Mountain Manager
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Technik & Wirtschaft - Beschneiung

Jahrhundertprojekt zur Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen 2011

Ausgabe 4/2008

In Garmisch-Partenkirchen laufen die Baumaßnahmen fĂŒr die Ski-WM 2011 auf Hochtouren. FĂŒr die Neugestaltung der Rennstrecken werden 10 ha PistenflĂ€che komplett neu angelegt und 5 ha auf bestehendem GelĂ€nde adaptiert. Dadurch wird u. a. die berĂŒhmte Kandahar-Abfahrt noch schwieriger, zugleich aber auch fĂŒr die Zuschauer im Zielbereich durch das sichtbare SteilstĂŒck am Ende der Strecke attraktiver. Parallel wird die Beschneiungsanlage massiv ausgebaut, so dass kĂŒnftig 5 Talabfahrten in 70 Stunden beschneibar sein werden – eine Einzigartigkeit in Mitteleuropa. FĂŒr die Gesamtplanung und Oberbauaufsicht erhielt das IngenieurbĂŒro Klenkhart&Partner Consulting ZT GmbH den Zuschlag als Bestbieter bei den zwei EU-weiten Ausschreibungen (Kandaharabfahrtsstrecke und Slalomhang), bei der Schneitechnik fiel die Wahl auf LENKO mit 88 Schneeerzeugern.
Klenkhart-Projektleiter DI Christian Weiler (r.) mit Heinz Mohr, Chief of Sports der FIS Alpine Ski WM 2001 in Garmisch, an der Talstation der Kreuzeckbahn beim MM-Lokalaugenschein. Im Hintergrund das neue SteilstĂŒck der Kandahar-Abfahrt. Foto: mak
Klenkhart-Projektleiter DI Christian Weiler (r.) mit Heinz Mohr, Chief of Sports der FIS Alpine Ski WM 2001 in Garmisch, an der Talstation der Kreuzeckbahn beim MM-Lokalaugenschein. Im Hintergrund das neue SteilstĂŒck der Kandahar-Abfahrt. Foto: mak
Der Mountain Manager konnte sich am 28. Mai, dem Tag des offiziellen Baubeginns in diesem Jahr auf dem Garmischer Hausberg, von den gigantischen Ausmaßen dieses Jahrhundertprojektes „Ski WM 2011“ ĂŒberzeugen. Man hat es hier mit 7 getrennten Baustellen zu tun, die man in einem Tag gar nicht alle anfahren kann, ĂŒber 100 (!) Baumaschinen sind gleichzeitig im Einsatz. Die Koordination ist eine große logistische Herausforderung fĂŒr das IngenieurbĂŒro Klenkhart, die Projektleiter DI Christian Weiler bravourös managt. Dabei kommt ihm die Tatsache zugute, dass das IngenieurbĂŒro Klenkhart nun das 13. Jahr durchgehend in Garmisch tĂ€tig ist und sozusagen jedes verlegte Kabel und jeden Ansprechpartner kennt. Davon abgesehen mĂŒssen auch sehr gute Professionisten beauftragt werden, um die gesteckten Ziele ohne grĂ¶ĂŸere Probleme zu erreichen. Weiler hat hier in einer EU-weiten Ausschreibung, die aufgrund der zugeschossenen Fördermittel notwendig war, die bestmögliche Wahl getroffen: fĂŒr den Pistenbau eine 4er ARGE bestehend aus den Firmen HTB/TEERAG-ASDAG AG/Plattner/GebrĂŒder Haider, fĂŒr den Speicherteich die ARGE Haider/ TEERAG-ASDAG AG (Folie AGRU, verlegt von IAT), fĂŒr die Pumpstation Demac (Hydraulik + Elektrotechnik) und fĂŒr die Schneitechnik LENKO bzw. Saint Gobain fĂŒr die Guß-Rohre.
Nahaufnahme SteilstĂŒck neue Kandahar-Abfahrt mit 85 % GefĂ€lle. Foto: Klenkhart
Nahaufnahme SteilstĂŒck neue Kandahar-Abfahrt mit 85 % GefĂ€lle. Foto: Klenkhart
FĂŒnf beschneite Talabfahrten
„Jedenfalls ist in den letzten 20 Jahren in Bayern nicht soviel passiert im Pistenbau kombiniert mit Beschneiung, wie hier bei diesem Projekt“, verrĂ€t Weiler. „Auch in Österreich gibt es kaum ein solch intensives Projekt – am ehesten ist es noch mit den WM-AktivitĂ€ten in St. Anton am Arlberg zu vergleichen. Garmisch hat durch die Maßnahmen eine 5. Talabfahrt gewonnen, und alle 5 werden maschinell beschneibar sein; das ist einmalig in Mitteleuropa! 4 Talabfahrten hat es bisher schon gegeben, darunter aber nur eine beschneite. DafĂŒr wird eine Pumpleistung von 1 000 l/s zur VerfĂŒgung stehen, die aus einem bestehenden Speicherteich mit 45 000 m3 und einem neuen mit 75000 m3 gespeist wird. Diese Wassermenge reicht aus, um bis zu einer Temperatur von - 6° C auf voller Stufe Schnee produzieren zu können. Erst dann muss man regulieren“, so Weiler.
Talseitige Böschungssicherung mit rĂŒckverankerter HolzstĂŒtzwand im Bereich der FIS-Schneise. Foto: Klenkhart
Talseitige Böschungssicherung mit rĂŒckverankerter HolzstĂŒtzwand im Bereich der FIS-Schneise. Foto: Klenkhart
Der alte Schneitech Bödele befĂŒllt ĂŒbrigens den neuen. Die hier bereits bestehende Hauptpumpstation (AGB/Berchtold) soll deutlich vergrĂ¶ĂŸert werden und kĂŒnftig eine Pumpleistung von rund 330 l/s aufweisen (derzeit 140 l/s). Gemeinsam mit den bestehenden Pumpstationen am Hausberg und bei der Kreuzwankl-Talstation wird somit ab dem Winter 2008/2009 wie o. a. eine Gesamtpumpleistung von rund 1 000 l/s erreicht. „Im Bereich Kandahar soll alles bis Ende 2008 fertig sein, zumal dann eine Junioren WM + 4 Weltcup- Rennen stattfinden. NĂ€chstes Jahr geht es am Slalomhang Gudiberg noch weiter.“
Verbreiterung der FIS-Schneise (ausfĂŒhrende Firma: Arbeitsgemeinschaft HTB/TEERAG-ASDAG AG/Gebr. Haider). Foto: Klenkhart
Verbreiterung der FIS-Schneise (ausfĂŒhrende Firma: Arbeitsgemeinschaft HTB/TEERAG-ASDAG AG/Gebr. Haider). Foto: Klenkhart
Touristische AttraktivitÀt erhöht
Der Grund fĂŒr die getĂ€tigten Investitionen lag einerseits in der Erhöhung der LeistungsfĂ€higkeit des Skigebietes und somit Zukunftssicherung, andererseits in einer touristischen StĂ€rkung der Region mit dem Ziel der Nachhaltigkeit und Attraktivierung. Demnach wurde die StreckenfĂŒhrung der neuen Kandahar-Abfahrt so gewĂ€hlt, dass das Live-Publikum im Zielhang davon profitieren wird. „Die neue Kandahar-Abfahrt wird noch schwieriger werden als die KitzbĂŒheler Streif! Denn das letzte StĂŒck entspricht der Mausefalle – nur auf der Streif ist die nach 15 Fahrsekunden, wo die RennlĂ€ufer noch Kraft haben, hier ist das SteilstĂŒck mit Sprung am Schluss“, erklĂ€rt Weiler. Die alte Herrenabfahrt dient nun den Damen als Abfahrt! Daran sieht man, wie sich das Niveau verschoben hat.
Firma HTB, Innsbruck, bei den Rohrverlegungsarbeiten.
Firma HTB, Innsbruck, bei den Rohrverlegungsarbeiten.
Maßnahmen im Pistenbau
Einige Beispiele, wie sich die Pisten verĂ€ndert haben : Im Bereich der „FIS-Schneise“ wurde die bestehende Pistenbreite verdreifacht. Dabei wurden u. a. eine SkibrĂŒcke mit einer Spannweite von 25 m und einer Breite von 10 m sowie Böschungssicherungen mit rund 700 m2 rĂŒckverankerter HolzstĂŒtzwand errichtet (HTB). Beim „Tröglhang“ wird derzeit ein Skitunnel errichtet, um kĂŒnftig unabhĂ€ngig vom Trainings- und Rennbetrieb eine gefahrlose Querung der Skitouristen zu gewĂ€hrleisten. Dazu ist es auch notwendig, den vorhandenen mittleren Skiweg, welcher einen der Hauptzubringer in das Skigebiet darstellt, mit aufwendigen StĂŒtzmaßnahmen deutlich zu verbreitern.
Der Speicherteich Hausberg mit 75000 m3 Volumen war bereits in der Saison 2007/2008 im Einsatz. Foto: Klenkhart
Der Speicherteich Hausberg mit 75000 m3 Volumen war bereits in der Saison 2007/2008 im Einsatz. Foto: Klenkhart
Auch am Slalomhang „Gudiberg“ werden die im Vorjahr begonnenen Umbauarbeiten fortgesetzt. Durch den Ausgleich von stark exponierten GelĂ€ndestrukturen wird kĂŒnftig mit einer deutlich geringeren Schneemenge das Auslangen gefunden werden. Die VerlĂ€ngerung des Slalomhanges bis in das neue Ziel im Sprungstadion wurde ja bereits im Jahr 2007 umgesetzt. 2009 wird auch noch eine 4er-Sesselbahn auf den Gudiberg errichtet. Speicherteich Hausberg mit 75000 m3 Noch im Jahr 2007 wurde das 2006 geplante und genehmigte Projekt der Pistenadaptierungen und der Beschneiungsanlage inklusive dem 75 000 m3 fassenden Speicherteich im Bereich der Drehabfahrt umgesetzt. Den richtigen Platz zu finden fĂŒr das Bassin auf 1 500 m Höhe war nicht gerade einfach. Einerseits sollte es möglichst nahe der Piste sein, andererseits durfte ein angrenzendes geschĂŒtztes Moor auf gar keinen Fall in Mitleidenschaft gezogen werden. Der schließlich in Frage kommenden Platz musste einer Schlepplifttrasse weichen und neu verlegt werden. Weiters musste ein Berg abgetragen werden, so dass insgesamt 100 000 m3Aushubmaterial anfielen, das jedoch zur GĂ€nze im Pistenbau verwendet werden konnte. Die Firma Gebr. Haider aus Großraming fĂŒhrte diesen Auftrag wieder professionell  gemeinsam mit dem Subunternehmer IAT (Innovative Abdichtungs-Technologien), der mit der Folienverlegung (AGRU) beauftragt wurde, aus. Die Notentleerung des Speicherteiches erfolgt in einen geschĂŒtzten Wildbach, eine DrainageĂŒberwachung ist selbstverstĂ€ndlich. Durch die Höhenlage des Wasserbeckens kann in vielen Bereichen der Schneileitung mit Naturdruck gearbeitet werden, eine Druckreduzierung bis zu den Tal- SchneigerĂ€ten ist jedoch nicht notwendig.
43 lĂ€rmarme LENKO-Schneeerzeuger Whisper auf 6 m TĂŒrmen sind das RĂŒckgrat der neuen Beschneiungsanlage in Garmisch Partenkirchen. Foto: Klenkhart
43 lĂ€rmarme LENKO-Schneeerzeuger Whisper auf 6 m TĂŒrmen sind das RĂŒckgrat der neuen Beschneiungsanlage in Garmisch Partenkirchen. Foto: Klenkhart
Eine der leistungsstÀrksten Beschneiungsanlagen Deutschlands
Bei der Beschneiungsanlage selbst handelt es sich um eine der leistungsstĂ€rksten Deutschlands. Im oberen Streckenabschnitt wurden insgesamt 21 Zapfstellen, vollbestĂŒckt mit lĂ€rmarmen LENKO Propeller-Schneeerzeugern „Whisper“ mit zweistufigem Ventilatormotor auf höhenverstellbaren 6 m SchneitĂŒrmen „Winchtower“, im unterenStreckenabschnitt eine Hybridanlage mit insgesamt 26 Zapfstellen, vollbestĂŒckt mit zentralluftversorgten neuen LENKO Lanzen Orion installiert, die autonom betreibbar sind. ZusĂ€tzlich sind weitere 10 mobile Propeller-Schnee-Erzeuger im Einsatz. LENKO hat auch alle SchneischĂ€chte geliefert, beim Winchtower ist der große Schacht zugleich das Fundament. Der Vorteil des LENKO-Turmes ist neben seinem geringen Gewicht (2 Mann können ihn transportieren) die Erhöhung der Schnee-Produktionsleistung um ca. 20–25%. Heuer folgen im Bereich der Hornabfahrt weitere 22 Zapfstellen, vollbestĂŒckt wiederum mit lĂ€rmarmen Whisper Schneeerzeugern auf höhenverstellbaren SchneitĂŒrmen und 11 Zapfstellen, vollbestĂŒckt mit zentralluftversorgten Orion-Lanzen. Summa summarum kommen 88 LENKO-SchneigerĂ€te zum Einsatz, wobei fĂŒr jeden Anwendungsfall das beste System gewĂ€hlt wurde (Hybridanlage). LĂ€rmarme Schneeerzeugungsmaschinen vorgeschrieben Die Verwendung von lĂ€rmarmen Schneemaschinen war ein wesentliches Ausschreibungskriterium, da jede Kanone in Richtung Garmisch LĂ€rm abstrahlt. Bei Inbetriebnahme hat die Behörde extra noch eigene Schallmessungen durchgefĂŒhrt. „WĂ€ren diese Auflagen nicht erfĂŒllt worden, wĂŒrde die Anlage jetzt stillstehen“, betont Weiler. So aber konnte die enorme LeistungsstĂ€rke der Beschneiungsanlage bereits im Dezember 2007 unter Beweis gestellt werden, als in der letzten KĂ€lteperiode knapp vor Weihnachten die gesamte Drehabfahrt binnen 70 Stunden grundbeschneit werden konnte!
Holger StĂŒbner, Bereichsleiter Tirol und Vorarlberg bei der Firma Haider, zeichnete fĂŒr den Speicherteich verantwortlich. Foto: mak
Holger StĂŒbner, Bereichsleiter Tirol und Vorarlberg bei der Firma Haider, zeichnete fĂŒr den Speicherteich verantwortlich. Foto: mak
Ein Großteil der Dreh- und Hornabfahrt kann, wie bereits erwĂ€hnt, mittels Eigendruck beschneit werden. Nur fĂŒr den obersten Abschnitt sind 2 Mitteldruckpumpen erforderlich. ZusĂ€tzlich wird der Bereich „Kreuzwankl“ ĂŒber 3 HD-Pumpen mit Schneiwasser beschickt, alle von Caprari in einer neuen Demac-Pumpstation mit 260 l/s Pumpleistung (3,0 MW Anschlusswert) – samt Eigendruck von 200 l/s stehen dann enorme 460 l/s zur VerfĂŒgung. Die Garagierung der Schneeerzeuger ist im Obergeschoß der Pumpstation vorgesehen, unten befindet sich außer der Hydraulik ein Kompressorraum mit 2 Druckluftkompressoren a 132 kW, ein Service-/Wartungsraum und die 4 Trafos mit je 630 kVA – das ist im VerhĂ€ltnis zur beschneibaren FlĂ€che gar nicht so viel. FĂŒr die Strecke wurden 8000 lfm Gussrohre (Saint Gobain), 3 500 lfm Abwasserrohre und 14 000 lfm HDPE-Rohre verwendet.
Die neue Pumpstation beim Speicherteich Hausberg erhĂ€lt diesen Sommer noch ein Obergeschoß fĂŒr die Garagierung der Schneerzeuger. Foto: mak
Die neue Pumpstation beim Speicherteich Hausberg erhĂ€lt diesen Sommer noch ein Obergeschoß fĂŒr die Garagierung der Schneerzeuger. Foto: mak
70 Stunden Einschneizeit
Diese Beschneiungsanlage garantiert eine vollflĂ€chige Beschneiung aller versorgten PistenflĂ€chen binnen max. 70 Schneistunden – und zwar im Grenztemperaturbereich, den man in diesen Höhenlagen oft hat. Ab ca. - 3° C FKT schaltet man die Propeller ein, ab - 4,5 ° C die Lanzen. Eine große Hilfe ist dabei das sehr kalte Teichwasser von fast 0° C, das mittels Drucklufteinblasung umgewĂ€lzt wird. mak
Michael Manthai, ReprÀsentant von LENKO Deutschland, hat einen riesigen Auftrag eingefahren. Foto: mak
Michael Manthai, ReprÀsentant von LENKO Deutschland, hat einen riesigen Auftrag eingefahren. Foto: mak
Klenkhart Planungs- und Controllingleistungen
- Gesamtplanung der Rennstrecken (Abfahrt, Super-G und Riesentorlauf) und der Beschneiungsanlagen im Bereich Kandahar;
- Gesamtplanung der Rennstrecken (Slalom) und der Beschneiungsanlagen im Bereich Gudiberg;
- Schneitechnisches Grundsatzkonzept und Detailplanung Beschneiungsanlage und Speicherteich;
- EU-weite Ausschreibung und Oberbauaufsicht fĂŒr die Pistenverbreiterung im Bereich der FIS-Schneise (Bereich Kandahar);
- Öffentliche Ausschreibung und Oberbauaufsicht fĂŒr die Pistenadaptierungen, Einbindung des Slalomhanges in das Sprungstadion und die Verbindungsleitung zwischen dem Kainzenbad (Speicherteich) und der Hauptpumpstation der Beschneiungsanlage;
- Eu-weite Ausschreibungen und Oberbauaufsicht fĂŒr den Speicherteich, die Hauptpumpstation, die Schneitechnik, die Rohr- und Kabelverlegearbeiten (inkl. Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung) und die Technik (Hydraulik, E-Technik und Steuerung) der Hauptpumpstation sowie der Kompressorstation Horn.