Mountain Manager
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Technik & Wirtschaft - Sicherheit

PETZL: Training f√ľr den Ernstfall

Ausgabe 7/2007

Die Personenbergung aus Sessel- bzw. Kabinenbahnen gehört zu den gefährlichsten Aufgaben der Flugrettung. Zuverlässiges Material und eine optimale Ausbildung sind deshalb unumgänglich.
√úben am 8er-Sessel mit Bubble in der Station. Fotos: dwl
√úben am 8er-Sessel mit Bubble in der Station. Fotos: dwl
Die Ausbildung zum Bergungsspezialisten beim √ĖAMTC stellt hohe physische und psychische Anforderungen. Nur so wird sichergestellt, dass im Notfall alle Rettungsma√ünahmen reibungslos funktionieren. Ein Modul im Rahmen der umfassenden Schulung, die sowohl theoretisches wie auch praktisches Wissen vermittelt, besch√§ftigt sich mit der Seilbahnbergung. Sie z√§hlt zu den gef√§hrlichsten Eins√§tzen im alpinen Raum und wird deshalb in allen Details analysiert, vorbereitet und entsprechend trainiert. Aufgrund ver√§nderter seilbahntechnischer Voraussetzungen hat der √ĖAMTC gemeinsam mit PETZL daf√ľr ein neues System entwickelt, das mittlerweile in ganz √Ėsterreich angewendet wird. Kernpunkt der Systemumstellung ist der Einsatz von 2 Flugrettern, deren Aufgaben exakt aufeinander abgestimmt wurden. Der MOUNTAIN MANAGER hatte im Oktober in Hintertux Gelegenheit, sich ein Bild von der Ausbildung, der engagierten Mannschaft und dem eingesetzten Material zu machen.
Der Helikopter bringt die Flugretter zum Einsatzort, Ausbilder beobachten die Szene vom Boden aus.
Der Helikopter bringt die Flugretter zum Einsatzort, Ausbilder beobachten die Szene vom Boden aus.
Optimale Vorbereitung
Vom 12. bis zum 14. Oktober trafen sich 12 HCMs (Hems Crew Members) und 6 Ausbilder zum Schulungsmodul VIII ‚ÄěLiftanlagen und Seilbahnen‚Äú am St√ľtzpunkt ‚ÄěAlpin 5‚Äú in Hintertux. Der St√ľtzpunkt, der so wie die Beispiele in St. Anton, S√∂lden, Lech und Patergassen nur im Winter etrieben wird, wurde 2003 neu errichtet und bietet auf einer Fl√§che von 400 m2 modernste Geb√§udetechnik und alle Einrichtungen, die f√ľr einen Helikopterst√ľtzpunkt n√∂tig sind.
Den Beginn der Ausbildungsma√ünahmen bildete ein Vortrag von Franz Mader, Betriebsleiter der Zillertaler Gletscherbahnen GmbH & Co KG, der die Aufgaben und Zust√§ndigkeiten eines Betriebsleiters¬† im Ernstfall sowie die technischen Daten der Fahrbetriebsmittel wie Klemmen oder Verriegelungsmechanismus von Kabinen vorstellte. Dann ging es hinauf zum 8er-Sessel Horbergbahn und zur 4 EUB Rastkogelbahn. Am Beispiel des 8er- Sessels wurden in Vorbereitung eines entsprechenden Helikoptereinsatzes am n√§chsten Tag in der Talstation alle Schritte ge√ľbt, die im Falle einer Bergung zu unternehmen sind. Als besondere Herausforderung erwies sich dabei das Absetzen des Retters an sich, der am Sessel f√ľr alle folgenden Aufgaben den geeigneten Landungs- bzw. Sicherungspunkt finden muss. Auch die Fixierung eventuell vorhandener Bubbles ist ein wichtiges Kriterium, bevor die Instruktion der Fahrg√§ste, die Verteilung der Petzl-Bergedreiecke und die Vorbereitung der weiteren Ma√ünahmen erfolgen k√∂nnen.
Einblick in die Bergepraxis gab es dann in der √úbung an der Rastkogelbahn. Hier wurden in 2 Uml√§ufen mit Bergrettern besetzte Kabinen auf die Strecke gebracht unddurch Anhalten der Bahn ein Notfall simuliert. 2 Flugretter wurden per Helikopter an einem 10 m langen Seil (Durchmesser 12 mm, Bruchlast 4 300 kg) mit der n√∂tigen Ausr√ľstung zum Kabinendach verbracht. Einer der Retter leitete in der Folge die Sicherungs- und Rettungsma√ünahmen auf und in der Kabine, w√§hrend der zweite bereits einen weiteren Flugretter aufnehmen und zum Einsatz bringen konnte. Um hier den Transport der lugretter, des Materials und die anschlie√üende Bergung der Personen schnell und effizient durchf√ľhren zu k√∂nnen, bedarf es einer optimalenOrganisation und Einteilung ‚Äď schlie√ülich muss das Entleeren einer Seilbahn laut Gesetz innerhalb von 4 Stunden abgeschlossen sein.
Die einzelnen Bergeschritte wurden auf Video festgehalten, sodass im Anschluss eine genaue Analyse der Maßnahmen erfolgen kann. Nach jedem Einsatz fand eine Mannschaftsbesprechung statt, in der die Erfahrungen und aufgetretene Probleme diskutiert wurden.
1 Flugretter hat sich am Kabinendach gesichert und beginnt seinen Einsatz, der 2. Flugretter wird zum nächsten Bergeschritt geflogen.
1 Flugretter hat sich am Kabinendach gesichert und beginnt seinen Einsatz, der 2. Flugretter wird zum nächsten Bergeschritt geflogen.
Petzl ‚Äď 30 Jahre Erfahrung
Alle eingesetzten Rettungs- und Sicherungsmaterialien (au√üer dem Bergetau am Helikopter), die man vor Ort zum Einsatz brachte, stammten von Petzl. Das Unternehmen, das auf eine 30-j√§hrige Erfahrung verweisen kann, istspezialisiert auf die Herstellung von pers√∂nlicher Schutzausr√ľstung¬† gegen Absturz und bietet ein umfangreiches Sortiment an Gurten, Helmen, Verbindungsmitteln, Abseilger√§ten, Stirnlampen etc.
Bei der Produktion standen von Anfang an sinnvolle Innovationen sowie einfache, intelligente und effektive L√∂sungen im Blickpunkt, sodass Petzl-Produkte heute f√ľr ihre Qualit√§t und Zuverl√§ssigkeit bekannt sind. Gew√§hrleistet wird das durch eine ISO 9001-Zertifizierung sowie eine Reihe von visuellen und individuellen Tests, denen die Produkte unterzogen werden. Seit 1992 ist jedes St√ľck der pers√∂nlichen Schutzausr√ľstung von Petzl mit einer Nummer gekennzeichnet, sodass jedes Produkt exakt eingeordnet und zur√ľckverfolgt werden kann.

Infos: mberger@petzl.at
Die Personen aus der Kabine werden abgeholt, transportiert werden bei einer Rotation maximal 3 Personen + 1 Flugretter.
Die Personen aus der Kabine werden abgeholt, transportiert werden bei einer Rotation maximal 3 Personen + 1 Flugretter.
Kursprogramm:
Bergungsspezialist, Modul VIII Liftanlagen und Seilbahnen: ausgebildet wurden 12 HCM (Hems Crew Members)
Kursleiter: Franz Kröll
Trainer: Heli Mittermayr, Peter Lippert,
Api Prugger, Markus Amon, Christian Hotter
Petzl-Material/Auszug:
PAW P63M: Riggingplatte

ANNEAU C40: genähte Rundschlinge aus Gurtband
Am‚ÄôD TRIACT-LOCK (M34SL ‚Äď M34BL ‚Äď M34-TL): asymmetrischer Verriegelungskarabiner OK TRIACT-LOCK M33TL: symmetrischer Karabiner mit automatischem Verriegelungssystem
BERMUDE C80: Rettungsdreieck ohne Schultergurtb√§nder f√ľr alle Gr√∂√üen
VERTEX¬ģ BEST A16: Helm f√ľr H√∂henarbeit und Rettung
NAVAHO¬ģ BOD FAST C710F0: Mehrzweck-Auffanggurt und Haltegurt
WALLSTEP C01: Trittleiter mit 7 Stufen
GRILLON: Verbindungsmittel
ASCENSION: Steigklemme
ID: Abseilgerät