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Technik & Wirtschaft - Ticket & Kontrollsysteme

Urs Grimm, SkiData: Freemotion wird das Tor zur Zukunft öffnen

Ausgabe 8/2005

Urs Grimm ist seit 1. Juli Gesch√§ftsf√ľhrer bei SkiData im Bereich People Access und Vorstandsmitglied. Grimm war zuvor GF der Bergbahnen Engadin in St. Moritz und hat daher als Ex-Anwender einen speziellen Zugang zu dieser Materie, was schon fruchtbare Diskussionen bei SkiData ausl√∂ste... Vor allem ist Grimm aber Vision√§r und vertritt mit Leidenschaft das neue Zugangs-System "Freemotion", das die Wintersportwelt revolutionieren sollte.
Interviewpartner Urs Grimm, Gesch√§ftsf√ľhrer bei SkiData im Bereich People Axess, kommt von der Anwenderseite. Dementsprechend kundenorientiert ist sein Blick in die Zukunft.
Interviewpartner Urs Grimm, Gesch√§ftsf√ľhrer bei SkiData im Bereich People Axess, kommt von der Anwenderseite. Dementsprechend kundenorientiert ist sein Blick in die Zukunft.

MM-FRAGE: "Urs wie hast Du Dich nach einem halben Jahr bei SkiData in diese große Herausforderung eingearbeitet, wie ist dein spezieller Zugang zu dieser Materie als Ex-Anwender?"

 

Grimm: "Aus meiner Sicht hat es sich als gro√üer Vorteil erwiesen, das Gesch√§ft von der Anwenderseite her zu kennen. Ich konnte durch diese jahrelangen Erfahrungen in die speziellen Anforderungen, W√ľnsche & Probleme der Kunden bereits einige interessante Diskussionen intern ausl√∂sen. Wir arbeiten zur Zeit sehr intensiv daran, dass sich unsere Systeme zuk√ľnftig noch einfacher installieren lassen, sich permanent selbst diagnostizieren, die Fernwartbarkeit noch weiter ausgebaut wird und wir damit unseren Kunden einen Zuverl√§ssigkeitsgrad der Systeme bieten, die sich an den Anforderungen eines Flughafens orientieren, wo unsere Car Access Systeme 365 Tage lang, 24 Stunden gr√∂√ütm√∂gliche Ausfallssicherheit gew√§hren."

Das neue Freemotion-Gate von SkiData ist grundsätzlich offen...
Das neue Freemotion-Gate von SkiData ist grundsätzlich offen...

MM-FRAGE: "Was wird sich bei SkiData ändern bzw. hat sich geändert, seitdem Du dabei bist? Wie unterscheidest Du Dich von deinem Vorgängern, bringst du neue Aspekte rein?"

 

Grimm: "Der neue Aufbau der Organisation,der zu Beginn dieses Jahreseingeleitet wurde, ist nun weitgehend abgeschlossen. Die st√§rkere Endkundenorientierung ist deutlich zu sp√ľren und auch das Denken, Gesamtl√∂sungen f√ľr die Bed√ľrfnisse und Anforderungen unserer Kunden zu entwickeln, die weit √ľber das hinaus gehen, was unsere Branche bisher gewohnt war sind in der neuen Organisation manifestiert. Wir sprechen inzwischen vom ,Access for Future' und meinen damit Gesamtl√∂sungen, die jederzeit in bestehende Systemumgebungen integriert werden k√∂nnen, oder die auch f√§hig sind, sich schnell zuk√ľnftigen technischen Innovationen anzupassen. Der Gesamtnutzen und das Bed√ľrfnis des Kunden stehen im Vordergrund der √úberlegungen und nicht die technischen Erkl√§rungen, warum etwas vielleicht nicht funktionieren k√∂nnte. Zur Frage ,Unterscheidung zum Vorg√§nger': es gab in dem von mir nun geleiteten Bereich keinen Vorg√§nger, da diese Stelle im Rahmen der Neuorganisation der SKIDATA T geschaffen wurde. Ich kann daher auch gar keine Vergleiche mit Vorg√§ngern anstellen, was ich im √ľbrigen auch nicht machen w√ľrde, h√§tte es einen gegeben. Denn jeder Mensch hat unterschiedliche St√§rken und Schw√§chen. Ich bin mir jedoch sicher, dass ich mit meinem Pers√∂nlichkeitsprofil und den Berufserfahrungen hervorragend zur SKIDATAT passe und diese mit Sicherheit in eine erfolgreiche Zukunft f√ľhren werde."

 

MM-FRAGE: "Welche Zukunftsvorstellung hast Du von einem im Freizeitgeschäft wettbewerbsfähigen Wintersportgebiet, wohin kann und soll hier die Reise gehen?"

 

Grimm: "Meiner Meinung nach geht der Trend hin zum umfassenden Service am Gast. Das ist mehr als modernste Aufstiegshilfen und bestens pr√§parierte Pisten anzubieten, sondern eine Erlebniswelt Berg, in der alles leicht und bequem funktioniert, wo Spannung und Spa√ü herrschen und wo Urlaubsgef√ľhle aufkommen. Die Gewohnheiten der neuen Generationen, sich dieses Urlaubsgef√ľhl zu g√∂nnen, sind gerade dabei, sich dramatisch zu ver√§ndern. Alpine Tourismusdestinationen m√ľssen daher mehr dazu √ľbergehen, f√ľr eine kontinuierliche, proaktive Ansprache Ihrer Zielgruppen zu sorgen. Gleichzeitig m√ľssen sie auch mehr in die Beziehungspflege zu ihren bestehenden G√§sten investieren. F√ľr uns wird vor allem die Tatsache Bedeutung haben, dass auch der Wintersportgast es als selbstverst√§ndlich betrachten wird, das touristische Angebot ganz einfach buchen zu k√∂nnen. Wir werden daher unsere Kunden zuk√ľnftig unterst√ľtzen m√ľssen, Gesamt-Packages leicht und dynamisch schn√ľren zu k√∂nnen, Leistungen wie Bergbahn, Skiverleih, Skischule, Parken, Hotelzutritt, etc. wie selbstverst√§ndlich als gemeinsames Ganzes anzubieten - ganz egal welche Besitzverh√§ltnisse in der Destination herrschen. Die entsprechende Abrechnung wird nicht nur mehr unter den verschiedenen Bergbahngesellschaften zu passieren haben, sondern auch unter vielen verschiedenen Leistungserbringern. Ich meine daher, dass der Begriff Destinationsmanagement f√ľr Wintersportregionen nicht nur mehr eine Worth√ľlse sein wird, sondern ein MUST, um sich erfolgreich vermarkten zu k√∂nnen. S√§mtliche Angebotsszenarien von Fr√ľhbucher-Bonisystemen bis hin zu Spontanbucheraktionen m√ľssen f√ľr eine ganze Destination per Knopfdruck realisierbar sein, um dem Wettbewerb und den damit verbundenen neuen Reisegewohnheiten der G√§ste gerecht zu werden. Und wahrscheinlich werden noch ganz andere, heute noch unvorstellbare Marketingaktivit√§ten zu realisieren sein. Ich denke auch, dass man die G√§ste zuk√ľnftig nicht mehr mit der heutigen Tarifsystematik bei den Bergbahnen begeistern k√∂nnen wird, sondern eine Generation, die mit Werbeslogans wie ,geiz ist geil' oder ,eat what you want' aufgewachsen ist, mit neuen Tarifans√§tzen √ľberraschen m√ľssen wird. Auch wenn es heute noch unrealistisch klingt, aber was spricht in der Tarifsystematik gegen ein Angebot ,Wintersport um 10 Cent in der Minute'?! Es wird meiner Meinung daher nicht nur wichtig sein, die jungen Generationen durch Skikursaktionen an den Wintersport heranzuf√ľhren, sondern auch ihren gewohnten Konsumanspr√ľchen gerecht zu werden, die im touristischen Kontext ja bereits bei den Billigfliegern Einzug gehalten haben."

...und sperrt nur bei einem ung√ľltigen Passierversuch ab. Das erh√∂ht das Zugangstempo der Wintersportler wesentlich.
...und sperrt nur bei einem ung√ľltigen Passierversuch ab. Das erh√∂ht das Zugangstempo der Wintersportler wesentlich.

MM-FRAGE: "Das momentane Highlight bei SkiData ist ja das System Freemotion. Ihr sprecht von einer Revolution f√ľr die Wintersportwelt. Kannst Du kurz das vision√§re Potenzial darstellen, das in Freemotion steckt?"

 

Grimm: "Unsere FREEMOTION-Idee mit der Open Gate-Technologie baut auf √úberlegungen auf, die zu mehr Komfort f√ľr den Gast f√ľhren bei gleichzeitig pr√§ziserer Kontrolle. Nachdem es in der Regel viel mehr G√§ste mit berechtigten Tickets gibt als mit gar keinen oder ung√ľltigen Tickets, l√§sst sich durch das bedingte Offenhalten des Drehkreuzes ein weitaus h√∂heres Abfertigungstempo und mehr Komfort f√ľr den Gast erzielen - d. h., wer einen g√ľltigen Skipass hat, kommt schneller zu den Aufstiegshilfen. Das ist auch nur fair, denn warum sollten die ehrlichen, zahlenden Skifahrer nur wegen einigen M√∂chtegern-Schwarzfahrern Nachteile erfahren m√ľssen? Gleichzeitig sind wir dank moderner Technologien nun soweit, Schwarzfahrer sicher zu erkennen und ihnen das Handwerk zu legen."

 

MM-FRAGE: "Es geht dabei auch um einen Paradigmenwechsel, also dass der Skifahrer plötzlich vor offenen Drehkreuzen statt geschlossenen steht. Wie werden die Wintersportler darauf reagieren? Hat man das ,getestet', gibt es hier Aufklärungsarbeit oder stellen sich die Leute sofort (dankbar) um?"

 

Grimm: "Es war uns sehr wichtig dieses neue System ausgiebigen Feldtests zu unterziehen, bevor wir zur Nullserie √ľbergehen. Die im letzten Jahr in S√∂lden gewonnenen Erfahrungen haben wir in die Nullserie perfekt einflie√üen lassen. Diese Saison werden wir die Nullseriensysteme in ausgesuchte Gebiete liefern. Die darauf folgende Saison wird FREEMOTION die gesamte Schneesportwelt erobern. Das ,Open Gate'-Prinzip hat sich von Anfang an voll bew√§hrt, die G√§ste haben diesen bequemeren Zugang dankend angenommen. Nach kurzer Umgew√∂hnungsphase waren sie mit dem System vertraut und haben die neue Zugangssituation bei Befragungen als √§u√üerst sympathisch und innovativ bewertet."

 

MM-FRAGE: "Ich denke, bei euren √úberlegungen geht es nicht nur um technologische Fortschritte, die z. B. das Handling bzw. die Abwicklung einfacher machen, sondern auch um Effekte, welche die Seilbahnunternehmen im Wettbewerb der Destinationen unterst√ľtzen und den Wintertourismus insgesamt gegen√ľber Sea & Sun-Tourismus st√§rkt. Kannst du mir da deine Position genauer beschreiben?"

 

Grimm: "Die alpinen Tourismusdestinationen sind f√ľr uns sehr wichtig. Unsere T√§tigkeit als Solutionsystemintegrator f√ľr Destinationsmanagement nehmen wir sehr ernst. Es ist uns wichtig, mit unseren L√∂sungen multiapplikations- und multiplattformf√§hig zu sein - so wie wir das bereits mit der All Access Card (ACC) unter Beweis stellen. Das Ziel dabei ist immer, den Zugang zu den touristischen Leistungen zu vereinfachen und damit beizutragen, dass ein gezielter Einsatz und die Verkn√ľpfung modernster Technologien dazu f√ľhrt, dass die alpinen touristischen Destinationen im Vergleich zum Wettbewerb am internationalen Tourismusmarkt bestehen k√∂nnen."

 

MM-FRAGE: "Stichwort Destinationsmanagement. Welche Hilfen gibt hier eure moderne Software z. B. f√ľr die Tourismusverb√§nde sowie die Leitbetriebe der Region (Bahnunternehmen, Hotels, Skiverleih, Skischule etc.)? Wird dadurch professionelles Destinationsmanagement erst m√∂glich?"

 

Grimm: "FREEMOTION bietet offene Schnittstellen in alle Richtungen. Somit kann unser System mit allen heute in der IT vorstellbaren Systemvarianten in Kontakt treten, Daten austauschen, analysieren und entsprechende Ableitungen vornehmen. Zudem stellen wir heute eine universell einsetzbare Buchungsplattform ,Direct to Access' (vormals ,Direct to Lift') zur Verf√ľgung."

 

MM-FRAGE: "Durch die Ben√ľtzung der Tickets werden ja eine F√ľlle von Daten generiert. Wie kann man diese f√ľr Kundenbindungsstrategien (CRM) einsetzen? Und wer schult die Anwender darauf hin?"

 

Grimm: "Eine dieser Schnittstellen stellt der sogenannte CRM Connector dar, der es erlaubt, die aus unserem System generierten Daten in ein professionelles CRM System √ľberzuleiten. Das sind nicht nur Daten √ľber die Kunden, sondern vor allem Daten √ľber deren Gewohnheiten und die damit verbundene Wertsch√∂pfung. Diese Daten stellen f√ľr Dritte wie z. B. Banken, Autohersteller etc. einen nicht zu untersch√§tzenden Informationsschatz dar! Stellen Sie sich zum Beispiel vor, eine regionale Bank w√ľrde die beliebteste und meist frequentierte Skipiste der Einheimischen kennen und daher zielgruppengenau ihre Kommunikationsma√ünahmen ableiten k√∂nnen.!

Urs:
Urs: "Es wird meiner Meinung nach nicht nur wichtig sein, die jungen Generationen durch Skikursaktionen an den Wintersport heranzuf√ľhren, sondern auch ihren gewohnten Konsumanspr√ľchen gerecht zu werden, die im touristischen Kontext ja bereits bei den Billigfliegern Einzug gehalten haben!"

MM-FRAGE: "Hotel und Ticket gleichzeitig via Internet buchen und per Kreditkarte bezahlen wie beim Online-B√ľcherkauf - das wollen doch die Wintersportkunden schon heute und bald wird dieses Angebot ein Muss sein. Warum ist hier unsere Branche noch so weit hinten, wie schnell k√∂nnen wir da aufholen und welche Rolle spielt SkiData dabei?"

 

Grimm: SKIDATAT hat hier eine Vorreiterrolle √ľbernommen, denn von Anfang an waren wir bem√ľht, den technischen Entwicklungen im Bereich Internet und Mobilkommunikation mit geeigneten Access-L√∂sungen f√ľr Skigebiete zu nutzen. Ich denke dabei an die Kooperation von SKIDATAT mit bekannten √∂sterreichischen Mobiltelefonprovidern und nat√ľrlich an die Integration unserer ,'Direct to Access'-L√∂sung in die Webportale der Skigebiete. Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass man in der Tourismusbranche dieser Art des Vertriebs noch etwas skeptisch gegen√ľbersteht, weil daf√ľr zus√§tzliche Kosten anfallen. Andererseits sind die L√∂sungen f√ľr den Endkonsumenten noch relativ umst√§ndlich: man denke nur an die SMS-Buchung √ľber Handy, die zu kompliziert ist. Je einfacher der Zugang zu diesen Dienstleistungen f√ľr die G√§ste wird, desto gr√∂√üer wird ihre Akzeptanz sein. Ein interessantes Detail am Rande: als wir die Webportale der Skigebiete mit der Direct to Access-L√∂sung ausgestattet hatten, war die Nachfrage nach Weihnachtsgutscheine n f√ľr vorgekaufte Lifttickets enorm! Das w√§re eine Erfolgsstory geworden, h√§tten damals die Skigebiete diese M√∂glichkeit angeboten!"

 

MM-FRAGE: "Abschließend: Glaubst Du, dass sich die Auslastung und Wertschöpfung unserer Destinationen ganz einfach durch ein Tool wie ,Freemotion' steigern bzw. Marktanteilsverluste im Alpentourismus wieder wett machen lassen? Das klingt doch zu schön, um wahr zu sein?!"

 

Grimm: "Grunds√§tzlich sehen wir es als unsere noble Aufgabe, unseren Kunden L√∂sungen anzubieten, die es ihnen erm√∂glichen Geld damit zu verdienen. Wir k√∂nnen die allgemeinen Trends im internationalen Tourismus mit unseren Produkten nat√ľrlich nur indirekt beeinflussen. Ich denke aber, dass es unsere Aufgabe sein muss, Komfort zu steigern und den Zugang zur Leistung so einfach wie m√∂glich zu gestalten. Der Gast muss sich letztendlich wohl f√ľhlen und unsere Systeme d√ľrfen keinesfalls Anlass dazu bieten, das Urlaubsvergn√ľgen zu tr√ľben."

 

MM: "Urs wir danken Dir f√ľr das Gespr√§ch."