Mountain Manager
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Technik & Wirtschaft - Sicherheit

Ingenieurb√ľro Brandner: Sicherheitsanspr√ľche in Europa immer noch unterschiedlich

Ausgabe 02/2011

Dipl.-Ing. Andreas Brandner bringt sein Fachwissen in internationalen und nationalen Normungsgremien ein. F√ľr den Mountain Manager hat er die derzeitigen Fragestellungen und die daraus resultierende Problematik zusammengefasst.
Dipl.-Ing. Andreas Brandner. Fotos: Ingenieurb√ľro Brandner
Dipl.-Ing. Andreas Brandner. Fotos: Ingenieurb√ľro Brandner
MM-Frage: In welchem Normungsgremium bzw. Normungsgremien arbeiten Sie mit und wie lange schon?

Andreas Brandner: Ich arbeite derzeit in zwei internationalen und nationalen Normungsgremien mit, es sind dies f√ľr Seilbahnen im nationalen Bereich das ONK-212 bzw. im europ√§ischen Bereich das CEN/TC 242 working group 2 und 7, die sich mit den Normen EN 129291, EN 129292, EN 12830, EN 13107 besch√§ftigen sowie f√ľr Ingenieurdienstleistungen allgemein im europ√§ischen Bereich CEN/TC 395 working group 1, im nationalen Bereich ONK-01810, wo Ingenieurleistungen allgemein auf eine einheitliche Stufe gestellt werden sollen. Ich arbeite in den genannten Gremien seit 2009/2010 mit.

MM-Frage: Was war f√ľr Sie der Anlass, sich hier aktiv einzubringen?

Brandner: Anlass, mich f√ľr eine Mitarbeit zu interessieren, war einerseits der Wunsch, die bisher erworbenen Erfahrungen auf dem Gebiet der Planung und Ausf√ľhrungs√ľberwachung einbringen zu k√∂nnen und zu versuchen, die bestehenden Unterschiede auf europ√§ischer Ebene etwas zu verringern. Dies wird auch in dem zweitgenannten Normungsausschuss versucht, der eine grenz√ľbergreifende T√§tigkeit in Europa erleichtern soll.
Die Planung von Seilbahnanlagen geh√∂rt zu den Kernkompetenzen des Ingenieurb√ľros Brandner.
Die Planung von Seilbahnanlagen geh√∂rt zu den Kernkompetenzen des Ingenieurb√ľros Brandner.
MM-Frage: Woran wird gerade gearbeitet, wo sind Neuerungen bzw. √Ąnderungen zu erwarten?

Brandner: Derzeit wird im TC 242 WG 2 an der √úberarbeitung und Revision der Normen EN 129291, EN 129292 und EN 12930 sowie in der WG 7 an der Revision der EN 13107 gearbeitet. Dabei sollen die Erfahrungen mit diesen Normen in den vergangenen 5 bis 7 Jahren seit Einf√ľhrung einflie√üen und die Normen durchg√§ngig auf das semiprobabilistische Sicherheitskonzept umgestellt werden. Dies insbesondere unter dem Gesichtspunkt, dass f√ľr die verbundenen Bau-, Material- und Bemessungsnormen nunmehr teilweise bereits harmonisierte Normen auf europ√§ischer Ebene eingef√ľhrt wurden und diese ebenfalls umzusetzen sind. Insbesondere bei der EN 13107 sollen dabei Ans√§tze f√ľr Einwirkungen aus Wind, Schnee und Eis, Erdbeben auf die nunmehr g√ľltigen Bemessungsnormen abgestimmt werden.
In Ischgl gibt es ab Sommer 2011 einen neuen Erlebnissteig zur Idalp mit insgesamt 2 H√§ngebr√ľcken.
In Ischgl gibt es ab Sommer 2011 einen neuen Erlebnissteig zur Idalp mit insgesamt 2 H√§ngebr√ľcken.
Ingenieurmäßiges Denken ist gefragt
MM-Frage: Mit welchen Auswirkungen auf die Branche rechnen Sie? Wo liegt der Kernpunkt und welche Probleme/Herausforderungen sehen Sie?

Brandner: Mein Wunsch und Hoffnung als Planer w√§re der, dass es doch endlich zu einer einheitlichen gesamteurop√§ischen Norm kommt. Das Problem liegt aus meiner Sicht jedoch generell in der unterschiedlichen Betrachtungsweise und Sicherheitsanspruchsdenken in Europa, wodurch auch bei harmonisierten Normen noch heute Unterschiede bestehen, die rein technisch nicht nachvollziehbar sind. Nachdem aber die Seilbahnnormen mit diesen Normen verquickt sind, ist eine kurzfristige √Ąnderung und Vereinheitlichung nicht in Aussicht.
Die Herausforderung an die Mitglieder der Normungsgremien sehe ich in der Aufgabe, langfristig gepflegte Traditionen aufzugeben und sich rein auf die technischen Anspr√ľche zu konzentrieren. Um jedoch dies erreichen zu k√∂nnen muss in Zukunft mehr analysiert und dokumentiert werden, damit Erkenntnisse nicht nur aus der Analyse von Unf√§llen kommen, sondern ausreichend Daten vorhanden sind, die es uns erm√∂glichen, die f√ľr die sinnvolle Anwendung des semiprobabilistischen Sicherheitskonzeptes notwendigen Eingangsfaktoren mit ausreichender aber trotzdem nicht √ľbertriebener Vorsicht w√§hlen zu k√∂nnen.
Damit w√§re es dem Planer m√∂glich, trotz Umstellung der Normen sichere und nicht, wie derzeit von den Kunden = Betreibern kritisiert, √ľbertrieben sichere Anlagen planen zu k√∂nnen. Dies ist jedoch nur mit ingenieurm√§√üigem Denken und nicht mit Kochrezepten m√∂glich.

MM-Frage: Wie waren Sie im Rahmen Ihres Ingenieurb√ľros mit dem Jahr 2010 zufrieden?

Brandner: Das vergangene Jahr 2010 war aus meiner Sicht durchaus erfreulich. Dadurch, dass unser B√ľro nicht ausschlie√ülich im Bereich Seilbahnen und Tourismus t√§tig ist, waren wir sehr gut ausgelastet.
Die Anlage von Wanderwegen bzw. Erlebnissteigen erfordert viel Fingerspitzengef√ľhl und Know-how bei der Planung.
Die Anlage von Wanderwegen bzw. Erlebnissteigen erfordert viel Fingerspitzengef√ľhl und Know-how bei der Planung.
MM-Frage: Bei welchen Projekten war Ihr Fachwissen gefragt, was wurde gemacht?

Brandner: Wir haben in unserem B√ľro vielf√§ltige interessante Projekte bearbeitet bzw. sind noch in der Bearbeitung¬† seien es Pistenbauten am Arlberg, Erlebnissteige mit H√§ngebr√ľcken in Ischgl, Seilbahnanlagen am Sonnenkopf in Kl√∂sterle oder auch Mitarbeit zur Verl√§ngerung der Konzession bestehender Anlagen. Dabei m√∂chte ich auf die unterschiedliche Betrachtungsweise in den einzelnen Bundesl√§ndern bzw. durch die Oberbeh√∂rde in Wien verweisen, die nicht nur aus meiner Sicht zur Verwaltungsvereinfachung einer vern√ľnftigen Abstimmung bedarf.
Unser Know-how auf dem Sektor Bauen im Gebirge brachte uns Anfragen und Projekte aus Indien, Australien, Rum√§nien, Norwegen sowie dem mittleren Osten, bei denen wir durch unsere Planungsleistungen auch Hersteller aus √Ėsterreich mitziehen konnten bzw. f√ľr diese unser technisches Know-how einsetzten.

MM-Frage: Woran arbeiten Sie gerade?

Brandner: Derzeit arbeiten wir an Projekten in Vorarlberg, Tirol, dem mittleren Osten aus den Bereichen Seilbahnen, touristische Infrastruktur sowie Sicherung vor Naturgefahren.