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Technik & Wirtschaft - Beschneiung

TechnoAlpin: Fernbedienung und TurmschÀchte mit Sölden entwickelt

Ausgabe 8/2008

Die Bergbahnen Sölden haben schon viele Entwicklungen bei der Industrie ausgelöst. JĂŒngstes Beispiel ist eine Fernbedienung fĂŒr die Schneeerzeuger via Blue Tooth sowie ein spezieller, großer Schacht fĂŒr Turmkanonen (160x160x200 cm), der nicht nur gleichzeitig als Fundament dient, sondern auch viel Platz fĂŒr die Wartung bietet. TechnoAlpin hat sich dieser Ideen angenommen und nach einem halben Jahr Entwicklungszeit Prototypen an 10 Maschinen installiert. Inzwischen wurden alle 130 TĂŒrme ausgestattet. Über die BeweggrĂŒnde hat die MMRedaktion ein GesprĂ€ch mit Michael Maier, Betriebsleiter der Skiliftgesellschaft Sölden-Hochsölden, gefĂŒhrt.
Überreichung der Auszeichnung „Dank und Anerkennung“ fĂŒr die Firma Wintertechnik von der Wirtschaftskammer Niederöstereich an Thomas JĂŒrs (Mitte) und Irene Liftnegger am JubilĂ€umsfest. 2. V.l. Wirtschaftslandesrat LH-Stv. Ernest Gabmann. Foto:mak
Die neue Blue Tooth-Fernbedienung fĂŒr Schneerzeuger.
"TechnoAlpin hat ursprĂŒnglich an eine Fernbedienung mit SMS gedacht. Die Entscheidung fiel aber fĂŒr Blue Tooth – das ist bekanntlich nichts anderes, als eine Funkverbindung im Gigahertz- Bereich. Die ersten Fernbedienteile waren noch relativ unhandliche Brocken mit der GrĂ¶ĂŸe einer abgesetzten Tastatur eines Turmschneeerzeugers. Die serienreife Generation hat aber nur mehr Gewicht und GrĂ¶ĂŸe eines VielfachmessgerĂ€tes. Und, was sehr wichtig ist, eine einfache Bedienbarkeit. Display, Tastatur und MenĂŒfĂŒhrung sind ident wie bei der T60, das sichert die KontinuitĂ€t. Die Bedienung ist nahezu selbsterklĂ€rend wie bei einem Handy. Ausnahmslos alle Funktionen des Schneeerzeugers können, wie bei der örtlichen Tastatur, uneingeschrĂ€nkt bedient und abgelesen werden. Dadurch mĂŒssen sich die Schneimannschaften nicht noch ein GerĂ€t merken. Die Reichweite des Funksignals betrĂ€gt etwa 100 Meter.
Die Fernbedienungen werden natĂŒrlich mittels Akku betrieben und können im PistengerĂ€t mit 12/24V oder an einer Netzsteckdose geladen werden.
Wir sind jetzt noch in der Probephase, wir bleiben also quasi in guter Verbindung mit unseren Schneekanonen. Das System lÀuft vielversprechend, TechnoAlpin arbeitet permanent an Verbesserungen vor Ort in Sölden," berichtet Michael Maier.
Michael Maier, Betriebsleiter der Skiliftgesellschaft Sölden-Hochsölden, informierte den MM ĂŒber die neuesten Entwicklungen. Fotos: BB Sölden
Michael Maier, Betriebsleiter der Skiliftgesellschaft Sölden-Hochsölden, informierte den MM ĂŒber die neuesten Entwicklungen. Fotos: BB Sölden
Warum ĂŒberhaupt eine Fernbedienung?
"Technische Beschneiung findet nicht vor dem PC, sondern mit offenem Anorak im GelĂ€nde statt, und zwar bei 10 Grad minus und mehr. Da wird der Weg vom PistengerĂ€t oder SkiDoo zum Schneeerzeuger oft zur unvermeidbaren Dusche, die Kleidung wird nass – spĂ€testens beim Einsteigen in die Fahrerkabine. Ich glaube nicht, dass diese Ă€ußeren EinflĂŒsse den Arbeitsgeist bis in die Morgenstunden nachhaltig verbessern. Wir fordern von unseren Mitarbeitern bei der Beschneiung vollen Einsatz, es steht viel auf dem Spiel: nĂ€mlich ob das Skigebiet ĂŒberhaupt geöffnet werden kann, oder gar eine Woche frĂŒher?
Die Erfolge einer wirtschaftlichen Beschneiung resultieren aus dem Zusammenspiel von moderner Technik, und guter alter Kopfarbeit. Wo fehlt noch Schnee, wo reicht es fĂŒrs Erste? GelĂ€ndekenntnisse sind Grundvoraussetzung, sonst wird nicht selten ein weißer HĂŒgel zur braunen, unbrauchbaren Masse. Und der Schnee, der neben der Piste liegt, ist vielerorts verloren, und damit auch das anteilhaft vergeudete, kostbare Wasser aus dem Speicherteich.
Was leichter fĂŒr unsere Mitarbeiter durchfĂŒhrbar ist, wird auch wirklich getan. NatĂŒrlich muss die Sache finanziell vertretbar sein, die Effizienz darf bei einem Kostenbrocken wie den Schneeanlagen jedoch keinesfalls vernachlĂ€ssigt werden. Denn die Errichtungskosten sind ja lĂ€ngst nicht alles."
Die Fernbedienung arbeitet mit einer Funkverbindung im Gigahertz-Bereich
Die Fernbedienung arbeitet mit einer Funkverbindung im Gigahertz-Bereich
Billig ist es erst unter`m Strich …
Nun zur zweiten Entwicklung, den GroßschĂ€chten. Sölden hat sich bei der Schneeanlage Rotkogl fĂŒr eine VollbestĂŒckung mit TĂŒrmen entschieden und zusammen mit TechnoAlpin sehr viel "Hirnschmalz" in die Entwicklung neuartiger Lösungen gesteckt. Dazu Maier weiter: "Ein Element ist der bewusst große Unterflurschacht (160x 160x200 cm), der einmal ausreichend Platz fĂŒr Wartungsarbeiten bietet, und andererseits gleichzeitig das Fundament fĂŒr den Turm darstellt. So muss kein extra Turmfundament mehr betoniert werden. Dies stellt in steilem GelĂ€nde – nicht zuletzt finanziell – einen großen Vorteil dar. Ein separates Fundament fĂŒr den 3,5 m hohen Turm ist nicht gerade billig, oft sind fĂŒr das Betonieren Helikopter erforderlich.
Die Kabel und SchlĂ€uche mĂŒssen dann in den daneben stehenden Hydromatenschacht verlegt werden... Solche Fehler passieren leider hĂ€ufig schon bei der Ausschreibung, vor dem Bau der Schneeanlage. Im Ausschreibungstext fĂŒr die Schneeerzeuger sind meist die HydrantenschĂ€chte enthalten. Weil man in diesem (wie in jedem) Punkt sparen will, werden diese möglichst klein gehalten. Parallel dazu werden die Fundamente fĂŒr die daneben stehenden TĂŒrme bei den Baumeisterarbeiten ausgeschrieben. ZĂ€hlt man die Preise fĂŒr den (kleinen) Hydrantenschacht und das Fundament des Turmes jedoch erst einmal zusammen, kommt ein wesentlich höherer Preis fĂŒr das Gesamtpaket heraus, als bei unserer großen, selbsttragenden Schachtversion!

Baukastenlösung fĂŒr verschiedene Typen
Im oberen Teil bei unserer Schachtversion ist die gesamte Technik fix fertig vorinstalliert. Dieser braucht nur mehr auf den unteren Schachtring gehoben und angeschlossen werden. Speziell beim Bau von Schneeanlagen grĂ¶ĂŸeren Umfanges fĂ€llt dadurch ein erheblicher Teil der Endmontage im Feld weg. Weiters haben wir fĂŒr die Schachtinstallation eine Baukastenlösung fĂŒr die Typen Turm, Turm-Kombi, Oberflur und Unterflur entwickelt. Jeden dieser Typen können wir mit geringem Aufwand in eine jeweils andere Type umbauen, wenn uns kĂŒnftige Schneierfahrungen eines Besseren belehren sollten. So sind wir mehr als flexibel, und haben eine sehr effiziente Lösung. Obwohl wir die leistungsstĂ€rkste Propellermaschine von TechnoAlpin angekauft haben, wurden 27 Hydranten als AusfĂŒhrung Turm – Kombi errichtet, also mit einem zusĂ€tzlichen Hydromaten fĂŒr einen mobilen Schneeerzeuger ausgestattet. Bei dieser Vollausstattung bleibt auch in unserem Schacht nicht mehr viel Platz ĂŒbrig..."
Muster eines neuen, von TechnoAlpin gefertigten Turmschachtes (Variante Kombi), der zugleich als Fundament dient.
Muster eines neuen, von TechnoAlpin gefertigten Turmschachtes (Variante Kombi), der zugleich als Fundament dient.
Das beste Schlafmittel fĂŒr Touristiker
Abschließend formuliert Michael Maier ein Fazit: "Schneeanlagen werden heute fĂŒr eine immer kĂŒrzere Einschneizeit gebaut. Die Zeit selbst spielt eine immer grĂ¶ĂŸere Rolle. Die Schneitemperaturen werden zunehmend unverlĂ€sslicher. Nebenbei machen sehr kalte Perioden die Beschneiung aufgrund der wesentlich grĂ¶ĂŸeren Schneeproduktion erheblich wirtschaftlicher, der Energieverbrauch ist bei Propellermaschinen ĂŒber den gesamten Temperaturbereich, bei dem Beschneiung ĂŒberhaupt möglich ist, konstant. Unsere Mitarbeiter mĂŒssen bei immer grĂ¶ĂŸer werdenden Schneeanlagen auf z. B.wechselnde WindverhĂ€ltnisse reagieren. Wirtschaftliche Beschneiung resultiert aus dem Zusammenspiel von moderner Technik, und guter alter Kopfarbeit. Dann ist eine Schneeanlage wirklich das, was von einem unserer GeschĂ€ftsfĂŒhrer immer behauptet wird: Das beste Schlafmittel fĂŒr Touristiker."