet St. Johann/Tirol, von der kaum einer glaubte, dass sie heuer √ľberhaupt zustande kommen wird, von BL Ing. Georg Schuster aus der Luft von verschiedenen Seiten fotografiert. Foto: BB St. Johann
St. Johann wird k√ľnftig 45 Pistenkilometer vollautomatisch in nur 60 Stunden gleichzeitig beschneien. Die vorhandene Beschneiungsanlageerlaubte nur das Beschneien von Sektoren hintereinander ‚Äď eine Taktik, f√ľr die bei heutigen Klimabedingungen im Vorwinter keine Zeit mehr ist. Daher entschied sich Dr. Karl beim neuerlichen Ausbau der Schneeanlage f√ľr eine Vollbest√ľckung mit Lanzen, die weniger personalintensiv sind als Propellermaschinen und au√üerdem bei der im Kitzb√ľheler Raum vorherrschenden Inversions-Wetterlage den Vorteil bieten, dass die eben √ľberall platziert sind und man nicht st√§ndig die Maschinen entsprechend der Witterung verstellen muss. Der Unterschied beim Starten zwischen Lanzen und (herk√∂mmlichen) Propellermaschinen bel√§uft sich laut jahrelangen Test-Erfahrungen von Dr. Karl auf weniger als 0,5¬į FKT, ist also inzwischen verkraftbar. Die Alternative w√§ren l√ľckenlos fix installierte Niederdruck-Schneeerzeuger auf T√ľrmen gewesen, was allerdings eine v√∂llig andere Kostendimension verursachen w√ľrde. F√ľr Marktf√ľhrer YORK sprach letztlich neben dem guten Preis-Leistungsverh√§ltnis die gro√üe Erfahrung der Franzosen bei Lanzen-Anwendungen via Hochdruck und das erfolgreiche Beispiel BSA Resterh√∂he der Bergbahn AG Kitzb√ľhel (400 Rubis), erkl√§rte Dr. Karl. Folglich wurden 212 regelbare, 10 m hohe Rubis- Lanzen bei der INTERFAB Snowbusiness GmbH. sowie 4 Nivis- YORK Propellermaschinen bestellt. Steuerungssoftware Liberty Ein wesentliches Argument f√ľr York war aber auch die ausgereifte Steuerungssoftware Liberty, die seit Jahren √ľber ein effizient arbeitendes Wasser- und Luftmanagement verf√ľgt. Obendrein wurde vom Auftraggeber auch vorgegeben, dass die YORK-Software Liberty als √ľbergeordnetes Leitsystem neben den YORK-Lanzen auch alle Maschinenr√§ume (bestehende und neue Pumpstationen, Kompressorstationen) steuern muss und die 4 bestehenden Zottl-Propellermaschinen bzw. die 4 neu hinzukommenden Nivis-York-Propellermaschinen 660 und 4 autonome Rubis zu integrieren sind. Diese 12 Maschinen werden direkt √ľber Funk von YORKLiberty angesteuert. Nicht zuletzt wird auch die Integrierung der bestehenden und neu hinzukommenden Lenko-Schneeerzeuger in die Mastersoftware Liberty erfolgen, versichert Roderich Urschler. Die Starttemperatur der Rubis R10CC ist abh√§ngig vom Wasserdruck und bewegt sich auf der Beschneiungsanlage St. Johann bei ca. -3¬į FKT. Enorme Wasserdurchsatzleistung Die beabsichtigte kurze Grundbeschneiungszeit bedingt nat√ľrlich eine enorme Schnei- bzw. Wasserdurchsatzleistung. Die H√∂henlage (700 m‚Äď1600 m) und hohe Luftfeuchtigkeit erfordert jedoch eine solche Kalkulation: 60 ha in 60 Stunden bei Grenztemperaturen. Wenn es wirklich kalt ist, ist man nat√ľrlich √ľberbest√ľckt. Das kraftstrotzende Herz der erweiterten Schneeanlage ist die neue, 105 m lange Pumpstation ‚ÄěSchlosserberg‚Äú mit 7,5 MW Anschlussleistung (! ) f√ľr die 2 F√ľllpumpen (je 200 kW) und 7 Hochdruckpumpen (je 400 kW) der Marke Caprari sowie 3 x 400 kW Druckluft-Kompressoren (Atlas Copco) und die 24 K√ľhlt√ľrme, die f√ľr 480 l/s K√ľhlleistung vorbereitet sind. Zus√§tzlich wurde eine weitere Kompressorstation (Sauregg) mit 2 Atlas Copco Schraubenkompressoren angelegt. Wie schon im Jahr 1998 wurde wieder die italienische Pumpe Caprari ausgew√§hlt, zumal St. Johann sehr gute Erfahrungen damit gemacht hat. Und wie damals wurde auch das Team AGB (Hydraulik) und Berchtold (Elektrotechnik) wieder mit der Ausf√ľhrung beauftragt ‚Äď und ebenfalls mit der Erweiterung der bestehenden PST Angerer Alm mit einer 302 kW-Pumpe. Zusammen mit Klenkhart wird dieses Trio eit Anbeginn der Schnei√§ra in St. Johann 1987 eingesetzt. Damals hatte Dr. Karl √ľbrigens den ersten Speicherteich √Ėsterreichs angelegt mit bescheidenen 20000 m3 Volumen ‚Äď scherzhaft ‚ÄěIngos Badewanne‚Äú genannt.
Der 140000 m3 fassende Speicherteich wurde von der ARGE St√∂ckl Franz GmbH + TEERAG ASDAG auf ca. 1070 m H√∂he errichtet. Das Aushubmaterial wurde f√ľr Pistenverbesserungen verwendet. Foto: mak
Der 140000 m3 fassende Speicherteich wurde von der ARGE St√∂ckl Franz GmbH + TEERAG ASDAG auf ca. 1070 m H√∂he errichtet. Das Aushubmaterial wurde f√ľr Pistenverbesserungen verwendet. Foto: mak
2000 m3 Beton f√ľr die Pumpstation

Die f√ľr den Pumpstations- und Rohrleitungsbau (12 500 m Gussrohre von TRM Buderus) verantwortliche ARGE St√∂ckl-TEERAGASDAG unter Bauleiter Ing. Marco Wopfner leistete in nur 15 Wochen die Hauptarbeiten bei der Pumpstation (52 Wandabschnitte, 5 Bodenplatten- und 5 Deckenabschnitte), wobei 2000 m3 Beton verarbeitet wurden. 12 Mann waren insgesamt in 4er-Partien 6 Tage die Woche besch√§ftigt. Dank guter Organisation ist man mit einem 30 t Hebeger√§t ausgekommen. In der Pumpstation ist au√üer dem gro√üen Pumpenraum auch eine Kompressorstation, der EDV-Raum, 3 Trafostationen mit 2,5 kVA, ein Werkst√§tten- und Lagerraum sowie ein WC (welche Seltenheit!) integriert. Oben ist als weiteres Lager ein Holzstadel vorgesehen. Direkt an den Hydraulikraum angeschlossen ist das K√ľhlturmbecken. Die Pumpstation Schlosserberg, etwas abger√ľckt vom Teich direkt am bestehenden Forstweg auf ca. 1 060 m angelegt, wurde f√ľr folgende Funktionen konzipiert:
- Das Schneiwasser in ausreichender Menge zum Speicherteich Angerer Alm Boden hochzupumpen;
- Die tiefer liegenden Abfahrten bis zur Talstation der Harschbichlbahn ohne Pumpleistung zu beschneien:
- Die Pistenfl√§chen Jodlalm (unterhalb 1 250 m) sowie die Talabfahrt unterhalb der Mittelstation bis etwa 950 m √ľber ein Hochdruckleitungsnetz zu beschneien;
MM-Chefredakteur Dr. Kalchgruber traf sich am 30. Oktober beim Lokalaugenschein mit folgenden Verantwortlichen (v. r.n. l.): Dr. Ingo Karl (Bauherr und GF der Bergbahnen St. Johann), Mag. Irmgard Silberberger (ökolog. Bauaufsicht), DI Christian Klenkhart (Gesamtplanung/ Klenkhart & Partner), DI Helmuth Steinwender (Oberbauaufsicht/Klenkhart & Partner), Ing. Manfred Bertignoll (Prok. Interfab Snowbusiness GmbH), Ing. Marco Wopfner (Bauleiter TEERAG-ASDAG) und Alexander Hörfarter (Techniker TEERAG ASDAG). Foto: mak
MM-Chefredakteur Dr. Kalchgruber traf sich am 30. Oktober beim Lokalaugenschein mit folgenden Verantwortlichen (v. r.n. l.): Dr. Ingo Karl (Bauherr und GF der Bergbahnen St. Johann), Mag. Irmgard Silberberger (ökolog. Bauaufsicht), DI Christian Klenkhart (Gesamtplanung/ Klenkhart & Partner), DI Helmuth Steinwender (Oberbauaufsicht/Klenkhart & Partner), Ing. Manfred Bertignoll (Prok. Interfab Snowbusiness GmbH), Ing. Marco Wopfner (Bauleiter TEERAG-ASDAG) und Alexander Hörfarter (Techniker TEERAG ASDAG). Foto: mak
Durch die Platzierung konnten Schwierigkeiten durch √ľbergreifende Bauzeiten mit der Dammsch√ľttung sowie das Anlegen eines zus√§tzlichen Weges vermieden werden. Die Station wird von drei Seiten eingesch√ľttet und bestm√∂glich in das Gel√§nde integriert. Die Gesamtpumpleistung wurde auf 550 l/s ausgelegt, wobei allerdings 120 l/s zur F√ľllung des bestehenden Teiches dienen und zus√§tzlich 120 l/s ohne Pumpleistung nur durch Filter und UV-Anlage die tiefer gelegenen Schneifl√§chen versorgen. Ein vorbildlicher Gro√ü-Speicherteich Der neue, 13,5 m hohe Speicherteich ‚ÄěSchlosserbergsee‚Äú (1 090 m) erg√§nzt den Bestand um ca. 140000 m3 Volumen. Der vorgesehene Speicherstandort war der einzige in der Umgebung, der die Errichtung eines derart gro√üen Bassins zulie√ü. Mit dem anfallenden √úberschussmaterial von ca. 150000 m3 wurde die Verbesserung der Skipistenfl√§chen im unmittelbaren Nahbereich durchgef√ľhrt. Auch hier zeichnet die ARGE St√∂ckl ‚Äď TEERAG ASDAG verantwortlich, beim Pistenbau an insgesamt 6 Teilabschnitten auch HTB Imst, die u. a. ein neues System f√ľr im Felsen r√ľckverankerte Krainer-W√§nde bei Skiweg- Verbreiterungen zum Einsatz brachte.
F√ľr die Folienverlegung zeichnet die Firma IAT, Niederlassung K√§rnten, mit 7 Mann unter Prok. Reinhard Frie√üer verantwortlich.Foto: Steinwender
F√ľr die Folienverlegung zeichnet die Firma IAT, Niederlassung K√§rnten, mit 7 Mann unter Prok. Reinhard Frie√üer verantwortlich.Foto: Steinwender
Dank dem Spezialisten f√ľr naturnahen Teichbau bei der St√∂ckl GmbH aus Hollersbach, Herrn Hauser Bacher, gelang eine vorbildliche Einbettung des Speicherteiches in die Naturlandschaft. Die B√∂schungen wurden so authentisch angedeckt, dass man kaum erkennen kann, was neu gemacht und was Urgel√§nde ist! Davon war sogar die √∂kologische Bauaufsicht in der Person von Mag. Irmgard Silberberger begeistert...Abdeckung mit Bio-Folie Der Teich wurde von 7 Mann der Firma IAT unter Prok. Reinhard Frie√üer mit einer Foliendichtung aus PE-HD ausgef√ľhrt und vollfl√§chig √ľbersch√ľttet. Als Spezialit√§t w√ľnschte sich Dr. Karl hier eine 2,5 mm starke ‚ÄěBio-Folie‚Äú, gefertigt von AGRU nach der sogenannten Ellmauer-Methode mit energetisch aufgeladenem Wasser, die Schutz vor Algenbewuchs bietet. Die Nachbarn von den Kitzb√ľheler Bergbahnen haben diese Folie ebenfalls seit Jahren in Verwendung und stellten ihr ein gutes Zeugnis aus. Die Teichbef√ľllung erfolgt aus der Kitzb√ľheler Ache im Tal mit einer genehmigten Entnahme von 120 l/s innerhalb von ca. 14 Tagen, die beantragte Jahreskonsenswassermenge betr√§gt 285000 m3. An f√ľnf Punkten wurden Drainage√ľberwachungen angebracht, die mit einem Messbecken mit Thomson-Wehr in der Pumpstation verbunden sind. Die planerische Herausforderung war f√ľr DI Christian Klenkhart und dem projektverantwortlichen Mitarbeiter DI Helmuth Steinwender die extrem kurze Planungszeit.
Die Rekultivierung wurde von dem Spezialisten auf diesem Sektor, Herrn Bacher Hauser von der Firma Stöckl, derart professionell gemacht, dass der Unterschied zur Urlandschaft nicht zu erkennen ist, wie das Bild beweist. Foto: Silberberger
Die Rekultivierung wurde von dem Spezialisten auf diesem Sektor, Herrn Bacher Hauser von der Firma Stöckl, derart professionell gemacht, dass der Unterschied zur Urlandschaft nicht zu erkennen ist, wie das Bild beweist. Foto: Silberberger
‚ÄěIm Februar wurde eine Projekt-Studie gemacht, im M√§rz mit der Planung begonnen und im Juni die Einreichung durchgef√ľhrt. Dass dann im selben Jahr noch gebaut wird, ist normalerweise nicht zu schaffen. Da hat die Reputation von Dr. Karl und das Wissen um die prek√§re Situation im letzten Winter seitens der Landesregierung eine gro√üe Rolle gespielt‚Äú, so Klenkhart. Die letzten L√ľcken auf eine 100%-Beschneiung will Dr. Karl in ca. 2‚Äď3 Jahren schlie√üen.
Ende nie: die 105 m lange Hauptpumpstation „Schlosserberg“ in der mittleren Bauphase. Foto: mak
Ende nie: die 105 m lange Hauptpumpstation ‚ÄěSchlosserberg‚Äú in der mittleren Bauphase. Foto: mak
Die technischen Voraussetzungen f√ľr diese eine Abfahrtsbeschneiung werden bereitsjetzt geschaffen. Selbst dann sollte sich aufgrund des gleichzeitigen Schneiens die Grundbeschneiungszeit nicht √ľber die jetzt prognostizierten 60 Stunden erh√∂hen. Zun√§chst aber gilt es, Anfang Dezember2007 mit der neuen Schnei-Armada in Betrieb zu gehen. Der Mountain Manager h√§lt St. Johann daf√ľr die Daumen!mak
Detailblick in den von der Firma AGB ausgestatteten Pumpenraum auf 4 von 9 Caprari-Pumpen. Foto: mak
Detailblick in den von der Firma AGB ausgestatteten Pumpenraum auf 4 von 9 Caprari-Pumpen. Foto: mak
- Oberbauaufsicht: Klenkhart & Partner Consulting ZT GesmbH Innsbruck
- Statik: IFS DI Gerhard Saurwein, Innsbruck
- Geolog. Bauaufsicht: Mag. Wolfram Mostler, Innsbruck
- Geotechn. Bauaufsicht: DI Dr. Hans Teindl ZT GmbH Innsbruck
- √Ėkolog. Bauaufsicht: Technisches B√ľro f√ľr Biologie
Mag. Irmgard Silberberger, St. Johann
- Speicherteich: Stöckl Franz GesmbH, Hollersbach
TEERAG ASDAG Kufstein
HOCH-TIEF-BAU IMST Wörgl
- Pumpstation: AGB GesmbH (Hydraulik) Hall
Elektro Berchtold GmbH Pettnau
TEERAG ASDAG Kufstein
- Schneileitung: Tiroler Röhren- und Metallwerke Hall
- Schneeerzeuger
- PE Rohre: INTERFAB Snowbusiness GmbH Innsbruck
- Folienverlegung: IAT GmbH. Weitensfeld