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Technik & Wirtschaft - √Ėkologie

Gletscherbahnen Kaprun AG - Begr√ľnung in extremen Hochlagen

Ausgabe 6/2015

Im Winter viel Schnee und im Sommer gr√ľne Wiesen. Dass diese Idealvorstellung einer intakten Natur in Gletscherskigebieten nicht von ungef√§hr kommt, sondern mit viel Einsatz, Know-how und Fingerspitzengef√ľhl verbunden ist, zeigt das Beispiel Kitzsteinhorn.
Blick auf eine Sanierungsfl√§che vor Beginn der Ma√ünahmen. Fotos: If√Ė
Blick auf eine Sanierungsfl√§che vor Beginn der Ma√ünahmen. Fotos: If√Ė
Der Skiraum am Kitzsteinhorn beginnt in einer H√∂henlage von rund 2 000 m und reicht bis auf √ľber 3 000 m hinauf. Um das Angebot f√ľr ihre G√§ste interessant zu halten, hat die Gletscherbahnen Kaprun AG in den letzten Jahren viel investiert. Dabei ist den Verantwortlichen des Unternehmens der gr√∂√ütm√∂gliche Schutz der sensiblen hochalpinen Region ein Anliegen, mit dem man sich sehr bewusst auseinandersetzt.
So sind etwa ein Qualit√§ts- und Umweltmanagement bei den Gletscherbahnen Kaprun bereits seit vielen Jahren ein wichtiger Bestandteil der Unternehmenskultur. 2003 wurde das Unternehmen erstmals ISO zertifiziert nach 9001 f√ľr sein Qualit√§tsmanagement und 2008 nach ISO 14001 f√ľr sein vorbildliches Umweltmanagement. Diese Anstrengungen wurden dann 2011 mit dem ‚Äěpro natura ‚Äď pro ski AWARD‚Äú belohnt, der bedeutendsten Auszeichnung f√ľr beispielgebendes Umweltmanagement f√ľr Skigebiete im Alpenraum.
Die Begr√ľnung zeigt Wirkung.
Die Begr√ľnung zeigt Wirkung.
Projekt ‚ÄěKitzsteinhorn 2015‚Äú
Mit dem Projekt ‚ÄěKitzsteinhorn 2015‚Äú wurde 2007 eine Initiative ins Rollen gebracht, mit der Begr√ľnungsma√ünahmen systematisch in Angriff genommen werden. So umfasst ‚ÄěKitzsteinhorn 2015‚Äú die Erweiterung der Beschneiungsanlage auf s√§mtliche Pisten des Skigebietes und die skitechnische Adaptierung der Rinnen- bzw. Kristallabfahrt, auch bekannt als ‚ÄěBlack Mamba‚Äú. 2008 wurden die Vorhaben genehmigt, wobei das Projekt in √∂kologischer Hinsicht mit einer Sanierung weitgehend vegetationsloser alter Pistenabschnitte bzw. einer Begr√ľnung im Umfeld der baulichen Anlagen kombiniert wurde. Die Sanierungsma√ünahmen erstrecken sich auf eine Fl√§che von rund 5,5 ha, mindestens einmal im Jahr sollte ein schriftlicher Bericht √ľber den Fortschritt der Arbeiten erstellt werden.
2013 wurde das Projekt ‚ÄěKitzsteinhorn-Bahnen 2015‚Äú genehmigt. Es umfasst im Wesentlichen den Neubau der Tal- bzw. Bergstationen des Gletscherjets 3 bzw. 4 und die daf√ľr erforderlichen Infrastrukturma√ünahmen sowie eine Pistenadaptierung im Bereich des Ederweges sowie die Verlegung des Betriebsweges zur Materialseilbahn bei der Salzburger H√ľtte. Auch bei diesem Projekt wurden von der Beh√∂rde Sanierungsma√ünahmen und eine entsprechende schriftliche Dokumentation vorgeschrieben.
Um alle Parameter umsetzen zu k√∂nnen, holte sich die Gletscherbahnen Kaprun AG 2008 das Salzburger Institut f√ľr √Ėkologie OG/If√Ė unter Federf√ľhrung von Dr. Helmut Wittman und Dr. Thomas R√ľcker zur Seite. ‚ÄěMit diesem Gesamtkonzept kommt es letztendlich zu einer skisporttechnischen Optimierung und gleichzeitig zu einer Komplettsanierung des gesamten Skigebietes‚Äú, so Dr. Helmut Wittmann, ‚Äěd.h. das Skigebiet am Kitzsteinhorn wird letztendlich nicht nur skitechnisch, sondern auch im Hinblick auf √∂kologie- und naturschutzfachliche Anspr√ľche in einem Gesamtkonzept auf den Stand der Technik gebracht. In dieser Hinsicht, n√§mlich der gleichzeitigen Planung einer skitechnischen Optimierung kombiniert mit einer √∂kologischen- und naturschutzfachlichen Optimierung in einem Gesamtkonzept, das sowohl rechtlich als auch fachlich im wahrsten Sinne des Wortes stimmig ist, steht das Kitzsteinhorn sicherlich in √Ėsterreich einzigartig da. Dies wird auch von den beteiligten Beh√∂rden im vollen Umfang anerkannt. Auch die Salzburger Umweltanwaltschaft hat sich stets lobend √ľber dieses kompakte und gut abgestimmte Gesamtkonzept ge√§u√üert.‚Äú
Die vorgeschriebenen Jahresberichte werden nicht nur den zust√§ndigen Stellen zug√§nglich gemacht, sondern ver√∂ffentlicht und k√∂nnen auf der Homepage der Gletscherbahnen Kaprun AG eingesehen werden. Dazu Norbert Karlsb√∂ck, Vorstandsdirektor Gletscherbahnen Kaprun AG: ‚ÄěWir sind in den letzten Jahren mit unserer Begr√ľnung sehr erfolgreich gewesen und haben dabei sukzessive gelernt, welche Ma√ünahmen sich in unserer H√∂henlage im Vorfeld des Gletschers eignen. Wir stellen uns dieser Aufgabe ganz bewusst. Das ist eine gro√üe Herausforderung, auch finanziell. So investieren wir jedes Jahr rund 100 000 Euro allein f√ľr diesen Bereich.‚Äú Dazu werden die Sanierungsma√ünahmen von Mitarbeitern der Gletscherbahnen Kaprun AG selbst umgesetzt, sodass man die Spezialisten f√ľr diesen Bereich mittlerweile im eigenen Team hat.
Entwicklung der Sanierungsfläche.
Entwicklung der Sanierungsfläche.
Besondere Herausforderungen
Begr√ľnungsma√ünahmen in extremen H√∂henlagen stellen entsprechende Anforderungen. Dazu Dr. ¬¨Thomas R√ľcker, If√Ė: ‚ÄěDie Begr√ľnungen am Kitzsteinhorn stellen unter Ber√ľcksichtigung der au√üerordentlich gro√üen Fl√§chen die h√∂chstgelegenen Begr√ľnungsma√ünahmen im gesamten Alpenraum dar. Als besondere Herausforderung ist die extrem kurze Vegetationszeit von nur wenigen Monaten, zum Teil sogar nur wenigen Wochen hervorzuheben. Ein Vergleich mit anderen von uns betreuten Begr√ľnungsprojekten zeigt, dass die Verh√§ltnisse an der Nordabdachung des Alpenhauptkammes in niederschlagsreichen Lagen ‚Äď so, wie sie am Kitzsteinhorn vorliegen ‚Äď die Begr√ľnungsma√ünahmen an die Grenze des Machbaren bringen. Die logistische Umsetzung unmittelbar nach Abschmelzen des Schnees beginnen zu k√∂nnen und in der extrem kurzen Zeit Oberbodenauftrag, Einsaat, D√ľngung und Oberbodenfixierung durch Kokosgewebe gro√üfl√§chig realisieren zu k√∂nnen, ist alles andere als einfach. Mittlerweile ist die Interaktion zwischen Anleitenden und Ausf√ľhrenden nahezu perfekt, sodass man diesen extremen Herausforderungen au√üerordentlich gut begegnen kann.‚Äú
Alpine Vielfalt in den Begr√ľnungsfl√§chen.
Alpine Vielfalt in den Begr√ľnungsfl√§chen.
Zum Einsatz kommen bei den Arbeiten vor Ort zwei Methoden:
- Das Saat-Soden-Kombinationsverfahren, bei dem das Ausbringen standortgerechten Saatguts mit einem rasterartigen Einbau von Teilen der Naturvegetation kombiniert wird. Dadurch kommt es im Laufe der Jahre zu einer Ausbreitung jener Pflanzenarten, die nicht als Saatgut zur Verf√ľgung stehen und in der Folge zur Entwicklung einer Pflanzendecke, die weitgehend der nat√ľrlichen Vegetation entspricht.
- Oberbodenstabilisierung durch Geotextilien: Durch das langsame Wachstum der Vegetation in der extremen H√∂henlage muss der Oberboden durch Kokosmatten (von Aquasol), die langsam verrotten, vorr√ľbergehend stabilisiert werden.
Etablierung der Vegetation im Schutz des Kokosgewebes.
Etablierung der Vegetation im Schutz des Kokosgewebes.
Als Saatgut wird die ‚ÄěKitzmischung‚Äú verwendet, die vom Institut f√ľr √Ėkologie entwickelt wurde und von der K√§rntner Saatbau produziert wird. Ged√ľngt werden die Fl√§chen ebenfalls, allerdings mit geringen Mengen an D√ľnger, die daf√ľr √∂fter ausgebracht werden.
Die Entwicklung der Vegetation geht in alpinen H√∂henlagen im Vergleich mit Talwiesen merklich langsamer vor sich. Dennoch sind die Erfolge der Ma√ünahmen gut sichtbar. ‚ÄěDie Arbeiten sind in v√∂lliger √úbereinstimmung mit den naturschutzrechtlichen Bescheiden. Unterhalb vom Alpincenter ist ein Gro√üteil der Arbeiten bereits abgeschlossen, wenngleich Restarbeiten und vor allem auch Nachbesserungen noch notwendig sind. Die gro√üe Herausforderung f√ľr die n√§chsten Jahre ist die Sanierung des Umfeldes vom Alpincenter und die Einbindung der Fl√§chen rund um die Errichtung der Gletscherjets 3 und 4. Mit dem bisherigen Verlauf sind wir zufrieden, wenngleich wir gelernt haben, dass in der extremen Situation ‚Äď wie am Kitzsteinhorn ‚Äď die Natur nat√ľrlich ihre Zeit braucht‚Äú, so die Spezialisten des If√Ė. dwl

Infos: www.kitzsteinhorn.at
www.ifoe-og.at